Archiv für Juli 2009

Die Riester Lüge

Donnerstag, 30. Juli 2009

Vielleicht haben Sie es auch schon von Ihrem Bankberater oder ihrem Versicherungsberater gehört: Die Riester-Rente lohnt sich für jeden. Die Argumente sind immer die gleichen: der Staat gibt bares Geld dazu, das muss man mitnehmen.

Und auch im ethisch-ökologischen Sektor gibt es die Riester-Rente als Angebot.

Leider ist auch bei Riester wieder etwas passiert, das man allzu häufig sieht: Man hat etwas gut gemeint und in der Theorie ersonnen, nur was in der Praxis ankommt ist nicht mehr zu gebrauchen. Der Staat wollte mit den Riester-Gesetzen die Möglichkeit für die private Altersvorsorge schaffen. Natürlich sollte alles ziemlich sicher sein und die Anmerkungen der Kritiker sollten durch starre Regeln Berücksichtigung finden.

Was dabei heraus kam ist erschreckend: Klaus Jäger, Professor an der Freien Universität Berlin, hat für die WirtschaftsWoche 6 Musterrechnungen für Riester angestellt. Das gar nicht so überraschene Ergebnis: Sparer müssen häufig über 90 Jahr alt werden, um zumindest ihr eingesetztes Kapital samt Zinsen wiederzubekommen.

Woran hängt es? Zum einen muss der heute 30jährige später seine Rente voll versteuern. Die Steuer-Ersparnis in der Ansparphase von Riester-Verträgen ist also gar nicht so richtig eine Ersparnis, es ist viel mehr eine Stundung – die Versteuerung wird in die Rentenphase verschoben. Hört sich gut an, denn in der Rentenphase könnte man eine niedrigere Einkommenssituation und damit auch niedrigere Steuersätze erwarten. Allerdings werden viele Menschen zukünftig auch in der Rentenphase auf weitere Einnahmen angewiesen sein, wie z.B. vermietete Häuser oder Nebenjobs.

Zum anderen verkaufen die Banken und Versicherungen Riester-Produkte ganz einfach über das Argument „Geld vom Staat“. Damit braucht das Produkt sich nicht mehr direkt mit anderen Anlageformen messen lassen. Eine gute Möglichkeit, hohe Gebühren in die Produkte einzubauen.

Fazit: In wenigen Fällen (i.d.R. Geringverdiener, möglichst mit vielen Kindern) ist die Riester-Rente sinnvoll. In den meisten Fällen heißt es aber: Finger weg von Riester-Produkten. Steuern zu sparen als Selbstzweck ist niemals empfehlenswert.

Geschlossene Fonds – was ist das und wofür braucht man sie eigentlich?

Dienstag, 21. Juli 2009

Geschlossene Fonds – ein anderer Begriff ist auch „Beteiligung“ – ist ein Geld-Topf, in den viele Anleger einzahlen und damit ein besonderes Projekt finanzieren. Das kann dann z.B. die Errichtung einer großen Solaranlage, einer Biogasanlage, eines Windparks oder auch eines Waldes sein.

Aus Sicht der Anleger sollten Geschlossene Fonds in jedem Portfolio sein. Denn das „ideale“ Portfolio, bei dem Rendite und Risiko im maximalen Verhältnis stehen, besteht aus 79% Renten, 1% Immobilien und 19% Private Equity. Private Equity heißt außererbörsliche Investments in Unternehmen, und genau das sind geschlossene Fonds. An geschlossenen Fonds hat der Anleger zu recht höhere Erwartungen und kann deshalb mit einer Verzinsung seiner Anlagen zwischen 6 und 15 Prozent rechnen. Aber Achtung, bei geschlossenen Fonds droht teilweise auch der Totalverlust bei grobem Mißmanagement und schwierigen Marktbedingungen.

Gerade in den heutigen Zeiten, in denen die Finanzmärkte viel Vertrauen verspielt haben, möchten viele Anleger in „greifbare“ Werte investieren. Denn selbst wenn die Finanzkrise zu extremen Situation, wie z.B. in den Zusammenbruch von Währungen wie dem Euro, führen sollte:  die Sach-Anlagen, wie z.B. ein Wald, behalten ihren Wert trotzdem.

Eine feste Größe sind weiterhin die Steuervorteile, die Geschlossene Fonds bieten. Abgeltungsteuer ist dort kein Thema, denn die Fonds sind als Unternehmen konstruiert. Die Unternehmensgewinne werden als gewerbliche Einkünfte versteuert oder, bei vermögensverwaltenden Fonds und bei Schifffonds, fast gar nicht. Bei vielen Fonds gibt es darüber hinaus einen Steuerstundungs-Effekt, denn die Steuern für die Ausschüttungen der ersten Jahre sind oftmals noch über vorherige Ausgaben abgegolten.  Die Besteuerung der Gewinne erfolgt dann also erst später. Wer seinen Ruhestand plant, kann so ganz einfach Steuer-Zahlungen aus der aktiven Erwerbstätigenzeit in die Ruhestandszeit verschieben. Weil dort in der Regel weniger verdient wird sind die Steuern auch niedriger, d.h. die Gewinne des Geschlossenen Fonds werden weniger stark besteuert.

Was ist wichtig wenn ich in einen Geschlossenen Fonds investieren möchte?

Zunächst einmal muss die Idee des Geschlossene Fonds Sie überzeugen.  Wenn der Fonds einen Zweck hat, der Ihren Vorstellungen nicht entspricht bzw. sie glauben nicht, dass sich damit Geld verdienen lässt, kommt dieser nicht in Frage. Wer glaubt, dass z.B. die Schifffahrt wegen den extrem schlechten Abgasen („schwimmende Müllverbrennungsanlagen“) nichts mit Ökologie zu tun hat, der sollte auch nicht in einen Geschlossenen Schiffsfonds investieren. Auch wenn die steuerliche Situation sehr gut ist.

Dann sollten Auszahlungsplan, Laufzeit und die Mindesteinlage in den Fonds zu Ihnen passen. Die meisten Geschlossenen Fonds sind erst ab 5.000,- oder 10.000,- Euro Mindesteinlage zu erhalten. Und wer sein Geld in 5-8 Jahren haben möchte, sollte nicht in einen Geschlossenen Fonds mit Laufzeiten von 20 oder 30 Jahren investieren, sondern in einen Geschlossenen Fonds mit 5-8 Jahren Laufzeit.

Einer der wichtigsten Punkte überhaupt ist der Initiator des Fonds.  Ist er erfahren, sowohl in der Branche in die der Fonds investiert also auch als Herausgeber Geschlossener Fonds?  Wenn große Erfahrung beim Initiator und das Vertrauen des Anlegers vorliegen, steht einem Erfolg nichts mehr im Weg.

Biogas-Invest Rogäsen: Besser abwarten

Dienstag, 14. Juli 2009

Biogas ist ein brennbares Gas, das durch Vergährung von Biomasse in Biogasanlagen hergestellt wird und zur Erzeugung von Bioenergie verwendet wird.  Damit werden Heizwärme und Strom erzeugt.

Der erzeugte Strom wird ins allgemeine Stormnetz eingespeist und dank des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) auf 20 Jahre festgelegt vergütet. Diese Vergütung ist komfortabel hoch, so dass es sich lohnt Biogas-Anlagen als geschlossene Fonds aufzulegen.

Ein solches Angebot ist die Biogas-Anlage des Initiators Bioconinvest. Dieser ist seit 1999 auf dem Markt, hat sich in 2004 auf Biogasanlagen konzentriert.  Ein aktuell angebotener Fonds ist das „Beteiligungsangebot Rogäsen“.

Nachdem 3 Beteiligungsangebote im Bereich Biogas-Anlagen erfolgreich platziert werden konnten, verzögert sich die Zulassung der Anlage Rogäsen weiter.  Statt wie geplant 2008 in Betrieb zu gehen, ist auch Mitte 2009 vom Initiator noch kein Termin zu erfahren, wann die Zulassung da sein soll (man vermutet „bald“) und wann ein der Betrieb startet. Der aktive Vertrieb ruht derzeit, auch wenn die Beteiligung weiterhin auf der Website und auf der Website anderer Unternehmen weiter angeboten wird.

Mein Fazit: Der Initiator ist derzeit nicht Herr der Lage – eine konkrete Lösung für den zu ca. 75% platzierten Fonds noch nicht absehbar. Wenn die Zulassung vorhanden ist müssen nämlich immer noch die fehlenden 25% des Fonds an Kunden vertrieben werden. Beim aktuellen Marktumfeld und bei dieser Historie keine leichte Sache.  Bei einem zweiten Fonds des Initiators, Biogas Glienick, hat zwar die Anlage die Zulassung, aber auch hier sind erst 70% platziert.