Autor: Carmen Junker 12. August 2016

Garantiezins auf Talfahrt – wichtig ist vor Jahresende zu handeln

Zusammenfassung: Der Garantiezins wird im kommenden Jahr unter die ein-Prozent-Marke rutschen. Da diese Absenkung der Mindestverzinsung sich weitreichend auf Renten- und Lebensversicherungen auswirkt, sollte die zukünftige Altersvorsorge jetzt schnell vor Jahresende gut geplant werden.

 

 

Altersvorsorge sinnvoll planen, aber nicht überstürzen.

Altersvorsorge sinnvoll planen, aber nicht überstürzen.

Das Bundesministerium der Finanzen hat entschieden: Ab dem 1. Januar 2017 wird der Höchstrechnungszins, landläufig als Garantiezins bekannt, weiter abgesenkt. Die Höhe des Garantiezinses bemisst sich an den Erträgen aus Bundesanleihen und darf höchstens 60 Prozent der durchschnittlichen Rendite ausmachen. Mit dem Garantiezins wird der Zinssatz festgelegt, den Versicherungen zur Berechnung der Garantie-Leistungen für Kunden höchstens ansetzen dürfen.

 

Da seit den neunziger Jahren die Renditen aus Bundesanleihen stetig sinken, wurde seit dem auch der Garantiezins deutlich abgesenkt. Bis 1994 lag der Garantiezins noch bei vier Prozent, bis 2007 bei 2,25 Prozent. Aktuell beträgt der Garantiezins für Lebensversicherungen und ähnliche Versicherungen 1,25 Prozent. Ab dem kommenden Jahr wird der Garantiezins dann auf 0,9 Prozent sinken. Experten der Branche betrachten diese Absenkung bereits jetzt schon als nicht weitreichend genug und gehen von weiteren Reduzierungen in den kommenden Jahren aus.

 

Die Absenkung des Garantiezinses überrascht nicht, denn die Zeiten des Hochzinses sind endgültig passé. Wer bereits Verträge zur Altersvorsorge abgeschlossen hat, erhält auch weiter die vertraglich vereinbarten Konditionen. Vereinzelt bieten Gesellschaften ihren langjährig Versicherten bereits aktiv an, diese Verträge vorzeitig aufzulösen. Ein Angebot welches man besser derzeit nicht bereitwillig einfach so annehmen sollte. Versicherungsanbieter sind jetzt gefordert, Garantiezinsen für ihre Altverträge auch zu erwirtschaften. Eine Herausforderung im aktuellen Umfeld.

 

Wer aber gerade erst mit der Planung der Altersvorsorge beginnt, muss sich mit den veränderten Realitäten im Markt auseinandersetzen, denn die Neuregelung bezieht sich auf alle neuen Verträge für Lebensversicherungen, Betriebs-, Riester- und Rürup-Renten die ab dem 01.01.2017 abgeschlossen werden. Außerhalb der Altersvorsorge verschlechtert der niedrigere Garantiezins auch die Rechnungsgrundlage für zum Beispiel Risiko-Lebensversicherungen, Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherungen.

 

Kleine Änderung – Großer Effekt

Die Absenkung des Garantiezinses wirkt sich negativ auf die unterschiedlichen Leistungen in der Altersvorsorge aus. Dabei sind besonders Verträge mit einer langen Laufzeit betroffen. Bei der klassischen Rentenversicherung sowie bei Riester- und Rürup-Produkten, sinkt die garantierte Rente. Bei der fondsgebundenen Rentenversicherungen sinkt der Rentenfaktor und damit in der Folge auch die Garantie-Rente. Wer eine bestimmte Höhe der Altersvorsorge erreichen will, muss entsprechend höhere Beiträge einzahlen. Im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung, Risikolebensversicherung und Sterbegeldversicherung ist mit Beitragserhöhungen zwischen fünf und 15 Prozent zu rechnen, um die gleichen Leistungen zu erhalten.

 

Bei Rentenversicherungen gilt es clevere Anlagestrategien in der Anspar- und Auszahlungsphase zu wählen. Denn das klassische Garantieprodukt hat nahezu ausgedient. Nur für stark sicherheitsorientierte Menschen ist die nicht fondsgebundene Rentenversicherung eine Überlegung wert. Denn bei der klassischen Rentenversicherung gilt, der bei Vertragsabschluss zugesicherte Zinssatz wird gesetzlich bis Vertragsende garantiert, außerdem profitiert der Versicherungsnehmer bei Lebens- und Rentenversicherungen durch die Überschussbeteiligung an den Erträgen des Versicherungsunternehmens, die jährlich festgelegt werden. Hinzu kommen am Ende der Laufzeit noch Schlussüberschussanteile.

 

Durchschnittlich erzielt die klassische Lebensversicherung noch bis zu vier Prozent Gesamtverzinsung. Im Vergleich dazu belaufen sich die durchschnittlichen Zinsen bei Festgeldanlagen für fünf Jahre lediglich rund 1,4 Prozent, bei Tagesgeldanlagen nur 0,6 Prozent. Das klassische Sparbuch, einst eine der beliebtesten Geldanlagen, hat mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 0,14 Prozent endgültig ausgedient.

 

 

In Ruhe informieren statt überstürzt abschließen

Umfassende Informationen und gute Beratung sind wichtig für eine optimale Altersvorsorge.

Umfassende Informationen und gute Beratung sind wichtig für eine optimale Altersvorsorge.

Verbraucherschützer raten allerdings davon ab, schnell noch eine Lebensversicherung abzuschließen, denn die aktuelle Verzinsung ist zum einen nicht enorm hoch, zum anderen wird nicht die gesamte Versicherungsprämie verzinst, sondern eben nur der Sparanteil, also die Beiträge nach Abzug der Kosten der Versicherer für Verwaltung, Risikoschutz und Vertrieb. Nur wer ohnehin sich dem Thema Altersvorsorge widmen möchte, sollte noch im laufenden Jahr aktiv werden. Wichtig ist die passende Lösung zu finden und nicht blind auf irgendwelche tollen Angebote hereinzufallen. Eine ausführliche Beratung von einem integeren Ansprechpartner ist notwendig. Zu beachten ist darüber hinaus, dass viele große Versicherer gar keine Garantien mehr an anbieten oder diese aktiv bewerben. Viele Gesellschaften gehen dazu über, ausschließlich Garantien auf die eingezahlten Beiträge zuzusagen. Durch Inkrafttreten des europäischen Versicherungsaufsichtsrechts „Solvency II“ in diesem Jahr, können Versicherungsgesellschaften größere Risiken bei ihren Investition eingehen, sofern sie ihre Rücklagen entsprechend aufstocken. Teilweise setzen Versicherer auch auf Verträge ohne verbindliche Verzinsung, bei denen Kunden verstärkt die Risiken und Chancen des Marktes mittragen.

 

Bei der staatlich geförderten Riester-Rente müssen die Anbieter garantieren, dass der Kunde mindestens genau soviel erhält, wie er eingezahlt hat. In der Praxis bedeutet das, dass der Versicherer einen Teil des Beitrags abzweigen und mit dem Garantiezins verzinsen muss, um so zumindest die gezahlten Beiträge zu Rentenbeginn garantieren zu können. Sinkt der Garantiezins, müssen im Umkehrschluss höhere Teiles des Beitrags abgezweigt werden, so dass bei vielen Riester-Verträgen 70% und mehr des Beitrags nur noch für die Garantieleistungen verwendet werden.

 

Vorsorge für das Alter sorgfältig planen

Wer in Zukunft seine finanzielle Altersvorsorge plant, sollte sich umfassend informieren. Denn Fakt ist, dass durch den demografischen Wandel und vielfältige Rentenkürzungen Millionen Menschen auf eine zusätzliche Altersversorgung angewiesen sein werden.

 

Interessant sind daher Anlagemöglichkeiten, die langfristig, sicher und ertragreich sind. Um das Alter auch in einer intakten Umwelt genießen zu können, sollten der Aspekt der Nachhaltigkeit auch in die Entscheidung mit einfließen.

 

Wieviel zusätzliche Rente im Alter benötigt wird, ist nicht einfach zu ermitteln, denn die Bedürfnisse sind nicht alle vorhersehbar. Gut ist es sicher, realistisch zu sein und mögliche Krankheiten und Pflegeleistungen mit in die Planung mit einzubeziehen.

 

Als Faustregel hat es sich bewährt, dass Arbeitnehmer neben den Beiträgen zur gesetzlichen Rente weitere zehn Prozent des Netto-Einkommens  für die Altersvorsorge zurücklegen. Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, sollten mindestens zwanzig Prozent ihrer Einkünfte einplanen.

 

Richtwert für die Altersvorsorge (Prozente bezogen auf Netto-Einkommen bei Angestellten und auf Einkommen bei Selbstständigen)

Richtwert für die Altersvorsorge (Prozente bezogen auf Netto-Einkommen bei Angestellten und auf Einkommen bei Selbstständigen)

Fondspolicen bieten echte Alternative

Wer sorgfältig seine Altersvorsorge plant, sollte seine Aufmerksamkeit auch auf Finanzprodukte außerhalb des klassischen Kanons von Lebensversicherungen sowie Riester– und Rürup-Produkte lenken. Interessante Erträge sind durch Investition in Aktienfonds möglich. Wichtig ist es hier, nicht ziellos und kurzfristig zu spekulieren, sondern eine langfristige Strategie zu verfolgen und in verschiedene Fonds zu investieren, denn nur so können negative Rendite über Jahre ausgeglichen und langfristig Erträge zwischen sechs und acht Prozent erzielt werden. Voraussetzung ist es hier, die empfohlene Anspardauer einzuhalten. Diese beträgt im Allgemeinen mindestens sieben Jahre. 

 

Fondspolicen sind für die Altersvorsorge besonders interessant. Während die Erträge aus Fonds in einem Depot einer hohen Besteuerung unterliegen, wird das Sparen in Fondspolicen erst bei der Auszahlung am Ende der Laufzeit besteuert. Wer sich dann bei Rentenbeginn das gesamte Kapital auszahlen lässt, profitiert von einer geringeren Besteuerung durch das Halbeinkünfteverfahren. Ein weiterer Vorteil einer kompletten Auszahlung: Während eine regelmäßige Rentenzahlung im Todesfall endet, bleibt das einmal ausgezahlte Vermögen für die Hinterbliebenen erhalten.

 

Wer darüber hinaus seine Vorsorgebeiträge zu 60 Prozent in Aktien und zu 40 Prozent in Rentenpapieren anlegt, kann jährlich vier Prozent seines Kapitals entnehmen, ohne dieses zu schmälern.

 

Eine interessante Alternative zu staatliche geförderten lebenslangen Renten und abseits des Marktes von Lebensversicherungen mit verschwindend geringem Garantiezins, denn durch Fondspolicen und die sogenannte vier-Prozent-Regelung wird eine solide Altersvorsorge aufgebaut, von der auch die Hinterbliebenen noch profitieren können.

 

 

 

Nachhaltige Rentenversicherung

 

 

 

Carmen Junker Verfasser des Beitrages:Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.
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