Autor: Carmen Junker 28. März 2017

Plastik im Meer – tödliche Gefahr für Tier und Mensch

Zusammenfassung: Plastik ist praktisch und vielseitig – aber aus ökologischer Sicht sicher kein optimales Material. Der beliebte Kunststoff wird energieaufwändig aus Erdöl hergestellt und ist schwierig zu entsorgen. Immer wieder landen Unmengen von Plastikmüll einfach in Meeren. Neben den Bildern von Plastikflaschen, -tüten und Kanistern gibt es aber auch noch eine unsichtbare Gefahr für die Meere: die Belastung durch Mikroplastik steigt in den letzten Jahren rasant an.

 

 

Nahrung aus Plastik macht die Seemöwe nicht satt.

Plastik ist in unserem Alltag omnipräsent: Als Material für unzählige Produkte des täglichen Lebens, in der Industrie und in der Medizin, als Verpackung, die nach kurzem Einsatz im Abfall landet oder aufwändig recycelt wird. Neben diesen sichtbaren Plastikprodukten ist der vollsynthetische Kunststoff auf Erdölbasis aber auch mittlerweile auch in der Textil- und Kosmetikindustrie beliebt.

 

Plastik hat seit seiner Erfindung vor rund einem Jahrhundert einen gigantischen Siegeszug rund um die Welt angetreten und ist kaum noch zu stoppen. Allein 60 Millionen Tonnen Plastik werden aktuell in Europa produziert. Problematisch am Kunststoff ist zum einen die energieintensive Produktion, zum anderen die ebenfalls aufwändige  Entsorgung.

 

 

Polymere im Meer – Plastikmüll im Meer nimmt zu

Rund 70 Prozent der Erde ist von Ozeanen bedeckt. Diese bilden einen unersetzlichen Lebensraum für immerhin ein Viertel aller bekannten Tierarten. Außerdem bilden die Weltmeere einen Wärmespeicher, der das Klima schützt.

 

Plastikmüll landet auf unterschiedlichen Wegen in den Weltmeeren und stellt global eine Gefahr für die Umwelt dar. Der Umweltverband WWF geht davon aus, dass zwischen 4 und 13 Millionen Tonnen Plastikmüll jedes Jahr ins Meer gelangen. Und die Tendenz ist steigend. Da Plastik mehrere hundert Jahre benötigt, bis es sich vollständig zersetzt hat, wächst der maritime Müllberg stetig weiter.

 

Abgesehen von der optischen Verschmutzung leiden unter dem Müll rund 800 Tierarten – Meerestiere und zahlreiche Vogelarten – gleichermaßen. Und selbst für die Schifffahrt ergeben sich Beeinträchtigungen durch Plastikmüll in den Schiffsschrauben. Die Müllsuppe im Meer hat aber auch wirtschaftliche Konsequenzen: Einstmals beliebte Urlaubsregionen werden für Touristen unattraktiv, wenn die Strände mit Unmengen von Plastikstrandgut übersät sind.

 

So erhielt der hawaiianische Strand Kamilo Beach an der Südwest-Spitze von Big Island bereits den unrühmlichen Beinamen „Plastic Beach“. Ebenfalls an der Küste Hawaiis endeckten Geologen vor drei Jahren ein „Plastikglomerat“, also ein künstliches festes Gestein, das aus geschmolzenen Kunststoffen, vulkanischem Gestein, Korallenstücken und Sand gebildet wurde.

 

 

Von großen Teilen …

Plastikmüll am Strand – in den Meeren ist noch mehr davon.

Zu den ökologischen Belastungen durch Plastikabfälle zählen beispielsweise konkret Geisternetze – das sind verlorene Netze aus dem Fischfang, die nicht eingesammelt werden. Die herrenlosen Netze werden vor allem Meeressäugern zum Verhängnis. Wenn sich Seehunde, Delfine oder Schweinswale in den umherirrenden Netzen verfangen, ertrinken die Tiere.

 

Plastikstücke bilden jedoch auch eine tödliche Gefahr für Seevögel. Diese picken auf der Suche nach Nahrung vermehrt Plastikteile auf. Diese verklumpen im Magen und führen bei Vögeln zum Hungertod. Schätzungen zu Folge, werden durch die anhaltende Verschmutzung durch Plastikteile im Meer bis 2050 bei nahezu jedem Meeresvogel Plastik im Magen nachweisbar sein.

 

 

… und winzigen Teilchen

Insgesamt sollen sich, so das Umweltbundesamt, bereits 150 Millionen Tonnen Abfall in den Weltmeeren befinden, 60 Prozent davon bestehen aus Plastik. Der größte Teil des Plastiks, schätzungsweise 70 Prozent, sinkt auf den Meeresboden, der Rest treibt zu gleichen Teilen auf der Wasseroberfläche oder wird an die Strände gespült.

 

Während große Plastikteile im Meer zwar ein generelles Umweltproblem darstellen, machen zusätzlich Unmengen von Mikroplastikpartikeln als unsichtbare Gefahr die Meere zunehmend unsicherer. Die winzigen polymeren Partikel haben sich ebenfalls zu einer ernsthaften ökologischen Bedrohung der Weltmeere aber auch der Binnengewässer entwickelt. Studien zu Folge sind schon 88 Prozent der Meeresfläche mit Plastikpartikeln verseucht.

 

Bereits vor 20 Jahren wurde erstmals ein gewaltiger Müllfleck im Nordpazifik als quasi „siebter Kontinent“ beschrieben. Dabei handelte es sich um eine schwarmartige Verbreitung von winzigen Plastikteilchen. Mittlerweile sind ähnliche Phänomene auch im Nordatlantik, in der Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und sogar in Teilen des arktischen Ozeans aufgetreten.

 

 

Mikroplastik: Kleine Partikel – großer Schaden

Mikroplastik bezeichnet Plastikstücke, die kleiner als 5 Millimeter. Dabei wird zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik unterschieden. Sekundäres Mikroplastik bezeichnet die winzigen Zersetzungsprodukte der Polymere generell, also sowohl die von der UV-Strahlung der Sonne und dem Salz des Meeres zerriebenen Plastikabfälle, als auch der Abrieb von primärem Mikroplastik.

 

Augen auf beim Kosmetik-Kauf: in vielen Produkten steckt Mikroplastik.

Primäres Mikroplastik bezeichnet die Plastikpartikel, die vielen Produkten zugesetzt werden. Sie können aufgrund ihrer Größe in den Klärwerken zurückgehalten werden. Die winzigen Teilchen verursachen ein riesiges Problem, denn der Anteil von primärem Mikroplastik wächst stetig an. Die Partikel können nicht biologisch abgebaut werden und zerfallen in immer kleinere Teilchen.

 

Zum primären Mikroplastik gehören die winzigen Partikel, die als Granulate in kosmetischen Produkten wie beispielsweise Peelings, Shampoos, Seifen und Zahnpasta zugesetzt werden. Außerdem werden sie Reinigungsmittel, etwa Scheuermilch, zugesetzt oder in der Industrie bei Reinigungsstrahlern von Werften eingesetzt. Ebenfalls dienen sie in der Medizin als Vektor für Arzneiwirkstoffe.

 

Bei jedem Waschgang landet eine ganze Menge dieser flauschigen Mikrofasern im Abwasser.

Hinzugekommen ist eine starke Belastung durch Mikropartikel aus synthetischer Kleidung. Hier sorgen unter anderem die beliebten Kleidungsstücke aus Fleece, meist einem Mischgewebe aus Polyester und Polyacryl, für eine Schädigung der Gewässer. Denn bei jedem Waschgang verlieren die Kleidungsstück Mikrofasern, die über das Abwasser in Flüsse, Seen und Meere gelangen. Auch hier steigt die Tendenz an, denn bereits rund drei Viertel aller weltweit produzierten Gewebe bestehen aus Chemie-Fasern, also aus Plastik. Bei jeder Wäsche verliert eine Fleecejacke rund 2.000 Fasern, die aufgrund ihrer Größe leicht das Fusselsieb der Waschmaschine umgehen. Das Problem betrifft nicht nur Fleece, sondern sämtliche synthetischen Textilien, wie beispielsweise Sport- und Funktionsbekleidung.

 

Wer lieber Kleidung aus Naturfasern kaufen möchte, muss mittlerweile genau das Etikett beachten, denn die synthetischen Gewebe ahmen die klassischen Baumwoll- und Wollstoffe nahezu perfekt nach. Eine Entwicklung, die auch angesichts des hohen Kleiderkonsums in den Industrienationen, kaum zu stoppen ist. Die Lösungen dieses wachsenden Problems sind vielfältig.

 

Ein Weg ist ein bewusster Konsum gemäß der Devise „Qualität vor Quantität“ und die Bevorzugung von natürlichen Materialien, am besten in Bio-Qualität. Eine Alternative ist auch das Zurückhalten der schädlichen Mikrofaser in der Waschmaschine. Dazu haben Erfinder einen speziellen Waschbeutel entwickelt, der Mikroplastik in der Waschmaschine sammelt, damit es im Restmüll landet und nicht im Abwasser. Auch niedrige Waschtemperaturen und Kurzprogramme helfen, weniger Mikrofasern auszuspülen.

 

 

Plastikpartikel in Fischen und Meeresfrüchten

Mikroplastik ist mittlerweile bei fast allen Meerestieren nachweisbar

Plastisch werden die zahlreichen ökologischen Schäden, die Plastik in den Ozeanen verursacht, wenn es um den Fischfang geht. Ein Aspekt, der die Auswirkungen der Kunststoffbelastung direkt zurück auf den Teller des menschlichen Verursachers bringt und die Gefahren unmittelbar deutlich macht. Mikroplastik ist, so die Umweltorganisation Greenpeace,  in der Nahrungskette längst angekommen und sowohl im kleinsten Plankton nachzuweisen, wie bei den beliebten Speisefischen wie beispielsweise Thunfisch, Kabeljau und Makrele, ebenso bei Muscheln und Garnelen.

 

Durch den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten nehmen Menschen das Mikroplastik auf, inklusive der Schadstoffe, die im Plastik enthalten sein können, wie etwa Weichmacher. Hinzu kommen die Schadstoffe aus der Umwelt, die sich an den Mikropartikeln ansammeln. Während in den 1980er Jahren Wissenschaftler noch davon ausgingen, dass Mikroplastik keine besondere Umweltrelevanz habe, da auf ihnen auch eine Besiedlung von Algen und Kleinstorganismen nachgewiesen werden konnte, hat hier ein Umdenken stattgefunden. Zwar sind die Auswirkungen noch nicht vollständig erforscht, was den menschlichen Organismus anbelangt, wird jedoch heute vermutet, dass Plastik im Körper den Hormonhaushalt negativ beeinflusst und für Entwicklungsverzögerungen sowie Krebserkrankungen verantwortlich zeichnen kann.

 

 

Plastikverbrauch reduzieren

Plastikmüll, gleich ob es sich um Flaschen, Tüten, Kanister handelt oder um Mikroplastik unterschiedlichstem Ursprung, hat in den Ozeanen nichts zu suchen.

 

In Ländern ohne kontrollierte Abfallsammlung ist die Gefahr besonders groß, dass Abfälle – und damit auch der Plastikmüll – über ungesicherte wilde Mülldeponien in die Flüsse und schließlich ins Meer gelangt. Südostasien bildet dabei eines der direkten „Vermüllungszentren“.

 

Um Plastikmüll in den Meeren zu reduzieren, ist eine zuverlässige Kontrolle der Abfallwirtschaft wichtig, allerdings muss auch der enorme Plastikverbrauch weltweit drastisch reduziert werden. Dabei stehen alle Staaten in der Pflicht. Aber auch die Industrie und Verbraucher sind aufgefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen.

 

 

Primäres Mikroplastik stoppen

Während die Säuberung der Weltmeere vom Plastikmüll ein gewaltiger Schritt wäre, ist es vergleichsweise einfach, der weiteren Belastung durch primäres Mikroplastik Einhalt zu gebieten. So haben bereits mehrere Staaten den Einsatz von Mikroplastik in Körperpflegeprodukten verboten. Vorreiter sind hier Kanada, Teile der USA sowie die Niederlande, Großbritannien folgt mit einem Verbot Ende 2017.

 

In Deutschland setzt die Bundesregierung derzeit auf eine freiwillige Selbstverpflichtung mit den konventionellen Herstellern. Im Rahmen eines „Kosmetik-Dialogs“ wurde ein Verzicht auf Mikroplastik in Kosmetika bis 2020 beschlossen. Biomarken verzichten ohnehin auf Mikroplastik und setzen für Peeling-Effekte auf natürliche Stoffe, wie beispielsweise Kieselmineralien und Wachskügelchen.

 

Der Anteil des Mikroplastiks aus kosmetischen Produkten macht zwar lediglich 0,1 Prozent des Mikroplastiks in der Umwelt aus, so eine dänische Studie. Angesichts der enormen Mengen von Mikroplastik wäre eine Eindämmung der Flut von Plastikteilchen sicher ein Schritt in die richtige Richtung.

 

 

In den Schutz der Weltmeere investieren

Auch wenn eine große globale Lösung zum Schutz unserer Weltmeere wünschenswert wäre – auch viele kleine Schritte führen ans Ziel, sie müssen nur gegangen werden. Und oft werden die Schritte während des Gehens immer größer, denn wer seinem Ziel immer näher kommt, ist  motiviert zum Weitermachen.

Ein Schritt in die richtige Richtung ist sicher, Unternehmen und Staaten zu unterstützen, die aktiv unsere Ozeane schützen. Wie groß Ihr persönlicher Schritt ausfällt, bestimmen Sie selbst. Grünes Geld, erfahrener Anbieter nachhaltiger Geldanlagen, hält ein breites Portfolio – beispielsweise an Wasserfonds. Im Rahmen einer fairen Beratung finden alle Anlegertypen ihr passendes Investment.

 

Gehen Sie den ersten Schritt und machen Sie den Grünes Geld Test.

 

 

Carmen Junker

Verfasser des Beitrages: Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.

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