Autor: Carmen Junker 1. Juli 2016

Vegan leben – Klimawandel aufhalten

Zusammenfassung: Fleischesser, Flexitarier, Vegetarier, Veganer – Ernährungsfragen sind ein gesellschaftliches Thema geworden. Was wir essen ist nicht mehr alleine eine Geschmacksfrage. Vielmehr ist bewusste und gesunde Ernährung ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

 

Sommerabende und Wochenenden mit Freunden: Grillen gehört einfach dazu. Gemeinsam unter freiem Himmel Feuer zu entfachen und Speisen zuzubereiten entspannt. Die unterschiedlichen Gerüche, das vielfältige Grillgut und die oft farbenfrohen Beilagen sprechen nahezu alle Sinne an. Doch häufig wurde schon am heimischen Grill so manche heiße Diskussion entfacht. Und zwar immer dann, wenn ein Gast Steak und Würstchen verschmäht oder sogar den – schon recht etablierten – Grillkäse ablehnt. „Fleisch oder nicht Fleisch“, so lautet dann die Frage.

Aufgewachsen mit dem Slogan „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“, den die Centrale Marketing-Gesellschaft der Agrarwirtschaft (CMA) seit den späten sechziger Jahren proklamierte, standen die Fleischverweigerer lange im Rechtfertigungszwang. Doch Vegetarier und Veganer befinden sich im Vormarsch und stellen ihrerseits den immensen Fleischkonsum kritisch in Frage.

 Interesse steigt an veganem und vegetarischem Leben

Eine vegane Grillparty ist kein Paradoxon.

Eine vegane Grillparty ist kein Paradoxon.

Das Bochumer Zukunftsinstitut Landwirtschaft hat ermittelt, dass aktuell jeder Mensch auf der Erde jährlich im Schnitt 42 Kilogramm Fleisch verbraucht. In Deutschland sind es rund 60 Kilogramm pro Person.

Nachdem der Fleischkonsum jahrelang angestiegen ist und die Fleischpreise durchschnittlich gesunken sind, nimmt jetzt der Fleischverbrauch in Deutschland erstmals leicht ab. Verantwortlich dafür ist der steigende Anteil der Veganer und Vegetarier. Das Statistik-Portal der Statista GmbH mit Sitz in Hamburg ermittelte für das Jahr 2012 rund 7,12 Millionen (acht bis neun Prozent) Vegetarier in Deutschland. Hinzu kommen 700.000 Veganer.

Darüber hinaus ernähren sich zunehmend viele Menschen als bewusste Flexitarier. Diese „Teilzeitvegetarier“ verzichten an drei oder mehr Tagen in der Woche auf Fleisch.

 

Ernährung mit Emotion

Fleischliebhaber, Flexitarier, Vegetarier und Veganer – eine sachliche Diskussion zwischen den Gruppen ist schwierig. Welche Art der Ernährung ein Mensch bevorzugt, ist in unserer Gesellschaft zum einen mit Traditionen verbunden, zum anderen mit dem persönlichen Lebensstil. Generell steht der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung jedes Nahrungsmittel ausreichend zur Verfügung. Kein Wunder also, dass die Fleisch-Debatte sehr emotional geführt wird. Sowohl am heimischen Grill, wie auch in der Politik.

 

Vernunft statt Bevormundung

Im Bundestagswahlkampf 2013 forderten die Grünen die Einführung eines sogenannten Veggie-Days als bundesweiten Standard. Ein Veggie-Day bezeichnet einen Tag in der Woche, an dem sich Gemeinden und Städte sowie öffentliche und private Einrichtungen verpflichten, in ihren Großküchen keine Fleischgerichte anzubieten. Das Thema avancierte kurzzeitig – nicht zuletzt durch die sozialen Medien – zum Wahlkampfthema Nummer eins. Während die Gegner die Bevormundung verurteilten, wiesen auch Befürworter auf die Schwierigkeiten hin, einen Veggie-Day verbindlich durchzusetzen. Auch wenn das Thema auf institutioneller Ebene im Sande verlief, die Grundidee hat sich durchaus durchgesetzt. Viele Kantinen und Restaurants führten erfolgreich einen eigenen Veggi-Day ein. Vorreiter war hier die Hansestadt Bremen, die bereits seit 2010, unterstützt durch die Bürgerstiftung Bremen, den fleischfreien Donnerstag in Großküchen und Kantinen umgesetzt hat. Vorbild mag hier Belgien gewesen sein: Seit 2009 wird in der Stadt Gent an Donnerstagen fleischfrei serviert. Am vegetarischen Angebot beteiligen sich hunderte Restaurants und Kantinen freiwillig.

 

Thema ins Bewusstsein rücken

Vegetarisches und veganes Leben – das Thema ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Beides ist auch nicht neu, doch während in den vergangenen Jahrzehnten eine fleischlos beziehungsweise komplett vegane Lebensweise sehr stark individuell und ethisch geprägt war, rückten in den vergangenen Jahren vermehrt die umwelt- und klimapolitischen Aspekte des Fleischkonsums und der Massentierhaltung in den Vordergrund der Diskussion.

 

Ein Kuhstalldach sagt mehr als tausend Zahlen

Zahlenwerk rund um die Massentierhaltung weltweit und in Deutschland beeindrucken oft nur kurz. Viel Eindruck hinterließen jedoch Anfang 2014 rund 90 Milchkühe aus dem Landkreis Fulda: Sie riefen die örtliche Feuerwehr mit Gasmessgeräten auf den Plan. Das Rülpsen und Furzen der Kühe setzte eine so große Menge des klimaschädlichen Gas Methan frei. Dieses entzündete sich, so dass es mit einer Stichflamme verpuffte und das Stalldach beschädigte. Methan ist ein hochgiftiges Treibhausgas, dass einen mehr als zwanzigmal stärkeren Einfluss auf den Klimawandel hat als Kohlendioxid (CO2). Eine durchschnittliche Zuchtkuh stößt täglich bis zu 200 Liter Methan aus. Bei schätzungsweise 1,5 Milliarden Kühen weltweit ist der Beitrag der Rindfleisch- und Milchproduktion am Klimawandel enorm.

 

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Vegane Lebensweise schützt das Klima

An vielen Orten in der Welt ist der Klimawandel schon sichtbar.

An vielen Orten in der Welt ist der Klimawandel schon sichtbar.

Ging die Diskussion bislang vornehmlich um den Fleischverzicht, zeigt das Beispiel der Kühe deutlich, dass auch die Milchwirtschaft an der Produktion des Treibhausgases Methan beteiligt ist. Und auch hier ist vielen noch der CMA-Slogan der siebziger Jahre im Gedächtnis: „Die Milch macht’s“. Gerade eine milchfreie Ernährung läuft den Ernährungsgewohnheiten vieler Menschen so stark entgegen, dass die vegane Ernährung entsprechend schnell als Mangelernährung gebrandmarkt wird. Dagegen steht jedoch, dass sich gerade Veganer sehr intensiv mit ihrer Ernährung auseinandersetzen und mehrheitlich überdurchschnittlich gut informiert sind.

Unbestrittener Fakt ist: Wer Gemüse isst, produziert weniger Treibhausgase als Fleischesser. Natürlich verursachen Anbau, Transport, Lagerung, Kühlung und Verkauf von Nahrungsmitteln generell die Emissionen von Treibhausgasen. Dennoch stehen den direkten Emissionen sogenannte indirekte Emissionen gegenüber. Diese entstehen etwa durch die veränderte Nutzung von Land. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Umwandlung von tropischen Regenwäldern in Weideland für die Fleischproduktion. Die Umweltorganisation WWF geht in ihrer Studie „Klimawandel auf dem Teller“ davon aus, dass nahezu 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen die mit unserer Ernährung zusammen hängen, auf tierische Produkte zurückzuführen sind. Eine vegane Ernährung entspricht damit rund 230 Milliarden eingesparter PKW-Kilometer. 

Auch das Bundesministerium für Umwelt empfiehlt im Rahmen seiner Kampagne „#ziek – Zusammen ist es Klimaschutz“ eine Ernährung mit möglichst wenig tierischen Lebensmitteln. So ließen sich bis zu 600 Kilogramm CO2 pro Jahr einsparen.

 

Nachhaltige Anlagen gegen die Erderwärmung

Nicht nur mit der individuellen Lebensweise lässt sich das Klima schützen. Auch die ganz persönliche Finanzplanung kann einen wichtigen Beitrag gegen die globale Erderwärmung leisten, denn ökologische Investments können bis zu 40 Prozent weniger CO2-Ausstoß bewirken. Das Rezept ist einfach: Fossile Energieträger bleiben im Boden. Stattdessen wird in Unternehmen investiert, die auf erneuerbare Energieträger setzen, wie beispielsweise Solar-Energie und Windkraft.

 

Versuchung statt Verzicht

Klimaschutz schmeckt. Dass Veganer lustlos und mit fahlem Gesicht an einer schrumpeligen Karotte kauen, dieses Klischee gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Vegane Küche boomt. – Zurück zum sommerlichen Grill vom Anfang: Ein veganer Grillabend ist kein Paradoxon sondern eine Einladung, die eingefahrenen Pfade zu verlassen, regionales Gemüse zu genießen, Soja, Seitan und Tofu kennenzulernen und Versuchung statt Verzicht zu verspüren.

 

P.S. Wer Grillkohle in seiner Freiluftküche verwendet, geht bei Kohle mit dem FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) sicher, dass auch hier Klimaschutz betrieben wurde.

 

 

Carmen Junker Verfasser des Beitrages:Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.

 

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