Autor: Gerd Junker 23. September 2016

Deutsche Bank: Müssen Anleger wegen der jüngsten 14 Milliarden-Forderung um Ihre Sparkonten fürchten?

 

Das größte deutsche Bankhaus kommt immer mehr ins Trudeln – nach Jahren der moralischen Verfehlungen werden die finanziellen Konsequenzen immer besorgniserregender. Aktuell sorgt eine US-Forderung über Strafzahlungen in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar dafür, dass die Diskussion um die Finanzkraft des Schmuddel-Instituts wieder aufflammt. Müssen Anleger um Ihre Einlagen auf Bankkonten und Girokonten bei der Deutschen Bank fürchten?

 

 

 

Was ist der Auslöser für die gewaltigen Probleme?

 

Aktuell wird in den Vereinigten Staaten gegen die Deutsche Bank wegen unrechtmäßigen Immobilien-Geschäften in den Jahren vor 2008, also vor Platzen der Immobilien-Blase, ermittelt. Die Geschäfte der Bank sollen mitgeholfen haben, dass faule Kredite gebündelt und dann, als sicher etikettiert, weiter gehandelt wurden. In der Folge wurden immer mehr Kredite vergeben, immer mehr Häuser gebaut und die Preise der Häuser stiegen immer weiter. Letztlich wurde mehr gebaut als benötigt, eine Blase baute sich auf und führte zum Beinahe-Crash des Weltfinanzsystems 2008.

 

Das US-Justizministerium fordert nach durchgesickerten Informationen die unerwartet hohe Summe von 14 Milliarden US Dollar, umgerechnet rund 12,5 Milliarden Euro, um den Rechtsstreit beizulegen.

 

Das prekäre dabei: die Deutsche Bank hat für ihre zigtausende Rechtsrisiken nur ca. 5,5 Milliarden Euro in der Bilanz zurückgestellt.

 

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Ständig vor Gericht: die gewaltigen Rückstellungen für Rechtsrisiken reichen der Deutschen Bank wohl nicht aus (Grafik: Grünes Geld GmbH)

 

Wie könnte die Lösung aussehen?

 

Zunächst geht die Deutsche Bank selbst nicht davon aus, dass Forderungen in dieser Höhe wirklich gezahlt werden müssen. Vergleiche mit anderen Banken zeigen, dass teilweise deutlich niedrigere Strafen gezahlt wurden. Doch meist handelte es sich um US-amerikanische Institute, die nachweislich von der US-Justiz besser als ausländische Institute behandelt werden.

 

Das zeigte laut Angaben des Handelsblattes der Hongkonger Finanzforscher Utpal Bhattacharya in einer Untersuchung von 2006 auf, die belegte, dass Ausländer in den USA häufiger vor Gericht verlieren und höhere Strafen zahlen müssen. Und dass es eine Lücke gab und die Forderungen frühzeitig durchgesickert sind, ist ebenfalls kein gutes Zeichen für die Deutsche Bank. Es zeigt eine aggressive Gangart der Amerikaner an und verschlechtert die Verhandlungsposition, denn nun können sich die Behörden nur schwierig auf eine niedrigere Forderung einlassen.

 

Die tatsächliche Höhe der verhandelten Forderung dürfte also in der Tat niedriger als bei 12,5 Mrd. Euro liegen, doch möglicherweise reichen die Rückstellungen der Deutschen Bank von 5,5 Mrd. für Rechtsrisiken nicht aus. Schließlich müssen die 5,5 Mrd. Euro noch für viele andere Prozesse reichen.

 

Clemens Fuest, Präsident des renommierten Ifo-Instituts, wird deshalb im Handelsblatt mit “Die Deutsche Bank wird diese Strafe nicht ohne Kapitalerhöhung bezahlen können” zitiert. Woher das zusätzlich Kapital kommen soll, ist heute noch völlig offen.

 

 

 

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Ständig Quartalsverluste, ausfallende Dividende: auch die wirtschaftlichen Kennzahlen der Deutschen Bank sind niederschmetternd (Grafik: Grünes Geld GmbH, Angaben in Mio. Euro)

 

 

 

Eine klassische Kapitalerhöhung würde über die Ausgabe neuer Aktien an der Börse erfolgen. Doch aufgrund der massiven Probleme könnten neue Aktien nur zum Ramsch-Preis ausgegeben werden. Keine attraktive Option.

 

Eine andere Option sind Notverkäufe – Teile der Bank könnten abgespalten werden. Doch schon der beschlossene, und im Juli 2016 wieder in Frage gestellte Verkauf der Postbank  (Bericht im Manager-Magazin), zeigt, dass unattraktive Angebote kaum Interessenten finden. Schlechte Verkaufspreise müssen ohnehin einkalkuliert werden.

 

Bliebe schließlich die Politik, die notfalls einspringen könnte. Doch auf den Fluren in Berlin zeigt sich, dass niemand Freude an einer Rettungsaktion der stark kritisierten Deutschen Bank hätte. “Staatshilfen für die Deutsche Bank wären dem Bürger nur schwer zu vermitteln” wird ein Kabinettsmitglied im Handelsblatt zitiert. Besonders vor dem Hintergrund der aufziehenden Bundestagswahl 2017 also auch keine wirkliche Option.

 

Wie kritisch ist die Lage für Spareinlagen bei der Deutschen Bank?

 

Die Deutsche Bank hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren von einem Vorzeige-Institut mit hohen Werten und über die Landesgrenzen hinaus anerkannten Persönlichkeiten an der Spitze wie Alfred Herrhausen oder Hermann Josef Abs, zu einem Institut entwickelt, in dem hohe finanzielle Renditen der einzige Maßstab sind. Trauriger Höhepunkt bleibt die Forderung von Josef Ackermann nach 25 Prozent Rendite auf das eingesetzte Kapital.

 

Moralisch-ethische Ansprüche wurden praktisch komplett über Bord geworfen. Kredite an Atomkraftwerksbetreiber, Wetten auf Lebensmittel oder Streumunition in Riester-Verträgen blieben und bleiben auf der Tagesordnung. Gerade im Zuge der zunehmenden Orientierung der Menschheit in Richtung Nachhaltigkeit eine fatale Strategie, die in den letzten 2- bis 3 Jahren auch die wirtschaftliche Stabilität der Bank stark in Mitleidenschaft gezogen hat.

 

Die Wirtschaftswoche zeigt eine “Chronik des Versagens der Deutschen Bank” auf.

 

Doch wie kritisch müssen das Anleger sehen, die Geld auf Sparkonten, Sparbriefen, Tagesgeldkonten oder Girokonten der Deutschen Bank haben? Diese Gelder wären im Falle einer Insolvenz der Bank gefährdet. Und Banken sind für Insolvenzen besonders anfällig, denn nur ein Teil Ihrer Kredite muss durch Einlagen gedeckt sein. Kommt also eine negative Stimmung gegenüber einer Bank auf und die Anleger heben in Scharen ihr Geld ab, sinken die Einlagen sehr rasch und können zu einer überraschenden Schieflage führen. Das kündigt sich leider kaum vorher an, wie der Bank-Run bei Northern Rock oder die berühmte Pleite von Lehman Brothers zeigen.

 

Eine ganz konkrete Gefahr für die Spareinlagen lässt sich aktuell nicht erkennen. Da bei Banken die Abwärtsspiralen aber manchmal sehr plötzlich beginnen, sollten Anleger maximal 100.000 Euro in Spareinlagen dort halten. Das ist zumindest die europaweit geltende Einlagensicherung, die wohl auch im Krisenfall eingehalten werden dürfte.

 

Wer ethisch-ökologisch orientiert ist, sollte ohnehin ein Engagement bei der Deutschen Bank kritisch prüfen. Alternativen wie GLS Bank, Ethikbank oder Triodos Bank stellen in den meisten Fällen die deutlich besseren Lösungen dar.

 

Wer statt Spareinlagen lieber auf Wertpapiere setzen möchte findet bei unseren Musterdepots für Vermögensaufbau schwankungsarme, ausbalancierte und wachstumsorientierte Vorschläge:

 

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Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.
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