Autor: Gerd Junker 13. Juli 2017

Europas Hauptstädte im Energievergleich – unser Beitrag zum Klimawandel

Zusammenfassung: Der Energieberater Utilitywise hat eine interaktive Energiekarte mit dem Pro-Kopf-Verbrauch verschiedener europäischer Städte erstellt. Wichtig: der Energieverbrauch ist nicht gleichzusetzen mit den Treibhausgas-Emissionen, denn die Energie-Gewinnung unterscheidet sich stark.

 

 

 

Die Energiekarte von Utilitywise zeigt den Energieverbrauch pro Kopf und Jahr.

Vor dem aktuellen Hintergrund des Ausscheidens der USA aus dem Pariser Klimaabkommen wird mit besonderer Dringlichkeit bewusst, dass in Fragen Umweltschutz zusammengearbeitet werden muss. Das Versprechen der EU, bis 2030 die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40% zu senken, scheint hoch gesteckt, haben manche Länder doch noch starke Defizite im umweltbewussten Energieverbrauch.

 

 

 

Die interaktive Karte erklärt den Energieverbrauch und die CO2-Bilanz 19 europäischer Hauptstädte im Vergleich und beleuchtet Gründe für die teilweise stark abweichenden Ergebnisse.

 

 

 

 

 

Höchster Energieverbrauch bedeutet nicht gleich größter CO2-Fußabdruck

 

 

Den höchsten Energieverbrauch pro Kopf weist die isländische Hauptstadt Reykjavik auf, mit 204.490,29 kWh. Diese Zahl scheint erschreckend, wenn man bedenkt, dass Dublin auf Platz 2 mit 43.449,68 kWh pro Jahr und Kopf weniger als ein Viertel dessen verbraucht.

 

Die Gründe dafür sind jedoch einleuchtend: das kalte Klima Islands und die wenigen Sonnenstunden im Winter erfordern einen hohen Strom- und Wärmeenergie-Verbrauch das ganze Jahr über. Glücklicherweise stammen 81% der produzierten Energie des Landes aus Erneuerbaren Energiequellen, beim Elektrizitätsbedarf sind es sogar 100%. Des Weiteren kommen 90% der Heizenergie aus Geothermiequellen, wodurch Island, trotz des enormen Energieverbrauchs, nur einen geringen Anteil an der europäischen CO2-Bilanz verantworten muss.

 

Die einzigartige Vulkanlandschaft Islands und die unendlichen Wasservorräte erlauben eine Energiepolitik mit Zukunft: ein Projekt, das konventionelle Geothermie-Bohrungen durch Magma-Felder ersetzen soll, die ein Vielfaches der Kraft von herkömmlichen Wasserdampf erzeugen können, startete dieses Jahr und soll, falls alles nach Plan verläuft, dann grüne Energie nach Europa exportieren.

 

 

 

Ist Europa sauber?

 

 

Europas Norden macht umweltfreundliche Energiewirtschaft vor. In Kopenhagen beispielsweise, besitzen gerade mal 29% der Einwohner überhaupt in Auto. Das Vorhaben der Stadt von 2005, den CO2-Ausstoß bis 2015 um 20% zu senken, haben die Dänen schon 2011 erreicht und auch das neue Ziel, die erste CO2-neutrale Stadt der Welt zu werden scheint erreichbar.

 

Um das zu schaffen, sollen CO2-Abgase im Straßenverkehr durch den Ausbau erneuerbarer Energien gesenkt und der öffentliche Nahverkehr gestärkt werden. So startete im März dieses Jahres die erste CO2-neutrale Buslinie. Eine Verbesserung der Fahrradwege führte außerdem dazu, dass mittlerweile 62% der Einwohner mit dem Rad zur Arbeit fahren.

 

Ähnlich sieht es in London aus, wo ab September 2020 eine Ultra-Null-Emissions-Zone im Stadtkern entstehen wird. Die englische Hauptstadt, deren Energieverbrauch auf die vielen Bürogebäude und den hohen Pendlerverkehr zurückgeht, hofft seine CO2-Emissionen bis 2025 um 70% senken zu können.

 

Oslo und Stockholm nutzen ihre geographisch günstige Lage und setzen auf Energie aus Wasser und Wind. In beiden Fällen wird ein Großteil des Wärmebedarfs außerdem aus Abfall gewonnen, in Stockholm sind es sogar über 80%.

 

Oslo nutzt bisweilen importierten Abfall aus England zur Heizenergiegewinnung und hält damit den CO2-Ausstoß niedrig. In Norwegen bemüht man sich insbesondere im öffentlichen Transportsektor auf erneuerbare Energien zu setzen und das mit positiven Folgen: Oslos Energieeffizienz macht die Stadt zu eine der umweltfreundlichsten Europas.

 

 

 

Wenn der Verkehr zum Problem wird

 

 

Leider hat nicht jede Stadt eine so vorbildliche CO2-Bilanz wie die Nachbarn im Norden aufzuweisen. Im Falle Dublins führen das hohe Verkehrsaufkommen und der damit verbundene Benzinimport dazu, dass die irische Hauptstadt die meisten Treibhausgas-Emissionen-pro-Kopf Europas erzeugt.

 

 

Brüssel und Rom schneiden vergleichbar ab. In der italienischen Hauptstadt fahren jeden Tag 56% der Einwohner mit dem Auto zu Arbeit, in Brüssel sind es sogar 63%. Andernorts wird versucht durch strenge Auflagen oder eine hohe Maut für besonders umweltschädliche Fahrzeuge die Zahl der Autofahrer zu senken. In Budapest fahren dadurch nur noch ca. 31% mit dem Auto zur Arbeit.

 

 

 

Deutschlands Anteil an der CO2-Bilanz

 

 

Der Energieverbrauch in der deutschen Hauptstadt liegt bei 24.225,29 kWh, womit Berlin auf dem 9. Platz leicht über dem Durchschnitt liegt. Die verstärkte Zuwanderung seit 2015 und die gute Konjunktur lassen zusätzlich einen Anstieg des Stromverbrauchs für 2017 vermuten.

 

 

Im europäischen Vergleich erzeugte Deutschland in den letzten Jahren mit Abstand am meisten Treibhausgase. Laut des Klimaabkommens von Paris dürften jährlich nicht mehr als 220 Millionen Tonnen CO2-Emissionen erzeugt werden – ein Wert der in diesem Jahr schon im April überschritten wurde. Dabei sollte die Energiewende zur Priorität gemacht werden, wenn der Anteil erneuerbarer Energien bis 2050 auf 80% erhöht werden möchte.

 

 

Dafür geht es jedoch nicht schnell genug voran. Von 2015 auf 2016 stieg der Anteil der erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung lediglich um 0,2%, im Verkehrs- und Wärmesektor sinken die Zahlen sogar leicht.

 

 

Es gibt jedoch Grund zur Hoffnung: insbesondere der Ausbau von Windenergie und Photovoltaik schreitet weiter voran in Deutschland. Bei der Wärmeerzeugung sind vor allen Dingen Solarthermieanlagen und der biogene Anteil des Abfalls ausgebaut.

 

 

 

Die CO2-Schleudern des Ostens

 

 

Prag (18.654,52 kWh) und Warschau (13.828,07 kWh) verzeichnen nach Lissabon, mit 13.502,43 kWh, den niedrigsten Energieverbrauch und gleichzeitig zwei der höchsten CO2-Emissionswerte in Europa.

 

Hauptursache dafür ist, dass Energie noch hauptsächlich aus Kohlekraftwerken gewonnen wird, die zum Teil älter als 60 Jahre sind. Das führt zu gesundheitlichen Problemen und hohen Umweltbelastungen durch die enorme Luftverschmutzung. Trotzdem gelten erneuerbare Energien oft noch als zu teuer und unzuverlässig, weshalb zum Beispiel in Warschau 78% der gesamten Treibhausgasemissionen des Landes aus der Strom- und Wärmeenergieerzeugung kommen.

 

Prag leidet ebenfalls unter der hohen Umweltbelastung. Schon mehrfach wurde dort die Grenze für Feinstaubwerte in der Luft überschritten. Naheliegende Lösungen, wie die Anzahl der Autos in den Straßen der Stadt zu begrenzen oder Umweltzonen zu errichten, blieben bis heute ungenutzt.

 

 

 

Alles nicht mein Problem?

 

 

In Nordeuropa wird zur Zeit eindrucksvoll bewiesen, dass die klimatischen und geographischen Bedingungen eines Landes die Energiepolitik maßgeblich beeinflussen. Natürlich Ressourcen bestimmen, welche erneuerbaren Energiequellen überhaupt genutzt werden können. Zusammen mit der energiepolitischen Ausrichtung einer Regierung, fährt jedes Land also seinen ganz eigenen Kurs hin zur Energiewende.

 

Die CO2-Emissionen zu reduzieren, kann aber nicht nur Ziel des Staates sein, sondern ist auch eine Frage des eigenen Verhaltens: nachhaltige Konsumentscheidungen und umsichtiger Energieverbrauch sind wichtig, um die EU in dem Vorhaben zu unterstützen, den CO2 Fußabdruck zu verringern.

 

Der Umstieg auf erneuerbare Energien lohnt sich nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privathaushalte immer mehr. Insbesondere die Fortschritte in der Sonnenenergie sind keine Zukunfts-Vision mehr, sondern werden immer kostengünstiger und einfacher in den Alltag zu integrieren sein.

 

 

 

 

 

 

Portraitfoto Gerd Junker

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

 

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