Autor: Gerd Junker 30. Oktober 2017

Wie kann ich 30.000 Euro sinnvoll investieren?

Zusammenfassung: Viele Anleger stehen plötzlich vor der Entscheidung, Geld anlegen zu müssen. Aber die Banken zahlen keine Zinsen mehr. Am Beispiel 30.000 Euro Anlagesumme zeigen wir interessante Möglichkeiten zur sauberen und rentierlichen Geldanlagen auf.

 

Ein Vertrag läuft aus oder eine Erbschaft kommt und schnell stellt sich die Frage: wie kann ich Geld in der heutigen Zeit sinnvoll anlegen? Zum Beispiel 30.000 Euro.

 

Aus dem sogenannten risikolosen Zins – also den Zinsen auf Staatsanleihen oder Bankeinlagen – wurde längst das zinslose Risko; es gibt nämlich keine (spürbaren) Zinsen mehr, während spätestens seit der Finanz- und der Euro-Krise klar ist, dass auch Staaten und große Banken insolvent werden können.

 

 

Außerdem möchten die wenigsten Menschen mit Ihrem Geld noch die Spekulation auf Lebensmittel, die Massentierhaltung oder die Atomkraft unterstützen.

 

1.) Über die Ziele klar werden

 

Wer Geld anlegt wird meist nach den Anlagezielen gefragt. Meine Erfahrung aus den Gesprächen mit hunderten von Mandanten – die allerwenigsten können dazu mehr sagen als „Ich habe keine konkreten Ziele“. Deshalb sollten Sie hier einen pragmatischeren Ansatz wählen und in sich kehren, und sich einfach mal fragen – wie lange wäre ich denn bereit, auf das angelegte Geld zu verzichten und was möchte ich wahrscheinlich damit tun?

 

Antwort a): Es soll für die Altersvorsorge sein, in den meisten Fällen also 15 oder mehr Jahre angelegt werden. Lange Zeitdauern sind ideal, damit lassen sich planbar gute Renditen erzielen. Der typische Anleger sollte bei diesem Ziel über wachstums-orientierte Wertpapieranlagen nachdenken, z.B. über Wertpapierdepots mit hohem Aktienanteil. Über Fonds realisiert, nimmt die Streuung die Einzelrisiken heraus und sorgt für die langfristige Aktien-Rendite im Bereich 6 bis 8 Prozent.

 

Wer an die Auszahlung einer monatlichen, lebenslangen Rente denkt, legt die kompletten 30.000 € in Fonds im Rahmen einer privaten Fondspolice an. Durch die damit erzielte Steuerersparnis (keine Besteuerung in der Ansparphase) und die niedrigen laufenden Kosten lassen sich sehr gute Renditen erzielen.

 

Die Auszahlung kann als wirklich lebenslange, monatliche Rente erfolgen. Das sogenannte Langlebigkeitsrisiko entfällt. Übrigens trifft die seit Jahren geführte Diskussion über die Versicherungsgesellschaften den Besparer einen Fondspolice kaum, denn er investiert in die Investmentfonds; nicht in den Deckungsstock.

 

In Ausnahmefällen macht auch die umstrittene Riesterrente (fondsgebunden) Sinn. Trotz hoher Kosten der Verträge und hoher Inflexibiliät: der Geringverdiener mit 3 Kindern kann jährlich mehrere Hundert Euro vom Staat als Förderungen erhalten und damit sinnvoll „riestern“.

 

Die direkte Bar-Zulage liegt bei ihm bei 185 Euro pro Jahr für sich selbst und 300 Euro pro nach 2008 geborenem Kind, insgesamt also bei 1.085 Euro. In 10 Jahren sind das immerhin über 10.000 Euro als „Geschenk“ des Staates.

 

Häufig von Selbstständigen genommen, manchmal auch für Beamte oder Angestellte interessant, ist die (fondsgebundene) Basisrente. Der gesetzlichen Rente nachempfunden kennt sie nur Einzahlungen in der Ansparphase und in der Auszahlphase nur die lebenslange Rente – also keine Kapitalauszahlungen.

 

Aufgrund möglicher Steuerersparnisse kann auch sie interessant sein, denn für Ehepaare können bis zu 46.724 Euro pro Jahr gefördert werden.

 

Antwort b): Es soll zwar nicht für die Altersvorsorge sein, aber es ist auch kein direkter Entnahmezeitpunkt geplant. 8 bis 10 Jahre Zeit sind möglich. Auch hier ist die Ausgangslage sehr gut – der Anlagehorizont ist lange.

 

Es könnte ein Wertpapierdepot mit einem Aktienanteil von 70 oder 80 Prozent gewählt werden, wie in unserem Musterdepot Wachstum. Es könnten aber auch sogenannte Projekt hinzukommen, bei denen der Anleger zusammen mit anderen den Bau und Betrieb von Solarkraftwerken, Windrädern oder Wäldern forciert.

 

Bei 30.000 Euro sind so die Varianten denkbar, alles in im Musterdepot Wachstum zu investieren oder 20.000 Euro im Musterdepot Wachstum, weitere 10.000 Euro in einem Projekt.

 

Antwort c): Sie planen eher eine mittelfristige Geldanlage, sagen wir von vielleicht 5 Jahren. Dann sollte der Aktien-Anteil weniger hoch sein, zum Beispiel nur 50 Prozent, wie in unserem Musterdepot Balance.

 

Wer in konkrete Themen investieren möchte, mischt sich sein Depot selbst – beispielsweise zur Hälfte aus Aktiendepots wie zum Beispiel Wasser, Holz oder Klimaschutz. Die andere Hälfte investiert er zum Beispiel in ein wenig schwankendes Investment, zum Beispiel in Mikrofinanzen.

 

Antwort d): Sie möchten nur kurzfristig oder auf 2 bis 3 Jahre anlegen. Dann sind ein Tagesgeldkonto, vielleicht ein kurzlaufender Sparplan oder auch Mikrofinanzen (ab 3 Jahren) das Mittel der Wahl.

 

Allerdings hat diese Flexibilität Ihren Preis – bei einer Inflationsrate von aktuell 1,5 bis 2,0 Prozent jährlich und einer Verzinsung von vielleicht 0 bis 0,5 Prozent jährlich wird die Kaufkraft des angelegten Geldes abnehmen.

 

In 10 Jahren sind aus den ursprünglich 30.000 Euro Kaufkraft dann nur noch 25.000 bis 27.000 Euro Kaufkraft geblieben:

 

Darstellung Kaufkraft-Verlust bei 1,6% Geldentwertung und 0,1% Zinsen im Verlauf 10 Jahren (Darstellung: Grünes Geld GmbH)

 

 

2.) Vergleich der unterschiedlichen Varianten

 

Wie unter 1.) aufgezeigt ist die mögliche Anlagedauer der wesentliche Punkt für jede Kaptialanlage. Je mehr Zeit zur Verfügung steht, umso bessere Ergebnisse kann ich erzielen.

 

Doch wie sehen die Anlageergebnisse konkret aus, wenn ich die Kapitalanlage zum Beispiel 10 Jahre durchhalten würde?

 

Lassen Sie uns dazu die wichtigsten Kategorien aufzeigen, bei 10.000 Euro Anlage über 10 Jahre Anlagedauer:

 

Ansparart Gewähltes Beispiel Zinssatz vor Steuern Reale Verzinsung nach Steuern
Tagesgeld

GLS Bank

(größte Nachhaltigkeitsbank
Deutschland)

 

 

-0,6 Prozent
(Nach GLS Beitrag)
-0,6 Prozent
Bausparen

Schwäbisch Hall, Fuchsstart

 

 

ca. 0,1 Prozent
(nach Gebühr)
0,1 Prozent
Fondsanlage

Musterdepot Wachstum

(Durchschnitt der Jahre 2012
bis 2016, keine Aussagekraft
für die Zukunft)

 

 

8,3 Prozent

(nach Kosten, lt. Online-Rechner)

 6,7 Prozent
Lebensversicherung

Continentale Klassische
Kapitalversicherung

 

 

0,3 Prozent  0,2 Prozent
 Projekt-Beteiligung (AIF)  Ökorenta Erneuerbare Energien IX 4,1 Prozent 3,0 Prozent

 

 

 

Bei der Fondsanlage wurde ein Kombination von rund 70% Aktien (weltweit) und 30% Festverzinslichen Wertpapieren (weltweit, Schwerpunkt Europa) zu Grund gelegt (z.B. Musterdepot Wachstum).

 

In der grafischen Darstellung werden die Unterschiede deutlich:

 

Welches Ergebnis erzielt man mit 30.000 Euro nach 10 Jahren (nach Kosten, nach Steuern, ohne Gewähr, beispielhafte Darstellung Grünes Geld GmbH) ?

 

 

2.) Streuung ist wichtig

 

Es gibt eine wichtige Merkhilfe: Wer streut, rutscht nicht aus. Diese gilt zwar auch bei der Winterreinigung, ist hier jedoch auf die Geldanlage bezogen. Sie müssen immer auf eine ausreichende Streuung achten, denn niemand kann in die Zukunft sehen.

 

Praktisch jede Anlageklasse musste in der Vergangenheit schon schlechte Jahre hinnehmen. Auch die als sicher eingestuften Staatsanleihen mussten schon häufig Verluste tragen: ob in Griechenland 2012 oder Argentinien 2001 oder auch in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg.

 

Bankenpleite: Im Rahmen der weiterhin ungelösten Griechenland-Krise sind weitere Bankenpleiten möglich

Auch Banken gehen immer wieder Pleite – Sie sind sogar besonders gefährdet, schließlich verleihen Sie durch die Giralgeldschöpfung viel mehr Kredite als sie selbst Geld haben.

 

Wollen die Sparer gleichzeitig ihr Geld zurück, gibt es den sogenannten Bank-Run und in der Folge Bank-Pleiten. Banken können aber auch aus anderen Gründen Pleite gehen. Alleine 2010 gingen in den USA über 100 Banken Pleite.

 

Doch wie sieht es mit Immobilien aus? Die meisten Immobilien werden über Kredite finanziert. Kommt es zu Zahlungsschwierigkeiten bei Rückzahlung, greifen Banken naturgemäß zu und verkaufen die Immobilien.

 

Gerade in Wirtschaftskrisen und in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit an der Tagesordnung. Aber auch ohne Hypotheken auf Immobilien: in wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden auch Immobilien-Besitzer zur Kasse geben, zum Beispiel nach der Hyperinflation in der 1920er Jahren mit der Hauszinssteuer oder dem Lastenausgleichsgesetz nach dem 2. Weltkrieg.

 

Und selbst der sichere Hafen Gold wurde schon komplett eingezogen – im berühmtesten Fall in den USA Anfang der 1930er Jahre.

 

Bei Aktien ist die langfristige Anlage in eine breite, gut gestreute Auswahl an Aktien wohl in Summe das sicherste Investment. Wer aber kurzfristig mit Aktien spekuliert und die Streuung vernachlässigt, kann auch mit Aktien viel Geld verlieren.

 

Aktien-Anlage ist für den Privatanleger mit vertretbarem Zeitaufwand praktisch nur mit breit anlegenden Fonds oder einer Vermögensverwaltung sinnvoll möglich.

 

 

3.) Garantien nicht überbewerten: Wer ist der Garantiegeber?

 

Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein kleines Kind. Sagen wir von 2 Jahren. Sie suchen eine Tagesmutter, weil Sie gerne wieder selbst arbeiten gehen möchten.

 

Wie einfach ist es für Sie, eine Tagesmutter zu finden? Wie einfach ist es für Sie, Ihr Kind aus den Händen zu geben?

 

Wie schön wäre es, wenn Ihnen jemand garantieren könnte, dass auf „Ihr Baby“ gut aufgepasst wird und dass niemand schlimme Dinge mit ihm anstellt?

 

Was bei der Tagesmutter kaum möglich, ist bei Geldanlagen machbar: eine Garantie.

 

Wie schön … sie geben Ihr Geld aus der Hand und jemand anderes garantiert für die Rückzahlung, teilweise auch für die darauf zu zahlenden Zinsen. Das können Banken sein, Versicherungen, Bausparkassen oder auch normale Unternehmen.

 

Lassen Sie uns erst einen Blick darauf werfen, was diese Garantie denn eigentlich kostet. Wie – Sie sind überrascht, dass die Garantie etwas kostet? Ja … Garantien kosten Geld, und zwar gar nicht so wenig.

 

Lassen Sie uns annehmen, Sie zahlen Ihre 30.000 Euro in eine Fondspolice ein. Da legen Sie das Geld in Wertpapiere (Investmentfonds) an und können über einen Zeitraum von 20 Jahren gute Renditen erzielen.

 

Schaffen Ihre Fonds 6 Prozent Rendite, würde nach 20 Jahren ein Kapital ausgezahlt werden von: 96.489 Euro (Rechenbeispiel mit Continentale Invest, ohne Gewähr).

 

Jetzt möchten wir bei diesem Beispiel eine Garantie einbauen – wir möchten einfach, dass nach 20 Jahren der eingezahlte Beitrag von 30.000 Euro garantiert vorhanden ist.

 

Egal, wie sich die Investmentfonds in den 20 Jahren entwickelt hätten. Wie schaut jetzt das Gesamtkapital nach 20 Jahren aus? Das Ergebnis: 54.572 Euro (Continentale Rente Garant).

 

Sie erhalten also 43 Prozent wenig Kapital, nur weil Sie die Garantie gewählt haben. In diesem Fall eine Garantie, die wohl nie gebraucht wird; denn selbst bei 100 Prozentiger Aktienquote gab es noch keinen 20-Jahres-Zeitraum mit negativer Wertentwicklung im weltweiten Aktienmarkt (siehe dazu Renditedreieck).

 

Anlage von 30.000 Euro in Fondspolice bei 6% Wertentwicklkung über 20 Jahre Laufzeit (ohne Gewähr)

 

Doch neben den extrem hohen Kosten gibt es eine viel wichtigere Überlegung. Denn eine Garantie ist nur so viel wert wie der Garantiegeber wert ist.

 

Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar möchte sich von Ihnen 100.000 Euro leihen, weil er sich ein Haus kaufen möchte.

 

Er garantiert Ihnen, das Geld auch wirklich zurück zu zahlen. Würden Sie ihm das Geld einfach so geben? Bestimmt nicht, denn – ähnlich einer Bank – würden Sie als Sicherheit das neu gekaufte Haus beanspruchen.

 

Und genau so ist es auch bei der Geldanlage. Wenn Sie eine Garantie in Anspruch nehmen, prüfen Sie, von wem diese Garantie kommt.

 

Aktuell sind Garantie von Banken (bis 100.000 Euro Einlage), Bausparkassen, Lebensversicherungen oder Industriestaaten grundsätzlich verlässlich. Aber wie oben beschrieben, kommt es immer wieder zum Ausfall von als sicher eingestuften Institutionen.

 

Widerstrehen Sie also einem Deutschen Urgefühl – dem stetigen Wunsch nach Sicherheit. Denn Sicherheiten kosten Geld und sind gerade dann, wenn man sie wirklich braucht, in wirklichen Krisen und wenn alles andere zusammen bricht, häufig nicht viel wert. Dann nämlich, wenn der Garantiegeber ausfällt.

 

4.) Welche Themen liegen mir am Herzen?

 

Der letzte Punkt ist vielleicht wichtiger als Sie auf Anhieb denken. Zum einen möchten ethisch-ökologische Geldanleger eine doppelte Rendite; neben der finanziellen Rendite eben auch die moralische Rendite. Diese ist um so höhern, je mehr Sie mit dem geförderten Thema anfangen können.

 

Wer etwas für die Umwelt tun möchte, legt vielleicht direkt in Klimaschutz-Projekte an. Wer etwas Soziales sucht, ist bei Mikrofinanz perfekt unterwegs. Wem die weltweite Wasser-Knappheit am Herzen liegt, schaut sich bei den Wasser-Musterdepots um.

 

Aber die Themen haben noch einen zweiten, einen finanziellen Vorteil für den Anleger. Denn wer in ein Thema investiert, bei dem er mit dem Herzen dabei ist, wird sich intensiver darum kümmern.

 

Er wird automatisch mehr Zeit damit verbringen und er wird automatisch mehr über das Thema lesen, darüber erfahren und er wird mehr wissen. In der Folge wird er auch finanziell bessere Ergebnisse erzielen.

 

 

 

 

 

 

 

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf Xing, Facebook oder Twitter.
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