Autor: Gerd Junker 3. November 2017

Alles öko? – 10 wichtige Naturmaterialien zur Textilherstellung

Zusammenfassung: Kleidung ist ein menschliches Grundbedürfnis. In Deutschland wird dieses Bedürfnis mehr als befriedigt - die meisten Kleiderschränke sind gut gefüllt. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist daher der Leitspruch „Qualität statt Quantität“ ein guter Kompass durch die Konsumwelt. Wir stellen die 10 wichtigsten Naturmaterialien zur Textilherstellung vor.

 

 

Bisher erschien in der Serie „Alles öko?“: Büro & Schule

Die nächste Folge erscheint Mitte November: Küche & Einkaufen

 

Textilien: Chemie-Cocktail oder natürliche Materialien?

 

„Kleider machen Leute“ – der alte Spruch hat kaum an Wahrheit eingebüßt. Die Art sich zu kleiden, sagt noch immer viel über Menschen aus. Auch Modeverweigerer zeigen mit ihrem Stil, dass Ihnen Kleidung gleichgültig ist. Denn in der Mode ist es wie in Beziehungen: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Und so lässt sich aus der Kleidung eines Menschen viel lesen. Kleidungsstücke geben Auskunft über die Herkunft einer Person, über die Höhe des Einkommens, die Einstellung zu Qualität, zum Zeitgeist und vieles mehr. Aber Kleidung kann ausgetauscht, abgelegt, verliehen werden – und schon gerät der gesamte Wertekanon wieder durcheinander und sagt nichts über die wirkliche Einstellung einer Person. „Kleider machen Leute“ gilt also nur für einen Augenblick.

 

 

Mehr als fünf Milliarden Kleidungsstücke

Mehr Aussagekraft hätte da eher der intime Blick in den Kleiderschrank. Und der besagt in Deutschland vor allem eins: Die meisten Menschen haben hierzulande mehr als genug zum Anziehen. Durchschnittlich 95 Kleidungsstücke – Unterwäsche, Accessoires und Strümpfe nicht eingerechnet – hängen bei jedem Erwachsenen im Schrank. Das sind rund 5,2 Milliarden Kleidungsstücke insgesamt. Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist nicht ganz ausgewogen, Frauen besitzen durchschnittlich 118, Männer 73 Teile. Schwieriger wird es, dabei zu ermitteln, wie lange die Kleidungsstücke getragen werden. Denn durch die Fast-Fashion-Ketten, wird Mode zu extrem niedrigen Preisen angeboten – entsprechend schnell wechseln auch viele Menschen Kleidungsstücke aus. Schätzungen zufolge wird jedes fünfte Kleidungsstück, das in Deutschland über den Ladentisch geht, nicht getragen. Das bedeutet allerdings auch, dass rund eine Milliarde Kleidungsstücke – oft unter ausbeuterischen Umständen – direkt für die Tonne produziert werden.

 

 

Nachhaltige Textilien – Qualität vor Quantität

Kleiderkauf hat bei den meisten Menschen in den Industrienationen weniger damit zu tun, dass dringend etwas benötigt wird. Viel häufiger wird etwas Neues gewollt. Wer im Bereich Kleidung auf Nachhaltigkeit setzt, fährt gut mit den beiden Faustregeln „weniger ist mehr“ und „Qualität vor Quantität“.

 

In der Praxis bedeutet das, auf langlebige und zeitlose Textilien zu setzen und diese angemessen zu pflegen und zu reparieren. Sinnvoll ist es auch, auf eine faire Produktion der Kleidungsstücke zu achten und auf ökologisch unbedenkliche Materialien.

 

Wer neue Kleidung kauft, steht gerade was die Materialien anbelangt, vor einer schwierigen Entscheidung. Denn der Material-Klassiker Baumwolle verbraucht im Anbau Unmengen an Wasser, ist vielfach mit Pestiziden belastet und verseucht beim Anbau die Erde. Die beliebten Funktionsfasern sind durch den Abrieb der Mikroplastikpartikel an der Zerstörung des maritimen Lebensraums beteiligt und ökologisch hergestellte Wolle macht nur ein Prozent der Wollproduktion aus.

 

 

Kleines Textil-Lexikon: Wolle, Baumwolle, Leinen & Co.

Gar nicht so einfach also, das richtige Material für die persönliche Garderobe auszuwählen. Vor allem die unzähligen Funktionsfasern stellen viele kritische Verbraucher vor immer neue Herausforderungen. Denn hier stehen Natürlichkeit und Naturschutz im direkten Widerstreit. Beispielsweise rPET, recyceltes Polyethylene Terephtalate, wird aus Plastikflaschen gewonnen und zu einer Polyesterfaser versponnen. Positiv: Das Material begegnet durch Recycling dem generellen Problem von Plastikabfällen und hat sogar einen vergleichsweise geringen CO2-Fußabdruck. So werden degenüber Bio-Baumwolle lediglich 50 Prozent CO2-Emissionen erzeugt. Nachteil: Die Herstellung und Nutzung von rPET ist nicht die Lösung des Plastikproblems, sondern lediglich eine Maßnahme im Kampf gegen die Wegwerfmentalität.

 

In unserem kleinen Textil-Lexikon konzentrieren wir uns daher auf die Vorstellung der momentan gängigsten natürlichen Materialien und ihren Besonderheiten.

 

 

1. Wolle – der kuschelige Klassiker

Nur noch wenige Kleidungsstücke werden aktuell aus Wolle gefertigt.

Bei kaum einem anderen Material ist die Herkunft so bekannt, wie bei Wolle. Aber nicht nur die unterschiedlichsten Schafrassen, wie Merino und Shetland, zählen zu den Wolllieferanten, sondern auch Angora-Kaninchen, Kaschmir-Ziegen und Alpaka-Schafkamele. „Reine Schurwolle“ bezeichnet die Wolle, die vom lebenden Tier geschoren und erstmalig verarbeitet wurde. „Reine Wolle“ kann aus wiederaufbereiteten Wollabfällen und alten Textilien gewonnen werden.

 

Wolle ist eine vielseitige Faser. Sie hat temperaturausgleichende und selbstreinigende Eigenschaften. Allerdings wird Wolle auch vielfach als kratzig und unangenehm auf der Haut empfunden. Ökologisch hergestellte Wolle ist selten und fristet in der Textilproduktion ein Nischendasein. Auch konventionelle Wolle spielt bei der Fertigung von Textilien nur eine untergeordnete Rolle. Die Weltproduktion von Schafwolle liegt bei rund 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Nummer eins der Wollexporteure ist dabei Australien. Allerdings werden lediglich fünf Prozent der weltweit produzierten Wolle zu Kleidung verarbeitet, der größte Teil wird als Dämm-Material verwendet oder wandert in die Teppichproduktion.

 

Ambitionierte Hersteller hochwertiger ökologischer Bekleidung versuchen aber auch weiterhin das natürliche Material aus artgerechter und regionaler Tierhaltung zu langlebigen Kleidungsstücken zu verarbeiten.

 

 

2. Seide – ein glänzender Name

Die Verarbeitung von Seide ist eine uralte Kunst. Bereits vor mehr als fünftausend Jahren wurde in China Seide hergestellt. Wie Wolle, zählt Seide zu den tierischen Fasern, auch Eiweißfaser, wobei Seide eher ein Faden ist, denn eine Faser. Hergestellt wird der Seidenfaden, der eine Länge von bis zu vier Kilometern erreicht, von einer Raupe, die sich nach dem Schlüpfen in einen Kokon eingesponnen hat. Die Bezeichnung „Organic” weist bei Seide darauf hin, dass die Maulbeerbäume, auf denen die Seidenspinner leben, kontrolliert biologisch angebaut werden. Wildseide dagegen stammt von im Freien lebenden Eichblattspinnern.

 

Naturbelassene Seide ist der menschlichen Haut ähnlich und wird daher als angenehm empfunden. Sie wirkt hautberuhigend und temperaturausgleichend, darüber hinaus besticht das Material durch Stabilität, Leichtigkeit und seidigen Glanz. Seide ist jedoch auch ein kostspieliges Material. Weltweit haben Textilien aus Seide lediglich einen Anteil von 0,2 Prozent.

 

 

3. Baumwolle – die Nummer eins unter den Naturmaterialien

Rund die Hälfte unserer Kleidung besteht aus Baumwolle.

Während früher die meisten Kleidungsstücke aus Wolle – seltener aus Seide – gefertigt wurden, sind Chemiefasern mittlerweile die Nummer eins in der Textilproduktion. Unter den natürlichen Materialien nimmt Baumwolle die Spitzenposition ein.

 

Baumwolle ist ein Malvengewächs und zählt zu den ältesten kultivierten Pflanzen überhaupt. Bereits vor rund 6.000 Jahren wurden die Pflanzenfasern zu Textilien verarbeitet. Kleidungstücke aus Baumwolle sind atmungsaktiv, strapazierfähig, angenehm auf der Haut und pflegeleicht.

 

Allerdings ist der Anbau von Baumwolle auch sehr wasserintensiv . Für die Produktion von einem Kilo Baumwolle werden rund 25.000 Liter Wasser verwendet. Darüber hinaus belastet der konventionelle Baumwollanbau durch den massenhaften Einsatz von Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln stark die Böden.

 

Beim kontrolliert biologischem Anbau von Baumwolle werden natürliche Düngemittel verwendet und auf Pestizide verzichtet. Da in ökologischen und sozialen Baumwollanbauprojekten meist noch traditionell mit der Hand geerntet wird, ist diese Baumwolle um einiges teurer als aus dem konventionellen Anbau.

 

 

4. Leinen – die kühle, edle Faser

Flachs zählt wie Baumwolle zu den ältesten Kulturpflanzen, die auch im konventionellen Anbau mit vergleichsweise geringen Mengen an Düngemitteln und Pestiziden auskommt. Das aus Flachs gewonnene Leinen wird traditionell zu sehr haltbaren Stoffen, wie beispielsweise für Tisch- und Bettwäsche verarbeitet. Das feste Gewebe wird durch die Nutzung weicher und stärker. Dennoch ist Leinen zunehmend durch die preiswertere und unkomplizierte Baumwolle verdrängt worden. Bei der Verarbeitung zu Kleidung wird ein Nachteil des Leinen zum typischen Stil gezählt: der Edelknitter. Leinen wirkt kühlend, ist schmutzunempfindlich und hat anti-allergene Eigenschaften.

 

In der ökologischen Textilwirtschaft spielt Leinen nach wie vor eine wichtige Rolle. Allerdings gibt es bislang nur wenig Leinen aus kontrolliert biologischem Anbau.

 

Die Welt der Naturtextilien besteht aus den Materialien tierischer Herkunft, wie Wolle und Seide, sowie den pflanzlichen Alternativen Baumwolle und Leinen. Diese Materialien sind weithin bekannt. Aktuell erobern jedoch auch neue, außergewöhnliche und umweltfreundliche Textilrohstoffe auf pflanzlicher Basis einen Platz in der nachhaltigen Textilproduktion.

 

 

 

5. Bambus – bekannte Pflanze – unbekannte Faser 

Bambus ist als schnell wachsende Pflanze bekannt und auch hier in vielen Gärten zu finden. Als Textilrohstoff ist das Gewächs jedoch noch ein Geheimtipp. Aus Bambus lassen sich Fasern gewinnen, die leicht, strapazierfähig und atmungsaktiv sind. Ihre Beschaffenheit lässt sich mit Viskose vergleichen, das Hautgefühl ähnelt einem weichen Seide-Kaschmir-Gemisch. Als pflanzliche Faser ist Bambus biologisch vollständig abbaubar.

 

 

6. Hanf – von Natur aus vielseitig

Hanf ist eine vielseitige, anspruchslose und traditionsreiche Pflanze. Als Rohstoffe für Textilien ist sie seit rund zwanzig Jahren in Mode gekommen. Ökologisch gesehen ist Hanf ein guter Rohstoffe, denn die Pflanze wächst rasant und ist extrem unempfindlich gegen Schädlinge. Damit ist Hanf ideal für den ökologisch-veganen Anbau. Um den Nährstoffbedarf der Hanfpflanze zu decken, wird diese optimalerweise in der Fruchtfolge mit Erbsen und Bohnen angebaut. Hanfstoffe sind im Griff am ehesten mit Leinen zu vergleichen. Generell gelten die Stoffe als extrem strapazierfähig, weshalb sie auch als ökologische Alternative zu Baumwolle bei der Herstellung von Jeans verwendet werden.

 

Neue natürliche Textilien sind im Kommen.

7. SeaCell – ein moderner Mix aus dem Meer

SeaCell wird aus einer Mischung von Zellulose – also Pflanzenfasern – und getrocknetem Seetang hergestellt. Durch seine leicht poröse Textur wirkt der Stoff temperaturausgleichend. Aufgrund der im Seetang enthaltenen Mineralien und Spurenelementen soll SeaCell zudem entzündungshemmend und hautfreundlich wirken.

 

 

8. Sojaseide – eine glänzende Nebenprodukt

Bei der Herstellung von Tofu fallen Sojafasern an. Ein umweltfreundliches Material, das zu einem seidigen Stoffe verarbeitet wird. Sojaseide ist weich, glänzend und wärmend. Die Herstellung von Sojafasern geschieht abfallfrei im Sinn des „Cradle-To-Cradle“-Ansatzes.

 

 

9. Lyocell (Tencel) – die natürliche Chemiefaser aus Holz

Lyocell ist eine Faser, die aus einem aus Holz extrahierten Zellstoff hergestellt wird. Die Herstellungsprozesse gelten als umweltfreundlich, da nur ungiftige Lösungsmittel verwendet werden, außerdem werden weniger Energie und Wasser benötigt, als bei herkömmlichen Textilien. Lyocell ist vollständig biologisch abbaubar. Die Gewebe sind angenehm zu tragen, atmungsaktiv und saugfähig. Im Griff ist Lyocell der Seide ähnlich.

 

 

10. Modal – Buchenholz macht Mode

Ähnlich wie Lyocell ist auch Modal eine Faser aus Holzzellstoff , allerdings ausschließlich aus Buchenholz. Modal-Gewebe ist weich, leicht glänzend, glatt und extrem formbeständig. Der Stoff ist extrem saugfähig, und – wie auch Lyocell – ressourcenschonend und klimafreundlich.

 

 

Ressourcen schonen und nachwachsende Rohstoffe nutzen

Wem das Thema Nachhaltigkeit am Herzen liegt, nutzt nachwachsende Rohstoffe, die ökologisch und ethisch erzeugt werden. Innovative und klimafreundliche Herstellungsprozesse sowie das breite Angebot umweltfreundlicher Textilien setzen positive Signale gegen die Wegwerfkultur.

 

Denn wer bewusst konsumiert schon nicht nur den Planeten, sondern auch die eigenen Finanzen. Das eröffnet Spielräume für nachhaltige Investitionen. Grünes Geld, Pionier im Bereich der ethischen und ökologischen Geldanlagen, zeigt Ihnen den Weg. Machen Sie den Grünes Geld Test.

 

 

 

 

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf Xing, Facebook oder Twitter.
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