Autor: Gerd Junker 14. November 2017

Bargeld – Kulturgut oder Auslaufmodell?

Zusammenfassung: Bargeld, Kartenzahlung und Mobile Payment – wie bezahlt wird, hängt hierzulande nicht nur vom Alter des Kunden ab, sondern auch von der Höhe des Betrags. Die meisten Verbraucher nutzen verschiedene Zahlungsweisen. Auf Bargeld verzichten ist für die meisten unvorstellbar.

 

Dagobert Duck liebt Bares.

Für Dagobert Duck – der reichsten Ente der Welt – ist es ein Hochgenuss, wie ein Seehund hineinzuspringen, wie ein Maulwurf darin herumzuwühlen und es in die Luft zu schmeißen, dass es ihm auf den Kopf prasselt! Die Rede ist von Dagoberts täglichem Talerbad im legendären Geldspeicher von Entenhausen. Zwar wird die Comicfigur auch häufig als wagemutiger Finanzexperte gezeichnet, der sich auch auf dem internationalen Aktienparkett sicher bewegt, dennoch stellt Bargeld – Münzen und Scheine – die solideste und vertrauenswürdigste Form von Geld dar. Wie Dagobert geht es vielen Menschen. Die alte Volksweisheit „Nur Bares ist Wahres“ spiegelt das gesellschaftliche Grundgefühl wider: die Deutschen hängen an ihrem Bargeld.

 

Laut einer Statistik der Deutschen Bundesbank, hat im Schnitt jeder Bürger rund 100 Euro Bargeld im Portemonnaie. Hinzu kommen noch einmal etwa 1.400 Euro in bar, die im Haus – in Zuckerdosen, Sockenschubladen, unter Matratzen und in Geldkassetten sowie Tresoren -aufbewahrt werden.

 

 

 

 

Die sowohl-als-auch-Kultur

In den meisten deutschen Brieftaschen finden sich sowohl Geld- und Kreditkarten als auch Bargeld. Eine Studie der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2014 hat ergeben, dass sich nahezu alle Menschen eine einfache, sichere, schnelle und vernünftige Zahlungsweise wünschen. Was bedeutet jedoch einfach, sicher, schnell und vernünftig in der Praxis? Diese Frage wird im Alltag recht unterschiedlich gesehen. Das Alter ist dabei ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Einstellung gegenüber unbaren Bezahlarten. Die Skepsis gegenüber Kartenzahlungen – egal ob mit Giro- oder Kreditkarte – nimmt bei der jüngeren Generation stetig ab – doch auch hier hat Bargeld noch nicht an Reiz eingebüßt.

 

Generell besteht jedoch ein breiter Konsens darüber, dass die Mehrheit der Deutschen auch zukünftig mit Bargeld bezahlen möchte. 65 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ausschließlich Bargeld in ihrem Alltag nutzen. Hauptargument war dabei weniger das generelle Misstrauen gegenüber Kartenzahlungssystemen, sondern vielmehr die bessere Kontrolle der Ausgaben. Lediglich 22 Prozent bezweifelten, dass Bargeld die Ausgabenkontrolle entscheidend verbessere.

 

Trotz dieses starken Plädoyers für Münzen und Scheine, befindet sich das unbare Bezahlen im Aufwind. Dabei ist die Kartenzahlung hierzulande die verbreitetste. Mobile Payment-Systeme (mPayment) stecken in Deutschland dagegen noch in den Kinderschuhen. Während Apple Pay und Samsung Pay in Großbritannien bereits erfolgreich genutzt werden, hat sich in Deutschland lediglich PayPal als Anbieter etablieren können. Dieses System wird allerdings fast ausschließlich im Online-Handel genutzt. Im stationären Handel dagegen spielt da Zahlen mit dem Smartphone bislang keine Rolle. Das kann sich zukünftig durchaus ändern – nicht zuletzt durch den enormen Erfolg der Smartphones. Umfragen zufolge, können sich 69 Prozent der Smartphone-Nutzer vorstellen, ihr Gerät auch als digitale Geldbörse zu nutzen. In Deutschland jedoch eher als zusätzliche, nicht als alleinige Zahlweise.

 

 

Bargeld in Gefahr?

Karten und Bargeld – das derzeit gängige Modell.

Die Liebe zum Bargeld – die sich in Europa die Deutschen übrigens mit ihren Nachbarn, den Österreichern teilen – sieht sich jedoch in den letzten Jahren zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt, denn die Abschaffung von Bargeld ist immer wieder im Gespräch.

 

Da sind zum einen europäische Länder, bei denen sich das bargeldlose Bezahlen – auch für Klein- und Kleinstbeträge – längst durchgesetzt hat. Da ist Finnland, das 1- und 2-Cent-Münzen nur für Sammler prägt, im Handel jedoch völlig auf diese Geldstücke verzichtet. Und da ist zum anderen das Verschwinden der „großen Scheine“: Gab es zu D-Mark-Zeiten noch den „Tausender“, mussten sich die Bürger seit 2002 mit dem 500-Euro-Schein zufriedengeben – und dieser – so die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) wird Ende 2018 verschwinden.

 

Hinzu kommt, dass Wirtschaftsweise Peter Bofinger 2015 öffentlich forderte, das Bargeld in Deutschland abzuschaffen. Einen Unterstützer fand Bofinger im US-Ökonom Kenneth Rogoff, dem ehemaligen Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds.

 

Und dann sind da noch die Obergrenzen für Bargeld, die im Sommer beschlossen wurde und mit der Deutschland – als eines der letzten Länder in Europa – jetzt die geltende EU-Richtlinie umsetzen wird. Das neue Gesetz sieht vor, dass Barzahlungen ab einem Betrag von 10.000 Euro nicht mehr anonym durchgeführt werden dürfen. Damit hat sich Deutschland für eine vergleichsweise hohe Obergrenze entschieden. Im Nachbarland Frankreich gilt seit 2015 eine Obergrenze für Barzahlungen von 1.000 Euro, Belgien hat die Grenze 2014 bei 3.000 Euro gezogen.

 

Direkt betroffen von der Obergrenze sind in erster Linie der Schmuck- und Kunsthandel sowie Autoverkäufer, denn hier ist die Barzahlung in Deutschland traditionell gang und gäbe. Doch auch weiterhin können Kunden ihr Geld bar auf den Tisch legen. Allerdings müssen sie zukünftig auch ihren Ausweis vorlegen.

 

Sind die Abschaffung großer Banknoten und die Einführung von Obergrenzen die Vorboten für eine schleichende Abschaffung des Bargeldes?

 

 

Argumente gegen das Bargeld

 – Weniger Kriminalität

Wer hat bei hohen Bargeldsummen nicht schnell Bilder von heimlich übergebenen Geldkoffern und illegalen Machenschaften im Kopf? – Politisch gesehen, spricht einiges für die Limitierung hohe Bargeldbeträge. Denn Obergrenzen sollen helfen, Geldwäsche, Korruption, Drogenhandel und der Finanzierung von Terrorismus entgegen zu wirken und so mehr Licht in die Schattenwirtschaft bringen. Allerdings bezweifeln Experten die Wirksamkeit dieser Methode und halten eine Begrenzung für wenig Effektiv im Hinblick auf die Bekämpfung der Kriminalität. Denn an die Stelle des Bargeldes treten schnell andere Währungen, wie beispielsweise Edelmetalle.

 

 

Selbst die digitale Währung setzt auf Münzen zum Anfassen!

– Mehr Lebensqualität

Ein paar Brötchen beim Bäcker mit Karte zahlen? – Das ist derzeit fast überall in Deutschland nicht möglich. Genauso ungünstig ist jedoch auch ein „großer Schein“ für kleine Beträge. Bezahlen ist in Deutschland eine komplexe Frage. Eine breitere Akzeptanz der bargeldlosen Bezahlung und die flächendeckende Einführung von entsprechend komfortablen Zahlungssystemen würde Erleichterung im Alltag schaffen. Erste Erfolge erzielen bargeldlose Bezahlsysteme bereits im öffentlichen Nahverkehr der Großstädte.

 

 

– Mehr Effizienz in der Wirtschaft

Für viele Teile der Wirtschaft kann sich die Abschaffung des Bargeldes durchaus vorteilhaft auswirken. Denn Bargeld verursacht im Handel viel Arbeit. Es muss entgegengenommen, gezählt, bewacht und zur Bank gebracht werden. Aber nicht nur der Handel – sowohl der online als auch der Händler vor Ort haben Vorteile. Auch die IT-Unternehmen, die Lösungen für das digitale Bezahlen entwickeln profitieren von einer Abschaffung des Bargeldes und beflügeln Innovationen. Und auch Banken können sehr gut ohne Bargeld leben und sich forciert auf andere Geschäftsfelder konzentrieren.

 

 

Argumente für das Bargeld

– Der Faktor Freiheit

Bargeld ist auch ein Ausdruck von Unabhängigkeit. Daher zitieren Bargeld-Befürworter auch den russischen dichter Fjodor Dostojewsky und sprechen von einer „geprägten Freiheit“. Aufgrund ihrer langen Historie sind Münzen und Scheine sehr stark mit Wertigkeit verbunden. Bargeld in der Tasche zu haben hat auch einen positiven psychologischen Aspekt. Eine vollständige Digitalisierung von Bezahlvorgängen käme daher einer Bevormundung gleich. Ein Wegfall von Bargeld würde die vielfältigen weichen Faktoren völlig ignorieren und ein Klima von Verunsicherung schaffen.

 

 

Bargeld lacht!

– Verlust der Alltagskultur

Die Frage „Hast’e mal’n Euro?“ hängt sicher noch vielen Großstädtern im Ohr. Auch wenn Schnorrer lästig sind – sie stehen bei der Diskussion um die Bargeld-Frage wie ein mahnendes Zeichen vor uns. Wie wandert bargeldlos Geld in den Gitarrenkoffer des Straßenmusikers? Wie wird die Obdachlosenzeitung bezahlt? Wird künftig ein Kartenterminal anstelle des Klingelbeutels durch die Kirchenbänke gereicht? – Die Fragen machen deutlich, dass Bargeld im Leben auch eine zentrale Rolle außerhalb der Ladengeschäfte spielt. Es ist daher anzunehmen, dass sich in Bereichen des Alltagslebens ein Bargeldersatz für kleine Zahlungen etablieren würde. Ähnlich der Zigarettenwährung auf dem Schwarzmarkt der Nachkriegszeit.

 

 

– Solide Finanzplanung

In die gleiche Richtung zielt auch die Frage, wie künftigen Generationen der Umgang mit Geld näher gebracht werden kann. Denn eine bargeldlose Gesellschaft kann den haptische Umgang mit Geld nicht bieten und bleibt damit hinter seinen Möglichkeiten einer umfassenden Erziehung zurück. Eng damit verknüpft ist auch der Aspekt der Finanzplanung und -übersicht, den viele Bargeld-Befürworter als wichtigen Punkt anführen. Denn Bargeld macht deutlich, dass ein Wert gegen eine Ware oder Dienstleistung getauscht wird.

 

 

– Geld als Wertaufbewahrungsmittel

Sparen ist schwierig geworden. Denn der anhaltend niedrige Zins gleicht kaum noch die Inflationsrate aus. Im Falle negativer Zinsen wird Bargeld zunehmend interessanter, weniger als Zahlungs- denn als Wertaufbewahrungsmittel. Zwar bringt ein Bargeldbestand keine Erträge, dafür entstehen auch keine Kosten, wie sie mittlerweile bei deutschen Staatsanleihen erhoben werden. Das ist zwar richtig, als Geldanlage bieten sich jedoch vielfältige Alternativen  auch außerhalb der eigenen vier Wände an.

 

 

– Datenschutz ernst nehmen

Die Nutzung von Bargeld wird vielfach als Ausdruck der persönlichen Freiheit gesehen. Wer bar bezahlt, hinterlässt sein „Käuferprofil“ ausschließlich beim Händler vor Ort, nicht aber in den komplexen Algorithmen des Handels. Wer nur noch digital bezahlt, hinterlässt unzählige Spuren und wird zum „gläsernen Kunden“. Durch die enge wirtschaftliche Verflechtung der großen „Player“ in der digitalen Welt, sind Fragen des Datenschutzes ein zentrales Thema. Denn ohne Bargeld ist jeder Kauf kontrollierbar. Welche Ausmaße eine derartige Transparenz annehmen kann, beschreibt Marc-Uwe Kling in seinem aktuellen Roman QualityLand.

 

 

– Eigentum ernst nehmen

Wer Bargeld besitzt, hat – im wahrsten Sinne des Wortes – etwas in der Hand. Und das lässt sich festhalten. Aus Angst vor einer Bankenpleite – die den Totalverlust des Geldes mit sich bringen kann – haben beispielsweise viele Griechen ihre Konten geräumt. Ohne Bargeld können die bürgerlichen Freiheitsrechte, wie das Recht auf Eigentum, nur eingeschränkt gewährleistet werden.

 

 

Grüne Wirkung ist Trumpf

Auch eine gewissenhafte Abwägung der Vor- und Nachteile von Bargeld bringt kaum eine Lösung, die den vielfältigen Facetten des Themas gerecht wird. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank sieht die Geschichte des Bargeldes erst beendet, wenn dieses wirklich nicht gewollt wird – und dieser Zeitpunkt scheint innerhalb der Bevölkerung noch weit entfernt.

 

Fakt ist aber auch, dass Bargeld als Bezahlmethode an Bedeutung verliert, gleichzeitig das Leben ohne Bargeld für die meisten Menschen jenseits der Vorstellungskraft liegt.

 

Viel Phantasie setzt dagegen die Frage frei, was mit Geld – bar oder unbar – anzufangen ist. Denn Geld eröffnet vielfältige Möglichkeiten und weitreichende Horizonte. Besonders anregend ist die Gewissheit, das Geld wirklich etwas verändern kann.

 

Daher beschäftigen sich die erfahrenen Finanzexperten von Grünes Geld seit gut einem Jahrzehnt weniger mit der Form des Geldes, sondern mit seiner Wirkung. Denn nachhaltige Investments fördern soziale und ökologische Entwicklungen und bringen ihren Anlegern gleichzeitig gute Erträge.

 

 

 

 

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf Xing, Facebook oder Twitter.
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