Autor: Gerd Junker 28. November 2017

Fisch – aber bitte nachhaltig

Zusammenfassung: Fischgerichte haben ihren Platz auf den Festtagstischen gefunden. Allerdings sind viele Fischarten stark bedroht. Beim Fischkauf sollten Kunden daher auf Nachhaltigkeitssiegel achten und prüfen, ob die Fischart als gefährdet gilt.

 

Noch schwimmt der Weihnachtskarpfen …

 

 

Was an Weihnachten auf den Tisch kommt, wird von Familie zu Familie sehr unterschiedlich gehandhabt. Während bei den einen Kartoffelsalat mit Würstchen am Heiligen Abend serviert wird, kommt bei den anderen ein ganzer Karpfen auf den Tisch. Wem das zuviel Aufwand für den Abendbrottisch ist, setzt eventuell auf Heringssalat.

 

Der klassische Festtagsbraten – in der vegetarischen Variante auch mittlerweile gerne der Nussbraten – erfreut in den meisten Haushalten erst an den Feiertagen die Familien. Aber auch hier hat sich in den letzten Jahren immer mehr Fisch auf den Menü-Plänen durchsetzen können. Kein Wunder, denn Fisch ist eine gesunde und leichte Alternative zu den ansonsten eher üppigen Weihnachtsgerichten.

 

 

 

 

Traditionsessen Fisch

Im Gegensatz zu unseren nord- und südeuropäischen Nachbarn, hatte es Fisch in Deutschland lange schwer, als kulinarischer Hochgenuss ernst genommen zu werden. Allenfalls als vorgefertigtes „Schlemmerfilet“ oder als Fischstäbchen konnte sich Fisch durchsetzen. Durch das gestiegene Interesse an einer raffinierteren Küche und dem Kochen als entspannendes und gleichzeitig anregendes Hobby, hat Fisch einen neuen Stellenwert erhalten.

 

Dass Karpfen und Hering schon lange zu den Klassikern am Weihnachtsabend zählen, hat mit der christlichen Tradition zu tun. Denn in der katholischen Lehre gilt die Adventszeit – wie auch die Zeit vor Ostern – als eine der klassischen Fastenzeiten. Entsprechend wurde auf Fleischgerichte verzichtet. Die Fastenzeit wurde dann mit einem Fischgericht am 24. Dezember beendet. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch, dass der Fisch als Erkennungszeichen der Urchristen galt und die Gestalt Jesus symbolisierte.

 

Neben dieser Tradition haben sich auch unterschiedliche Bräuche entwickelt: Wer beispielsweise eine Schuppe des Weihnachtskarpfens – in einigen Gegenden auch des Neujahrskarpfens – in sein Portemonnaie legt, kann auf Glück und Reichtum im kommenden Jahr hoffen.

 

Aber auch weniger religiöse Haushalte können sich zunehmend für Fischgerichte zur Weihnachtszeit erwärmen. Allerdings empfiehlt es sich auch beim Fischkonsum, das Thema Nachhaltigkeit im Blick zu behalten. Vor allem dann, wenn es sich nicht um Süßwasserfische aus der Region handelt. Denn aktuelle Berichte zum Thema Überfischung und dem generellen Raubbau an den Meeren, können den Appetit auf Hering, Scholle und Co. gründlich verderben.

 

   

Überfischung der Meere

Industrielle Fischerei gefährdet das Leben im Meer.

Die Fischbestände in den Weltmeeren sind aktuell stark gefährdet. Eine Entwicklung, die mit der industriellen Fischerei in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts einsetze. Damals erschienen die Fischbestände in den Meeren geradezu unerschöpflich und ein Garant dafür, die Menschheit auf lange Sicht ernähren zu können.

 

Entsprechend dieser Annahme vom nicht enden wollenden Reichtum der Meere, wuchs die Menge der gefangenen Fische von 12,8 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf gut 80 Millionen Tonnen im Jahr 2000 an. Dabei hatte der rasante technische Fortschritt einen erheblichen Anteil daran, dass innerhalb weniger Jahrzehnte die Bestände an Speisefischen auf einen Bruchteil der früheren Menge dezimiert wurden.

 

Die Plünderung der Meere verlief dabei parallel zur Entwicklung in der industriellen Landwirtschaft. Immer größere Fangschiffe mit immer leistungsfähigeren Motoren fischten mit immer größeren Netzen. Durch die Nutzung von Satellitennavigation, digitalen Karten und sensibler 3D-Sonargeräte wurde der Fischfang zunehmend effizienter. Denn große Fischschwärme können jetzt metergenau geortet und abgefischt werden.

 

Und auch die Tiefen des Meeres bleiben als Rückzugsort für Fischbestände nicht sicher. Die modernen Fangnetze können bis zu 2.000 Meter tief ausgeworfen werden. Dies wirkt sich rasch auf den Fischbestand auf, denn viele Tiefseefischarten vermehren sich nur sehr langsam. Darüber hinaus zerstören die Grundschleppnetze den empfindlichen Lebensraum in der Tiefsee.

 

 

Zwischen Technik und Tradition

Während die fortschreitende Technisierung der Fischerei immer größere Fangmengen garantiert, sind die technischen Möglichkeiten für einen Fischfang, der die Natur schont, noch ziemlich beschränkt.

 

Die Problematik der Treibnetzfischerei und den damit verbundenen Gefahren für Meeressäugetiere ist seit langem bekannt. Innerhalb der Europäischen Union ist das Auslegen dieser Netze bereits seit 2002 verboten.

 

Die grundlegende Problematik bleibt jedoch bestehen: Was im Fangnetz landet, kann erst an Bord gesichtet werden. Für Jungfische und anderen Beifang, der nicht sinnvoll genutzt werden kann, ist es dann allerdings zu spät. Schleppnetze, die über den Meeresgrund gezogen werden, nehmen unzählige Meeresbodenbewohner wie Krabben und Seesterne mit und zerstören gleichzeitig Muschelbänke, Seegraswiesen und Kaltwasserkorallen, als Rückzugsorte für Jungfische dienen. Mittlerweile schätzen Experten, dass rund ein Drittel jedes Fangs ungenutzter Beifang ist.

 

 

Lösung nachhaltiges Fischereimanagement

Die Folgen des industriellen Fischfangs sind seit einigen Jahren bekannt: Viele Fischvorkommen sind weltweit völlig zusammengebrochen. So ist der Bestand an Thunfisch, Schwertfisch und Hai ist um 90 Prozent zurückgegangen. Mehr als die Hälfte aller Fischbestände sind nach Angaben der UN bis an ihre biologischen Grenzen befischt, 30 Prozent gelten als vollständig erschöpft. Ein Problem, dass  sich direkt vor unserer Haustüre abspielt: Die Hälfte aller europäischen Fanggebiete ist überfischt.

 

Die Reaktionen sind unterschiedlich: Einige Länder haben mittlerweile gezielt Maßnahmen ergriffen und tragen durch ein nachhaltiges Fischereimanagement dazu bei, dass sich Fischbestände langfristig wieder erholen können. Und das ist auch dringend nötig, denn aus Ausweichen auf neue Gebiete, nachdem die alten völlig abgefischt wurden, ist kaum noch möglich. Nach Aussagen des Umweltprograms der Vereinten Nationen UNEP wird es spätestens im Jahr 2050 keine Fischerei mehr geben. Es sei denn, die noch vorhandenen Fischbestände werden konsequent geschont.

 

Eine unglaubliche Vorstellung. Doch es zeigen sich Hoffnungsschimmer am Horizont. Denn das Ausmaß der katastrophalen Entwicklung ist in der Politik angekommen und auch die Fischerei-Industrie, vor allem auch die Tiefseefischerei, hat kein wirkliches Interesse daran, sich selbst das Wasser abzugraben. Entsprechend wurden in den vergangenen Jahren zunehmend strengere Schutzmaßnahmen beschlossen.

 

So haben beispielsweise Australien und Neuseeland weite Schutzgebiete eingerichtet, in denen Grundschleppnetze komplett verboten sind. In Teilen der Schutzgebiete darf gar nicht mehr gefischt werden, damit sich die Fischbestände wieder erholen können.

 

 

Beifang reduzieren – Bestände stabilisieren

Fischfreunde geraten ins Schwärmen.

Auch innerhalb der Europäischen Union wurde 2013 eine Fischereireform  auf den Weg gebracht. Einer der wichtigsten Punkte ist dabei, die Senkung des Beifangs. Die Menge der Meerestiere, die an Bord verenden und nicht sinnvoll genutzt werden, soll von 30 Prozent auf 5 Prozent reduziert werden.

 

Um das Überleben vieler Fischarten langfristig zu sichern, müssen außerdem die Bestände wieder auf ein stabiles Niveau gebracht werden. Darüber hinaus sollen die Fangquoten innerhalb der Europäischen Union diese Ziele auf lange Sicht mit unterstützen.

 

Dass diese Strategie langsam aufgeht, zeigt sich in der Nordsee. Laut einer Studie des Thünen-Instituts in Hamburg befinden sich die Bestände von 18 verschiedenen Fischarten wieder auf einem stabilen Niveau. Dazu zählen die beliebten Speisefische Scholle, Seelachs und Hering. Hier ist nachhaltiger Fischfang möglich, denn die Menge an Fischen, die jährlich gefangen wird, wird durch die natürliche Vermehrung der Arten innerhalb dieses Zeitraums wieder vollständig ersetzt. Anfang des Jahrtausends gelang dies lediglich bei fünf Arten.

 

 

Augen auf beim Fischkauf

Auch beim Fischkauf gelten die Faustregeln des klimafreundlichen Einkaufens. Also möglichst saisonale Bioprodukte aus der Region wählen. Diese Regeln können am Karpfenteich leichter nachvollziehen, als bei den beliebten Seefischen. Generell helfen hier Bio- und Umweltsiegel weiter. Bei Zuchtfischen, geben die Siegel von Bioland, Naturland sowie das von der Naturschutzorganisation wwf initiierte Aquaculture Stewardship Council (ASC) Auskunft . Hier können Kunden sicher gehen, dass nur gentechnikfreies Fischfutter verwendet wurde.

 

Spätestens bei Fischen aus dem Meer wird es schwieriger Herkunft und Qualität sicher zu bestimmen. Angaben wie „delfinfreundlich gefangen“ helfen wenig, denn sie werden bei Thunfischprodukten verwendet und geben keinerlei Auskunft darüber, ob die jeweilige Fischerei nachhaltig arbeitet.

 

Zuverlässigere Angaben über die Nachhaltigkeit des Fangs von Wildfisch gibt das MSC-Siegel. Das Marine Stewardship Council (ASC) bietet mit seinem Zertifizierungsprogramm Fischereien die Möglichkeit an, die Nachhaltigkeit ihres Unternehmens unabhängig bestätigen zu lassen. Verbraucher erhalten so die Gewissheit, dass ihr Fischgericht keinen negativen Einfluss auf die weltweiten Fischbestände nimmt und den Lebensraum Meer schädigt. Gleichzeitig unterstützen sie eine vorbildliche Fischerei-Wirtschaft. Fisch mit einem zuverlässigen Siegel kann bedenkenlos denn Festtagstisch bereichern.

 

 

Welche Fische sollten nicht auf dem Teller landen

Keine guten Zeiten für Aale-Dieter

Einige beliebte Fischarten sind jedoch auch weiterhin gefährdet und sollten generell nicht gekauft werden. Dazu zählt der europäische Aal, der von der Weltnaturschutzunion (IUCN) bereits auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere geführt wird. Auch Aale aus Aquakulturen stellen eine Gefahr für die Bestände anderer Fischarten dar. Denn Aale benötigen pro Kilogramm ihres eigenen Körpergewichts gut fünf Kilogramm Fisch als Futter.

 

Ebenfalls stark überfischt und auf der Roten Liste verzeichnet ist der Dornhai. Bekannter ist dieser bedrohte Meeresbewohner als Seeaal oder als Schillerlocke. In Großbritannien ist er als Steinlachs Bestandteil der beliebten „Fish and Chips“. Ebenfalls stark gefährdet sind die Bestände an Schwertfisch und Blauflossenthunfisch.

 

 

Ungetrübter Fischgenuss

Qualitätssiegel helfen zwar beim Kauf von verpacktem Fisch, wer seinen Fisch jedoch frisch einkauft, kann nicht hundertprozentig sicher sein, dass die Ware aus nachhaltiger Fischerei stammt. Wer verlässlich ausschließen will, dass Fisch aus bedrohten Beständen auf seinem Teller landet, kann einen Fischratgeber nutzen. Die Umweltorganisation Greenpeace beispielsweise, bietet ihren Ratgeber auch als App an, so dass die Liste beim Einkauf gleich zu Hand ist.

 

Was den traditionellen Weihnachts– respektive Neujahrskarpfen anbelangt, ist übrigens generell Entwarnung angesagt. Ihr Bestand ist nicht gefährdet. Sie werden im allgemeinen in geschlossenen Systeme ohne Umweltbelastung gezüchtet, oft auch in Fischteichen, die unter Naturschutz stehen und ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen, Algen und Kleintieren.

 

 

Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Wer sich Gedanken über sein Konsumverhalten macht und im Auge behält, welche verheerenden Auswirkungen diese auf Umwelt und Klima nehmen können, hat verstanden: Nachhaltiges Denken und Wirtschaften sichert die Zukunft unseres Planeten.

 

Nachhaltig erzeugte Produkte sind dabei ein guter und wichtiger Schritt. Das bezieht sich nicht nur auf handfeste Dinge wie etwa einem grünen Hering, sondern auch grüne Geldanlagen. Denn gerade das Investment in Unternehmen und Staaten, die sich ethischen und ökologischen Werten verpflichtet fühlen, beschleunigt eine positive weltweite Entwicklung.

 

Grünes Geld, erfahrener Anbieter für nachhaltige Geldanlagen bietet seinen Kunden mehr als 300 interessante Finanzprodukte, die nicht nur gut für Natur und Klima sind, sondern auch gute Rendite erwirtschaften.

 

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Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf Xing, Facebook oder Twitter.
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