Autor: Carmen Junker 10. November 2017

Food Trends – 5 aktuelle Entwicklungen im Bereich Lebensmittel

Zusammenfassung: Essen verbindet. Die aktuellen Food Trends spiegeln die gesellschaftlichen Entwicklungen wider: Speisen werden von der Rezeptur internationaler – aber auch regionaler von den Zutaten. Einfachheit ist Trumpf, Gemüse steigt weiter im Ansehen.

 

Food Trend – einfach & gut!

 

 

Essen ist in unserer Kultur sehr viel mehr, als bloße Nahrungsaufnahme. Was hierzulande auf den Tellern landet, ist vielmehr ein Ausdruck des Lebensstils und der kulturellen Identität. Essen spiegelt ethische Werte wider und ist mehr oder weniger ein „Statement“. Die Auswahl von Lebensmitteln – und die freie Auswahl ist in den Industrienationen quasi uneingeschränkt möglich – ist auch ein Mittel der Selbstdarstellung und der individuellen Lebensweise.

 

Nachhaltigkeit und Regionalität haben sich im Bereich der Lebensmittel zu wichtigen Kriterien entwickelt. Dabei befriedigen nicht nur lokale Erzeuger und Bioläden diese Ansprüche, auch Supermarktketten und selbst Discounter werben zunehmend mit diesen Aspekten guter Lebensmittel. Hinzu kommen die beiden Dauer-Trends der vegetarischen und veganen Lebensweise, die längst ihr alternatives Nischen-Dasein verlassen haben. Entsprechende Produkte finden sich längst in breiter Auswahl in den Lebensmittelgeschäften.


 

Dem Thema Essen zu entgehen, ist kaum möglich. Schließlich ist Essen ein menschliches Primärbedürfnis. Und so ist es mit dem Essen wir mit der Kommunikation: 1. „Man kann nicht nicht essen.“ und 2. Selbst wer sagt, dass ihm Essen gleichgültig sei, gibt ein komplexes Statement ab.

 

Genügend zu essen zu haben, bewirkt jedoch auch schwierige Entwicklungen. Denn auf der einen Seite steigt das Wissen über Lebensmittel an, auf der anderen Seite steigt der Anteil an übergewichtigen Menschen . Hinzu kommt eine wachsende Anzahl von lebensmittelabhängigen Allergien und Intoleranzen. Hier erleichtern verbesserte Kennzeichnungen („free from“) das Leben. Gleichzeitig steigt jedoch auch der Anteil der gefühlten Allergiker rapide an: Fast ein Viertel der Deutschen geht davon aus, bestimmte Lebensmittel nicht zu vertragen.

 

 

„Back to the basics“ – Vereinfachung gegen Verunsicherung

In Zeiten der zunehmenden Verunsicherung, ist die Vereinfachung ein beliebtes Hilfsmittel. Während bei komplexen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen Vereinfachung sich meist als schlichtweg falsch – wenn nicht sogar als extrem problematisch – herausgestellt hat, ist Vereinfachung im Bereich Nahrung eher ein positiver Weg, der sich auf die natürliche Vielfalt besinnt. Überschaubare Zutatenlisten, Verzicht auf extreme Verarbeitung, zurück zu den einfachen Genüssen.

 

Mit dieser Einfachheit korrespondiert auch der Trend zum selber machen, der sich im Bereich Essen über sämtliche Mode-Erscheinungen hinweg erstreckt. Ganz gleich ob selbst fermentiertes Gemüse aus dem eigenen Garten oder zuckersüße Torten, kunstfertig garniert und dekoriert – Verbraucher wollen mehr denn je wissen, was in ihren Lebensmitteln steckt und genießen auch verstärkt die Zubereitung. Eine Entwicklung, die auch die aktuellen Food-Trends deutlich widerspiegeln.

 

 

Trend 1: Street Food statt Fast Food

Lecker auf die Hand – Street Food.

Street Food zählt zu den einflussreichsten Strömungen im Bereich Ernährung und hat sich in Deutschland bereits zu einem regelrechten Kult entwickelt. Street Food Festivals und Food Trucks bieten aktuell quer durch die Republik Speisen zum sofortigen Verzehr an. Inspiriert ist diese Entwicklung weniger durch die internationalen Fast Food-Ketten, die zwar äußerlich gesehen ähnlich arbeiten, sondern vielmehr durch die traditionellen asiatischen und afrikanischen regionalen Märkte, auf denen Händler, Klein- und Kleinstunternehmer und Familien lokale Gerichte anbieten. Das Essen wird im Allgemeinen frisch – direkt vor Ort und vor den Augen der Gäste zubereitet – und ist nahrhaft und bezahlbar.

 

Mit dieser Idee – internationale Gerichte, authentisch zubereitet – feiert Street Food aktuell in Europa große Erfolge. Denn Street Food hat mit den üblichen To-go-Angeboten wenig gemeinsam. Street Food-Anbieter setzen vielfach auf Regionalität und wechseln entsprechend ihr Speiseangebot regelmäßig. Zu den Erfolgsschlagern der „Street Cuisine“ zählen mittlerweile Süßkartoffel-Pommes, scharfe Suppen und sogenannte One Pot-Gerichte. Ergänzt wird das Angebot durch beliebte Gerichte der Hausmannskost, wie Milchreis und Pürees. Aber auch die bodenständigen Dauerbrenner der Unterwegs-Verpflegung kommen im modernen Street Food zu ihrem Recht. So werden vielfach auch Burger und Brat- beziehungsweise Currywürste in bester Qualität – teilweise aber auch in neuen Zusammenstellungen – angeboten und durch Lammbuletten-Spieße oder Chicken-Tandoori ergänzt. Die positiven Effekte des Street Food Trends liegen auf der Hand, denn Street Food bietet nicht nur Essen sondern vermittelt auch generell die Philosophie von einer gemeinsamen Welt. Durch die Verwendung regionaler und saisonaler Produkte wird auch das Verständnis für die richtigen Lebensmittel zur richtigen Zeit geweckt. Die phantasievollen und qualitativ meist hochwertigen Produkte bringen nicht nur unmittelbaren Genuss, sondern regen auch zum Nachkochen an.

 

 

Trend 2: Gemüse ist das neue Fleisch

Der Held in Marc-Uwe Klings neuem Roman „Quality Land“  verspeist – wenn auch mit wenig Freude – einen Burger aus Recycling-Fleisch. Der Philosoph Richard David Precht geht davon aus, dass in zwanzig Jahren die Massentierhaltung der Vergangenheit angehören wird. Neben der technologischen Entwicklung sprächen dafür auch eindeutig ethische Argumente. Zudem werde Kunstfleisch nicht nur besser für die Tiere und das Klima sein, sondern auch ungleich günstiger angeboten werden können. Ein Aspekt, dem auch der Dokumentarfilmer Valentin Thurn in „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ nachgeht, um die Frage zu klären, wie die ständig wachsende Weltbevölkerung angemessen ernährt werden kann.

 

Gemüse ersetzt zunehmend Fleisch.

Alle diese Überlegungen haben eine Gemeinsamkeit: Der massenhafte Fleischkonsum in den Industrienationen ist kein zukunftsfähiges Modell. Historisch gesehen war er auch nur ein Intermezzo, denn Fleisch war für viele Generationen – bis weit in die sechziger Jahre hinein – ein Produkt, das nicht täglich auf den Tisch kam. Erst durch die industrielle Landwirtschaft, Massentierhaltung und Globalisierung ist Fleisch in der ersten Welt extrem billig geworden. Dabei sprechen viele Gründe gegen den reichlichen Fleischkonsum. Denn durch die Massentierhaltung werden zum einen Unmengen pflanzlicher Lebensmittel zu Futtermitteln. Zum anderen schädigt die Viehzucht auf Hochleistungsniveau das Klima. Aber auch individuelle gesundheitliche Gründe sprechen gegen den enormen Fleischverzehr – aller Paleo-Diäten zum Trotz.

 

Glücklicherweise verlieren auch immer mehr Verbraucher die Lust am Billig-Fleisch und wenden sich vermehrt wieder dem Gemüse zu. Dass Gemüse von der Beilage zum Hauptgericht avanciert, ist ein Trend, der von internationalen Spitzenköchen mit vorangetrieben wird. Triebfeder ist dabei nicht nur die professionelle und kreative Zubereitung – beispielsweise Rote Bete Carpaccio – sondern auch die Neu- und Wiederentdeckung der Vielfalt aus dem Gemüsebeet. Die österreichische Trendforscherin Hanni Rützler geht davon aus, dass Vegetarier auch zukünftig nicht die Mehrheit bilden werden, der Anteil der kritischen – und damit auch nur gelegentlichen – Fleischesser jedoch stark zunehmen wird.

 

 

Trend 3: Migration bewegt auch das Essverhalten

Die Welt ist heute mehr in Bewegung denn je. Es liegt eigentlich auf der Hand, dass die Migrationsströme auch Einfluss auf die Essgewohnheiten nehmen. Schon mit der Anwerbung von Arbeitskräften aus Italien vollzog sich in den fünfziger Jahren ein – wenn auch damals noch kritisch beäugter – Wandel in den deutschen Küchen. Heute zählen italienische Gerichte zum Standard und werden kaum als neu oder fremd wahrgenommen.

 

Mittlerweile zählt gemeinsames interkulturelles Kochen auch als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur gesellschaftlichen Integration. Kein Wunder also, dass ein Food Trend aus dem östlichen Mittelmeerraum kommt: die Levante Küche. Hoch im Kurs stehen dabei arabische Gerichte auf Basis von Kichererbsen, wie Hummus und Falafel. Dieser Trend korrespondiert auch mit dem Trend zur Gemüseküche, denn auch hier liefert Levante neue Impulse. Wie schnell sich die Entwicklung vollzieht, belegen die Supermarktregale, die bereits eine Vielzahl von Zutaten bereithalten.

 

 

Trend 4: Die neue Freude an der Vorratshaltung

Für den fermentierten Sauerkohl schwärmte schon die Witwe Bolte.

Erdbeeren selber pflücken und zu Marmeladen verarbeiten, Wildkräuter und –pflanzen  sammeln und zubereiten. Immer mehr Menschen finden Freude an einer kleinen Subsistenzwirtschaft. War die Vorratskammer noch bis vor kurzem ein Relikt aus Großmutters Zeiten, biegen sich in vielen Do-it-Yourself-Haushalten wieder die Regalbretter unter der Last des Eingekochten, Getrockneten oder Fermentierten.

 

Letzteres hat sich zu einem wichtigen Food Trend entwickelt und auch schon Einzug in die Jugendsprache gehalten. Denn Fermentation bedeutet eigentlich nichts anderes als kontrolliertes Vergammeln. Dass passt gut zum Trend zu mehr Gemüse, denn durch fermentieren lässt sich jedes Gemüse lange haltbar machen. Das geschieht durch den Prozess der der Milchsäuregärung. Dabei werden die Kohlehydrate des Gemüses in Milchsäure umgewandelt. Die Milchsäure dient dabei als natürlichen Konservierungsstoff und schützt das Gemüse vor dem Faulen. Interessant an der Methode ist, dass sich das Gemüse dabei im Geschmack und in der Textur verändert. Das wohl landläufig bekannteste Beispiel für milchsaures Gemüse ist das in Deutschland beliebte Sauerkraut. Fermentieren ist aber nicht nur für die Vorratshaltung nützlich, sondern dient auch der Gesundheit. Das Gemüse ist besonders nähstoffreich, weil es bei der Zubereitung nicht erhitzt wurde. Außerdem wirkt es probiotisch und sorgt damit für eine gesunde Darmflora.

 

 

Trend 5: Misstrauen gegen hochverarbeitete Lebensmittel wächst

Die Lebensmittelskandale der letzten Jahre, häufige Rückrufaktionen des Handels, steigende Unverträglichkeiten. All diese Aspekte haben dazu geführt, dass die Akzeptanz für stark verarbeitete, industriell erzeugte Lebensmittel immer weiter sinkt.

 

Hinzu kommt, dass Supermärkte längst nicht mehr die wichtigste Quelle für Verbraucher darstellen. Direktvermarkter – auch unterstützt durch den Online-Handel – bieten immer mehr Alternativen. Dazu wirkt der Trend zum selber machen und die verstärkte Information von Verbraucherschützern und Ernährungswissenschaftlern. Verbraucher wollen wissen, was sie zu sich nehmen und verzichten gerne auch überflüssige Zutaten oder ein Zuviel an Zucker, Salz oder Fetten.

 

 

Gute Lebensmittel haben ihren Preis

Lebensmittel spielen in der Diskussion um Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Denn Ernährungsgerechtigkeit ist für eine soziale und ökologische Entwicklung der Welt ein bedeutendes Ziel. Daher ist auch die Bekämpfung des Hungers weltweit eines der UN-Nachhaltigkeitsziele, die es bis zum Jahr 2030 zu erreichen gilt.

 

Erfreulich also, dass die wichtigsten Food Trends 2017/18 auf mehr Qualität und Regionalität setzen. Verbrauchern muss allerdings dabei auch klar werden, dass gutes Essen auch seinen Preis hat. Bislang verhielt sich Deutschland bei den durchschnittlichen Ausgaben für Lebensmittel eher bescheiden. Lediglich zehn Prozent des Einkommens wurde für Lebensmittel aufgewendet. Ein Trend, der sich auch in den anderen Industrienationen abzeichnet.

 

Wer also gutes Essen genießen und dennoch auf seine Finanzen achten will, sollte in eine positive Entwicklung investieren. Denn nachhaltige Geldanlagen fördern nicht nur soziale und ökologische Entwicklungen weltweit, sondern erwirtschaften auch eine attraktive Rendite. Grünes Geld, erfahrener Experte für nachhaltige Investments, zeigt, welche Grüne Geldanlage zu Ihnen passt.

 

 

 

  Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“. Mehr zu ihr und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

 

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