Autor: Carmen Junker 24. November 2017

Klimafreundlich mobil – Neues aus der Mobilitätsforschung

Zusammenfassung: Verkehr und Mobilität verursachen noch immer enorme Mengen an CO2-Emissionen. Um das Klima zu schützen, sind neue Wege in der Verkehrspolitik notwendig, wie beispielsweise die intelligente und bedarfsgerechte Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsmittel ohne Verbrennungsmotor. Einige Trends aus der Mobilitätsforschung.

 

Nicht nur das Auto bewegt die Welt.

 

Jeder Deutsche verursacht im Durchschnitt rund zwölf Tonnen CO2 pro Jahr. Hauptverursacher der enormen Emissionen von Treibhausgasen sind zum einen der noch immer sehr hohe Verbrauch von Energie aus fossilen Quellen, dicht gefolgt vom Thema Verkehr. Wenn Deutschland bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein will, müssen gut elf Tonnen CO2 pro Person und Jahr eingespart werden.

 

Deutschland tut sich zwar noch immer mit dem konsequenten Ausstieg aus der Kohle schwer. Dennoch sind die Alternativen zu den klimaschädlichen fossilen Energieträgern und der mehr als riskanten Atomenergie längst bekannt und weitgehend akzeptiert. Sonne, Wind  und Wasser liefern saubere regenerative Energien. Darüber hinaus sorgen vielfältige Entwicklungen in Sachen Energieeffizienz dafür, dass Strom und Wärme ökonomischer genutzt werden können.

 

Nicht ganz so einfach sind die Alternativen im Bereich Verkehr zu beschreiben. Denn während ein Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr für junge Großstädter leicht zu bewältigen ist, würde es für Menschen in ländlichen Regionen nahezu unmöglich, ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Und auch die vielgerühmte E-Mobilität hat ihre Tücken, denn Autos mit Elektromotor fahren zwar umweltfreundlich, werden jedoch auch mit einem großen „ökologischen Rucksack“ produziert. Darüber hinaus wirkt sich die Nutzung der E-Autos nur im der Nutzung von klimafreundlich erzeugtem Strom positiv aus.

 

 

 

 

Traffictopia – klimafreundlicher Verkehr

Nicht nur das Fahrrad macht klimafreundlich mobil.

Mobilität bedeutet Freiheit und Flexibilität. Gerade im Berufsleben zählt eine Bereitschaft zur Mobilität in vielen Berufen längst zu den Schlüsselqualifikationen. Aber auch im Alltagsleben zählt Mobilität zu den Faktoren, die für eine hohe Lebensqualität sorgen.

 

Gerade mit Blick auf Umwelt und Klima, muss Mobilität jedoch nicht zwangsläufig Automobilität heißen. Denn der motorisierte Individualverkehr taugt als alleiniges Mittel zur Mobilität für alle – und da sind sich nahezu alle Mobilitätsforscher heute einig – nicht als Modell für die Zukunft.

 

Verkehrspolitik ist daher eines der zentralen Themen, die in den kommenden Jahren von weitreichenden Veränderungen betroffen sein werden. Jedenfalls dann, wenn Deutschland es mit dem Klimaschutz ernst mein. Dass ein genereller politischer Wille vorhanden ist – wenn auch noch nicht eingebettet in konkrete Veränderungen im Bereich der Verkehrspolitik, zeigt auch die Aussage von Kanzlerin Angela Merkel, die den Verbrennungsmotor nur noch als Übergangstechnologie bewertet.

 

 

Emotionale Hürde – das eigene Auto

Mehr Stehzeug als Fahrzeug.

Weg vom eigenen Auto, im Sinne der Philosophie „benutzen statt besitzen“, hin zu einer Mobilitätskultur, die unterschiedliche Möglichkeiten der klimafreundlichen Fortbewegung miteinander verbindet – diese Entwicklung steht vor einer schwierigen Hürde. Nämlich der großen Liebe der Deutschen zu ihrem eigenen Auto. Noch nie zuvor in der Geschichte konnten soviele Menschen ein so teures Objekt ihr Eigen nennen. Und kaum ein anderes Produkt wird mit soviel Leidenschaft gepflegt und gibt über Marke und Modell ein weitreichendes Soziogramm seines Besitzers preis. Kurzum: Das Auto ist das Statussymbol Nummer eins. Obgleich viele das Auto für unentbehrlich halten, ist es statistisch gesehen mehr ein Steh- denn ein Fahrzeug. Die meisten Autos werden maximal zwei Stunden am Tag von nur einer Person genutzt.

 

Diesen hohen Grad der Identifizierung mit dem eigenen Auto aufzulösen wird möglicherweise schwieriger, als sämtliche technischen Fragen, die sich auf dem Feld der klimafreundlichen Mobilität ergeben. Zukunftsfähige Verkehrskonzepte müssen daher vielfältige Lebensentwürfe und Einstellungen mitberücksichtigen, um Erfolg zu haben.

 

Natürlich geht es nicht nur um den Wert und den Status, den das Auto dem Besitzer verleiht. Auch bei Menschen, die alternativen Verkehrskonzepten offen gegenüber stehen, versagt schnell die Phantasie, wenn es um ein Leben ohne Auto geht. Denn in Deutschland wurde es über viele Jahrzehnte hinweg versäumt, gerade in ländlichen Räumen, eine Verkehrsinfrastruktur neben dem individuellen Autoverkehr aufzubauen. So sind Raum- und Siedlungsstrukturen entstanden, die ohne Auto nicht funktionieren. Und so bremsen noch immer rund 40 Millionen Fahrzeugen in Deutschland einen Wandel in der Verkehrs- und Klimapolitik aus.

 

 

 

Chancen der Digitalisierung – intelligente Verknüpfungen weisen den Weg

Um eine Veränderung der Mentalität – weg vom Primat PKW – zu bewirken sind überzeugende positive Szenarien nützlich. Hilfreich sind dabei Vorbilder, die nachahmenswert für eine Mehrheit der Menschen werden. Mobilitätsforscher Stephan Rammler, Professor für Transportation Design & Social Sciences an der HBK Braunschweig und Autor des Buches mit dem provokanten Titel „Volk ohne Wagen“, sieht einen wichtigen Trend in der fortschreitenden Digitalisierung.

 

Denn gerade urbane Jugendliche bewerten die neueste Smartphone-Generation weitaus höher als erstrebenswertes Statussymbol als ein Auto, gleich welcher Marke. Darüber hinaus bietet die Digitalisierung ein immens breites Feld von Möglichkeiten, zum Car-Sharing und zur Verbindung von individueller Mobilität und dem öffentlich Verkehr.

 

 

5 Punkte für eine klimafreundliche Mobilität

 

Paketdienstleister DHL geht neue Wege.

 

1. Alternative Verkehrskonzepte gefährden keine Arbeitsplätze

Mobilität und Flexibilität lauten die Schlagworte der deutschen Wirtschaft. Geht es allerdings um die eigene Flexibilität, zeigt sich die Automobilindustrie immer wieder überraschend behäbig.

 

So suchte die Deutsche Post DHL Group, lange Zeit vergebens nach einem Autobauer, der die geplante Elektromobilität des Paketdienstes umsetzen könnte. Schließlich baute die Post seine Streetscooter mit technischer Unterstützung der RWTH Aachen selbst. Die Reichweite von rund 80 Kilometern reicht auch für viele lokal agierende Unternehmen aus und so bietet das Tochterunternehmen mittlerweile die klimafreundlichen Lieferwagen auf dem Markt an.

 

Ein Beispiel dafür, dass die Automobilindustrie hierzulande noch immer stark auf den Verbrennungsmotor fokussiert ist. Dass sich das nur schleppend ändert, liegt nach Ansicht einiger Experten mitunter auch daran, dass der Kauf eines Autos mit Hybrid- oder Elektromotor für den Verbraucher kaum mit finanziellen Anreizen verbunden ist.

 

Aber auch außerhalb der Autoproduktion können sich Automobilkonzerne verstärkt als Garanten einer individuellen Mobilität profilieren. Etwa durch Angebote zum Car-Sharing, die in ein umweltfreundliches Gesamtkonzept integriert werden. Damit werden auch Kunden gewonnen, die auf ein eigenes Auto verzichten. Auch hier ist die Automobilindustrie gefordert, neue wirtschaftliche Konzepte in ihre Unternehmensstrategie zu integrieren.

 

Derzeit verdienen Automobilunternehmen Geld durch den Verkauf ihrer Autos, sie könnten jedoch auch Mobilitätsdienstleistungen verkaufen. Anstelle des Produktes tritt dann dessen Funktion. So ließe sich das gleiche Niveau an Wertschöpfung erzielen und zugleich ein Mehrwert für Umwelt und Klima erreichen. Effekte, die ein Unternehmen durchaus auch zugunsten ihres Images nutzen kann.

 

 

2. Das Auto rollt weiter

Autos werden auch weiterhin auch weiterhin das Straßenbild bestimmen. Die alte Vorstellung, ein Auto selbst zu besitzen und selbst zu fahren, wird sich nicht mehr auf lange Zeit durchsetzen können. Im Vordergrund der künftigen Entwicklungen stehen nutzungsintelligente Konzepte, die es ermöglichen werden, Fahrzeuge sehr viel intelligenter einzusetzen. Beispielsweise in dem Autos und Fahrten geteilt werden. Dabei ist das Konzept des Carsharings bereits seit einem guten Viertel Jahrhundert bekannt und auch das Ride Sharing entspricht im Grunde der klassischen Fahrgemeinschaft oder der Mitfahrzentrale.

 

Neu an diesen Modellen aber ist, dass die Digitalisierung sämtliche Abstimmungsprozesse – also die Frage, „wer – wann – wohin“ fährt – stark vereinfacht wird. Auch die Menge der Fahrten lässt sich so reduzieren, so dass das derzeit steigende Verkehrsaufkommen im Rahmen gehalten werden kann. Diese Konzepte sind auch für Unternehmen interessant, denn auf Basis dieses Grundgedankens lassen sich auch ganze Fahrzeugflotten teilen.

 

 

3. Verkehrsmix – Networking ist Trumpf

Intelligente Verkehrskonzepte der Zukunft setzen auf Verknüpfung. Die Nutzung des Autos als alleiniges oder vorrangiges Verkehrsmittel ist – auch bei einer steigenden E-Mobilität – nicht umweltgerecht. Erst das reibungslose Zusammenspiel zwischen Automobilität, öffentlichem Nah- und Fernverkehr, Fahrrädern und Fußgängern ergeben einen umwelt- und menschengerechten Verkehrsmix. Vom integrierten Gesamtbild einer nachhaltigen Mobilität profitieren vor allem auch Regionen, die derzeit tagtäglich kurz vor dem Verkehrskollaps stehen. Denkbar sind beispielsweise dreispurige Innenstadtstraßen, auf denen eine Spur für den ÖPNV, eine Spur für Fahrräder und eine Spur für Elektroautos zur Verfügung stehen.

 

Teile von diesen Konzepten werden bereits realisiert, jedoch ist vielfach die Busspur frei, während die Autospur zu vielen Zeiten überfüllt ist. Ein ausgeogenes Netzwerk kann bewirken, dass der Autoverkehr ab- und der Busverkehr zunimmt. Eine Entwicklung von der die Lebensqualität der Innenstädte genauso profitieren wird, wie das globale Klima.

 

 

4. Keine nachhaltige Technologie ohne nachhaltigen Lebensstil

Wer im Berufsverkehr mit dem Auto in einer deutschen Großstadt unterwegs ist, kann mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa neun Kilometern pro Stunde rechnen. Das entspricht in etwa der doppelten Geschwindigkeit eines Fußgängers. Und wer zu Stoßzeiten in den Metropolen sein Auto abstellen will benötigt ebenfalls viel Geduld. Mehr als 500 Millionen Stunden pro Jahr befinden sich die Deutschen auf der Suche nach einem Parkplatz.

 

Die beiden Beispiele zeigen, dass eine zukunftsfähige Mobilität nicht allein durch die Nutzung von E-Autos vorangetrieben werden kann. Würden schlagartig sämtliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren durch Autos mit Elektromotor ausgetauscht werden, wäre es zwar sehr viel leiser in den Städten, auch würden während der Fahrten kein CO2 ausstoßen werden, jedoch hätte sich an der Verkehrssituation nichts geändert.

 

Neue Technologien können zwar Nachhaltigkeit unterstützen, ohne eine veränderte Einstellung gegenüber dem Thema Klimaschutz wird sich allerdings wenig bewegen lassen. Hier zeigt sich auch die Parallele zur Energiepolitik: Erneuerbare Energien sind sinnvoll und sollten flächendeckend genutzt werden. Allerdings ist es dringend geboten, auch den Energieverbrauch massiv zu senken.

 

 

5. Der ÖPNV liebt dich!

Die Deutschen lieben ihr Auto – aber die Verkehrsbetriebe lieben ihre Fahrgäste und sorgen dafür, dass diese jederzeit sicher, umweltschonend und preiswert nach Hause kommen.

 

So wirbt jedenfalls aktuell die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG mit dem Slogan „Weil wir dich lieben“ und erreicht mit seinem aktuellen Video „Ohne uns“ Klickzahlen in Millionenhöhe. Als Vorbild des Clips im achtziger Jahre Stil diente der legendäre Song „Ohne Dich“ von der Münchener Freiheit.
 

 

Klimafreundlich und mobil

Grünes Geld, Experte für klimafreundliche Investitionen, zeigt mit seinen Finanzprodukten, dass auch sinnvolle Geldanlagen der Fahrschein in eine klimafreundliche Mobilität sein kann. Das Musterdepot Klima beispielsweise, umfasst unter anderem Investments in klimafreundliche Infrastruktur- und Mobilitätsanbieter. Aber auch Geldanlagen im Bereich der Erneuerbaren Energien unterstützen die weitere Entwicklung zu einem klimafreundlichen Verkehr aktiv mit. Machen sie den Grünes Geld Test.

 

 

 

 

 

  Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“. Mehr zu ihr und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.
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