Autor: Gerd Junker 21. November 2017

Klimakonferenz 2017 – Was bleibt von der COP 23?

Zusammenfassung: Auf der Weltklimakonferenz COP 23 in Bonn herrschte ein positives Klima. Jetzt stellt sich die Frage, wie die Verhandlungen sich auf das globale Klima auswirken werden und welche Maßnahmen konkret ergriffen werden, um die Erderwärmung zu stoppen.

 

Die Fidschi-Inseln bekommen die Klimaerwärmung bereits zu spüren.

Am vergangenen Freitag ist die Weltklimakonferenz (COP 23) in Bonn zu Ende gegangen. Die Konferenz stand in diesem Jahr unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln. Um den kleinen Staat im Südpazifik organisatorisch und logistisch zu entlasten, wurde zwischen dem 6. und 17. November in Bonn verhandelt. In der Bundesstadt am Rhein hat das Klimasekretariat der Vereinten Nationen seit dem Umweltgipfel in Rio 1992 seinen Sitz.

 

Bonn zeigte sich in den Verhandlungstagen als engagierter Gastgeber, der auf die große Zahl der Besucher aus aller Welt gut vorbereitet war. Bereits die eindrucksvolle Eröffnungsveranstaltung der COP 23 gab die Richtung der Konferenz vor. Auf der einen Seite arbeitsintensive Verhandlungen mit den offiziellen Vertretern der Staatengemeinschaft. Auf der anderen Seite ein breites Forum für Experten, Nichtregierungsorganisationen und zahlreiche Vertreter der Zivilgesellschaft.

 

 

 

 

Die ganze Welt an einem Tisch

Dass die ganze Welt – mit all ihren Unterschieden – an einem gemeinsamen Tisch sitzen wird, wurde auch im kulturellen Rahmenprogramm der Eröffnungsfeier deutlich. So sang die Elektropopkünstlerin Bernadette la Hengst, unterstützt von einem großen Kinderchor, das Lied „I’m an island“ und zeigte damit auch auf, dass es um die Bewahrung der Welt für die kommenden Generationen geht.

 

Auf der anderen Seite präsentierte Fidschi einen traditionellen Tanz und eine Zeremonie. Ebenfalls eine beeindruckende Mahnung, Kulturen zu bewahren und weitergeben zu können. Schließlich zählen die Inseln des Südpazifiks zu den Ländern, in denen sich die zerstörenden Auswirkungen der Klimaerwärmung bereits deutlich sichtbar machen.

 

Erderwärmung – das Eis wird dünner.

 

Gegen die herrschende Ignoranz

Während nach der Eröffnung die umfassenden Verhandlungen im Bonner UN-Campus weitgehend hinter verschlossenen Türen stattfanden, eröffnete die sogenannten „Bula-Zone“ die Möglichkeit zu einer regen offenen Debatte. Im World Conference Center diskutierten die inoffiziellen Vertreter aus aller Welt über Lösungsansätze, um das Klima auf der Erde unterhalb der 2-Grad-Grenze zu halten.

 

Außerdem wurden vielfältige Pilotprojekte vorgestellt, die anderen Ländern als Blaupause dienen können. Nicht zuletzt durch prominente Besucher blieb die COP 23 während der Verhandlungszeit im Fokus der Berichterstattung.

 

So lenkte beispielsweise die Teilnahme Arnold Schwarzenggers, Ex-Actionheld und Ex-Gouverneur von Kalifornien, eine Woche nach der Eröffnungsfeier wieder die Aufmerksamkeit auf den Weltklimagipfel. Schwarzenegger erklärte, dass die engagierten Bundesstaaten der USA sich nicht von der Politik Trumps beeinflussen lassen werden und weiter den Ausbau Erneuerbarer Energien voranbringen werden, um die Klimakrise zu bremsen.

 

Auch der ehemalige US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger Al Gore wurde euphorisch gefeiert. Schließlich zählt Gore bereits seit langem zu den profiliertesten Mahnern vor den Folgen der Erderwärmung. In Bonn warnte Gore eindringlich vor den hohen Risiken der Kernkraft und den immensen Folgekosten des Kohleabbaus.

 

Besonders in der Pflicht sieht er dabei die USA und Indonesien. Mit seinem neuen Film „Noch immer eine unbequeme Wahrheit“, hat Gore dokumentiert, welche Veränderungen der rasante Klimawandel bereits bewirkt hat. Eine globale Wende in der Energiepolitik und damit verbunden die konsequente Nutzung von Sonne, Wind und Wasser seien daher unausweichlich.

 

 

Die Ergebnisse der COP 23

Ohne Kohleausstieg …

Nachdem die 23. Weltklimakonferenz in Bonn in der vergangenen Woche beendet wurde, waren sich die 197 Vertragsparteien mehrheitlich einig, wichtige Fortschritte bei der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens erzielt zu haben.

 

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erklärte, dass diese Fortschritte sich nicht nur auf die Verhandlungen, sondern auch auf das konkrete Handeln bezögen. Die Klimakonferenz habe, so Hendricks, sämtliche Erwartungen voll erfüllt.

 

Besonders in Hinblick auf die kommende Klimakonferenz in Kattowitz in Polen seien die Weichen jetzt gestellt worden, so dass die Umsetzungsregeln des Pariser Abkommens beschlossen werden können.

 

Aber auch der Austausch mit allen Beteiligten im sogenannte Talanoa-Dialog wird als positives Ergebnis der Konferenz bewertet. Genauso die Bereitstellung von Geldern für die von der Klimakrise direkt betroffenen Länder.

 

Mit Spannung und Beunruhigung wurde auch erwartet, welchen Einfluss der Austritt der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auf andere Staaten nehmen wird. Hier die vier wichtigsten Ergebnisse der Klimaschutzkonferenz 2017:

 

 

1. Mehr Geld für die Entwicklungsländer

Es war das erste konkrete Ergebnis der Weltklimakonferenz 2017. Am zweiten Verhandlungstag gab Deutschland bekannt, die Entwicklungs- und Schwellenländer, verstärkt zu unterstützen, die besonders von der Klimakrise betroffen sind. Mit der Bereitstellung von 100 Millionen Euro setzte Gastgeber Deutschland ein starkes Zeichen für mehr Klimagerechtigkeit.

 

Schließlich sind es in erster Linie die Entwicklungs- und Schwellenländer, die mit den unmittelbaren Folgen der Erderwärmung zu kämpfen haben. Mit betroffen ist auch das Land, das in diesem Jahr die Präsidentschaft der COP 23 übernommen hat, die Fidschi Inseln. Sie müssen – wie auch andere Staaten im Südpazifik wie beispielsweise Kiribati – dabei zusehen, wie der Meeresspiegel ansteigt und ihre Heimat unbewohnbar macht.

 

Genauso betroffen sind aber auch große Teile Afrikas und Lateinamerikas. Hier zerstören immer häufiger auftretende Wettextreme die Lebensgrundlagen der Menschen. Anhaltende Dürren, Versteppungen, Tropenstürme und Überschwemmungen vernichten weite Teile der Landwirtschaft und führen zu einer weiteren Verarmung und Hungersnöten. Vielfach zeichnen diese Auswirkungen des veränderten Klimas auch für große Migrationsbewegungen verantwortlich, denn das Überleben in den betroffenen Regionen ist kaum noch möglich.

 

Hier ist die Staatengemeinschaft gefordert, insbesondere auch die Länder mit hohen Emissionen von Treibhausgasen. Denn es geht längst nicht mehr allein um den Wiederaufbau von Städten und Dörfern nach einer Unwetterkatastrophe, sondern um die langfristige Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Dieses Ziel verfolgt auch die von der Bundesregierung angekündigte Unterstützung in Höhe von 100 Millionen Euro.

 

Weitere 50 Millionen Euro wurden vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung  für den „Least Developed Countries Fund“  (LDCF) zugesagt, der besonders den ärmsten Ländern bei Anpassungsmaßnahmen helfen soll. Mit Hilfe dieses Fonds wurden bisher 195 Projekte in 49 Ländern realisiert.

 

Damit konnte Deutschland, einer der größten Geber des Anpassungsfonds, einen positiven Anfangsimpuls zu den Verhandlungen in diesem Jahr setzen. Ziel ist es jedoch auch, den Fonds zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels zum festen Bestandteil des Pariser Abkommens zu machen.

 

Mit diesem Geld beweisen die Industrienationen ihre Solidarität mit den Entwicklungsländern, die kaum für den Klimawandel verantwortlich sind, jedoch die Auswirkungen hautnah zu spüren bekommen. Finanziert werden sollen mit den Geldern unter anderem Maßnahmen zum Küstenschutz, Projekte in der Landwirtschaft und im Gesundheitswesen.

 

 

 

2. „Jahr eins“ nach Trump

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im vergangenen Jahr verhieß nichts Gutes für die globale Klimapolitik. Denn Trump zählt zu den Leugnern der Klimakrise, verschließt die Augen vor den mittlerweile deutlich sichtbaren Anzeichen und macht sich für den Kohleabbau im eigenen Land stark.

 

Dass sich diese Haltung weltweit nicht durchgesetzt hat, kann als positives Ergebnis der COP 23 gewertet werden. Denn mit Ausnahme der USA haben alle Mitglieder der Vereinten Nationen das Pariser Klimaschutzabkommen unterzeichnet. Damit sendet die Staatengemeinschaft ein starkes Signal aus: zusammenhalten, Verantwortung übernehmen, handeln.

 

Aber auch in die USA steht nicht einheitlich hinter der Regierung Trumps. Während auf der Weltklimakonferenz die offizielle US-Delegation versuchte, für „saubere fossile Energien“ zu werben, trat eine alternative Abordnung entschieden für den Klimaschutz ein.

 

 

3. Pariser Abkommen konkretisiert

Die Klimakonferenz von Paris 2015 endete richtungsweisend mit dem Pariser Abkommen, das es jetzt zu konkretisieren und umzusetzen gilt. Daher bestand die Aufgabe in diesem Jahr hauptsächlich darin, den konkreter Textentwurf für das Regelbuch zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens zu erarbeiten.

 

Für diese Verhandlungen hatten die Vertreter der nationalen Regierungen vielfältige Fragen zu klären. Denn jetzt müssen aus den ehemaligen Absichtserklärungen verbindliche Standards für alle Staaten festgeschrieben werden. Beispielsweise wird in diesem Regelwerk festgelegt, wie die Staaten ihre Emissionen an CO2 messen und berichten.

 

Mit den Ergebnissen dieser Vertragsausarbeitungen zeigten sich die Staaten nach Abschluss der Konferenz weitgehend zufrieden. Die in Bonn entwickelten Texte werden auf der Weltklimakonferenz in Polen im kommenden Jahr abschließend verhandelt werden.

 

 

 

4. Vorbilder nutzen – Talanoa-Dialog setzt neue Impulse

Einen besonderen Erfolg wird in diesem Jahr in der Präsentation der zahlreichen Lösungen zum Klimaschutz in der Bula-Zone der Konferenz gesehen. Hier wurden Leuchtturmprojekte vorgestellt und diskutiert. Meinungen und Impulse von Experten, Wissenschaftlern, Vertretern der Nichtregierungsorganisationen und andern Denkern der Zivilgesellschaft fanden hier einen Raum.

 

„Talanoa-Dialog“, also der Austausch unterschiedlicher Positionen soll auch zukünftig Bestandteil der Klimakonferenzen sein. Denn mit dem lebendigen gleichberechtigten Austausch wird die Umsetzungsagenda der Klimakonferenz vorangebracht. Ein wichtiger Prozess, denn schließlich reichen die aktuellen Klimaziele alleine noch nicht aus, um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

 

Ein Ergebnis des Klimagipfels in Paris war es daher auch, ehrgeizigere Ziele zu entwickeln. Durch die Bündelung der Beiträge und Impulse aus gesellschaftlichen Gruppierungen, innovativen Wirtschaftsunternehmen und aus der Wissenschaft können sinnvolle und zukunftsweisende Projekte auf den Weg gebracht und die Staaten zu einem ambitionierten Handeln motiviert werden, um die globale Lücke im Klimaschutz endgültig zu schließen.

 

 

Reicht das?

… kann Deutschland sein Klimaschutzziel nicht erreichen.

Die gute Stimmung nach der Klimaschutzkonferenz sollte die einzelnen Staaten motivieren, ihre nationalen Ziele zur Dekarbonisierung konsequent umzusetzen. Auch wenn die verbindlichen Standards noch nicht fertig ausgearbeitet und beschlossen worden sind, denn die Zeit wird knapp.

 

Deutschland gilt in der Staatengemeinschaft als einer der Vorreiter im Klimaschutz. Die in Doha 2011 beschlossen Klimaziele für die EU sehen vor, den CO2-Ausstoß gegenüber 1990 um 20 Prozent zu reduzieren. Ein Ziel, das Deutschland erreichen wird.

 

Allerdings wird Deutschland an den selbstgesteckten Zielen sicher scheitern, denn diese sahen eine Reduktion um 40 Prozent vor. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass die Reduktion der CO2-Emissionen lediglich 30 Prozent betragen werden.

 

Grundsätzliches Problem ist dabei, dass die Treibhausgasemissionen in diesem Jahr wieder angestiegen sind. Ohne Kohleausstieg und eine Wende in der Verkehrspolitik wird es Deutschland schwer haben, seine ehrgeizigen Ziele zu verwirklichen.

 

 

Was tun!

Dennoch wäre es jetzt das falsche Signal, den Kopf in den Sand zu stecken. Denn die Gefahren der Erderwärmung sind bekannt und werden – das hat die Klimakonferenz durchaus gezeigt – von nahezu allen Staaten ernst genommen.

 

Ohnmachtsgefühlen gegenüber globalen Entwicklungen lässt sich leicht durch Aktivität entgegenwirken. Denn wenn sich viele Menschen für klimafreundliche Maßnahmen entscheiden, wirken auch kleine Schritte. Auch Investitionen in Windenergie, Photovoltaikanlagen oder Aufforstungsprojekte wirken. Grünes Geld, erfahrener Anbieter von nachhaltigen Investments hilft Ihnen bei der Auswahl der passenden Geldanlage, oder bei Anlagesummen ab 50.000 Euro, auch mit Hilfe einer Vermögensverwaltung.

 

 

 

 

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf Xing, Facebook oder Twitter.
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