Autor: Carmen Junker 1. Dezember 2017

Glyphosat – Umstrittene Abstimmung über einen umstrittenes Produkt

Zusammenfassung: Pflanzengifte mit dem Wirkstoff Glyphosat dürfen in der EU weitere fünf Jahre verwendet werden. Das entschied die Abstimmung der Mitgliedstaaten in Brüssel in dieser Woche. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Außerdem bedroht der Stoff die biologische Artenvielfalt, vor allem Insekten und Feldvögel. Frankreich hat bereits seinen nationalen Ausstieg angekündigt. In Deutschland wird derzeit laut über diese Möglichkeit nachgedacht.

 

Glyphosat bleibt vorerst weiter zugelassen.

 

Anfang der Woche stand die Entscheidung fest: Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bleibt für weitere fünf Jahre in der Europäischen Union zugelassen.

 

Die letzte Zulassung für Glyphosat endete im Sommer 2015. Da unterschiedliche Gutachten vorlagen und sich der zuständige EU-Ausschuss nicht einigen konnte, entschied die EU-Kommission, dass die Genehmigung für das Unkrautvernichtungsmittel mit der Frist bis Ende 2017 vorerst verlängert wird. Rechtzeitig vor Ablauf dieser Frist wurde am Montag dieser Woche von den EU-Mitgliedern im Brüsseler Berufungsausschuss abgestimmt und für den Einsatz von Glyphosat während der kommenden fünf Jahre grünes Licht gegeben.

 

 

 

 

Glyphosat – Pflanzenschutzmittel oder Unkrautvernichter?

Ob man Glyphosat als Pflanzenschutzmittel oder als Unkrautvernichtungsmittel bezeichnen möchte, hängt wahrscheinlich vom jeweiligen Standpunkt ab. Fakt ist, dass der synthetische Wirkstoff seit seiner Entwicklung 1950 eine steile Karriere in der industriellen Landwirtschaft hingelegt hat. Aktuell ist Glyphosat mit großem Abstand das am häufigsten eingesetzte Pestizid. Allein in den vergangen zehn Jahren hat sich der Einsatz von Glyphosat verdoppelt. Rund 5.000 Tonnen Glyphosat werden jährlich auf deutsche Äcker gesprüht.

 

Monokulturen ohne störendes Unkraut – und ohne Insekten.

Der Wirkstoff Glyphosat wird vom amerikanischen Agrarkonzerns Monsanto hergestellt. Das Mittel wurde vor allem vor der Aussaat auf die Felder gesprüht, um diese von Unkraut zu befreien. Eingesetzt wird es meist auf beim Anbau von Raps, Mais und anderen Nutzpflanzen. Mittlerweile werden in der Landwirtschaft vielfach gentechnisch veränderte Nutzpflanzen verwendet, die gegen Glyphosat resistent sind. Hier kann das Pflanzengift auch noch nach der Saat eingesetzt werden.

 

 

Vergiftete Atmosphäre

Bei der Entscheidung, ob Glyphosat auch weiterhin in Europa verwendet werden darf, hat Deutschland eine wichtige Rolle gespielt. Denn das „Ja“ Deutschlands war durchaus überraschend. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte seine Zustimmung entgegen dem ausdrücklichen Willen von Umweltbundesministerin Barbara Hendricks (SPD) gegeben.

 

Ohne ihre Zusage hätte sich Schmidt bei der Sitzung des Berufungsausschusses eigentlich enthalten müssen. Entsprechend zeigte sich Hendricks mehr als ungehalten über diesen groben Regelverstoß und auch Kanzlerin Angela Merkel war „not amused“ und rügte Schmidts Alleingang scharf.

 

Ohne die Stimme von Deutschland hätte die Glyphosat-Frage nicht mit der benötigten qualifizierten Mehrheit entschieden werden können. Die EU-Kommission hätte dann eine eigene Entscheidung fällen müssen. Ob diese auch für eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat ausgefallen wäre, wird widersprüchlich diskutiert.

 

Denn auf der einen Seite hatte sich die Behörde wiederholt dazu geäußert, die Genehmigung nur mit einer mehrheitlichen Unterstützung der Mitgliedstaaten erteilen zu wollen. Auf der anderen Seite wurde auch auf den – durch die aktuelle Rechtslage und die vorliegenden wissenschaftlichen Gutachten – eng gesteckten Rahmen verwiesen.

 

 

Befürworter und Gegner und gleichermaßen enttäuscht

Doch auch Abseits der Querelen, die jetzt nach der Abstimmung die Verhandlungen zur Bildung einer neuen Bundesregierung überschatten, sorgte die Entscheidung von Brüssel für lange Gesichter auf beiden Seiten.

 

Während sich die Glyphosat-Kritiker über die erneute Zulassung des Pflanzengifts enttäuscht zeigten, bemängelte die Hersteller-Vereinigung GTF (Glyphosat Task Force)  den ihrer Ansicht nach zu kurzen Genehmigungszeitraum von fünf Jahren und sah darin eine diskriminierende Entscheidung, die wissenschaftlich in keiner Weise haltbar sei. Vielmehr vermutet die GTF, dass der kurze Zeitraum als politisches Zugeständnis gegenüber der öffentlichen Proteste zu werten sei.

 

Auch der deutsche Bayer-Konzern hatte auf eine verlängerte Zulassung von 15 Jahren gehofft. Der Chemie-Konzern beruft sich darauf, dass die Unbedenklichkeit des Unkrautvernichtungsmittels in mehr als 3.300 Studien belegt sei und die europäischen Landwirte auf die Verfügbarkeit des Produktes bauen. Bayer vertreibt derzeit in Deutschland Glyphosat.

 

Am Gesamtumsatz des Konzerns – immerhin rund acht Millionen Euro – habe das Pflanzengift jedoch nur einen geringen Anteil. Dennoch hat Bayer durchaus ein weitergehendes Interesse am wirtschaftlichen Erfolg des Produktes, denn das Unternehmen plant die Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto.

 

 

Risiken von Glyphosat

Bienen sind bedroht.

Mehr als 3.000 wissenschaftliche Studien, die keine unvertretbaren Risiken von Glyphosat belegen – das klingt erst einmal nach einer soliden Beweislage. De facto sind die Risiken von Glyphosat jedoch nicht so einfach vom Tisch zu wischen, denn viele Untersuchungen benötigen für ihre wissenschaftliche Haltbarkeit einen langen Zeithorizont und – nicht zu vergessen – auch Drittmittel aus der Industrie, die eine entsprechende Forschung erst möglich machen.

 

Sicher kann man Konzernen nicht einfach eine Beeinflussung der Ergebnisse unterstellen. Klar ist allerdings auch, dass kritische Wissenschaftler kaum wirtschaftliche Unterstützung erfahren und es so auch schwerer haben, fundierte Gegengutachten zu erstellen.

 

 

1. Wahrscheinlich krebserregend

Das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Gerade dieser Verdacht ist wissenschaftlich nur schwer zu untermauern und bedarf lang angelegter Studien. In diesem Bereich gehen zwar auch die Meinungen unabhängiger Experten weit auseinander.

 

Schützen vor Inflation: Sachwerte wie Windkraftbeteiligungen, Fotovoltaik, BHKWDie Krebsagentur (International Agency for Research on Cancer)  der Weltgesundheitsbehörde WHO geht allerdings davon aus, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend beim Menschen ist.

 

Dabei geht es nicht allein um die Gesundheit der Menschen, die Lebensmittel konsumieren, die mit Glyphosat-Rückständen belastet sind. Genauso besorgniserregend sind Berichte über die Krebsraten in Gegenden der Welt, in denen die Landarbeiter unmittelbar mit dem Pflanzengift in Kontakt kommen.

 

Der Fotograf Pablo Piovano hat in Argentinien Menschen getroffen, die auf mit Glyphosat behandelten Feldern arbeiten. In diesen Gegenden haben auch die Zahl der Krebserkrankungen bei Kindern sowie die Rate an Fehlgeburten drastisch zugenommen.

 

 

Farbtupfer der Natur.

 

 

2. Gefährdung der Biodiversität

Klarer zu belegen sind, die verheerenden Folgen, die der Einsatz von Glyphosat für die biologische Artenvielfalt mit sich bringt. Denn als Breitbandherbizid tötet das Mittel alles, was rund um die angebaute Nutzpflanze wächst. Damit werden Insekten und Feldvögeln die Nahrungs- und Lebensgrundlagen entzogen und ein unwiederbringlicher Verlust der natürlichen Biodiversität billigend in Kauf genommen.

 

 

3. Industrielle Landwirtschaft vergrößert das Problem

Da Glyphosat als kostengünstiges und effizientes Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt wird, sind riesige landwirtschaftliche Flächen betroffen. Die Gefährdung von Insekten und Vögeln nimmt also immer weiter zu. Denn gerade bei der Bewirtschaftung großer Flächen bleiben kaum noch ökologische Nischen für gefährdete Arten.

 

 

4. Kleingärten machen das Problem nicht unbedingt kleiner

Glyphosat ist nicht allein ein Problemfeld der industriellen Landwirtschaft. Auch Klein- und Hobbygärtner nutzen das Produkt, um ihren Garten frei von Unkraut zu halten. In Deutschland gibt es derzeit rund 50 Produkte mit dem Wirkstoffe Glyphosat, die für Haus und Garten zugelassen sind.

 

 

5. Frisch auf den Tisch – Pflanzengiftrückstände

Kommt Glyposat zum Einsatz, bleiben Rückstände des Pflanzengifts auch in den erzeugten Lebensmitteln zurück. Das streiten weder die Industrie noch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ab. Daher legt die europäische Kommission auch Rückstandshöchstgehalte für Lebensmittel fest, um eine gesundheitliche Schädigung der Verbraucher auszuschließen. Bei Glyphosat sind diese Grenzen abhängig, von der Anwendungsart und der Kultur. Ungeachtet der wichtigen Diskussion über die Höhe der Belastung bleibt anzumerken, dass Giftrückstände in Lebensmitteln für die meisten Verbraucher generell nicht akzeptabel sind – vor allem nicht von einem wahrscheinlich krebserregenden Stoff.

 

 

Von Frankreich lernen – Glyphosat national verbieten

Nachbarland Frankreich versteht bei Gift im Essen keinen Spaß. Entsprechend stimmte Frankreich am Montag gegen eine erneute Genehmigung von Glyphosat. Doch auch schon bevor die Entscheidung von Brüssel bekannt wurde, hatte Frankreich angekündigt, innerhalb der kommenden fünf Jahre Glyphosat national zu verbieten.

 

Unter dieses Verbot soll das sowohl der Verkauf von Unkrautvernichtungsmitteln mit dem Wirkstoffe fallen, als auch der Einsatz in der Landwirtschaft generell unterbunden werden.

 

Ein mutiger Schritt in der Politik, denn die französischen Landwirte stehen bei weitem nicht geschlossen hinter dieser Entscheidung. Noch vor der Abstimmung in der EU protestierten viele für den Einsatz von Glyphosat. Hauptargument dabei ist es, dass die Wettbewerbsfähigkeit der heimische Landwirtschaft geschwächt wird.

 

Außerdem befürchten die Befürworter, dass billige Lebensmittel aus dem Ausland auf den Markt kommen, die ungleich stärker mit Pflanzenschutzmitteln belastet seien.

 

Argumente, die auch den Vertretern der konventionellen Agrarwirtschaft in Deutschland eigen sind. Dennoch werden aktuell in Deutschland – nicht zuletzt angetrieben durch das unautorisierte „Ja“ zu Glyphosat bei der EU-Abstimmung – Stimmen laut, den entstandenen Schaden zu begrenzen und ein nationales Verbot für Glyphosat zu erwirken. Wichtigstes Argument der Gegner bleibt dabei der Erhalt der Artenvielfalt.

 

Umweltschutzorganisationen, wie der BUND rufen daher jetzt zum nationalen Ausstieg auf. Die Anwendung von Glyphosat soll demnach im öffentlichen und privaten Bereich sowie in Wasser- und Naturschutzgebieten vollständig verboten werden. Außerdem soll in der gewerblichen Landwirtschaft maximal eine Anwendung pro Jahr und Ackerfläche genehmigt und der Einsatz des Pflanzengifts vor der Ernte des reifen Getreides ausgeschlossen werden.

 

Ein nationales Verbot von Glyphosat beziehungsweise bestimmte Auflagen bei der Verwendung des Pflanzengifts sind mit dem EU-Recht zu vereinbaren. Teilweise haben sich auch bereits Kommunen, unter anderem Dresden und Dachau, gegen den Einsatz von Glyphosat auf städtischen Ackerflächen entschieden.

 

 

Ökologische Landwirtschaft – gut für Mensch und Natur

Wer sofort etwas gegen den Einsatz von Glyphosat entgegensetzen will, sollte seine Macht als Konsument nutzen und sich für Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft entscheiden. Denn hier kommen chemisch-synthetische Unkrautvernichtungsmittel nicht zum Einsatz.

 

Das vermeidet giftige Rückstände in den Lebensmitteln und bewahrt den Lebensraum von Bienen und zahlreichen anderen Insekten. Auch die Beteiligung an Gemeinschaftsgärten- und äckern oder der eigene Anbau ohne schädliche Dünger und Pestizide sind eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass es endlich Zeit wird für einen Kurswechsel in der konventionellen Landwirtschaft.

 

 

Die Welt mitregieren

Geld regiert die Welt – dieser Gedanke drängt sich auch bei der Verlängerung der Genehmigung von Glyphosat innerhalb der Europäischen Union auf.

 

Wer sein Geld nachhaltig investiert, nutzt die Chance, die Welt mitzubestimmen. Denn die Entscheidung für Geldanlagen, ohne unwelt- und gesundheitsschädliche Produkte wie beispielsweise Glyphosat ist auch in einer immer komplexer werdenden Wirtschafts- und Finanzwelt möglich.

 

Grünes Geld, einer der Pioniere im Bereich der ethischen und ökologischen Geldanlagen, kennt den Markt und die Möglichkeiten genau. Die erfahrenen Finanzexperten stehen hinter ihrer Überzeugung und bieten ihren Kunden ausschließlich Investments in Unternehmen und Projekte nachhaltig und sozialverträglich wirtschaften.

 

An die Zukunft zu denken bedeutet aber auch, die Entwicklung der Geldanlagen im Blick zu behalten. Bei Grünes Geld schließen sich Rentabilität und Verantwortung nicht aus. Nachhaltige Geldanlagen müssen sich hinsichtlich ihrer Erträge längst nicht mehr hinter den konventionellen Anlageprodukten verstecken.

 

 

 

 

 

  Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“. Mehr zu ihr und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

 

 

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