Autor: Gerd Junker 12. April 2018

Vermögensverwalter auswählen: Die 5 wichtigsten Schritte

Zusammenfassung: Die Auswahl eines Vermögensverwalters für die Anlage einer größeren Summe Geld ist schwierig. Unsere 5-Punkte-Anleitung hilft auch Laien, einen geeigneten Vermögensverwalter zu finden.

 

Wer auf einmal einen größeren Betrag Geld zur Verfügung hat, sei es aus einer ausgezahlten Lebenversicherung, dem Verkauf einer Immobilie oder auch wegen einer Erbschaft, steht vor einem Problem: Was tun mit dem Geld?

 

Die üblichen Anlageformen wie Tagesgeldkonto oder Bausparvertrag kommen nicht in Frage, denn während die niedrigen Zinsen bei niedrigen Anlagebeträgen kaum ins Gewicht fallen, ist bei einer Anlagesumme von zum Beispiel 200.000 Euro eine Verzinsung von 0 Prozent einfach zu wenig.

 

 

Überlegen Sie selbst: die Geldentwertung ist aktuell bei 1,4 Prozent (Euro-Raum, Februar 2018). Bei einer angenommenen Verzinsung von 0 Prozent machen Sie damit in 12 Monaten einen Verlust von 1,4 Prozent oder 2.800 Euro. Nach 10 Jahren wäre das schon ein Verlust von 28.000 Euro (ohne Zinseszinseffekt).

 

 

 

 

 

 

Da aber die Anlagesummen auch häufig über der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro liegen kommt noch ein weiterer Grund dazu, sich mit der Anlage in Wertpapieren zu beschäftigen.

 

Das kann man selbst tun – was allerdings einen erheblichen Zeitaufwand erfordert. Oder man übergibt sein Geld einem Profi, einem Vermögensverwalter. Damit sind jedoch weniger die Berater der Deutschen Vermögensberatung, von Banken oder freien Finanzvertrieben gemeint – es sind Verwalter von größeren Anlagen gemeint, die im Namen des Anlegers Wertpapiere handeln dürfen.

 

Doch wie wählt man einen Vermögensverwalter aus?

 

Wir haben dafür 5 Punkte zusammengestellt, die Sie bei der Auswahl eines Vermögensverwalters unbedingt beachten sollten.

 

Entwickeln Sie ein Gefühl für den typischen Mandanten des Vermögensverwalters

 

Ein Vermögensverwalter bietet seine Dienstleistung erst ab einer bestimmten Anlagesumme an. Schließlich muss sein Arbeit bezahlt werden und hat einen bestimmten Mindestbetrag pro Jahr, der erst ab bestimmten Anlagesummen sinnvoll erscheint.

 

Trotzdem ist es wichtig für Sie zu erfahren, ob der Vermögensverwalter eher im Bereich 50.000 Euro bis 500.000 Euro Anlagesumme tätig ist oder ob sein Klientel meist mehrere Millionen anlegt. Der Vermögensverwalter wird Sie nur dann optimal betreuen können, wenn Sie ungefähr in seinem typsichen Anlagebereich liegen.

 

Sie sollten auch beachten, ob die Zielgruppe des Vermögensverwalters eher Unternehmenslenker, Ärzte, Anwälte oder vielleicht ethisch-ökologisch orientierte Menschen sind. Je besser Sie zur Zielgruppe des Vermögensverwalters passen, um so genauer wird er Ihre Wünsche erfüllen können.

 

Vergleichen Sie das Angebot

 

Wenn Sie auf der Suche nach einem Vermögensverwalter sind, haben Sie vielleicht schon eine klare Vorstellung davon, was Sie brauchen.

 

Wenn dies nicht der Fall ist, ist es wichtig zu überlegen, welche Arten von Produkten und Dienstleistungen verschiedene Firmen anbieten. Bietet Ihr Vermögensverwalter nur Anlageberatung an oder unterstützt das Unternehmen auch bei Steuern oder Nachlassplanung?

Es ist auch eine gute Idee, die allgemeine Anlagestrategie des Unternehmens genau zu beobachten, um sicherzustellen, dass sie mit Ihren Zielen übereinstimmt.

 

Wenn Sie beispielsweise ethische Kritereien einfließen lassen möchten, schauen Sie sich die Erfahrungen des Vermögensverwalters bei ethischen Investments genau an. Meist sind für solche Anforderungen spezialisierte Vermögensverwalter besser aufgestellt als Generalisten.

 

Vergleichen Sie die Gebührenmodelle

 

In kaum einem Punkt wird der Vergleich schwerer sein als bei den Gebühren. Bei den Vermögensverwaltungen fallen aufgrund der komplexen Materie verschiedene Gebühren an – neben denen für den Vermögensverwalter selbst meist auch Handelskosten und Depotbankgebühren von Dritten.

 

Bei den Vermögensverwaltungsgebühren kommt es zunächst auf das Vergütungsmodell selbst an. Das traditionelle und am einfachsten zu verstehende Modell lehnt sich an der angefallenden Arbeit des Verwalters an und besteht dementsprechend aus einer Anfangsgebühr (Agio, Ausgabeaufschlag, Eintrittsgebühr, etc.) und einer fixen, laufenden Gebühr, z.B. 1,5 Prozent des Anlagevolumens pro Jahr.

 

Es gibt aber auch eine Vielzahl anderer Modelle, wie zum Beispiel die erfolgsabhängige Bezahlung. Das könnten zum Beispiel 20 Prozent der angefallenen Gewinne eines Jahres sein. Bei diesen Modellen sind die Details wichtig.

 

Ist zum Beispiel der Bewertungszeitraum immer ein Kalenderjahr? Dann würde der Verwalter bei einem Jahr mit minus 20 Prozent, gefolgt von einem Jahr mit plus 22 Prozent Rendite, vielleicht 20% von 22% Zuwachs, also rund 4 Prozent des Anlagekapitals als Gebühren verlangen – obwohl Ihr Depot keinen Zuwachs erzielt hat. Zusatzvereinbarungen wie eine Hurdle-Rate (wird diese wieder zurück gesetzt?) sind wichtig und notwendig.

 

Weitere Gebühren sind die oben bereits erwähnten Depotbankgebühren. Von diesen hat der Vermögensverwalter meist nichts; er arbeitet aber meist nur mit einer Depotbank zusammen und hat entsprechend nur eine Variante im Angebot. Hier geht es um Gebühren für die Depotführung oder um die Ausführung von Handelsaufträgen. Die tatsächlichen Kosten dafür sind meist nur im Zusammenhang mit der Handelsstrategie abzuschätzen.

 

Etwas anders gestaltet sich die Situation, wenn der Vermögensverwalter eine Abteilung der Depotbank selbst ist. Dann sind Quersubventionierungen denkbar.

 

So können die Gebühren für die Vermögensverwaltung klein gerechnet werden, weil man vielleicht an den Gebühren für Depotführung und Handel mehr verdient. Kombiniert mit einer Vermögensverwaltungsstrategie die auf häufigen Handel setzt, kann hier eine Gebührenfalle lauern.

 

Fragen Sie nach der Verfügbarkeit für Ihre Fragen

 

Sie werden wahrscheinlich nicht täglich mit Ihrem Vermögensverwalter sprechen. Schließlich liegt es in der Natur der Sache, dass man sich eben nicht täglich um seine Geldanlage kümmern möchte und genau diese Arbeit auslagert. Trotzdem müssen Sie herausfinden, ob die Kommunikationswege und die -häufigkeit des Vermögensverwalters auch zu Ihnen passen.

 

Greift er meist zum Telefon? Schreibt er meist eMails? Oder kommt er noch aus einer Zeit, in der hauptsächlich der schriftliche Brief genutzt wurde? Fragen Sie den Vermögensverwalter ganz offen nach den seiner Ansicht nach richtigen Kommunikation und Sie merken schnell, welcher Kommunikationstyp er ist und ob er zu Ihnen passt.

 

Wie gut war der Vermögensverwalter in der Vergangenheit?

Der Blick zurück verleiht Erkenntnisse – allerdings nur zu einem gewissen Grad. Vergleichen Sie die Ergebnisse der letzten Jahre. Aber Achtung: zum einen kann eine erfolgreiche Strategie in der Historie mittlerweile überholt sein.

 

Zum anderen kann der Vermögensverwalter mittlerweile seine Strategie geändert haben.  Außerdem achten Sie darauf, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Denn eine Wachstums-Strategie wird sich immer anders verhalten als eine ausgewogene Strategie. Je nach Börsenphase wird die eine oder die andere vorne liegen.

 

Deshalb sollte der Vergleichszeitrum grundsätzlich möglichst lange sein. Doch was nutzt ein 20-jähriger Vergleichszeitraum, wenn man bedenkt, was sich in dieser Zeit alles geändert hat – die Ergebnisse, die vor 10 Jahren erzielt wurden, haben mit der heutigen Leistungsfähigkeit kaum noch etwas zu tun.

 

 

 

 

 

 

 

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.
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