Autor: Carmen Junker 3. April 2018

Windenergie und Vogelschutz

Zusammenfassung: Vogelschutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist wichtig. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist wichtig. Wenn beide Themen miteinander konkurrieren, gilt es abzuwägen, welche Interessen schwerer wiegen und welche Lösungen möglich sind, die keine Verlierer produzieren.

 

 

 

 

Naturschutz versus Umweltschutz. – Auf den Ersten Blick lässt sich für viele kein Konflikt zwischen diesen beiden Themen erkennen. Schließlich haben beide das Ziel, die Erde zu bewahren und die biologische Vielfalt zu schützen.

 

Für den klassischen Naturschutz gilt allerdings das Primat der Tier- und Pflanzenwelt. Umweltschützer stellen den Menschen mit in die Betrachtung und suchen den Einklang zwischen Mensch und Natur.

 

Vielfach diskutiert wird seit mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnten die Problematik der Windenergieanlagen und ihrer Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse. Diese Diskussion hat sich von einem Fachdiskurs im kleineren Kreis zu einer großangelegten Debatte entwickelt. De facto hat sich der lokale Artenschutz zu einem beträchtlichen Hemmschuh beim Ausbau der Windenergie in Deutschland entwickelt.

 

 

 

Inhalt:

Windenergie in Deutschland

Artenschutz als Bremse für den Ausbau der Windenergie

Auswirkungen auf die Tierwelt

Geeignete Gebiete für Windenergie

Keine einfachen Lösungen

Kleiner Exkurs zur Streitkultur

Investitionen in Windenergie bleiben sinnvoll

 

Windenergie in Deutschland

 

Mit einer sagenhaften Leistung von rund 5,5 Gigawatt hat Windenergie in Deutschland im Jahr 2017 ein absolutes Rekordhoch erreicht. Und das ist auch gut so. Denn Windenergie ist aktuell der wichtigste Baustein im Energiemix der regenerativen Energien und damit tragende Säule der Energiewende.

 

Das Potenzial der Windenergie ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft und ein Ausbau der Windenergieanlagen ist auch dringend geboten, wenn Deutschland die Klimaschutzziele von Paris auch nur annähernd erreichen will.

 

Allerdings gibt es ernstzunehmende Hürden beim Ausbau der Windenergie. Da sind auf der einen Seite die veränderten Ausschreibungen und die neuen Einspeisetarife der Bundesnetzagentur. Die erschweren beispielsweise Bürgerenergiegenossenschaften die Teilnahme am Wettbewerb.

 

Auf der anderen Seite sind länderspezifische Reglements ein enorme Herausforderung für den weiteren Ausbau der Windenergie. So beschränkt etwa die sogenannte „10H-Regelung“ im Flächenland Bayern den Aufbau von Windparks. Die Regelung sieht einen Mindestabstand zwischen Windrad und Wohnbebauung von mindestens dem zehnfachen der Windradhöhe vor. Diese Vorschrift schränkt mögliche Standorte im Süden Deutschlands stark ein.

 

 

Was die Akzeptanz von Windenergie anbelangt, existiert innerhalb von Deutschland ein enormes Nord-Süd-Gefälle. In Norddeutschland sind Windräder ein gewohntes Bild. Die Energiegewinnung durch Windräder wird von breiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert und befürwortet. In Süddeutschland dagegen, existieren noch vielfältige Ressentiments gegen Windenergie.

 

Dabei werden gesundheitliche Belastungen genauso ins Feld geführt werden auch Belästigungen durch Licht und Schall. Dabei erweisen sich die Bayern als besonders feinhörig: Durch die „10H-Regelung“ ergeben sich im Freistaat Abstände von gut und gerne zwei Kilometern bis zur nächsten Wohnbebauung. In den übrigen Bundesländern wird der Abstand – in Anlehnung an das Bundes-Immissionsschutzgesetz bei rund 600 Metern gesehen.

 

 

Artenschutz als Bremse für den Ausbau der Windenergie?

Hans-Josef Fell, Politiker, Pionier und Experte für den Ausbau Erneuerbarer Energien, zeigt sich bezüglich des Ausbaus von Windenergieanlagen besorgt. Denn neben den bereits genannten Gründen für den verzögerten Ausbau der Windenergie in Deutschland, hat sich in den letzten Jahren vermehrt das Thema Artenschutz als Hemmnis erwiesen.

 

Dabei werden die Diskussionen Windkraft versus Artenschutz kaum in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Denn hier besteht das Spannungsfeld nicht zwischen den Gegnern und Befürwortern der Windenergiegewinnung, sondern verläuft auf dem diffizilen Pfad zwischen Umwelt- und Naturschützern.

 

Einer der Hauptakteure ist dabei der NABU, der zwar den Ausbau der Windkraft – sowohl auf dem Land als auch als Offshore-Windpark – befürwortet, jedoch das geltende Umweltrecht nicht immer ausreichend berücksichtigt sieht. Der Verband kritisiert enorme Versäumnisse bei der bisherigen Auswahl der Standorte für Windenergie und fordert die strikte Umsetzung des geltenden Rechts.

 

In der Folge hat sich der lokale Artenschutz – besonders von Vögeln – als teilweise unüberwindbare Hürde für den Bau neuer Windkraftanlagen erwiesen. Ein schwieriger Konflikt, denn der selbstredend wichtige Artenschutz sieht sich plötzlich im Widerspruch mit der Klimaschutztechnologie Windkraft.

 

 

Auswirkungen der Windkraft auf die Tierwelt

Fakt ist, dass sämtliche Eingriffe in die Natur, Veränderungen bewirken. Diese Veränderungen stehen in Abhängigkeit zum Umfang und der Art der Eingriffe. Fakt ist auch, dass zwar unzählige Tier- und Pflanzenarten durch Umwelteinflüsse gefährdet sind, sich die Natur allerdings auch als extrem anpassungsfähig erwiesen hat.

 

Friedliches Miteinander.

 

Auch Windkraftanlagen stellen einen Eingriff in die Natur dar. Positiv ist, dass die Anlagen emissionsfrei Energie erzeugen. Darüber hinaus nehmen sie in der Fläche nur einen geringen Raum ein. Das bedeutet, dass eine Versiegelung großer Areale vermieden wird. Im Gegenteil: Viele Windräder stehen inmitten landwirtschaftlicher Flächen. Das wirkt sich positiv auf Fauna und Flora aus. Allerdings nehmen die Rotorenblätter der Windenergieanlagen viel Platz im Luftraum ein. Das kann für Vögel und Fledermäuse gefährlich werden.

 

Wie weit Windkraftanlagen eine große Gefährdung von Vogel- und Fledermausarten darstellen, ist längst noch nicht abschließend geklärt. Denn Zählungen der Vogelpopulation bringen zwar zuverlässige Zahlen, Ursachen und Zusammenhänge mit anderen Ereignissen bleiben jedoch der Interpretation überlassen.

 

Für mich interessante Windkraft ProjekteSo hat beispielsweise die Population von Rotmilan, Uhu, Schwarzstorch und Seeadler in den vergangenen Jahren nachweislich zugenommen. Diese Vogelarten gelten als besonders empfindlich gegenüber Windkraftanlagen. Parallel dazu wurde in den letzten Jahren die Windenergie weiter ausgebaut. Das zeigt, das Zusammenhänge, die auf den ersten Blick einfach und einleuchtend erscheinen, kritischer untersucht werden müssen.

 

Auch der NABU räumt ein, dass Windenergie nicht generell eine Gefahrenquelle darstellt. Ebenso relevant sind Standort und Ausrichtung der Anlagen. Darüber hinaus spielen die Anlagengröße und -verteilung eine Rolle.

 

Generell besteht für Vögel eine erhöhte Gefahr an Standorten in der Nähe von Gewässern und Feuchtgebieten. In der Nähe von Wäldern können Fledermäuse in Gefahr geraten. Prinzipiell gefährdet schienen Greifvögel zu sein. Sie verunglücken auch tagsüber bei guter Sicht und nehmen – allen Anscheins nach – die Flügel der Anlagen nicht als Gefahr wahr.

Dabei geht es dem NABU nicht allein um die tödliche Gefahr, wenn Vögel in die Rotoren geraten. Ebenso kritisiert der Naturschutzbund auch die Scheuchwirkung, die von den Windrädern ausgeht. Einen Gewöhnungseffekt von Vögeln in der Nähe von Windenergieanlagen sei nicht zu beobachten.

 

 

Geeignete Gebiete für Windenergie

Was ist also zu tun? Naturschützer und Befürworter Erneuerbarer Energien betonen, dass in Deutschland ausreichend Flächen für einen natur- und umweltverträglichen Ausbau von Windenergieanlagen vorhanden ist. Wichtig sei allerdings, dass Schutzgebiete, wie beispielsweise Nationalparks und ausgewiesene Naturschutzgebiete unangetastet bleiben.

 

 

So kann beispielsweise Zum das Abschalten der Anlage zu Zeiten erhöhter Fledermausaktivität ein einfacher und wirksamer Schutz für diese Spezies darstellen. Bei vielen Vogelarten genügt es, einen ausreichenden Abstand zwischen Horst und Windenergieanlage einzuhalten.

 

Laut einer Studie des NABU stehen in Deutschland noch rund 50.000 Quadratkilometer für einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie zur Verfügung. Damit ließe sich der nationale Strombedarf leicht mehrfach decken.

 

 

Keine einfachen Lösungen

Die berechtigten Interessen des Naturschutzes werden in Diskussionen schnell von Gegnern regenerativer Energien instrumentalisiert. So können Atom- und Kohlelobbyisten schnell zu vermeintlichen Vogelschützern werden, wenn es der Verhinderung neuer Windkraftanlagen dient.

 

Doch das Abnehmen der Artenvielfalt im allgemeinen und dem Aussterben einzelner Vogelarten im besonderen, hat viele Ursachen. Und diese stehen nicht im Zusammenhang mit Windenergieanlagen. Daher sind unabhängige Untersuchungen dringend notwendig, um die Diskussion zu versachlichen und die Interessen von Natur- und Umweltschutz nicht gegeneinander auszuspielen.

 

Statistisch gesehen sterben die meisten Vögel und Fledermäuse nicht durch die Rotoren von Windrädern, sondern durch Glasscherben, Agrargifte, Freileitungen, Autos und – last but not least – durch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume sowie die Klimaerwärmung. Letztere zeichnet generell als stärkste Ursache für den globalen Artenschwund verantwortlich.

 

In diesem dichten Geflecht von Ursachen und Wirkungen sind kaum einfache Lösungen zu finden. So führt die industrielle Landwirtschaft und der Einsatz von Breitbandinsektiziden zu einer extremen Reduzierung der Futterquelle von Vögeln.

 

Altbekannt sind auch die klassischen Todesfallen für immer noch rund 18 Millionen Vögel im Jahr – sie sterben durch ihren Flug gegen Glasscheiben und durch Scherben. Auch der Straßenverkehr, sowie Bahn- und Hochleistungstrassen werden für viele Vögel zum Verhängnis.

 

  

Kleiner Exkurs zur Streitkultur

Es ist das Wesen einer demokratischen Gesellschaft, dass Themen kontrovers diskutiert werden können. Diskussionen sind sogar dringend notwendig, um das für und wider zu komplexen Themen besser abwägen und fundierte Entscheidungen treffen zu können.

 

 

Doch oft endet die Streitkultur mit der gewichtigen Überzeugung, dass eine Seite richtig liegt, die andere jedoch völlig daneben.

 

Auch der vielbeschworene goldene Mittelweg ist oft nur ein fauler Kompromiss. Der Königsweg liegt vielmehr darin, die unterschiedlichen Meinungen und Interessen auszubalancieren. Für eine Entscheidung, die für nahezu alle mitgetragen werden kann, ist ein zähes Aushandeln notwendig.

 

In Politik und Gesellschaft ist dieser Weg nahezu ungangbar. Möglich ist jedoch ein solches – teilweise mediatives – Verfahren, wenn kleinere Verbände oder Gemeinden eine weitreichende Entscheidung treffen.

 

Ansonsten bleibt die mehrheitlich beschlossene Lösung verbindlich. Grundlage ist hier oft die Auswahl des kleineren Übels. Im konkreten Fall des Konflikts zwischen Windenergie und Vogelschutz bedeutet das beispielsweise, dass der Windenergie ein Vorrang eingeräumt wird, das die Alternativen – etwa Atom- oder Kohlekraftwerke – noch schlechtere Auswirkungen haben. Optimal wäre allerdings, vogelfreundliche Lösungen für die Windenergieanlagen zu finden.

 

 

Investitionen in Windenergie bleiben sinnvoll

Artenschutz bleibt ein wichtiges Ziel. Ein Teil der Lösung ist es sicher, die Erderwärmung zu stoppen, denn die Klimakrise ist und bleibt die wichtigste Ursache für den unwiederbringlichen Verlust der Artenvielfalt weltweit. Schlüsseltechnologien bleiben dabei die Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien aus Wind, Sonne und Wasser.

 

Diese intelligente Art der Energiegewinnung muss weiter ausgebaut werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bleiben Windkraftanlagen auch zukünftig eine vielfältige, rentable und sinnvolle Investition.

 

Grünes Geld, Experte für Geldanlagen im Bereich der Erneuerbaren Energien, verfügt über ein breites Angebot von interessanten Wind-Investment. Dabei stehen Anlegern Sparpläne, Wind-Fonds oder auch Direktbeteiligungen zur Auswahl.

  

 

 

 

 

 

 

  Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“. Mehr zu ihr und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

 

 

 

 

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