Autor: carmenju 16. Mai 2018

Die 72 er Regel – ein Rechentrick für Ihre Geldanlage

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Vor einiger Zeit sorgte dieser Post einer 17-jährigen Schülerin für Aufregung in der Öffentlichkeit. Grundlos war dies nicht, denn konkretes Wissen, das im Alltag angewendet werden kann, fehlt in den schulischen Lehrplänen tatsächlich häufig.  Insbesondere wenn es um das Thema Geld geht.

 

Doch auf die Umgestaltung der Lehrpläne zu hoffen ist langwierig und bedarf Geduld. So wie wir täglich Denkabkürzungen und Vereinfachungen für unsere Alltagsentscheidungen nutzen, so gibt es auch Abkürzungen in der Finanzmathematik. Eine davon ist die 72 er Regel. Diese Fausformel sollten Sie kennen.

 

Die 72 er Regel

 

Wenn man die Zahl 72 durch die jährliche Rendite einer Geldanlage teilt, erhält man den Zeitraum, den es bedarf bis sich das Kapital verdoppelt.

 

1. Beispiel: Sie erhalten auf Ihr Festgeldkonto einen Zinssatz von 0,45 Prozent p.a. Nach der 72 er Regel dividieren Sie die 72 durch die 0,45. Macht 72:0,45=160. Es dauert 160 Jahre bis sich Ihr Kapital verdoppelt. Zugegeben 0,45 Prozent Festgeldzins ist derzeit schon am oberen Ende und kaum mehr zu erreichen.

 

2. Beispiel: Sie investieren in eine Vermögensverwaltung und erwirtschaften 5 Prozent. Ein realistischer Wert, der in einer ausgewogenen Vermögensverwaltung durchaus langjährig erzielt werden kann.  72:5=14,4.  In 14,4 Jahren verdoppelt sich das Kapital.

 

Damit wird die Dimension was geringe Zinsen bzw. Renditen tatsächlich bedeuten, erst einmal so richtig klar und deutlich. Es geht nämlich nicht um 4,55 Prozent Differenz sondern um 145 Jahre.

 

Mit der Zinses-Zins Formel Kn = K0 · (1 + p)n lässt sich es sich nachrechnen. Anhand eines Beispiels, nehmen wir an 10.000€ verdoppeln sich auf 20.000€ bei einem Zinssatz von 5%. Dann sieht es wie folgt aus:

20.000 = 10.000 x (1 + 0,05)n

Man muss für die verschiedenen Prozentsätze p die Zeit n so bestimmen, dass gilt:

(1 + p ) ^ n = 2

<=> n * ( log ( 1 + p ) = log ( 2 )

<=> n = log ( 2 ) / log ( 1 + p )

=14,21 Jahre

 

 

Die 72 er Regel ist eine Faustformel die sehr brauchbare Ergebnisse liefert ohne umständliche Potenzrechnung für die Zinses-Zins-Rechnung. Auf den Tag genau ist es nicht, doch für eine schnelle Überschlagsrechnung eignet sich die 72er Regel hervorragend.

 

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Was ist mit Inflation, Steuern und Gebühren?

 

 

Korrekt ist die Rechnung immer dann, wenn Sie die Netto-Rendite verwenden. Möglicherweise möchten Sie Inflation, Steuern und Gebühren berücksichtigen um zu ermitteln wann sich Ihre Kaufkraft verdoppelt hat. Dann könnten Sie wie folgt vorgehen:

 

Sie gehen von einer Brutto-Rendite von 8,2 Prozent pro Jahr aus. Dies ist der langjährige Durchschnitt einer Aktienanlage im Deutschen-Aktien-Index (DAX) in der Zeit von 1995 bis 2017. 

 

Sie reduzieren diese Brutto-Rendite um die angenommenen Kosten der Geldanlage von rund 1 Prozent. Das bedeutet Sie liegen bei 7,2 Prozent pro Jahr. Berücksichtigen Sie anschließend noch die Inflation  von 2 Prozent, d.h. die Rendite reduziert sich (vereinfacht) auf 5,2 Prozent pro Jahr.

 

Und schließlich hält Vater Staat die Taschen auf um Ihre Gewinne zu besteuern. Das ist der am schwersten abzuschätzende Punkt aufgrund Abgeltungssteuer oder individueller Besteuerung, Freibeträgen oder der unterschiedlichen Besteuerung der Anlageformen. Nehmen wir an die Rendite reduziert sich um rund ein Viertel. Aus Ihren 5,2 Prozent inflations- und kostenbereinigter Rendite werden 3,9 Prozent.

 

Dann gilt folgendes Beispiel:

72 durch 3,9 = 18,4.  Die Kaufkraft Ihres angelegten Kapitals würde sich also in  18,4 Jahren verdoppeln.

 

 

Nur bei positiver Rendite ein Ergebnis

 

 

Da die Formel die Verdopplung des Kapitals berechnet, ist es nicht möglich die Faustformel mit der Berücksichtigung von Inflation derzeit bei Sparguthaben oder Festgeldkonten, die einen Zinssatz von deutlich unter 2 Prozent ausweisen anzuwenden. Denn 0,5 Prozent Zins abzüglich 1,6% Inflation (Stand April 2018) ergibt -1,1 Prozent.

 

Somit erkennen Sie gleich, dass bei Geldanlagen auf dem Festgeldkonto Sie dadurch jedes Jahr an Kaufkraft verlieren. Somit sollte diese Art der Geldveranlagung nur für die Notreserve und den finanziellen Puffer gewählt werden. Für alle anderen Zwecke gibt es bessere Lösungen, damit dann auch die 72 er Regel wieder funktioniert und Sie mit einer Verdopplung des Kapitals in X Jahren rechnen können. Für Menschen die Geldanlageentscheidungen gerne delegieren bieten sich Vermögensverwaltungen an.

 

 

  Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“. Mehr zu ihr und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

 

 

 

 

 

 

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