Autor: Gerd Junker 7. Oktober 2016

Bürgerenergieprojekte – Energiewende selbst voranbringen

Zusammenfassung: Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen ist politisch und gesellschaftlich gewollt. Die Reaktorkatstrophe in Fukushima hat das Thema stark befördert. Aktiv wird die Energiewende aber auch durch Bürgerenergieprojekte und lokale Genossenschaften vorangebracht.

 

Bilder, die hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.

Bilder, die hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.

Die Energiewende in Deutschland hat in der Bevölkerung soviel Zustimmung, wie noch nie zuvor, denn eine der tragenden Säulen des Konzepts ist Ausstieg aus der Atomenergie, spätestens seit der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima ein gesamtgesellschaftlicher Konsens. Als Alternative ist der Ausbau der erneuerbaren Energien vorgesehen. Eine wichtige Entwicklung, denn die fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas sind nur begrenzt vorhanden, teuer und schädigen durch CO2-Emissionen das Klima.

 

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) unterstützt die Energiewende. Die klimafreundliche Energieversorgung aus erneuerbaren Ressourcen wie Sonne und Wind hat bis zum Jahr 2025 einen Anteil von 45 Prozent als Etappenziel, bis zum Jahr 2035 sollen 60 Prozent der Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen stammen. Der aktuelle Anteil erneuerbarer Energien in der Stromversorgung liegt bei einem Drittel.

 

Nach der Öffnung der Energiemärkte und dem Verkauf vieler kommunaler Stromversorger, lag die Energiewirtschaft mehrheitlich in den Händen von wenigen Großkonzernen wie E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW. Diese Marktmacht wurde durch den beschlossenen Atomausstieg und die systematische Förderung erneuerbarer Energien stark beschnitten, denn hier sind die Konzerne bislang wenig aktiv, vornehmlich in kapitalintensiven Bereichen, wie beispielsweise Offshore-Windparks.

 

Die Öffnung des Strommarktes hat auch bewirkt, dass Kunden ihren Stromanbieter frei wählen können. Entsprechend stieg in den letzten Jahren – konkret nach Fukushima – die Nachfrage nach Öko-Strom. Der Rückkauf kommunaler Stromversorger wurde vermehrt diskutiert. Mittelständische und lokale Stromversorger und Öko-Stromanbieter erhielten wieder Aufwind. Diese Entwicklung bestätigt aber auch die Arbeit vieler Bürgerenergieprojekte und Energiegenossenschaften, denn bei ihnen steht das Thema Energiewende schon seit Jahren auf der lokalen Agenda.

 

 

Lokale Energieprojekte – Vordenker im Umdenken

Lokale Energieprojekte - Gemeinsam ein Ziel erreichen.

Lokale Energieprojekte – Gemeinsam ein Ziel erreichen.

Bürgerenergieprojekte haben einen wichtigen Anteil an der Umsetzung der Energiewende in Deutschland und an der steigenden Akzeptanz erneuerbarer Energien vor Ort. Allein im Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. sind derzeit 860 Energiegenossenschaften organisiert. Neben Genossenschaften existieren darüber hinaus Projekte in Form von Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR), gemeinnützige Stiftungen und Vereine, aber auch nichtbörsennotierte Aktiengesellschaften und GmbH & Co. KGs. Mehr als 160.000 Menschen sind demnach hierzulande in Bürgerprojekten zur Produktion, Versorgung und Vermarktung von erneuerbaren Energien aktiv.

 

Bürgerenergiegenossenschaften sind in den vergangenen Jahren auch in den USA und Kanada entstanden. In Europa wird diese Entwicklung neben Deutschland, von den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich getragen. Auf europäischer Ebene gibt es seit 2011 das Netzwerk der Energiegenossenschaften.

 

Bürgerenergieprojekte, Energiegenossenschaften oder, so die allgemeine gesetzliche Bezeichnung, Bürgerenergiegesellschaften haben es sich zum Ziel gesetzt, unabhängig von Konzernen und nach ökologischen und klimaschützenden Kriterien Energie zu produzieren und diese an die Menschen vor Ort zu liefern. Die Projekte sehen sich weltweit den gleichen Grundsätzen verpflichtet: Einer freiwilligen und offenen Mitgliedschaft, einer demokratischen Kontrolle durch die Mitglieder sowie einer wirtschaftlichen Beteiligung der Mitglieder. Außerdem soll die Energiegenossenschaft autonom und unabhängig agieren und mit anderen Genossenschaften zusammenarbeiten können. Die Genossenschaft soll für die Gemeinschaft vorsorgen und sich Aus- und Fortbildung verpflichtet fühlen und aktiv informieren.

 

Grundsätzliche Motivation aller Projekte ist eine echte Energiewende durch lokale Versorgung mit sauberer, sicherer und klimafreundlicher Energie. Dabei soll die nachhaltige Energieversorgung langfristig zu einem akzeptablen Preis bestehen und die Wertschöpfung wird in der Region erhalten bleiben. Um die Projekte breit aufgestellt in der Kommune zu verankern, bieten die Genossenschaften ihren Mitgliedern eine Anlage- und Investitionsmöglichkeiten und ein demokratisches Mitbestimmungsrecht bei den Projekten.

 

Schützen vor Inflation: Sachwerte wie Windkraftbeteiligungen, Fotovoltaik, BHKWBürgerenergieprojekte bauen eigene Anlagen auf, um erneuerbare Energie zu gewinnen oder beteiligen sich finanziell an entsprechenden Anlagen. Das können konkret Windkraft- oder Photovoltaik-Anlagen sein. Letztere haben mit Beginn des neuen Jahrtausends besonders an Fahrt gewonnen. Teilweise sind Bürgerprojekte auch mit Blockheizkraftwerken aktiv, um die Kraft-Wärme-Kupplung optimal zu nutzen. In Norddeutschland werden vielfach Energieprojekte mit dem Schwerpunkt Windkraft betrieben. In ländlichen Regionen gehen zudem genossenschaftliche Bürgerenergiedörfer bereits einen Schritt weiter und realisieren die gesamte Strom- und Wärmeversorgung der Gemeinde selbst.

 

Wurden die ersten selbstorganisierten Projekte zur lokalen Energieversorgung noch teilweise belächelt, sind Bürgerenergiegenossenschaften längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, Zwischen 2008 und 2011 konnte sich die Anzahl von Energiegenossenschaften mit erneuerbaren Energien vervierfachen. Besonders rege in der Gründung von Bürgerenergiegenossenschaften zeigten sich hier die süddeutschen Flächenländer Bayern und Baden-Württemberg, sowie Niedersachsen, dem Heimatland der Bürger-Windparks.

 

Schätzungsweise rund 1,2 Milliarden Euro sind im Rahmen von Bürgerenergieprojekten in den Ausbau erneuerbarer Energien geflossen. Rund 90 Prozent davon wurde von Privatpersonen bereitgestellt. Das zeigt, dass die Energiewende zwar von politischen Rahmenbedingungen begleitet, jedoch dezentral und aktiv von der Bevölkerung vorangebracht wird.

 

 

Neue Herausforderungen – Ausschreibeverfahren

Bisher hat das Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien festgelegte Einspeisevergütungen garantiert und Bürgerenergieprojekten damit auch einen kalkulierbaren und finanziellen Rahmen geboten. Die kommende Novelle des Gesetzes sieht ab dem kommenden Jahr jedoch Ausschreibeverfahren vor, an denen sich die Stromanbieter bei der Bundesnetzagentur bewerben müssen. Damit ist der Preis, den die Projekte für ihren eingespeisten Strom erhalten nicht mehr von vornherein sicher, ebenfalls unklar ist, ob sie überhaupt verkaufen können. Ausnahmeregelungen für Bürgerenergieprojekte sind derzeit noch in der Diskussion.

 

 

Klimafreundlich in die Zukunft investieren

Wer sich an Bürgerenergieprojekten beteiligt, profitiert von ökologisch erzeugtem Strom zu vernünftigen Preisen und leistet einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz.

 

Wer kein interessantes Energieprojekt vor seiner Haustür findet oder die Energiewende darüber hinaus voranbringen will, hat mit Investitionen in Photovoltaik-Anlagen, Windparks und Blockheizkraftwerken vielfältige Möglichkeiten für eine nachhaltige und grüne Geldanlage.

 

Wir beraten Sie ausführlich und kompetent. Gemeinsam finden wir die passende Anlagestrategie, von der Ihre Finanzen, Umwelt und Klima gleichermaßen profitieren.

 

 

 

Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.
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