Autor: Jasmin Messina 18. Oktober 2013

Eine Bremse für die Energiewende?

Die EEG-Umlage steigt. Der Unmut über Windräder, die die Landschaft verschandeln, wächst. Energiekonzerne melden die Schließung von unrentablen Kohle- oder Gaskraftwerken an. Braucht die Energiewende eine Bremse? Muss die Politik umdenken? Ja, das sollte sie durchaus – indem sie endlich einen ehrlichen, konsequenten Weg beschreitet! Ein Plädoyer für die Energiewende.

 

Hat die EEG-Umlage ausgedient?

 

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird durch die EEG-Umlage finanziert. Der Strom aus geförderten Projekten wird mit einem festgeschriebenen Preis pro kWh gefördert. Das Paradoxe an dieser Situation ist, dass Ökostrom an der Börse derzeit so günstig wie noch nie gehandelt wird. Die steigende Differenz zu dem festgeschriebenen Förderpreis wird eben durch die EEG-Umlage gedeckelt. Diese hat der Verbraucher zu tragen. Doch wie verteilt sich der Stromverbrauch in Deutschland und wer zahlt wirklich die EEG-Umlage?

 

2011 sah die Aufteilung des deutschen Stromverbrauchs folgendermaßen aus:

 

Stromverbrauch nach Verbrauchergruppen f. Blog

 

Fast 50 % des Stromverbrauches wird also alleine durch die Industrie verursacht. Doch ausgerechnet diese profitiert massiv von Sonderregelungen, welche bewirken, dass eine große Anzahl an Firmen komplett befreit werden. Stellten 2012 erst 822 Firmen einen entsprechenden Antrag zur Befreiung von der EEG-Umlage, so waren es 2013 schon 2055. Für 1.716 Unternehmen wurde der Antrag genehmigt. Und für das Jahr 2014 haben bereits fast 2.400 Industriebetriebe ebendies beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragt – und bislang hat der überwiegende Teil der Antragssteller die beantragten Vergünstigungen am Ende erhalten. Sinn und Zweck dieser Befreiung war ursprünglich, dass stromintensive Unternehmen, die international agieren auch konkurrenzfähig bleiben. Auf der Liste der befreiten Unternehmen befinden sich aber inzwischen vornehmlich auch Milchbetriebe, Mastanlagen, Schlachthöfe, oder Tierfuttermittelhersteller. Je mehr Ausnahmen es gibt, umso mehr Kosten müssen also von den übrigen Verbrauchern übernommen werden. Für 2013 gehen 23 % der EEG-Umlage in Höhe von 5,27 Cent pro kWh inzwischen auf das Konto der zunehmenden Industrieförderung. Das ist ein Anstieg in Höhe von 33 % im Vergleich zu 2012. Die reinen Förderkosten für Erneuerbare-Energien-Anlagen betragen für 2013 lediglich 2,29 Cent pro kWh aus und dieser Bestandteil erhöht sich somit im Vergleich zu 2012 nur um knapp 0,2 Cent pro kWh (knapp 11 %). Der Zubau der Erneuerbare-Energien-Anlagen kann also nicht in erster Linie für den Anstieg der EEG-Umlage verantwortlich gemacht werden.

 

Ist die EEG-Umlage also ein überaltertes Instrument zur Steuerung der Energiewende? Immerhin hat diese Förderung dazu beigetragen, dass der Anteil an Strom durch erneuerbare Energien von 6,4 % im Jahr 2000 auf bereits 25 % im Jahr 2012 (Stand 1. Halbjahr) angewachsen ist. Das ist ein Erfolg, den man nicht von der Hand weisen kann. Damit das EEG allerdings weiterhin eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung erfährt, ist es wichtig diese auch über die Zusammensetzung der Abgabe transparent zu informieren und die Industrie stärker an den Kosten zu beteiligen, bzw. die Kriterien für Ausnahmeregelungen deutlich strenger anzuwenden.

 

Energiewende light?

 

Die Stimmen derer, die die Energiewende abbremsen wollen, werden immer lauter. Man müsse abwarten, bis die Techniken und Speichermöglichkeiten ausgereifter oder die Netze besser ausgebaut sind. Ein weiterer Zubau an Erneuerbaren Energien wäre nicht verkraftbar. Doch welche Interessen stecken hinter solchen Aussagen? Ist es wirklich die Angst um eine Fehlentwicklung in der Energiewende, oder stecken vielleicht eher wirtschaftliche Bedenken dahinter? Dürfen uns solche Bedenken dazu verleiten, das Risiko eines GAU wie in Fukushima oder Tschernobyl einzugehen oder durch zunehmenden Braunkohleabbau ganze Landschaften zu zerstören um anschließend Kraftwerke damit anzuheizen? Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Aber der weiterführende Ausbau an Erneuerbaren-Energien-Anlagen ist wichtig und richtig um auch technische Innovationen voranzutreiben. Bürger müssen weiterhin an dieser Entwicklung beteiligt und die dezentrale Stromversorgung gefördert werden.

 

Windräder und Solaranlagen sind wohl ein angenehmerer Blickfang als der Braunkohletagebau oder Atomkraftwerke*

Windräder und Solaranlagen sind ein angenehmerer Blickfang als der Braunkohletagebau oder Atomkraftwerke*

 

Der Plan zum Atomausstieg ist sicher auch richtig, denn wie man an den aktuellen Meldungen zu Fukushima sieht, ist der größte Unsicherheitsfaktor in solchen Anlagen der Mensch. Ein Bedienfehler nach dem anderen sorgt für beständige Meldungen zu Zwischenfällen in der Reaktor-Ruine. Bis wir in der Lage sind, uns zu 100 % mit Strom aus regenerativen Energien zu versorgen gilt es vorallem, Ressourcen und Umwelt zu schonen und auch den Stromverbrauch zu reduzieren. Wir leben in einer hochtechnisierten Welt, in der es selbstverständlich ist, dass uns Strom zu jeder Gelegenheit und zu jedem Zeitpunkt zur Verfügung steht. Auch hier gilt mal wieder, dass der Verbraucher mit seiner Nachfrage das Angebot bestimmt. Packen wir es an – für eine saubere Zukunft! Denn die Energiewende braucht keine Bremse.

 

 

 

 

 

*Bildquelle (von links nach rechts und oben nach unten): Camillo, Markus Lorch, Petra Bork, Rainer Sturm (alle pixelio.de)

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:”Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.”

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