Archiv für die Kategorie ‘Erben & Schenken’

Erbschaftssteuer: die 5 interessantesten Tipps um sie zu vermeiden

Dienstag, 19. Mai 2015

 

Frau Amrehn* aus Osnabrück meldete sich telefonisch vor einigen Wochen bei uns. Ihre Eltern seien verstorben. Sie hätte zwar schon seit vielen Jahren nicht mehr im Elternhaus gewohnt, sei aber immer in engem Kontakt mit Ihren Eltern geblieben. Ihre Eltern hätten ein eher bescheidenes Leben geführt. In den Kriegsjahren geboren, dann im Wirtschaftswunder groß geworden und in den 70er und 80er Jahren hätte ihr Vater dann eine Angestelltenposition inne gehabt. Jetzt seien Sie kurz hintereinander verstorben. Der Grund für Ihren Anruf: sie hinterließen ihrem Einzelkind ein liquides Vermögen von 1,3 Millionen Euro.

 

Erbschaftssteuer vermeiden: Ein Gespräch kann Hundertausende Euro bringen

Erben erfordert Vertrauen und Wissen

Frau Amrehn ist kein Einzelfall. Die Generationen, die zu den Zeiten des Wirtschaftswunders und in den wirtschaftlich starken Jahrzehnten danach Vermögen aufgebaut haben, geben in diesem Jahrzehnt Schätzungen zufolge bis zu drei Billionen Euro an Ihre Erben weiter. Die reichste Erbengeneration aller Zeiten entsteht.

 

Doch aufgepasst: Das deutsche Erbschaftssteuer Recht ist kompliziert und für Laien nicht leicht zu durchschauen. Die Freibeträge sind teilweise nur 20.000 Euro, so dass recht schnell selbst bei Erbschaften innerhalb von Verwandten Steuern anfallen. Auf der anderen Seite können bei guter Planung auch große Vermögen steuerfrei oder mit sehr geringer Besteuerung legal vererbt werden.

 

Auch die bewusste Steuerung des Erbschaftsvorgangs kann komfortabel geregelt werden. So kann eine Erbschaft aus warmer Hand, also praktisch eine Schenkung, erfolgen, ohne dass der Verschenkende die Kontrolle über sein Vermögen verliert.

 

Ich habe hier die 12 interessantesten Tipps zum Erbschaftssteuersparen zusammen gestellt. Natürlich müssen sie jeweils individuell geprüft werden, die Rechtslage kann sich ändern, für Fehler übernehme ich keine Gewähr und vor einer Entscheidung, empfehle ich ausdrücklich das Aufsuchen eines spezialisierten Anwalts (bitte nehmen Sie Kontakt mit mir auf, falls Sie für die Suche des entsprechenden Anwalts für Familienrecht Hilfe benötigen).

 

 

Tipp 1: Rentenversicherung für Schenkung nutzen

Tipp 2: Berliner Testament überdenken

Tipp 3: Selbst genutzte Immobilie vererben
Tipp 4: Risiko Lebensversicherung kreuzen

Tipp 5: Schenken mit Veto-Recht

 

 

Tipp 1 gegen Erbschaftssteuer: Rentenversicherung für Schenkung nutzen

 

Um Erbschaftssteuer zu vermindern können im 10-Jahresrhythmus Schenkungen bis zur Freibetragsgrenze vorgenommen werden. Damit kann der Freibetrag mehrmals genutzt werden. Aus dem Erbe wird dadurch eine Schenkung, da der Gebende ja noch lebt.

 

Renten-Schenkungen werden vom Gesetzgeber anders behandelt als Geldschenkungen. Wird nämlich eine Rentenversicherung vererbt, so ist als Wert dieser Versicherung die Jahresrente mit einem gesetzlich vorgeschriebenen Vervielfältiger multipliziert anzusetzen. Dieser Wert ist deutlich niedriger als das Kapital, das sich in der Rentenversicherung befindet.

 

Man kann also, statt einen Geldbetrag oder ein Wertpapierdepot zu verschenken, die steuerlich wesentlich günstigere Variante einer Rentenschenkung vornehmen. Dazu zahlt man das Vermögen per Einmalbeitrag in eine private Rentenversicherung ein, bei der der Beschenkte als versicherte Person eingesetzt wird.

 

Dann verschenkt man diesen Rentenvertrag an den Erben. Jetzt muss nicht die einmalig eingesetzte Summe als Besteuerungsgrundlage angesetzt werden, sondern es wird nach einer vorgegebenen Formel ein fiktiver Wert berechnet. Dieser bildet die Grundlage zur Berechnung der Erbschaftssteuer und ist regelmäßig niedriger als der eingebrachte Wert.

 

Nach Schenkung und Einhaltung einer Frist von einigen Monaten kann die verschenkte Rentenversicherung, soweit das der Rentenversicherungsvertrag vorsieht, in eine Kapitalauszahlung umgewandelt werden.

 

Beispiel: 65jährige möchte 900.000 Euro an 40jährigen Sohn verschenken

 

Geldschenkung   Rentenschenkung  
Betrag

900.000 Euro

Betrag

900.000 Euro

Anzusetzen

900.000 Euro

Anzusetzen
(1.895 Euro x 12 x 16,358)*

372.000 Euro

persönlicher Freibetrag

400.000 Euro

persönlicher Freibetrag

400.000 Euro

Zu versteuern

500.000 Euro

Zu versteuern

0 Euro

Steuersatz

15 Prozent

Steuersatz

7 Prozent

Steuer

75.000 Euro

Steuer

0 Euro

* Berechnungsgrundlage: Eigene Berechnung für lebenslange Rente; Vervielfältiger laut § 14 Abs. 1 BewG

 

Der Schenkende schließt in unserem Beispiel eine Leibrente gegen Einmalbeitrag ab und zahlt 900.000 Euro ein. Dafür zahlt die Gesellschaft, eine monatliche Rente  in Höhe von 1.895 Euro – bei Leibrenten bis an das Lebensende der versicherten Person, also in diesem Fall bis zum Lebensende des Beschenkten.

 

Jetzt wird nicht die eingezahlte Einmal-Beitragssumme der Rentenversicherung heran gezogen, sondern es wird der Wert der Schenkung durch Multiplikation der Jahresrente mit dem Vervielfältiger errechnet. Der Vervielfältiger ist staatlich vorgegeben und hängt von Geschlecht und Alter ab. In unserem Fall beträgt er 16,358.

 

Ersparnis Rentenschenkungen gegenüber Geldschenkung in diesem Beispiel: 75.000 Euro

 

 

Tipp 2 gegen Erbschaftssteuer: Berliner Testament überdenken

 

 

Das sogenannte Berliner Testament ist bei Familien beliebt. Dabei setzen sich die beiden Ehepartner gegenseitig zum Alleinerben ein, die Kinder oder Enkel sollen erst dann erben, wenn beide Ehepartner verstorben sind. Generell eine gute Idee, verhindert es doch möglicherweise, dass einer der länger lebenden Partner durch die Erbansprüche von Kindern / Enkeln das gemeinsam genutzte Wohnhaus verlassen muss.

 

Aus erbschaftssteuerlicher Sicht kann das Berliner Testament aber zu großen Nachteilen führen. So werden die den Kindern und Enkeln zustehenden Freibeträge beim Tod des ersten Ehepartners nicht genutzt – sie verfallen wertlos. Außerdem erben die Kinder / Enkel später dann das komplette Vermögen und müssen darauf (nach Abzug der Freibeträge) Steuern zahlen.

 

Ergänzung Freibeträge: Aktuell gelten für Ehegatten Freibeträge von 500.000 Euro plus 256.000 Euro Versorgungsfreibetrag, für Kinder 400.000 Euro und für Enkel 200.000 Euro. Mehr dazu unter unserem Beitrag Erben & Schenken: Was sollte man wissen?

 

 

Ergänzung Erb-Folge: Generell werden die Erben in Deutschland in Ordnungsklassen eingeteilt. Es gilt: zunächst wird alles an die Mitglieder der Ordnungsklasse 1 (Kinder, Enkel) vererbt. Nur wenn niemand aus 1. Ordnung vorhanden ist, erben die Mitglieder der 2. Ordnung (Eltern, Geschwister, Nichten/Neffen). Ist auch dort niemand vorhanden, erben die Mitglieder 3. Ordnung (Großeltern, Tanten/Onkel, Cousins/Cousinen). Ehepartner stehen außerhalb dieser Ordnung und erhalten 1/4 neben Erben 1. Ordnung, 1/2 neben den Erben 2. Ordnung. Lebten die Partner in der üblichen Zugewinngemeinschaft, erhält der Ehepartner ein weiteres 1/4 dazu. Mehr dazu unter unserem Beitrag Erben & Schenken: Was sollte man wissen?

 

Beispiel: Erblasser mit Vermögen 1.200.000 Euro

 

Berliner Testament   Gesetzliche Erbfolge / Vermächtnis  
Betrag

1.200.000 Euro

Betrag Ehepartner

800.000 Euro

Persönlicher Freibetrag Ehepartner

500.000 Euro

Persönlicher Freibetrag Ehepartner

500.000 Euro

Versorgungsfreibetrag

256.000 Euro

Versorgungsfreibetrag

256.000 Euro

Restbetrag

444.000 Euro

Restbetrag

44.000 Euro

Steuersatz

15 Prozent

Steuersatz

7 Prozent

Steuer Ehepartner

66.600 Euro

Steuer

3.080 Euro

 

.

   
 

.

Betrag Kind

400.000 Euro

 

.

Persönlicher Freibetrag Kind

400.000 Euro

 

.

Restbetrag Kind

0 Euro

 

.

Steuersatz

keiner

 

.

Steuer Kind

0 Euro

       
Betrag 2 (Todesfall des 2. Ehepartners)

1.200.000 Euro

Betrag 2 (Todesfall des 2. Ehepartners)

800.000 Euro

Persönlicher Freibetrag Kind

400.000 Euro

Persönlicher Freibetrag Kind

400.000 Euro

Restbetrag 2

800.000 Euro

Restbetrag 2

400.000 Euro

Steuersatz 2

19 Prozent

Steuersatz 2

15 Prozent

Steuer 2 (Kind)

152.000 Euro

Steuer 2 (Kind)

60.000 Euro

       
Steuer gesamt

218.600 Euro

Steuer gesamt

63.080 Euro

       

 

 

Die Steuerersparnis: 155.520 Euro.

 

 

Tipp 3 gegen Erbschaftssteuer: Selbst genutzte Immobilien vererben

 

Früher wurden Immobilien bei Erbschaften nicht mit dem reellen Verkehrswert, sondern mit einem bis zu 50 Prozent reduzierten Abschlage gerechnet. Dieses Privileg wurde abgeschafft.

 

Dafür gilt ein neues Privileg für Wohnraum, den der Verstorbene bis zum Tod selbst genutzt hat. Wird dieses Haus oder diese Wohnung nämlich für mindestens 10 Jahre von Ehepartnern oder Kindern, die als Erbe eingesetzt sind, selbst genutzt, so bleiben bis zu 200 qm Wohnfläche von der Erbschaftssteuer befreit. Nur was darüber hinaus geht, muss zum Verkehrswert angesetzt und mit Erbschaftssteuer versehen werden. Übrigens greift eine nachträgliche Besteuerung, sollte der Erbe doch nicht die geforderten 10 Jahre in der Immobilie bleiben. Ausnahmen sind nur in zwingenden Gründen, zum Beispiel im Falle der Pflegebedürftigkeit, möglich.

 

Beispiel: Immobilie mit 400 qm Wohnfläche wird an Kind vererbt

 

 

Immobilie (400 qm)

1.200.000 Euro

Freibetrag 200 qm

-600.000 Euro

persönlicher Freibetrag

-400.000 Euro

==================== =====================
zu versteuern (Erbschaftssteuer):

200.000 Euro

 

Bei Erbschaftssteuerklasse I für Kinder gilt bei Vermögen bis 600.000 € ein Steuersatz von 15 Prozent, es sind als zu entrichten:

 

Erbschaftssteuer: 30.000 Euro

 

 

 

 

 

 

Tipp 4 gegen Erbschaftssteuer: Risikolebensversicherung kreuzen

 

Risikolebensversicherungen kosten nicht viel Geld, sind im Zweifel aber Gold wert.

 

Um was geht’s? Lebensversicherung ist nicht gleich Lebensversicherung. Üblicherweise versteht man in Deutschland unter einer Lebensversicherung einen Versicherungsvertrag, bei dem sowohl das Leben eines Person abgesichert ist, aber gleichzeitig auch Kapital gebildet wird. Man nennt das eine Kapitallebensversicherung.

 

Beispiel: Ein 30jähriger Mann zahlt monatlich 100 Euro in eine solche Kapitallebensversicherung ein. Erlebt er das 67. Lebensjahr, wird ihm entweder das (verzinste) Kapital ausgezahlt oder eine lebenslange Rente monatlich überwiesen.

 

Wir sprechen hier jedoch von einer sogenannten Risiko-Lebensversicherung. Sie macht das, was man vom Namen her erwarten würde: Sie sichert das Leben ab – verstirbt also die sogenannte versicherte Person, dann zahlt sie einen vereinbarten Geldbetrag, zum Beispiel 200.000 Euro, aus. Die Beitragszahlungen sind überschaubar, ein z.B. 30jähriger Mann kann für unter 20 Euro im Monat eine Todesfallsumme von 200.000 Euro versichern.

 

Risikolebensversicherungen werden häufig von Banken gefordert, wenn es um einen Immobilien-Finanzierung geht. Würde zum Beispiel einer der beiden Ehepartner, die die Immobilienfinanzierung aufnehmen, versterben, könnte der Gehaltsausfall oder ein sonstiges Problem mit der Auszahlung aus der Risiko-Lebensversicherung aufgefangen werden. Es käme nicht zu einer Versteigerung oder einem Notverkauf des Hauses.

 

Aber auch ohne den Hintergrund einer Hausfinanzierung ist die Risikolebensversicherung immer dann empfehlenswert, wenn jemand für andere Menschen, zum Beispiel Kinder oder Partner, finanziell zu sorgen hat.

 

Gehen wir vom häufigen Fall aus, dass Ehepartner eine Risikolebensversicherung abschließen. Jetzt muss man wissen, dass bei einer Risikolebensversicherung zwei Personen definiert werden:

 

a.) Versicherte Person: Um diesen Menschen geht es – sollte er versterben, wird das Geld ausgezahlt

b.) Versicherungsnehmer: Das ist der Vertragspartner der Versicherungsgesellschaft. An ihn wird die Versicherungssumme ausgezahlt.

 

In vielen Fällen wird für beide eine Person eingesetzt, die versicherte Person ist also gleich dem Versicherungsnehmer. Im Beispiel eines Ehepaares bedeutet das im Todesfall:

 

Die Todesfallsumme wird ausgezahlt und zwar auf den Namen des Verstorbenen. Danach wird diese Summe auf den Ehepartner vererbt und verursacht damit möglicherweise Erbschaftssteuer.

 

Anders ist die Situation bei einer gekreuzten Lebensversicherung: Ehepartner 1 wird als versicherte Person eingesetzt, Ehepartner 2 als Versicherungsnehmer. Verstirbt Ehepartner 1, wird das Kapital direkt an den hinterbliebenen Ehepartner 2 ausgezahlt. Es gibt keinen Erbschafts-Fall!

 

Beispiel: Ehepaar schließt Risiko-Lebensversicherung über 200.000 Euro ab

 

Normale Gestaltung   Gekreuzte Risikolebensv.  
Auszahlung aus Lebensv. 200.000 Euro Auszahlung aus Lebensv.

200.000 Euro

Freibeträge ausgeschöpft 0 Euro Freibeträge ausgeschöpft

0 Euro

       
Zu versteuern 200.000 Euro Zu versteuern

0 Euro

Steuersatz (Schätzung)

11 Prozent

Steuersatz

Keiner

Erbschaftssteuer

22.000 Euro

Erbschaftssteuer

0 Euro

 

 

Die Steuerersparnis bei der Erbschaftssteuer: 22.000 Euro.

 

 

Ein weiterer Vorteil der gekreuzten Lebensversicherung: der Auszahlungsbetrag fällt nicht in die Erbmasse, etwaige Pflichtteilsansprüche können also nicht gelten gemacht werden.

 

Die Über-Kreuz-Gestaltung von Lebensversicherungen ist auch für kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherungen oder fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherungen sinnvoll, um möglicherweise Erbschaftssteuer zu sparen. Hier sind wegen der gleichzeitigen Kapitalbildung, also letztlich wegen der Frage, was passiert im Erlebensfall, jedoch weitere Überlegungen anzustellen.

 

Insgesamt eine verblüffend einfache Gestaltung, die sich durch einfaches Eintragen von zwei Personen auf dem Versicherungsantrag kinderleicht anwenden lässt.

 

 

Tipp 5 gegen Erbschaftssteuer: Schenken mit Veto-Recht

 

 

Ich kenne jemanden, der mit Anfang 60 entschied, seine Güter in 4 Teile aufzuteilen, und jedem seiner vier Kinder wurde per Los ein Teil zugeteilt. Wer sein Wohnhaus geschenkt bekam, der musste ihn und seine Gattin bis zum Lebensende dort wohnen lassen.

 

Eine gute Lösung, die gut funktioniert, wenn viel Vertrauen vorhanden ist und der Schenkende vielleicht auch noch einen gewissen Einfluss auf die  Empfänger hat. Dann ist nämlich sicher gestellt, dass die Beschenkten mit dem Vermögen nur das tun, was auch im Sinne des Verschenkenden ist.

 

In der Praxis zeigt sich das aber immer wieder als große Herausforderung. Da die Freibeträge für Schenkungen nach 10 Jahren wieder zurück gesetzt werden, könnte ja alle 10 Jahre ein Betrag bis maximal zur Freibetragsgrenze (bei Kinder 400.000 Euro) verschenkt werden – damit spart man richtig viel Erbschaftssteuer. Trotzdem wird das häufig nicht getan, aus einem Grund: man weiß einfach nicht, was der Beschenkte mit dem Geld so alles machen würde. Und man ist sich nicht sicher, ob die Loyalität des Beschenkten auch nach Übertragung des Vermögens noch so hoch wäre wie zuvor.

 

Dafür gibt es einen interessanten Kniff, das Schenken mit Veto-Recht. Damit ist sichergestellt, dass das Vermögen bereits jetzt verschenkt werden kann um möglicherweise Erbschaftssteuer zu sparen, aber trotzdem der Verschenkende immer noch ein Mitspracherecht über das Vermögen behält.

 

Wie funktioniert’s? Am besten lässt es sich an einem Beispiel zeigen. Nehmen wir an, dass ein Opa seiner Enkelin 50.000 Euro schenken möchte. Allerdings möchte er sicherstellen, dass das Geld nur für “sinnvolle Dinge” verwendet wird.

 

Er zahlt dazu das Geld in einen Rentenversicherung ein. Das kann eine klassische oder fondsgebundene Variante sein. Die versicherte Person ist die Enkelin, der Versicherungsnehmer (also Vertragspartner der Versicherung) ist der Opa.

 

Jetzt kommt die Besonderheit: Nach zum Beispiel 1 Monat überträgt der Opa 99% an die Enkelin, das heißt, er bleibt zu 1 Prozent Besitzer der Police, die Enkelin wird zu 99 Prozent Besitzerin der Immobilie. Es findet aus steuerlicher Sicht eine Schenkung in Höhe der verschenkten 99 Prozent statt.

 

 

 

image

Schenken mit Veto-Recht. 99 % werden verschenkt, 1 % sorgt für Mitspracherecht (Grafik: Grünes Geld GmbH)

 

Ab sofort besitzt die Enkelin also 99 Prozent des Vermögens. Um jedoch darüber verfügen zu können, zum Beispiel indem sie eine Teilauszahlung vornimmt und ein Teil des Geldes entnimmt, muss sie die Unterschrift beider Versicherungsnehmer vorlegen. Der Opa, obwohl er nur 1 Prozent besitzt, muss der Entnahme zustimmen. Er besitzt also ein Veto-Recht.

 

 

 

Fazit: Man kann hervorragend Erbschaftssteuer sparen

 

 

Die oben aufgezeigten Tipps möchten Ihnen einen Eindruck vermitteln, was im Bereich der Erbschaftssteuer-Optimierung getan werden kann. Es gibt viele weitere Möglichkeiten, und es schadet sicher nichts, wenn Sie Ihrem Anwalt oder Notar bereits mit ein paar Vorschlägen etwas voraus sind. Denn die Erfahrung zeigt, dass die oben gezeigten Tipps gegen die Erbschaftssteuer auch unter den Profis nicht jedem bekannt sind. Die Durchführung wiederum erfordert oftmals einen versierten Finanzberater, der Gesellschaften und Tarife kennt, die die oben genannte Gestaltung zulassen.

 

 

 

erben-kontakt

 

 

 

 

 

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* Name / Ort wurden von uns geändert.

 

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Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

Erben & Schenken: Was sollte man wissen?

Freitag, 15. Mai 2015

 

In Deutschland wird immer mehr vererbt, oder sehr verwandt dazu, verschenkt. Die seit dem Wirtschaftswunder erschaffenen  Besitztümer der Deutschen werden in steigender Menge übertragen. Doch das deutsche Familienrecht ist komplex und die gesetzlichen Standard-Vorgaben passen nur in den wenigsten Fällen hinzu kommt: nur 15% der Deutschen halten Erb-Streitigkeiten in Ihrer Familie für möglich, aber in 45% der Erbfälle kommt es zu juristischen Auseinandersetzungen.

 

 

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Nur 15% glauben in der Familie an Erbstreit, in  Wirklichkeit kommt er in 45% der Fälle vor (Grafik: Grünes Geld GmbH)

 

Die gesetzliche Erbfolge

 

Wenn nichts geregelt wird, gilt die gesetzliche Erbfolge. Diese zielt primär darauf ab, die Ehegatten und Kinder gut zu stellen.

 

Entsprechend gelten für Ehepartnern und eingetragene Lebenspartnerschaften eigene, großzügige Regelungen. Außerhalb dessen gilt: gibt es näher stehende Erben, geht der Rest leer aus. Unverheiratete Lebensgefährten oder angeheiratete Verwandtschaft geht ohnehin immer leer aus. Der Gesetzgeber sieht folgende Regelung vor: zunächst erben Kinder, dann deren Kinder, dann Eltern und gegebenenfalls Kinder wie Geschwister oder Nichten / Neffen des Erblassers, als nächstes kommen Großeltern und deren Nachkommen.

 

Beispiel: Ein unverheirateter Mann verstirbt und hat drei Kinder. Jedes erbt also 1/3 des Erbes. Da ein Kind jedoch bereits verstorben ist, teilen sich dessen beiden Kinder sein Drittel. Letztlich erhält jedes Kind des Erblassers 1/3, die Enkel des Erblassers erhalten jeweils 1/3 mal 1/2, also 1/6 des Nachlasses. Alle anderen erhalten nichts.

 

Siehe dazu auch untenstehende Grafik mit den Erbschaftsklassen 1., 2. und 3. Ordnung.

 

Wie sieht das Erbe der Ehepartner aus?

 

Außerhalb des Ordnungs-Systems der Erben steht der Eheparten oder eingetragene Lebensgefährte. Neben Erben 1. Ordnung erhält der Ehepartner 1/4, neben Erben der 2. Ordnung erhält er die Hälfte des Erbes. Immer wenn die Ehepartner in Zugewinngemeinschaft leben (Normalfall), erhält der Ehepartner ein weiteres 1/4. Im häufigen Fall einer Erbschaft mit Ehepartner und 2 Kindern erhält der Ehepartner also 1/4 plus nochmal 1/4 wegen der Zugewinngemeinschaft, also insgesamt 1/2. Die Kinder erhalten jeweils 1/4.

 

Wie kann ich etwas regeln?

 

Wer also eine eigene Regelung treffen möchte, muss ein schriftliches Testament hinterlegen oder einen Erbvertrag erstellen. Nur falls diese Dokumente zum Beispiel aus formalen Gründen nicht gültig sind, gilt wieder die gesetzliche Erbfolge. Für den Erbvertrag gilt, dass er keine einseitige Willenserklärung wie das Testament darstellt, sondern dass er ein von Erblasser und Erben unterzeichnetes Dokument ist. Er muss zwingend beim Notar abgeschlossen werden und kann, das ist ein wesentlicher Unterschied zum Testament, später nicht mehr einseitig geändert werden.

 

Was gibt’s beim Testament zu beachten?

 

Ein Testament kann jeder, auch ohne rechtliche Hilfe, verfassen. Wichtig: es muss zwingend in eigener Handschrift verfasst werden. Maschinengeschriebene Testamente mit eigenhändiger Unterschrift sind nicht gültig. Es muss im Testament klar ersichtlich sein, von wem das Testament wann und wo verfasst wurde. Der Vorteil: im Gegensatz zum Erbvertrag kann ein Testament jederzeit durch ein neues ersetzt werden.

 

Um zu vermeiden, dass Testamente verloren gehen oder unklar ist, welches das aktuelle Testament ist, kann man es beim Amtsgericht oder im zentralen Testamentsregister (www.testamentsregister.de, seit 1.1.2012) durch einen Notar hinterlegen lassen. Pflicht ist das nicht, private Testaments ohne Hinterlegung gelten ebenso.

 

Generell kann man neben dem selbst geschriebenen Testament auch das Testament von einem Notar machen lassen. Das ist jedoch relativ teuer. Unser Tipp: Erstellen Sie ein rechtssicheres Testament, indem Sie sich mit einem auf Familienrecht spezialisierten Anwalt (Beispiel: http://www.fuchs-fuchs.de/anwalt.htm) auf Stundenbasis beraten lassen. Das ist meist spürbar günstiger und ebenso hochwertig wie die Lösung beim Notar.

 

 

Was ist ein Erbschein?

 

Ein Erbschein muss beim Nachlassgericht des letzten Wohnsitzes des Verstorbenen beantragt werden. Er ist wichtig um zum Beispiel gegenüber Banken oder Gerichten über das vererbte Vermögen verfügen zu können. Teilweise ist bei einem notariellen Testament der Erbschein entbehrlich.

 

 

Und wenn nur Schulden vererbt werden?

 

Eine Erbschaft kann auch immer ausgeschlagen werden. Aber Achtung: dafür gilt eine unter Umständen knappe Frist von nur 6 Wochen nach Kenntnis der Erbschaft. Spätestens dann muss beim Nachlassgericht eine entsprechende Erklärung abgegeben werden. Gibt es keine weiteren Erben, fällt das Erbe an den Staat. Sein Vorteil: er haftet selbst nur maximal in Höhe der Erbschaft, höhere Schulden werden durch den Staat nicht beglichen – Pech für die Gläubiger.

 

 

Und die Steuern beim Erben?

 

An die Steuern muss möglichst schon vor Eintritt des Erbfalls gedacht werden. Dann lassen sich diese möglicherweise noch vermindern oder ganz vermeiden. Grundsätzlich möchte der Fiskus seinen Anteil am vererbten Vermögen haben, es gelten jedoch unterschiedliche Freibeträge und Steuersätze, abhängig von Erbschafts-Steuerklassen und Höhe des vererbten Vermögens. Zusätzlich werden noch spezielle Regelungen angewandt, wie Versorgungsfreibeträge im Erbfall für Ehegatten (256.000 Euro) oder für Kinder unter 27 Jahren (zw. 10.300 und 52.000 Euro) sowie Hausratsfreibeträge (42.000 Euro für Steuerklasse I). Andere bewegliche körperliche Gegenstände außer Bargeld, Münzen, Wertpapieren, Edelmetallen bleiben bis 12.000 Euro steuerfrei.

 

Auch die Kosten für Beerdigung, Grabdenkmal, Grabpflege, Testamentseröffnung und Erbschein sind pauschal mit 10.300 Euro abziehbar.

 

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Ehepartner stehen außerhalb der Erbordnung und werden immer bedacht. Ansonsten gilt: 2. Ordnung erbt nur, wenn niemand der 1. Ordnung da ist. 3. Ordnung erbt nur, wenn niemand der 1. oder 2. Ordnung da ist (Grafik: Grünes Geld GmbH)

 

 

 

 

erben-steuerklassen

Welche Freibeträge gelten für wen? (Keine Vollständigkeit, keine Gewähr, Grafik: Grünes Geld GmbH)

 

 

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Unterschiedliche Steuersätze für die unterschiedlichen Erbschaftssteuer-Klassen (Grafik: Grünes Geld GmbH)

 

 

 

 

Erben und Schenken – wieso wird das häufig zusammen erwähnt?

 

Prinzipiell verstehen Normalbürger darunter zwei unterschiedliche Dinge. Steuerlich werden die beiden Fälle Erben und Schenken aber zunächst gleich behandelt. Im Detail gibt es allerdings – zunächst unscheinbar anmutende – Unterschiede. So befinden sich Eltern und Großeltern bei Erbschaften in der Steuerklasse I mit einem Freibetrag von 100.000 Euro und relativ niedrigen Steuersätzen wieder. Kommt es allerdings zu einer Schenkung statt zur Erbschaft, sind beide in Steuerklasse II mit nur  noch 20.000 Euro Freibetrag und höheren Steuersätzen. Das kann schnell mehrere zehntausend Euro Unterschied ausmachen.

 

 

Sollte man überhaupt aus steuerlichen Gründen schenken?

 

Nachdem Schenken steuerlich eher schlechter als Erben behandelt wird, stellt sich die Frage, ob sich Schenken lohnt. In vielen Fällen ja, denn beim Schenken gelten 10jährige Fristen für die Freibeträge. Man kann also einen Freibetrag nutzen, wartet 10 Jahre, und kann ihn dann wieder nutzen. Damit können auch große Vermögen, gut geplant, steuerfrei übergeben werden.

 

Allerdings ist verschenktes Vermögen in der Regel aus dem Zugriff des Schenkenden entzogen, so dass dieser Schritt gut überlegt sein will. Allerdings gibt es dazu einige intelligente Lösungen, die die Schenkung zulassen, und gleichzeitig die Zustimmung des Schenkenden über die Verwendung des Erbes benötigen. Sprechen Sie uns für dieses Lösungen direkt an (Kontakt).

 

 

Was sind Pflichtteile?

 

Pflichtteile sind Geldansprüche in halber Höhe dessen, was nahen Angehörigen laut gesetzlicher Erbfolge zugestanden hätte.

 

Diese können verlangt werden, wenn die Betroffenen von der Erbfolge ausgeschlossen wurden. Als nahe Angehörige gelten in diesem Fall:

 

– die Abkömmlinge des Erblassers
– die Eltern des Erblassers
– der Ehegatte des Erblassers
– eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner

 

Pflichtteile können unter Umständen zu Liquiditätsengpässen bei den Beerbten führen. Pflichtteilsansprüche können kaum ausgeschlossen werden. Allerdings können Schenkungen zur Übertragung des Vermögens genutzt werden. Bei Schenkungen gilt: 10% des verschenkten Vermögens werden pro Jahr gestrichen, nach 10 Jahren ist also kein Vermögen für den Pflichtteilsanspruch mehr vorhanden.

 

 

 

 

erben und schenken

 

 

 

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Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.