Autor: gruenes_gewissen 19. April 2011

Nicht überall, wo grün draufsteht, ist auch grün drin

Als Anleger hat man es derzeit nicht leicht. Finanzkrise, Schuldenkrise und die Angst vor Inflation haben vor dem Hintergrund einer wachsenden Globalisierung zu großer Verunsicherung gesorgt, was die Sicherheit ihrer Anlagen angeht. Jürg Zeltner, CEO des UBS Wealth Management, rät zu Aktien: „Wenn man von einer expansiven Geldpolitik ausgeht, haben Aktien Potenzial.“ Sie sind nicht so anfällig für Inflationsrisiken und werfen gute Rendite ab, insbesondere Wertpapiere aus Schwellenländern.

Wer sich bei der Investition in Aktien nicht die Hände schmutzig machen will, greift nicht erst seit der tragischen Eskalation des Reaktorunglücks in Fukushima, das nun offiziell mit der siebten und damit höchsten Stufe für Atomunfälle bewertet wurde und damit auf einer Stufe mit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl steht, gerne zu sogenannten „Umwelt-Fonds“. Doch wer sich sicher sein will, dass seine Geldanlage auch wirklich so Öko ist, wie sie behauptet, muss genau hinsehen. Denn auch viele vorgeblich nachhaltige Fonds, die ihren Anlegern Rendite mit gutem Gewissen versprechen, enthalten Aktien von AKW-Betreibern.

So finden sich in vielen Umwelt-Fonds beispielsweise Aktien von Siemens und General Electric, die Teile für Atomanlagen liefern, oder von der Bergbaugesellschaft Rio Tinto, die Uran abbaut. Im Klimawandel-Fonds „HSBC GIF Climate Change“ findet sich gar die Aktie des unter Beschuss geratenen Fukushima-Betreibers Tepco. So mancher Anleger fühlt sich veräppelt und in seinen Überzeugungen nicht ernst genommen, und Kritiker warnen, dass die Investmentbranche mit dem Trick der vorgeblichen Nachhaltigkeit die Zielgruppe der ökologisch bewussten Anleger ansprechen wolle. Klar, denn wo „Öko“ oder „Nachhaltigkeit“ draufsteht, greift der deutsche Käufer gerne zu. So hat sich die Zahl der nachhaltigen Produkte in den vergangenen acht Jahren verdreifacht.

Nicht verwunderlich, dass es manches findige Unternehmen mit den ethischen Prinzipien seiner Anleger nicht so genau nimmt. Dass es zu diesem Etikettenschwindel kommen kann und sich solche auf den ersten Blick völlig deplatzierte Unternehmen in den Fonds finden, ist auf den Best-in-Class-Ansatz zurückzuführen – hier wählen die Fondsanbieter Unternehmen, die zu den besten zehn Prozent in ihrer Branche gehören, und das nicht nur in Hinblick auf ökologische Aspekte, sondern auch auf soziale Aspekte wie ihr Umgang mit Mitarbeitern. So konnte zu Zeiten der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko der Ölkonzern BP seinen Weg in viele Umweltfonds finden. Zwar gibt es bei vielen Fonds bestimmte Ausschlusskriterien, beispielsweise Alkohol, Glücksspiel, Tabak und Rüstungsindustrie, oftmals nicht aber Chemie- und Ölindustrie.

Wer den Begriff der Nachhaltigkeit enger fasst, dem bleibt bei der Vielzahl der „ethischen“ Produkte nicht mehr viel Auswahl. Ein gutes Gewissen verspricht der Natur-Aktien-Index (NAI), der nur aus 30 Unternehmen besteht, die „global zur Entwicklung ökologisch und sozial nachhaltiger Wirtschaftsstile beitragen“, so beispielsweise Windturbinenbauer oder Dämmstofffabrikanten. Trotz geringerer Auswahl handelt es sich hierbei um die wahren Umwelt-Fonds. Wer sicher gehen will, dass der Fonds hält, was er verspricht, sollte nach dem Prüfsiegel des European Sustainable Investment Forums (Eurosif) Ausschau halten – diese Anbieter versprechen den Anlegern Transparenz in Hinblick auf die Fondszusammenstellung.

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