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Ende des Atomzeitalters – Toshiba manövriert sich ins Aus

Freitag, 28. April 2017
Zusammenfassung: Im Jahr sechs nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima befinden sich Atomunternehmen zunehmend in Schwierigkeiten. Gerade meldete Westinghouse, einer der führenden Hersteller von Atomkraftwerken, Konkurs an. Aber auch der japanische Mutter-Konzern Toshiba strauchelt. Höchste Zeit für Unternehmen, die Zeichen der Zeit zu erkennen und auf umwelt- und klimafreundliche Energiegewinnung zu setzten.

 

 

Lange Zeit war Toshiba in erster Linie als Elektrokonzern bekannt.

Der japanische Technologiekonzern Toshiba steht aktuell vor einer ungewissen wirtschaftlichen Zukunft. Nachdem Toshiba im vergangenen Monat seine Unternehmensgesellschaft Westinghouse in den Konkurs schicken musste, ist ein Ende der Krise nicht in Sicht: Bereits seit mehreren Jahren belastet eine Affäre um manipulierte Bilanzen den japanischen Konzern. Darüber hinaus leidet das Unternehmen finanziell unter Milliardenverlusten durch seine Atomgeschäfte. Generell hat allerdings auch das uneingeschränkte Bekenntnis von Toshiba zur Kernkraft dem Unternehmen stark zugesetzt.

 

 

Ein Unternehmen mit Geschichte

Die Toshiba Corporation ist im japanischen Aktienindex Nikkei gelistet und zählte in der Vergangenheit zu den weltweit führenden Herstellern von elektrischen und elektronischen Geräten. Dabei blickt der Konzern auf eine lange Firmengeschichte zurück. Das Unternehmen entstand bereits 1939 durch den Zusammenschluss zweier Firmen aus dem Elektrotechnik- und Konsumgüterbereich und wuchs in den darauf folgenden Jahrzenten vor allem durch Firmenübernahmen im Bereich der Schwerindustrie. Seit 1978 firmiert der Technologie-Riese „Tokyo Shibaura Denki“ unter dem Kurznamen Toshiba. Seit den siebziger Jahren engagierte sich das Unternehmen auch im Bau von Kernkraftwerken. Der breiten Öffentlichkeit ist Toshiba allerdings in erster Linie durch seine Aktivitäten im Bereich der Unterhaltungselektronik und Chip-Technologie bekannt.

 

 

Führender Atomkraftkonzern

Risiken der Atomenergie sind spätestens seit Fukushima bekannt.

Im März 2011 erschütterte die Reaktorkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi die Welt. Wenig beeindruckt zeigte sich damals allerdings die Unternehmensleitung von Toshiba. Diese bekannte sich weiter uneingeschränkt zur Kernkraft als Energieerzeugung der Wahl. Schließlich werde dabei kaum CO2 erzeugt und zudem preisgünstig Strom produziert. Mögliche Unfälle müsse man dabei eben in Kauf nehmen.

 

Nachdem das US-amerikanische Unternehmen General Electric (GE) Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die ersten beiden Reaktorblöcke in Fukushima gebaut hatte, ging der Ausbau in den folgenden Jahren unter japanischer Führung weiter. Block 3 von Fukushima-Daiichi wurde Ende 1970 von Toshiba errichtet, ebenso wie die meisten japanischen Atommeiler an anderen Standorten. Das Geschäft lief, Toshiba setzte auch in den folgenden Jahren auf Atom, baute das Geschäftsfeld weiter aus und kaufte in diesem Bereich Unternehmen zu. Anfang des Jahres 2006 übernahm Toshiba für 5,4 Milliarden Dollar den US-Kraftwerksanbieter Westinghouse Electric.

 

Westinghouse befand sich seit 1998 im Besitz des britischen Staatskonzerns British Nucelar Fuels plc. (BNFL), unter anderem Betreiber des Atomkraftwerks Sellafield, das durch die Brandkatastrophe 1957 und zahlreiche folgende nukleare Störfälle unrühmlich Bekanntheit erlangt hatte.

 

Toshiba gelang es, sich in einem monatelangen Bieterstreit um Westinghouse gegen die seine Mitbewerber GE und das japanische Unternehmen Mitsbubishi Heavy Industries durchzusetzen. Westinghouse verzeichnet zum Zeitpunkt der Übernahme einen Jahresumsatz von 1,9 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen verfügte über 34 Betriebe mit rund 8.000 Mitarbeitern in 14 Ländern. Wie Toshiba blickte Westinghouse bereits auf eine lange Firmengeschichte zurück, die Ende des 19. Jahrhunderts in den USA ihren Anfang nahm. Als aufstrebendes Elektronikunternehmen hielt Westinghouse das Patent für Wechselstromübertragung, engagierte sich im Bau von Elektrofahrzeugen und zählte prominente Forscher wie Nikola Tesla zu ihren frühen Mitarbeitern. In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts lieferte Westinghouse das Konzept für Kernkraftwerke mit Druckwasserreaktoren und stieg zu einem führenden Nuklear-Unternehmen auf. Bis zur Übernahme durch Toshiba hatte Westinghouse fast 100 Atommeiler geliefert.

 

Mit der erfolgreichen Akquise von Westinghouse avancierte Toshiba zum weltweit führenden Atomkraft-Konzern.

 

 

Die Zeichen der Zeit erkennen: Ende des Atomzeitalters einläuten

Dass 2006 ein vergleichsweise hoher Preis für Westinghouse erzielt werden konnte, hängt Branchenkennern zufolge mit der Spekulation auf eine wachsende Nachfrage nach Atomkraftwerken zu diesem Zeitpunkt zusammen. Toshiba habe zum einen mit Aufträgen aus den USA und dem europäischen Markt gerechnet, zum anderen kalkulierte das Unternehmen auch mit Aufträgen aus China und weiteren Staaten Asiens.

 

Erneuerbare Energien lösen Atromkraftwerke ab.

Der Reaktorunfall am 11. März in Fukushima fünf Jahre später läutete den Anfang des Endes des weltweiten Atomzeitalters ein: Aufgrund eines Erdbebens und eines folgenden Tsunamis kam es zu einer Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima I. Die Ereignisse führten zu mehreren Kernschmelzen. Die Reaktorblöcke 1 bis 4 wurden zerstört. Dabei wurden erhebliche Mengen an Radioaktivität freigesetzt und Luft, Boden und Meer kontaminiert. Das Ausmaß der Strahlenbelastung wird auf das Doppelte der atomaren Verseuchung nach dem Super-Gau von Tschernobyl im April 1986 geschätzt. Rund 170.000 Einwohner rund um Fukushima mussten umgesiedelt werden. Das gesamte Ausmaß des – nach der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse – „katastrophalen Unfalls“ lässt sich nicht exakt bemessen.

 

International ließ jedoch die einstmalige Begeisterung für Atomenergie merklich nach. In Japan wurden die laufenden Planungen für den Bau von Kernkraftwerken erneut geprüft, mehrere Kernkraftbetreiber legten ihre Projekte auf Eis. Darüber wurde die nationale Atomaufsichtsbehörde vom Wirtschaftsministerium getrennt. Dieses hatte die Atomenergie im Land stark gefördert. Seit 2012 ist die Aufsicht im Umweltministerium angesiedelt. Darüber hinaus wandelte sich die gesellschaftliche Einstellung in Japan. Erstmals kam es zu nennenswerten Protesten gegen die Kernenergie. Umfragen zufolge stieg die Ablehnung von Atomenergie in der Bevölkerung rasant auf fast 50 Prozent. Eine stärkere Nutzung Erneuerbarer Energien rückte zunehmend in den Mittelpunkt der politischen Diskussion.

 

Innerhalb der Europäischen Union wurden unter dem Einfluss von Fukushima freiwillige Stresstests im allen Atomkraftwerksbetreibern vereinbart. Im Abschlussbericht wurde nahezu allen europäischen Atomkraftwerken Sicherheitsmängel und Defekte bescheinigt.

 

In Deutschland entstand eine Debatte über die weitere Nutzung der Atomenergie und die Laufzeiten der laufenden Kernkraftwerke. Bereits im Juni 2011 wurde der völlige Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 verabschiedet. Im weiteren Verlauf wurde die Energiewende in Deutschland beschlossen. Entsprechend sollen Erneuerbare Energien als bezahlbare Alternative zur Atomenergie gefördert werden. Bis zum Jahr 2025 sollen dann Sonne, Wind und andere regenerative Quellen mindestens 40 Prozent der Stromversorgung ausmachen. Außerdem soll Energie effizienter genutzt werden. Im Zuge dieser Zielsetzungen wird beispielsweise die energetische Sanierung von Gebäuden sowie die Mobilität mit Elektrofahrzeugen mit speziellen Programmen gefördert. Die Energiewende stößt innerhalb der Bevölkerung auf breite Akzeptanz, der Anteil der Kernkraftgegner beträgt immerhin rund 70 Prozent.

 

 

Zwischenschritt: Die Sowohl-als-auch-Politik

Weltweit fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Die Volksrepublik China fror 2011 die Genehmigungsverfahren für seine geplanten Kernkraftwerke vorübergehend ein. Mittlerweile investiert das Land jedoch wieder massiv in die Kernenergie

 

Allerdings ist der Energiebedarf der aufstrebenden Wirtschaftsmacht enorm. Das Land schickt sich gleichzeitig an, weltweit eine führende Rolle im Ausbau der Erneuerbaren Energien zu spielen.

 

Dieses Verhalten ist durchaus beispielhaft. Auch viele weitere Staaten haben sich noch nicht von der Kernkraft verabschiedet. Erneuerbare Energien haben sich jedoch zeitgleich zu einer ernstzunehmenden Alternative entwickelt.

 

 

Toshiba auf Talfahrt

Toshiba hat es den Stecker gezogen.

Toshibas Talfahrt macht sich bereits seit einigen Jahren bemerkbar. Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass das Unternehmen regelmäßig zu hohe Gewinne ausgewiesen. In der Folge vermeldete das Unternehmen Milliardenverluste und musste bereits rund 7.000 Stellen streichen. Nun stehen mehr als 100.000 Arbeitsplätze allein in Japan auf dem Spiel. Der aktuelle Quartalsbericht wies Verluste in Höhe von rund 4,7 Milliarden Euro für die vergangenen neuen Monate aus, für das Gesamtjahr werden Verluste von bis zu 8,4 Milliarden Euro erwartet.

 

2016 trennte sich Toshiba vom Bereich Medical Systems sowie von seinen Hausgeräten. Aktuell hat darüber hinaus eine außerordentliche Hauptversammlung die Abspaltung des Geschäfts mit Speicher-Chips beschlossen. Für diesen Unternehmensbereich interessieren sich bereits mehrere Mitbewerber. Das höchste Gebot soll derzeit vom taiwanesischen Elektronikhersteller Foxconn vorliegen. Die japanische Regierung fürchtet nun auch um die strategisch bedeutsame Technologie-Expertise des Landes und versucht heimische Investoren zum Bieten zu bringen.

 

Abzuwarten bleibt, ob Toshiba mit seinem Ausverkauf die drohende Insolvenz abwenden kann. Toshiba selbst äußerte bereits Zweifel an der Rettung des Unternehmens, Finanzanalysten dagegen halten das angeschlagene Unternehmen zu groß und bedeutend zum Scheitern und gehen davon aus, dass gegebenenfalls der japanische Staat eingreifen wird.

 

Abschreibungen in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar haben das Eigenkapital des Unternehmens stark angegriffen. Die Abschreibungen mussten für die von Westinghouse übernommene CB&I-Tochter Stone & Webster vollzogen werden, die als Konsortialpartner beim Bau und Rückbau von Kernkraftwerken fungierte. Die Beteiligungen am Bau von Atomkraftwerken im Südosten der USA hatte zu massiven finanziellen Schwierigkeiten geführt, so dass am 29. März das offizielle Insolvenzverfahren gegen Westinghouse eingeleitet wurde. Ursachen liegen möglicherweise auch in einer mangelnden Routine im Bau von Atomraftwerken. Ohne eingespielte Lieferketten kommt es rasch zu Verzögerungen und entsprechend zu Verteuerungen. Bereits vor dem endgültigen Aus der Toshiba-Tochter hatte das Unternehmen beschlossen, aus wirtschaftlichen Gründen den Bau neuer Atomkraftwerke einzustellen.

 

US-Energieexperte Richard Nephew vom Center on Global Energy Policy der Columbia Universität sieht – laut New York Times – in Westinghouse einen Präzedenzfall für Unternehmen aus dem Bereich der Atomenergie, die durch das steigende Angebot an kostengünstigen Erneuerbaren Energien hohe Verluste in Kauf nehmen müssen.

 

Für diese Annahme spricht, dass auch der französische Bauer von Atomkraftwerken, Areva, in ähnlichen Schwierigkeiten steckt. Der Staatskonzern musste ebenfalls in den letzten Jahren hohe finanzielle Verluste verkraften und hinkt beim Bau eines Reaktors Flamanville im Westen Frankreichs in der Fertigstellung bereits mehrere Jahre hinterher. Auch die einstmals veranschlagten Kosten haben sich mittlerweile verdreifacht. Seit 2016 gehört Areva zum ebenfalls staatlichen Energiekonzern EDF, der auch für den Bau des umstrittenen neuen Atomkraftwerks Hinkley Point C in Großbritannien verantwortlich zeichnet.

 

 

Erneuerbare Energien – eine echte Alternative

Energieexperte  Fell sieht das Ende der Atom-Ära gekommen.

Energieexperte Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group (EWG) sieht im Beispiel der Areva-Rettung nicht nur ein Festhalten des Staates an einer überkommenen Atompolitik, sondern auch eine ruinöse staatliche Haushaltspolitik. Schließlich lassen sich Erneuerbare Energien sauber, sicher und kostengünstig produzieren.

 

Kritiker haben bereits seit den fünfziger Jahren immer wieder auf die Risiken und unumkehrbaren Folgen der Atomenergie hingewiesen. Dennoch bedurfte es mit Fukushima einer mächtigen Katastrophe in einer hochentwickelten Industrienation, um endlich gezielt klima- und umweltfreundliche Energiegewinnung voranzubringen.

 

Der Fall von Toshiba zeigt, dass Unternehmen mehr denn je gefordert sind, die Zeichen der Zeit frühzeitig und richtig zu deuten. Investitionen in Anlagen die Unternehmen aus dem Bereich der Atomenergieerzeugung beinhalten, wie dies bei konventionellen Aktienfonds häufig der Fall ist, bergen damit in diesem Bereich höhere Risiken. Alternativen im ethisch-ökologischen Bereich stehen umfassend zur Verfügung. Grünes Geld, Experte für nachhaltige Geldanlagen, bietet seinen Kunden eine breite Auswahl an lukrativen Investments in Erneuerbare Energien.

 

 

 

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Carmen Junker

Verfasser des Beitrages: Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.

 

 

 

Großbritannien genehmigt Atomkraftwerk Hinkley Point

Freitag, 16. September 2016

Zusammenfassung: Mit der Genehmigung des neuen Kernkraftwerks Hinkley Point bekennt sich Großbritannien zur Atomkraft. Finanziell wie ökologisch ist die neue Anlage nicht erfolgsversprechend.

 

 

 Trauriges Comeback der britischen Atomkraft

In Großbritannien gehen die Uhren anders.

In Großbritannien ticken die Uhren anders.

Während in Deutschland der schrittweise Ausstieg aus der Kernkraft bis 2022 beschlossene Sache ist, tickt die Atomuhr in Großbritannien anders. Und der Unterschied beträgt nicht nur eine Stunde zwischen Greenwich Mean Time und Mitteleuropäischer Zeit: Nach einer Debatte über mehrere Jahre hinweg hat die neue britische Regierung von Premierministerin Theresa May jetzt den Bau des Atomkraftwerks Hinkley Point C im Südwesten des Landes genehmigt. Der Neubau ist der erste seit zwanzig Jahren. Damit erfährt die Atomkraft in Großbritannien ein trauriges Comeback. Mit einer Entscheidung für oder wider das Projekt war bereits im Juli dieses Jahres gerechnet worden. Nun erhielt Hinkley Point nach erneuten Überprüfungen von Kosten und Technologie die Zusage.

 

Hinkley Point soll einmal, ausgestattet mit zwei europäischen Druckwasserreaktoren, sieben Prozent der britischen Stromversorgung übernehmen. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 21,5 Milliarden Euro, wobei die Angaben dazu schwanken. Hauptinvestor und Bauherr des damit größten europäischen Energieprojektes ist der börsennotierte Energiekonzern Électricité de France SA (EDF). EDF gehört zu 85 Prozent dem französischen Staat und ist der zweitgrößte Stromerzeuger weltweit.

 

EDF soll dabei zwei Drittel der Projektkosten tragen, das verbleibende Drittel wird vom chinesischen Staatskonzern China Nuclear Power Corporation (CGN) finanziert. Beide Investoren haben bereits weitere Projekte in Großbritannien in Planung. so sollen die Reaktorblöcke Sizewell in Suffolk und der geplante Block Bradwell in Essex zusammengespannt werden. Bradwell wird dabei von der CGN komplett realisiert. Die britische Regierung hat Hinkley Point zum Anlass genommen, neue Regelungen im Umgang mit ausländischen Investoren bei großen Infrastrukturprojekten zu verfassen. So darf die EDF ohne die Zustimmung Großbritanniens seinen Mehrheitsanteil am Projekt nicht verkaufen.

 

 

Rückkehr zur Atomkraft – unökologisch und unwirtschaftlich

Atomkraftanlagen - sollten eigentlich Bilder aus vergangenen Zeiten sein.

Atomkraftanlagen – sollten eigentlich Bilder aus vergangenen Zeiten sein.

Auf Unverständnis stößt das Projekt Hinkley Point bei den Befürwortern erneuerbarer Energien in Deutschland. Greenpeace kritisiert die Entscheidung, bei der keine energiewirtschaftlichen Überlegungen, sondern nur die Interessen der Atomlobbyisten und Investoren im Vordergrund standen.

 

Auch Energieexperte Hans-Josef Fell, der das Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland (EEG) mit auf den Weg gebracht hat, kritisiert die Genehmigung des neuen Atomkraftwerks aufs schärfste. Fell, Präsident der Energy Watch Group (EWG) sieht dabei nicht nur generell einen enormen Rückschritt für eine saubere und sichere Energieversorgung, sondern weist auch auf die Unwirtschaftlichkeit des geplanten Kraftwerks hin. Obgleich die Preise für erneuerbare Energien aus Wind und Sonne nachweislich fallen und auch schon jetzt günstiger kommen würden, schaufelt Großbritannien mit Hinkley Point ein Milliardengrab: Der Subventionsvertrag beinhaltet eine mit der Inflation steigende Strompreisgarantie von 92,50 Pfund für eine Megawattstunde Strom für 35 Jahre. Damit beträgt der Absatzpreis rund das Doppelte des aktuellen Marktpreis.

 

Großbritanniens Regierung sieht Hinkley Point dagegen als wichtigen Punkt in der Energieversorgung, da zunehmend ältere Kernkraftwerke und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, um den CO2-Ausstoss bis 2020 um 80 Prozent zu verringern. Experten zu Folge, wären daher allerdings gezielte Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien, Stromnetze und eine verbesserte Energieeffizienz sinnvoller als die Wiederbelebung der Atomenergie, zumal die Strommengen zukünftig wahrscheinlich nicht mehr in diesem Umfang benötigt werden.

 

Darüber hinaus sieht Fell auch die Möglichkeit, dass Großbritannien mit einem neuen Atomkraftwerk Synergien bilden und so Atomwaffenmaterial beziehen möchte.

Im Juli 2016 hatte sich die britische Regierung für eine nukleare Abschreckungsstrategie ausgesprochen und die mehrere Milliarden Pfund teure Modernisierung von vier Atom-U-Booten beschlossen. Premierministerin May hatte dabei auch den Einsatz von Atomwaffen im Verteidigungsfall durchaus eingeräumt und hatte damit die Gegenposition zum Vorsitzenden der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, bezogen, der sich für die nukleare Abrüstung ausgesprochen hatte. Corbyn hatte allerdings in dieser Frage nicht die Mehrheit der Abgeordneten seiner Partei hinter sich.

 

 

Blick über den Ozean

In den USA wird das kalifornische Atomkraftwerk Diablo Canyon zwischen Los Angeles und San Francisco abgeschaltet werden. Kalifornien baut künftig auf flexible Erzeugungsleistung. Ersetzt wird die Anlage durch ein CO2-freies Portfolio aus erneuerbaren Energien, ergänzt durch Energiespeicher und Energieeffizienz.

 

Obgleich Diabolo Canyon sich im Betrieb befindet und längst abgeschrieben ist, kann das Kraftwerk nicht mehr mit den Preisen der erneuerbaren Energien konkurrieren. Zu hoch ist die gelieferte Grundlast, für die kein Bedarf mehr besteht. Darüber hinaus sieht sich der Betreiber zukünftig nicht mehr in der Lage, den gestiegenen gesetzlichen Vorgaben ins Sachen Umweltschutz zu genügen.

 

Die Schließung von Diabolo Canyon stellt damit ein gutes Beispiel für eine vernunftgeleitete Entscheidung gegen Atomenergie dar, das angesichts der Kosten von Hinkley Point für Mensch und Umwelt besondere Beachtung verdient.

 

 

Strahlungsfreie Zukunft – Erneuerbare Energien fördern

Wer jetzt in erneuerbare Energien investiert, unterstützt eine saubere und sicher Sache, denn der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Energieversorgung in Deutschland wächst: Im vergangenen Jahr lag der Anteil bereits bei 30 Prozent der Stromerzeugung, bis zum 2035 sollen es bis zu 60 Prozent sein. Nutzen wir also das Potenzial von Solar- und Windenergie.

 

Atomkraftfreie Geldanlagen

 

 

 

 

 

Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

Fukushima ruht nicht – unkontrollierte Kernspaltung droht

Donnerstag, 03. November 2011
Kernspaltung

Es wird vermutet, dass vergangen Dienstag hier eine Kernspaltung stattgefunden hat.

Knappe acht Monate ist es nun her, dass in Fukushima das schlimmste Atomunglück seit Tschernobyl geschah. Nun gibt es erneut eine Schocknachricht. Experten vermuten, dass es zu einer unkontrollierten Kernspaltung in einem der Reaktoren kam. Indiz dafür sind die ausgetretenen Gase Xenon 133 und Xenon 135, welche bei einer atomaren Reaktion enstehen können.

Tepco gab nun an, dass sie von Dienstag auf Mittwoch Nacht etwa zehn Tonnen Borsäure in den vermeintlichen Reaktor befördert haben.  Borsäure besitzt die Eigenschaft Neutronen zu binden, dadurch kann eine womögliche Kettenreaktion gestoppt werden. Tepco versichert jedoch, dass dieses Vorgehen eine reine Vorsichtsmaßnahme sei.

 

Hintergrund: unkontrollierte Kernspaltung

 

Bei einer Kernspaltung sorgt ein Neutron (ein neutrales Kernteilchen) dafür, dass ein Atomkern, meist von Uran, in zwei Teile gespalten wird. Es entstehen somit zwei neue leichtere Kerne. Als Nebeneffekt werden zusätzlich zwei oder drei weitere Neutronen freigesetzt. Diese können dafür sorgen, dass es zu weiteren Kernspaltungen kommt. Eine Art Kettenreaktion kann entstehen.

Kernspaltungen finden in Atomkraftwerken statt. Bei diesem Prozess wird nämlich Wärmeenergie freigesesetzt, diese wiederum kann dann in elektrische Energie umgewandelt werden. Der kritische Punkt an diesem Vorgehen ist, dass dabei radioaktive, ionisierende Strahlung und radioaktive Spaltprodukte entstehen. Aufgrund der beschädigten Reaktoren in Fukushima ist es daher dringend erforderlich Kernspaltungen zu unterbinden, damit nicht noch mehr radioaktive Strahlung in die Umwelt gelangt.

 

Wenn  Sie auch dafür sind, dass Atomenergie abgeschafft werden sollte, dann investieren Sie in Erneuerbare Energienfonds wie beispielsweise einem Solarfonds. Nur wenn in Erneuerbare Energien investiert wird, können diese eines Tages die Atomenergie verdrängen. Mehr Informationen zu grünen Investments finden Sie unter „Grünes Geld“.

Evangelische Kirche vorn: Leitlinien für Geldanlagen jetzt offiziell

Freitag, 14. Oktober 2011
evangelische kirche

Die Evangelische Kirche hat Empfehlungen über nachhaltige Investments ausgesprochen.

 

Interessantes für Anleger von nachhaltigen Investments: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat einen Katalog mit Investmentleitlinien herausgebracht. Auch wenn dieser nur als Empfehlung gilt, hat er dennoch einen hohen Einfluss. Schließlich kommen innhalb der Kirche langfriste Geldanlagen auf einen zweistelligen Milliardenbetrag. Erstmalig ist es, dass solche Leitlinien nicht nur auf Landesebene vorhanden sind.

 

Der Katalog sieht vor, dass Aktien aus den Bereichen Rüstung, Tabak, Glückspiel und Pornografie verboten sind. Auch Aktien der Hersteller von hochprozentigem Alkohol (ab 15%) sind ausgeschlossen. Atomenergie ist jedoch kein zwingendes Ausschluskriterium. Beschränkungen bei der Rohstoffförderung sind ebenfalls nicht vorhanden.

 

 


 

Unser Tipp für eine nachhaltige Geldanlage: Soziale Verantwortung Einmalsparen Ethik

 


Anlage Soziale Verantwortung Einmalsparen Ethik
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– Täglich kündbar
– Sie bringen Menschlichkeit in die Welt
– Ethik-Kriterien werden berücksichtigt

 

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Bezüglich Anleihen ist der Katalog strenger ausgelegt. Insbesondere die Anfälligkeit für Korruption ist ein maßgeblicher Grund zum Ausschluss. Bemessen wird die Anfälligkeit für Korruption von  Amnesty International. Anhand von deren Daten kam die Evangelische Kirche zu dem Ergebnis, dass 112 der 178 verzeichneten Staaten für eine Investition nicht würdig sind. Dazu zählen Staaten wie China, Indien, Brasilien und sogar der weltweit größte Emittent von Staatsanleihen, nämlich die USA. Die Vereinten Staaten werden schon allein deswegen ausgeschlossen, da in manchen Staaten die Todesstrafe vorhanden ist. Krisenstaaten, wie beispielsweise Griechenland, oder selbst Italien, sind ebenfalls nicht enthalten.

Atomausstieg kein rein deutsches Thema

Freitag, 13. Mai 2011

Deutschland hat zwar den ersten Schritt zur Energiewende getan, andere Ländern tun uns dies jedoch nun gleich, ein Umdenken setzt vielerorts ein.

 

In Italien hat 2008 der Premierminister Silvio Berlusconi den Wiedereinstieg in die Atomenergie ausgerufen. Nach der Katastrophe in Fukushima wurde die Rückkehr jedoch prompt um ein Jahr von der Regierung verschoben. Mitte April wurde schließlich sogar beschlossen, das Wiedereinstiegsgesetz komplett zu streichen.

 

Im Nachbarland Schweiz ist die Situation ähnlich wie hier in Deutschland. Sozialdemokraten und Grüne sind für einen Ausstieg aus der Atomenergie, die Liberalen und Christdemokraten sind sich jedoch noch unschlüssig. Die Regierung der Schweiz hat nach dem Japan-Unglück die Bewilligungsverfahren für drei Ersatz-Atomkraftwerke ausgesetzt und für die restlichen fünf bestehenden alten Meiler eine Sicherheitsprüfung angeordnet. Im Jahr 2014 wird wahrscheinlich eine Abstimmung stattfinden, ob in der Schweiz überhaupt noch neue Meiler errichtet werden sollen.

 


 

Unser Tipp für eine atomfreie Geldanlage: Neue Energien V Sparpläne

 


Anlage Neue Energien V Sparpläne
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Auch in Frankfreich wird zwischen den rechten und linken politischen Kräften über den weiteren Verlauf der Atomenergie diskutiert. Die Sozialisten sind für einen Ausstieg aus der „Nur-Atomkraft-Strategie“.

Die USA lässt sich von der Atom-Katastrophe recht unbeeindruckt. Zwar hat die US-Atombehörde NRC eine Sicherheitsüberprüfung für alle Atomprojekte angeordnet, die Betreiber machen jedoch ohne jegliche Veränderung weiter wie auch zuvor. In der Politik hingegen werden sich nun so langsam Gedanken über die Atomenergie gemacht.

 

Aufgrund der Planwirtschaft ist die Energiepolitik in China exakt festgeschrieben in Fünfjahresplänen. Man kann es deshalb als Überraschung betrachten, dass bereits vier Tage nach dem Reaktorunglück die chinesische Regierung alle Genehmigungsverfahren für neue Meiler auf Eis legte. Dies soll dazu dienen Zeit zu gewinnen um sich genaue Gedanken über die nächsten Schritte machen zu können.