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Nachhaltige Geldanlagen im Gestern, Heute und Morgen und Interview mit Carmen Junker

Donnerstag, 22. November 2012

„Geld stinkt nicht – aber bisweilen die Art, wie es verdient wird!“ Ein Ausspruch, der auf den römischen Kaiser Vespasian zurückzuführen ist. So lange gibt es die Idee der nachhaltigen Geldanlage noch nicht. Wollte doch Vespasian einfach nur die öffentlichen Toiletten besteuern und rechtfertigte dieses Handeln gegenüber seinem Sohn Titus mit dem Ausspruch „Geld stinkt nicht – Pecunia non olet!“. Allerdings haben auch nachhaltige Anlagen eine Geschichte. Diese reicht bis ins 19te Jahrhundert in Amerika zurück. Hier finden diese ihren Ursprung in religiösen Bewegungen. Die Quäker und Methodisten verzichteten aus ethischen Gründen auf Investitionen in Rüstungsgeschäfte, Glücksspiel, Tabak oder Alkohol. Solche Anlagen wurden von ihnen „Sin Stocks“, „Aktien der Sünde“ genannt. Durch dieses Anlageverhalten wurde erstmals der Begriff der „Social Responsible Investments (SRI)“ geprägt. Hierbei geht es um die Berücksichtigung sozialer, ökologischer, nachhaltiger und ethischer Punkte. Schon 1928 wurde in Amerika der Pioneer-Fund als erster Fond nach diesen Kriterien herausgegeben.

 

Verbotene Investitionen bei den Quäkern

Investitionen in Glücksspiel, Alkohol und Tabak waren den Quäkern bereits im 19ten Jahrhundert untersagt.

 

Danach geriet diese Art der Geldanlage allerdings leider für lange Zeit in Vergessenheit. Bis etwa in die 70er Jahre. Durch den Vietnamkrieg und die unmenschliche Apartheitspolitik in Südafrika wurden alternative Investments wieder interessant. Kein Geld sollte in die Rüstungsindustrie oder in Firmen, die in Südafrika tätig waren fließen. Aufgrund des aufgebauten Drucks durch diese ethisch-ökologischen Geldanlagen fingen viele Firmen an, sich aus Südafrika zurückzuziehen. Allerdings spielten nachhaltige Investments in Europa nach wie vor keine Rolle. Erst ab den 80er Jahren, geprägt durch zahlreiche Ereignisse wie das Waldsterben, die FCKW-Problematik und nicht zuletzt der GAU von Tschernobyl, wuchs das Bewusstsein für vornehmlich ökologische Geldanlagen. 1987 wurde schließlich der Begriff „Nachhaltigkeit“ von der UN wie folgt definiert: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen heutiger Generationen Rechnung trägt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden, ihren eigenen Bedürfnissen nachzukommen.“.

 

Aber erst durch die wirtschaftliche Entwicklung (die Wirtschaftskrise seit 2008) und ökologische Katastrophen der letzten Jahre scheint das Thema der nachhaltigen Geldanlage wirklich in der breiten Masse angekommen zu sein. 2010 sank die Deepwater Horizon und führte somit zur Ölpest im Golf von Mexiko – die schwerste Umweltkatastrophe dieser Art. Als klar wurde, dass in Deutschland zum Beispiel viele Riester-Renten, die auf Fonds basieren, Aktien von BP in ihrem Portfolio führen, war der Aufschrei groß. BP galt bis dahin als sauberes Unternehmen und war sogar in einigen Nachhaltigkeits-Indizes gelistet, wie z. B. dem Dow Jones Sustainability Index. Ähnlich verhielt es sich mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Auch das Betreiberunternehmen TEPCO fand sich in einigen nachhaltigen Investmentfonds.

 

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

2010 explodierte die Deepwater Horizon – mit ungeahnten ökologischen Folgen.

 

Gegenwärtig erfreuen sich Anlagen nach ethischen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten großer Beliebtheit und die Prognosen für die weitere Entwicklung sind sehr gut. Allerdings muss man schon sehr genau hinsehen, auf welche Produkte man sich einlässt. Etikettenschwindler sind weit verbreitet und inzwischen gibt es sogar Forderungen nach einem „Gütesiegel“. Leider lassen sich die komplexen Sachverhalte nachhaltiger Geldanlagen nicht einfach auf ein Label herunterbrechen. Zunächst gilt es Mindeststandards festzulegen, ähnlich wie bei Bio-Siegeln. Grundsätzlich ist es aber unerlässlich, ethische, ökologische und soziale Kriterien in den Beratungsprozess einfließen zu lassen. Hier kommt der unabhängige Finanzberater ins Spiel. Dieser ist nicht an die Anpreisung der internen Finanzprodukte von Banken und Sparkassen gebunden, sondern kann nach sorgfältiger Analyse des Kunden und seiner Wünsche gezielt das passende Produkt empfehlen.

 

Unsere Geschäftsführerin Carmen Junker wurde dazu vom Online-Magazin „arbeitsmarkt“ zum Thema interviewt:

 

Die Zahl der ungebundenen Berater und Vermittler, die sich konsequent der nachhaltigen Vermögens- und Vorsorgeberatung verschrieben haben, ist immer noch überschaubar – überschaubar klein. Carmen Junker ist eine davon. Seit 2001 ist sie am bayerischen Untermain als freie Finanzberaterin tätig. Im Jahr 2007 gründete sie zusammen mit Ihrem Mann Gerd die „Grünes Geld GmbH“.

 

Frau Junker, unter den wenigen Frauen in der Finanzberatung besetzen Sie mit Ihrer Grünes Geld GmbH eine Nische. Fühlen Sie sich als Minderheit in der Minderheit?

Es ist in der Tat so, dass wir Frauen in der Finanzberatung nur mit etwa 24% vertreten sind. Auf den Weg der nachhaltigen Geldanlage haben sich bislang erst wenige Vermittler begeben. So gibt es bundesweit ungefähr 60 Berater, die sich dieses Themas angenommen haben. So kann man tatsächlich von einer Minderheit in der Minderheit sprechen.

 

Auf Ihrer Homepage springt eine Botschaft ins Auge: „Die Welt zum Besseren verändern.“ Formulieren Sie damit nicht einen sehr hohen Anspruch?

Geld per se ist erst einmal neutral. Je nachdem wie wir es investieren, entfaltet es eine Wirkung. Und diese ist bei ethisch-ökologischer Anlage eine positive. Ein konkretes Beispiel: Im Jahr 2011 konnten wir durch die Empfehlung von umweltbewussten Geldanlagen allein in Solar- und Windfonds zu einer CO2-Einsparung von knapp 800 Tonnen beitragen. Das entspricht etwa dem CO2-Jahresausstoß von 400 Mittelklassewagen bei einer Fahrleistung von 12.000 km. Die CO2-Bindung, die wir durch Empfehlungen in Aufforstungsprojekte ermöglichen konnten, ist hier noch gar nicht berücksichtigt. Somit ist grüne Geldanlage durchaus eine Möglichkeit, die Welt ein Stück zum Besseren zu verändern.

 

Der Begriff „Grünes Geld“ hat sich in der Finanzwelt mittlerweile etabliert so wie „Green Economy“ im Wirtschaftsleben. Aber selbst innerhalb der Branche wissen viele nichts damit anzufangen. Wie erklären Sie einer Fachkollegin, die Sie zum Beispiel auf einer Finanz-Fachmesse treffen, worin sich Ihre Tätigkeit von der einer „normalen“ Maklerin unterscheidet?

Zusätzlich zu den etablierten Kriterien und der klassischen Analyse bei der Produktauswahl wird ein Filter eingezogen, das heißt, die Finanzprodukte werden auf ihre ökologische und soziale Wirkung untersucht. Son investieren diese lieber in den Rohstoff Holz, der zur Klimaverbesserung beiträgt, als in den Rohstoff Gold, der unter umweltbelastenden Eingriffen und unsozialen Bedingungen gewonnen wird und zudem keine Wertschöpfung auslöst.

 

Was raten Sie jungen Berufseinsteigern in der Finanz- und Versicherungsbranche, die sich als Berater/in für nachhaltige Geldanlagen profilieren wollen? Genügen die Kenntnisse, die man während des Studiums oder der Ausbildung erhält?

In der bisherigen Ausbildung werden Ethik und Ökologie nicht oder nur marginal behandelt. Wir fordern hier die Bildungsträger auf, dies zu ändern. Bereits in der Ausbildung müssen Kenntnisse darüber vermittelt werden, dass der Geldkreislauf und die Finanzwelt kein abgeschlossener Kreislauf ist, sondern Finanzprodukte Auswirkungen auf die Realwirtschaft und auf uns als Menschen haben. Wir stehen global vor extremen Herausforderungen – Klimawandel, Armutsbekämpfung, Trinkwasserknappheit, um nur die wichtigsten zu nennen. Junge Berufseinsteiger müssen wissen, dass die Finanzwelt einen großen Teil dazu beitragen kann, diese Probleme zu lösen. So langsam entwickeln sich jedoch Alternativen wie etwa der Masterstudiengang in Social Banking.

 

Obwohl das Vertrauen in Banken und Sparkassen seit Ausbruch der Finanzkrise arg gelitten hat, wickeln die meisten Menschen dort weiterhin ihre Geldgeschäfte ab. Sie setzen beim Geld anscheinend auf die Größe eines Instituts. Was setzen Sie als kleines Beratungsbüro dagegen?

Unsere Mandanten schätzen die Kommunikation auf Augenhöhe, weil sie wissen, dass wir aus Überzeugung ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen. Sie fühlen sich verstanden. Bei klassischen Banken bekommen sie dagegen Anfragen nach sozialen und ökologischen Anlagen oft nicht kompetent beantwortet. Nicht selten werden sie dort sogar belächelt. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat z. B. ermittelt, dass Größe und Beratungsqualität in keinerlei Zusammenhang stehen. Die Beratung ist in kleineren Häusern meist kundenorientierter. Weiter gilt, dass das Thema Nachhaltigkeit bei großen Instituten bislang nur vorübergehend während der Finanzkrise „gespielt“ wurde, um zu suggerieren, es hätte sich im Finanzsystem etwas verändert. Das angeblich neue ökologisch-soziale Bewusstsein ist, kaum scheint die Krise nicht mehr so deutlich, wieder in den Schubladen verschwunden.

 

Würden Sie jungen Menschen eher zu- oder abraten, einen ähnlichen Weg wie Sie einzuschlagen?

In den letzten Jahren haben Regulierungen den Weg in die Finanzberatungsbranche etwas erschwert. Inzwischen sind glücklicherweise Fachkenntnisse und Ausbildungen nachzuweisen, bevor man in diesem Bereich tätig sein darf. Dies führt zu einer Marktbereinigung und somit werden die Chancen für die verbleibenden Marktteilnehmer größer. Grundsätzlich sehen wir die Zukunft positiv. Und für junge Menschen bieten sich gerade in der nachhaltigen Finanzwelt Chancen. Es bedarf jedoch einer gehörigen Portion Kreativität, Fleiß und Durchhaltevermögen. Doch wo würden diese Tugenden nicht benötigt?

 

Für alle die noch mehr wissen möchten, ist der komplette Artikel auch als PDF abrufbar

 

Ethisch-ökologische Basisinvestment in den Stufen Sicherheit, Standard und Wachstum finden Sie auf unserer Seite unter Vermögensaufbau.  

 

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:“Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.“