Mit ‘Glücksatlas’ getaggte Artikel

Wie glücklich wollen wir sein?

Dienstag, 10. Dezember 2013

Vor kurzem wurde der sogenannte „Glücksatlas“ von der Deutschen Post für 2013 veröffentlicht. Dieser versucht darzustellen, wie glücklich die Deutschen sind. Gemessen wird die Lebenszufriedenheit anhand verschiedener Faktoren wie Arbeit, Einkommen, Gesundheit und Wohnsituation. Erstaunlicherweise scheint das Einkommen eine vergleichsweise geringe Rolle zu spielen, da die Länder auf den ersten Rängen nicht die finanziell stärksten Bundesländer sind. Und das, obwohl unser Glück doch so offensichtlich oftmals von materiellen Dingen abhängig zu sein scheint. Suggeriert uns die Werbung nicht ständig, dass wir zu unserem vollkommenen Glück die neueste Mode, die aktuellste Technik oder den exklusivsten Urlaub in die entlegensten Ecken der Welt benötigen? Um all das zu erreichen müssen wir allerdings vorher produktiv sein, müssen Wirtschaftswachstum generieren. Ohne Wachstum kein Konsum – ohne Konsum kein Wachstum! Klingt nach einem Hamsterrad, in dem wir stecken!

 

Betrachtet man sich mal die letzten Jahrzehnte genauer, dann fällt ganz deutlich auf, dass wir noch nie in einer so hochtechnisierten Umwelt gelebt haben wie heute. Das scheint auch unseren Lebensstandard anzuheben. Geräte, die unseren Alltag erleichtern haben in den letzten Jahrzenten die deutschen Haushalte erobert. Trotzdem scheinen wir immer weniger Zeit zu haben. Viele Menschen beschreiben ein Gefühl, sich ständig gehetzt zu fühlen, nicht mehr zur Ruhe kommen zu können. Die Rate der Burnout-Patienten war nie so hoch wie heute. Warum? Müssten wir nicht glücklich sein bei unserem verhältnissmäßig hohem Wohlstand?

 

Glück ist mehr als nur materieller Wohlstand (Foto: Petra Hegewald/pixelio.de)

Glück ist mehr als nur materieller Wohlstand (Foto: Petra Hegewald/pixelio.de)

 

Die Glücksforschung ist inzwischen ein anerkanntes wissenschaftliches Feld. Ziel dieser ist es herauszufinden, was Glück fördert oder hemmt, um daraus Empfehlungen für die Politik, Unternehmen und auch den Einzelnen herausgeben zu können – wie zum Beispiel die Erkenntnis, dass in westlichen Ländern nicht ein „Mehr“ an materiellen Gütern, sondern ein „Mehr“ an sozial wertvollen Kontakten, ein Miteinander und Menschlichkeit das Glück und die Lebenszufriedenheit erhöhen. Diese Erkenntnis spielt Wirtschaftspolitisch in den meisten Ländern leider keine Rolle. Hier dominiert in der Regel die reine Fixierung auf das Wirtschaftswachstum, gemessen an der Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts. Lediglich das kleine Königreich Bhutan hat für als Indikator für sein Land das Bruttonationalglück vorgegeben. Hierzu Klaus Zimmermann (ehemaliger Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschun in Berlin): „Wir wissen aus der Glücksforschung, dass reiche Nationen, wenn sie reicher werden, nicht unbedingt glücklicher werden. Wir gewöhnen uns an das, was wir erreicht haben.“. Und so scheint es auch zu sein. War es vor noch 10 Jahren längst nicht die Regel, überhaupt ein Mobiltelefon zu besitzen, bleibt heute nur noch die Frage, welches Smartphone wir benutzen. Wir sind satt!

 

Ein Anzeichen dafür ist, dass immer mehr Menschen aus diesem Kreislauf scheinbar ausbrechen wollen. Back to basic, Upcycling, Selbstversorgung, Postwachstumsökonomie – nur einige Stichworte. Immer mehr fangen an, das gängige System des ständigen Wachstums zu hinterfragen und entschleunigen sich selbst. „Selbstmachen“ ist wieder angesagt. Egal, ob es um den Anbau von Obst und Gemüse im eigenen oder im Gemeinschaftsgarten, das Nähen von Klamotten, oder den Bau von Möbeln aus gebrauchten Materialien geht. Und das scheint nicht nur ein reiner Mode-Trend zu sein, sondern eine Bewegung, der es darum geht, nachhaltig und sinnvoll mit unseren Ressourcen umzugehen – letztendlich auch mit der, für jeden einzelnen sehr begrenzten Ressource „Zeit“. Das alles ist uns nur möglich, weil wir hier in den Genuss von grundlegenden Dingen wie Freiheit und einer guten Gesundheitsversorgung kommen. Wir müssen kaum einen (materiellen) Kampf um das tägliche Leben führen. Menschen aus Ländern, in denen das nicht gewährleistet ist, haben ein deutlich niedrigeres Glücksempfinden.

 

Zum Schluß bleibt eine Empfehlung von Aristoteles, der sich schon mit diesem Thema auseinandersetzt hat: „Suche die Mitte, suche das rechte Maß im Leben.“.

 

 

 

 

 

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:”Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.”