Mit ‘Kleidung’ getaggte Artikel

Alles öko? – 10 wichtige Naturmaterialien zur Textilherstellung

Freitag, 07. Juni 2019
Zusammenfassung: Kleidung ist ein menschliches Grundbedürfnis. In Deutschland wird dieses Bedürfnis mehr als befriedigt - die meisten Kleiderschränke sind gut gefüllt. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist daher der Leitspruch „Qualität statt Quantität“ ein guter Kompass durch die Konsumwelt. Wir stellen die 10 wichtigsten Naturmaterialien zur Textilherstellung vor.

 

 

Bisher erschien in der Serie „Alles öko?“: Büro & Schule

Die nächste Folge erscheint Mitte November: Küche & Einkaufen

 

Textilien: Chemie-Cocktail oder natürliche Materialien?

 

„Kleider machen Leute“ – der alte Spruch hat kaum an Wahrheit eingebüßt. Die Art sich zu kleiden, sagt noch immer viel über Menschen aus. Auch Modeverweigerer zeigen mit ihrem Stil, dass Ihnen Kleidung gleichgültig ist. Denn in der Mode ist es wie in Beziehungen: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Und so lässt sich aus der Kleidung eines Menschen viel lesen. Kleidungsstücke geben Auskunft über die Herkunft einer Person, über die Höhe des Einkommens, die Einstellung zu Qualität, zum Zeitgeist und vieles mehr. Aber Kleidung kann ausgetauscht, abgelegt, verliehen werden – und schon gerät der gesamte Wertekanon wieder durcheinander und sagt nichts über die wirkliche Einstellung einer Person. „Kleider machen Leute“ gilt also nur für einen Augenblick.

 

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Klimaschutz im Alltag – 10 gute Ideen

Dienstag, 06. Juni 2017
Zusammenfassung: Große Weltrettungsaktionen sind das Werk vieler. Mit 10 einfachen Ideen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit hat jeder Einzelne im Alltag die Möglichkeit, seinen Beitrag zu leisten und die Welt auch für kommende Generationen lebenswert zu erhalten.

 

 

Das Pariser Abkommen auf den Kopf gestellt.

Der Juni startete sonnig, für das globale Klima gab es jedoch schlechte Nachrichten. Der US-amerikanische Präsident Donald Trump verkündete offiziell den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Das Abkommen, so Trump, sei ungerecht, die Reduzierung von klimaschädlichen Treibhausgasen sei zu teuer für sein Land.

 

Positiv an der Entwicklung: Offensichtlich beurteilen große US-Unternehmen und viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Lage völlig anders. Unter anderem erklärte der Chef von General Electric, dass – angesichts der Realität des Klimawandels – die Industrie jetzt die Führung übernehmen müsse und sich nicht auf die Regierung verlassen könne.

 

Gegen Trumps Entscheidung richteten sich auch die Unternehmensführungen von Branchengrößen wie dem Elektronikhersteller Apple und dem Sportartikelunternehmen Nike. Der CEO des Elektroautobauers Tesla, Elon Musk, erklärte zudem, dass er Donald Trump zukünftig nicht mehr beraten werde. Wie es weiter gehen wird, ist eine Frage, über die sich Trump sorgen muss, denn auch wenn die Klimakrise noch lange nicht abgewendet ist zeigt sich, dass die Notwendigkeit des Klimaschutzes und die Förderung Erneuerbarer Energien mehrheitliche internationaler Konsens sind.

 

Manchmal picksig – aber es lohnt sich!

Seit 45 Jahren wird am 5. Juni der „Internationale Tag der Umwelt“ begangen. An diesem Aktionstag der Vereinten Nationen beteiligen sich rund 150 Staaten, um die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Umweltzerstörung und Bedrohung der Menschheit aufzuzeigen. Während dieses langen Zeitraum – vom Beginn der siebziger Jahr bis heute – haben sich die Akzente im Umweltschutz verändert. Während in den Anfangsjahren Themen wie Gewässerschutz und Maßnahmen gegen sauren Regen und Waldsterben im Vordergrund standen, rückten in den letzten Jahren verstärkt Themen des Klimaschutzes in den Vordergrund, denn die Klimakrise stellt die Klammer für nahezu alle Bedrohungsszenarien dar.

 

Im Dezember haben wir in unserem Blog drei Ideen für gute Vorsätze im neuen Jahr gegeben. Jetzt – fast ein halbes Jahr später – sind die Vorsätze sicher längst abgehakt, in Fleisch und Blut übergegangen und aus dem Alltag nicht mehr weg zudenken? Oder kam ständig das ein oder andere dazwischen und die Umsetzung der Ideen schlummert zwar noch im Hinterkopf, ist aber vorerst noch auf der langen Liste der Dinge, die dringend noch erledigt werden sollten. Wie auch immer…heute möchten wir nachlegen und nochmals aufrütteln.

 

Für kleine und große Maßnahmen in Sachen Umwelt-, Klimaschutz und mehr Nachhaltigkeit im Alltag ist es nie zu spät. Am leichtesten fällt es den Meisten, mit Kleinigkeiten zu beginnen, die leicht und schnell zu realisieren sind. Deshalb haben wir heute zehn Ideen für mehr Klimaschutz im Alltag zusammengetragen, deren Umsetzung nur einen kleinen Aufwand bedeutet, jedoch eine große Wirkung zeigen kann.

 

 

1. Auf dem Wochenmarkt einkaufen – regional & reichhaltig

Wer Lebensmittel aus der Region einkauft, schont das Klima. Denn lange Transportwege entfallen. Zudem wird die regionale Wirtschaft gestärkt, denn das Geld landet nicht bei den großen multinationalen Lebensmittelkonzernen. Gut ist es außerdem, saisonales Obst und Gemüse zu bevorzugen, denn so werden CO2-Emissionen vermieden, die durch die Zucht in beheizten Gewächshäusern oder durch die Aufbewahrung in Kühlhäusern entstehen. Wer außerdem auf Ware aus ökologischem Anbau setzt, ist in Sachen Klimaschutz auf der sicheren Seite. Gerade im Sommer macht der Einkauf auf den lokalen Wochen- und Bauernmärkten sowie bei den örtlichen Einzelhändlern besonders viel Spaß, denn das reichhaltige Angebot an Beeren, Früchten, Kräutern, Salaten und vielfältigen Gemüsesorten macht Lust auf gute Küche. Zudem finden Gartenfreunde hier auch eine reichhaltige Auswahl an Pflanzen. Ergänzt wird das Angebot vielfach durch lokale Milch-, Fleisch- und Fischprodukte, Honig und Marmeladen sowie Backwaren von Handwerksbetrieben.

 

 

2. Stell’ dir vor es gibt kein Fleisch und keiner merkt es

Vielfalt statt Einfalt.

Wer mit schwer beladenen Körben im Sommer vom Markt kommt plant häufig ein gemütliches Essen mit der Familie und Freunden. Grillen steht dabei noch immer hoch im Kurs. Allerdings ist der hohe Fleischkonsum in den Industrienationen und die damit verbundene Massentierhaltung.

 

Mit ein Grund für den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase. Besonders schlecht schneidet Rindfleisch ab, denn um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, müssen gut 15 Kilogramm pflanzliches Futter aufgewendet werden. Dafür wird eine landwirtschaftliche Fläche benötigt, auf der im Verhältnis rund 120 Kilogramm Karotten und 80 Kilogramm Äpfel geerntet werden könnten. Mittlerweise gibt es viele hervorragende Rezepte für ein veganes oder vegetarisches Grillvergnügen. Dabei triumphieren viele Speisen – wie etwa Gemüsespieße – optisch über die Bratwurst, so dass der Verzicht kaum auffällt. Wer nicht völlig fleischlos glücklich ist, sollte sich wenigsten in der Menge beschränken. Übrigens: Auch bei der Grillkohle sollten Klimaschützer die Augen offen halten. Gute Grillkohle sollte als Nebenprodukt einer nachhaltigen Holzverarbeitung stammen

 

 

3. Zu Fuß und auf dem Rad – das Umfeld genießen und neu entdecken

Neue Wege befahren.

Bei schönem Wetter das Auto stehen lassen und den Weg zur Arbeit, zu Einkäufen oder Veranstaltungen mit dem Rad oder Fuß genießen – das ist ein Luxus, den man sich häufiger leisten sollte. Die Vorteile für Umwelt und Klima liegen auf der Hand. Aber auch die persönliche Lebensqualität kann vielfach durch veränderte Gewohnheiten verbessert werden.

 

Wer samstags mit dem Rad zum einkaufen auf den Markt fährt, muss sich nicht über mangelnde und teure Parkmöglichkeiten ärgern. Wenn der tägliche Arbeitsweg ohne PKW zurückgelegt werden kann, fließt die sportliche Betätigung direkt in den Alltag ein.

 

Zudem können oftmals andere Wege, beispielsweise durch Parks und Felder genutzt werden, die auch positiv auf die Psyche auswirken. Wer den Radverkehr in den Innenstädten scheut, findet vielleicht auch zu Fuß Entspannung, besonders angenehm ist es dabei, wenn der Weg variiert werden kann und so immer wieder neue Impulse für die Sinne bietet.

 

 

4. Warum in die Ferne schweifen – Fliegen ist nicht unbedingt schöner!

Klimaschäden ausgleichen.

Reisebüros und –portale haben mittlerweile das ganze Jahr über Saison. Dennoch ist der Sommerurlaub noch immer als Hauptreisezeit fest im Jahresrhythmus vieler Deutscher fest verankert. Fernweh und die Sehnsucht nach verlässlichem Sonnenschein sind der Grund dafür, dass Flugreisen besonders beliebt sind.

 

Allerdings belastet gerade der Flugverkehr das Klima stark. Besonders problematisch sind dabei nicht nur Fernreisen, sondern auch die zunehmenden Anzahl von Flügen zu nahgelegenen Zielen. Viele davon ließen sich auch mit dem Zug erreichen. Das dauert oft nicht einmal sehr viel länger, denn Bahnhöfe befinden sich meist mitten in den Städten.

 

So entfallen die – oft langen – Anfahrtswege zum Flughafen und zurück. Außerdem gibt es bei der Bahn keine langen Eincheckzeiten. Wer dennoch eine Flugreise plant, sollte auch einen Ausgleich für den Klimaschaden mit einkalkulieren. Das kann zum einen durch eine Zahlung an ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt sein oder durch ein direktes Investment, beispielsweise durch die Beteiligung an Aufforstungsprojekten.

 

 

5. Autofahren – aber richtig

Ganz stehen lassen ist auch eine Alternative.

Apropos Reisen. Wer mit dem Auto unterwegs ist hat zwar nicht unbedingt das klimafreundlichste Fortbewegungsmittel gewählt, kann aber auch in diesem Bereich dafür sorgen, dass das Klima nicht unnötig belastet wird. Sinnvoll ist es dazu, auf sparsame Fahrzeuge zu setzen und – wenn möglich – einen Elektro- oder Hybridantrieb zu wählen.

 

Umweltfreundlicheres Autofahren ist allerdings fast mit jedem Modell möglich. In den USA hat sich dabei bereits das Hypermiling als Wettbewerb etabliert, bei dem die Fahrer versuchen, durch eine sparsame Fahrweise, möglichst lange Strecken mit einer Tankfüllung zurückzulegen. Die „Tricks“ sind dabei für jeden umsetzbar. Zum einen genügt der Blick auf den Tacho, bei maximal 120 Stundenkilometern kann bei längeren Strecken bereits viel CO2 eingespart werden.

 

Wichtig ist es auch, den Drehzahlmesser zu beobachten und rechtzeitig hochzuschalten, denn bei rund 2.000 Umdrehungen bleibt der Verbrauch niedrig. Auch der richtige Reifendruck wirkt sich positiv auf den Benzinverbrauch aus. Bereits 0,2 Bar zu wenig führen zu rund 10 Prozent höherem Verbrauch. Kleinigkeiten, die auch viel bringen: Energiefresser wie Stand- und Sitzheizung, Klima- und Stereoanlage nur bei Bedarf nutzen und keinen unnötigen Ballast spazieren fahren. Dachgepäckträger und ähnliches sollten nach ihrem Einsatz wieder in der Garage landen.

 

 

6. Auch ein Kühlschrank hat einmal Ruhe verdient

Mal in Ruhe abschalten – auch den Kühlschrank.

Im Sommer einer der besten Küchenhelfer: Der Kühlschrank, denn hier lagern Speisen und Getränke angenehm kühl und sicher vor Verderben. Wer einen neuen Kühlschrank kauft, sollte auf die Energieeffizient des Gerätes, ebenfalls ist ein Standort mit Abstand zu Wärmquellen wie Backofen und Heizungen sinnvoll – so weit so gut.

 

Aber auch im laufenden Betrieb lässt sich noch viel Energie sparen, denn eine Lagerung von rund sieben Grad Celsius bringen gegenüber kühleren Temperaturen bereits eine bemerkbare Stromersparnis. Ebenfalls positiv wirkt sich ein voller Kühlschrank aus, denn Luft zu kühlen ist aufwändig. Wer nicht genug Lebensmittel im Haus hat kann auch einfach mit Wasserflasche oder dem sonstigen Getränkevorrat die Lücken füllen. Wichtig für einen optimalen Energieverbrauch ist das regelmäßige Abtauen.

 

Eine gute Gelegenheit dazu bietet sich während der Urlaubszeit, denn dann muss der Kühlschrank erst nach der Rückkehr wieder angeschaltet werden. Um die letzten Vorräte vorher zu verbrauchen, bietet sich ein auch „Restessen“ mit Freunden an oder man verschenkt seine übrigen Lebensmittel, beispielsweise über eine Foodsharing-Plattform.

 

 

7. Sommermode – Nachhaltigkeit ist „cool“

Frischer Wind im Kleiderschrank.

Da wir gerade vom Verschenken sprechen, Sharing-Communities kommen in der Mitte der Gesellschaft an. Förderer der Idee, Kleidung zu tauschen, zu verschenken und in Läden – wie beispielsweise Oxfam – zu kaufen, ist zum einen der beliebte Vintage-Look, aber auch das gestiegene Interesse an eine nachhaltig produzierten Kleidung  ohne Ausbeutung, Kinderarbeit, Pestizide und unnötigem Ressourcenverbrauch.

 

 

Den richtigen Schalter umlegen – mit Ökostrom

Wer in der Urlaubszeit einen sommerlichen Regentag vor sich hat, freut sich im Allgemeinen auf einen gemütlichen Lesenachmittag oder ähnlich beschauliche Dinge. An einem solchen Tag bietet sich aber auch eine gute Möglichkeit, sich endlich um die Dinge zu kümmern, die bereits lange auf Erledigung warten. Zum Beispiel der Umstieg auf einen Ökostromanbieter.

 

 

9. Was bleibt – der CO2-Fußabdruck

Den Fußabdruck nicht zu tief werden lassen.

Wer bereits Ökostrom bezieht und sein Lieblingsbuch ausgelesen hat, unternimmt vielleicht an einem Tag mit Sommerregen einen erfrischenden Spaziergang – vielleicht sogar Barfuß. Wer dann zurück in Haus kommt, hinterlässt feuchte Fußabdrücke, die bald wieder verschwunden sind.

 

Anders sieht das mit dem persönlichen CO2-Fußabdruck aus, denn die eigene Bilanz der CO2-Emissionen kann sich nachdrücklich negativ auf das globale Klima auswirken. Ein Regentag ohne besondere Pläne ist daher ein perfekter Termin, um über den eigenen Energieverbrauch, den Lebensstil und viele andere Gewohnheiten nachzudenken. Im Netz gibt es mehrere CO2-Rechner, mit denen der eigene Fußabdruck ermittelt werden kann.

 

 

10. Haushaltskasse optimieren

Regentage gehören zum Sommer in Deutschland – und das ist eigentlich auch gut so. Daher noch ein Tipp für eine sinnvolle Indoor-Aktivität: Klimaschutz und Nachhaltigkeit durch persönliches Verhalten zu betreiben ist sehr gut. Noch effektiver werden jedoch viele Aktionen, wenn sich viele zusammentun und Projekte anschieben, die einen relevanten Beitrag für den Klimaschutz leisten können. Eine gute Möglichkeit bieten daher nachhaltige Geldanlagen, denn hier können Anleger sicher sein, dass ihr Geld nur ethischen und ökologischen Projekten landet. Kompetente Beratung in diesem Bereich bietet Grünes Geld.

 

 

Carmen Junker

Verfasser des Beitrages: Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.

Fit in den Frühling 3 – Barfuß laufen

Dienstag, 11. April 2017
Zusammenfassung: Barfuß laufen liegt im Trend und ist gesund. Auf Barfußpfaden entdecken immer mehr Menschen den positiven Effekt für Körper und Geist. Auch Läufer verzichten zunehmend auf klassische Sportschuhe und entdecken die Kunst des Laufens neu. Ohne Schuhe, zurück zur Natur – wenigstens ab und zu – stärkt Füße, Wirbelsäule und das Immunsystem.

 

 

Barfuß – ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit.

„Barfuß durch den Sommer und die Sonne seh’n frühmorgens um vier“ – so sang 1977 Schlagerkönig Jürgen Drews und beschrieb damit die sommerliche Leichtigkeit und das Lebensgefühl der Post-Flower-Power-Generation. Vierzig Jahre später liegt barfuß laufen wieder im Trend. Immer mehr Menschen entledigen sich des Schuhwerks beim Sport und in der Freizeit und tuen ihren Füßen damit durchaus etwas Gutes. Einige setzen sogar völlig auf den Schuhverzicht und gehen auch im Alltag barfüßig – und das nicht nur im Hochsommer. Im dritten Teil unserer Serie „Fit in den Frühling“ richten wir daher unseren Blick auf die positven Fitness- und Gesundheitseffekte beim Barfußlaufen.

 

Historisch gesehen, sind Schuhe erst seit einigen Hundert Jahren ein fester Bestandteil unserer Garderobe. Sicher wurden früher bereits für Arbeiten auf dem Feld und im Wald Holzpantinen oder lederne Fußschützer getragen. Schuhe im heutigen Sinne kommen jedoch erst später auf. Besonders bei der ländlichen Bevölkerung wurden Schuhe noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts nur an Sonn- und Feiertagen getragen.

 

In den letzten hundert Jahren haben sich Schuhe rasant zu einem wichtigen Teil der allgemeinen Mode entwickelt. Ihrer eigentlichen Bestimmung, die Füße vor Kälte und Verletzungen zu schützen, kommen die Schuhe zwar durchaus noch nach, jedoch sind viele andere Aspekte in den Vordergrund gerückt. So runden Schuhe ein Outfit optisch ab, hohe Absätze verschlanken die Silhouette, ausgefallene Modelle ziehen die Blicke auf sich.

 

 

Freiheit für die Füße!

Die Geschichte schicker Schuhe ist allerdings auch die Geschichte deformierter Füße, denn anatomisch geformtes Schuhwerk findet sich in der Mode selten wieder. Eher geben die Schuhe selbst vor, wie ein Fuß zu sein hat, schmal und spitz zulaufend, die Zehen kurz und eng zusammenliegend.

 

Hohe Absätze machen schlanke Beine aber müde Füße.

Psychologisch gesehen trifft es zwar zu, dass eine Zufriedenheit mit dem eigenen Aussehen auch der körperlichen Gesundheit zuträglich ist,  im Falle enger und zu hoher Schuhe werden die Füße in dieser Rechnung sträflich vernachlässigt. Werden die Füße durch schlecht sitzendes oder beengendes Schuhwerk malträtiert, sind  Deformationen die Folge, wie beispielsweise Knick-, Senk- oder Spreizfüße, ebenso Fehlstellungen der Zehen, wie etwa Hammer- und Krallenzehen. Aber auch kleinere Beeinträchtigungen – wie beispielsweise Hühneraugen – können schmerzhaft und unangenehm sein. Und selbst unempfindliche Menschen können sich gewiss an Blasen durch schlecht sitzende Schuhe erinnern.

 

Mit den Schuhen lässt sich auch der Alltag abstreifen.

Entsprechend raten Ärzte zunehmend dazu, häufiger auf Schuhe zu verzichten. Denn wer nie barfüßig unterwegs ist, trainiert kaum seine Fußmuskulatur. Je seltener jedoch Muskeln, Bänder und Sehnen belastet werden, desto eher werden sie zurückgebildet. Die Folgen sind Schmerzen bis hin zu Fehlstellungen.

 

Dieser Entwicklung gilt es entgegen zu wirken. Eine Einsicht, die sich verstärkt durchsetzt, wenn es um Kinderfüße geht, Kinderärzte raten einstimmig dazu, möglichst lange auf Schuhe zu verzichten. Gleichzeitig ist der erste „richtige“ Schuhe mittlerweile meist ein Paar weiche Lederschläppchen anstelle der traditionellen festen Schnürschuhe.

 

 

Es langsam angehen lassen

Für die Entwicklung der Füße und des Bewegungsapparates ist es zwar vorteilhaft, wenn möglichst früh gesunde Verhaltensweisen – wie das Barfußlaufen – trainiert werden, es ist allerdings auch nie zu spät, die festgefahrenen Gewohnheiten zu verändern. Auch Erwachsene und ältere Personen profitieren noch davon, wenn sie häufig barfuß laufen. Durch den regelmäßigen Schuhverzicht wird die gesunde Stellung der Zehen gefördert und die natürliche Stellung der Füße wieder hergestellt. Ein weiterer positiver Effekt gut trainierter und kräftiger Füße: durch eine Entlastung der Wirbelsäule können Rückenprobleme vermieden oder vermindert werden.

 

Wer seit vielen Jahren nicht mehr barfuß gelaufen ist, sollte die neue Freiheit für die Füße langsam angehen lassen, um Überlastungssymptome zu vermeiden. Für den Anfang genügt es, zu Hause auf Schuhe zu verzichten. Wer die Möglichkeit dazu hat, kann auch tagsüber für einige Zeit aus den Schuhen schlüpfen, beispielsweise unter dem Schreibtisch. Schritt für Schritt kann dann der Bewegungsradius vergrößert werden.

 

Wichtig ist dabei, auf das eigene Wohlbefinden zu achten und keine Wunderheilungen zu erwarten. Generell bescheinigen Experten dem Barfußlaufen jedoch nicht nur gesundheitsfördernde Effekte für die Füße und die Haltung, sondern auch für die inneren Organe. Diese werden über die vielfältigen Reize der Fußreflexzonen positiv stimuliert, was sich auch auf das gesamte Herz-Kreislauf-System auswirkt.

 

 

Was Pfarrer Kneipp schon predigte

Das Barfußlaufen spielt auch in der klassischen Naturheilkunde eine wichtige Rolle. Bereits im 19. Jahrhundert belebte der bayerische Pfarrer und Naturheiler Sebastian Kneipp das Barfußlaufen als Therapie zur Stärkung der Abwehrkräfte. Kneipp propagierte vor allem das Barfußgehen auf der morgendlich Tau-feuchten Wiese, um Fußmuskulatur, Sehnen und Bänder zu stärken, Gefäßerkrankungen vorzubeugen und generell den Organismus abzuhärten. Dabei empfahl er ungeübten, mit dem morgendlichen Tautreten im Sommer zu beginnen und beim Loslaufen auf anfangs warme Füße zu achten. Überzeugte Kneipp-Anhänger praktizieren diese Art des Barfußlaufens auch bei winterlichem Schnee. Dann genügen jedoch bereits Intervalle unter einer Minute, um den Kreislauf anzukurbeln.

 

Auch heute noch wird im Kneipp-Kurort Bad Wörishofen nicht nur Wassertreten – die bekannteste Kneipp-Therapie – absolviert, sondern auch eifrig barfuß gelaufen. In der Kneipp-Medizin ist das Barfußlaufen das Mittel der Wahl gegen Fußschweiß und zur Vorbeugung von Pilzinfektionen. Außerdem dient es der Massage des Fußes und der Reflexzonen sowie dem Stressabbau.

 

 

 

 

Barfußpfade eröffnen neue Wege

Den Boden unter den Füßen spüren – ohne Schuhe geht es einfacher.

Entsprechend der Philosophie Kneipps verfügt der Bad Wörishofener Kurpark über einen anderthalb Kilometer langen Barfußrundgang, beginnend an der Kneipp-Anlage, entlang an mehr als 20 Erlebnisstationen. Barfußläufer können hier nicht nur Gras unter ihren Füßen spüren. Auch unterschiedlichste Naturmaterialien wie beispielsweise Steine, Rindenstücke, Sand und Fichtenzapfen geben den Fußsohlen neue Impulse.

 

Auch wenn der Barfußpfad komplett den Prinzipien der Kneipp-Medizin entspricht, stammt die Idee der Anlage eines Weges mit unterschiedlichen Belägen, der barfüßig durchwandert wird von einem anderen Geistlichen, dem „Lehmpastor“ Emanuel Felke. Felke gilt als Begründer der Komplex-Homöopathie, der Körper und Seele wieder ins Gleichgewicht bringen wollte.

 

Der evangelische Pastor war ein Verfechter von Lehmeinreibungen und Schlammbädern und empfahl eine vitalstoffreiche und fleischarme Ernährung sowie viel Bewegung – auch Barfußlaufen – an der frischen Luft. An seinem Wirkungsort Bad Sobernheim befindet sich heute Deutschlands ältester Barfußpfad, der 1992 eröffnet wurde. Der 3,5 Kilometer lange Pfad führt direkt am Naheufer entlang und verfügt – ganz im Sinne seines geistigen Vaters Felke – auch über ein Lehmstampfbecken. Ansonsten runden Balancier-Element und vielfältige natürliche Materialien das besondere Barfußerlebnis ab.

 

Mittlerweile erfreuen sich Barfußparcours wachsender Beliebtheit. Auch Kindergärten und Schulen legen kleine Anlagen an, um Kindern und Jugendlichen einen körperlichen und seelischen Ausgleich zu ermöglichen. In Deutschland gibt es derzeit rund 85 größere Barfußpfade. Die rund 90.000 Besucher pro Jahr allein in Bad Sobernheim zeigen, dass Barfußlaufen mehr als ein kurzzeitiger Trend ist. Barfußlaufen ist nicht nur eine Rückbesinnung auf naturheilkundliche Anwendungen. Vielmehr befriedigt diese – vergleichsweise einfache Therapie – das steigende Bedürfnis in einer durchgetakteten und technisierten Welt wieder Natur unter den Füßen zu spüren.

 

Barfußpfade bieten ein Erlebnis für alle Sinne und entspannen. Für viele Menschen sind sie zudem der Einstieg ins regelmäßige, teilweise sogar ins alltägliche Barfußlaufen. Schließlich lässt sich dort – in einem quasi geschützten Raum – das Laufen ohne Schuhe wieder neu erlernen.

 

Im alltäglichen Leben ohne Schuhe unterwegs zu sein – dazu gehört schon einiges an Mut. Wer nach den ersten Erlebnissen auf Barfußpfaden und in der freien Natur das positive Gefühl ohne beengende Schuhe häufiger erleben will, hat verschiedene Möglichkeiten. Die Extremste: Konsequent auf Schuhe verzichten und in der kalten Jahreszeit auf Barfuß- oder sogenannte Minimalschuhe zurückgreifen. Niedrigschwelliger sind die vielfältigen Möglichkeiten, zumindest ab und an barfuß zu laufen und bei Schuhen möglichst flache und fußfreundliche Modelle zu wählen.

 

Wer nicht nur zu Hause und auf dem Barfußpfad auf Schuhe verzichten will, findet im Sportbereich gute Möglichkeiten und Gleichgesinnte. Denn gerade bei Walkern und Joggern nimmt der Anteil der Barfuß- oder Fast-Barfußläufern stetig zu. Obgleich schlechte Schuhe vielfach für Blessuren beim Laufen verantwortlich gemacht werden, sind sich Mediziner und Trainer hier einig: Verletzungen werden eher durch die Lauftechnik verursacht denn durch die Laufschuhe.

 

Was die Lauftechnik anbelangt, müssen Barfußläufer anfangs umlernen. Sie haben einen anderen Laufstil und landen eher auf dem Vor- oder Mittelfuß. Im Gegensatz dazu landen drei Viertel der beschuhten Sportkameraden bevorzugt auf der Ferse. Wer also bislang mit Schuhen trainiert hat, benötigt eine Umstellungsphase, in der die Füße gestärkt und gedehnt werden. Erfahrene Laufcoachs empfehlen dabei zuerst auf Minimalschuhe umzusatteln und sich dann schrittweise an Barfußschuhe zu gewöhnen.

 

Ob Läufer barfuß wirklich generell schneller und ermüdungsfreier laufen können, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Dafür spricht allerdings der Fakt, dass die modernen Laufschuhe von Leistungssportlern eher an das Prinzip der Barfußschuhe angelehnt sind. Sie verfügen kaum über eine Fernerhöhung, sind extrem leicht und völlig dem natürlichen Fuß angepasst. Eine Form, die auch für die alltäglichen Schuhe wünschenswert wäre.

 

 

 

 

Cooler Widerspruch: Barfußschuhe

Barfußschuhe – das klingt widersprüchlich und kommerzialisiert. Denn das Barfußlaufen an sich ist minimalistisch und erfordert eigentlich keine weitere Ausstattung. Das ist sicher richtig wenn es um das Laufen auf der Tauwiese oder das Wandern auf dem Barfußpfad geht. Wer allerdings auch andere Wege ohne Straßenschuhe beschreiten will, kann mit guten Barfußschuhen ein freies Fußgefühl erleben, ohne sich über Verletzungsgefahren zu sorgen. Darüber hinaus bieten Barfuß- und Minimalschuhe auch in der kälteren Jahreszeit eine isolierende Schicht aus Wolle oder Hanf.

 

Kinderfüße: meist noch vollkommen gesund.

Barfuß- und Minimalschuhe verfügen über eine leichte und flexible Sohle. Verschiedene Anbieter fertigen diese Schuhe nachhaltig und teilweise auch vegan, also ohne Leder, Fell oder Wolle.

 

Sportliche Ausgabe der Barfußschuhe sind die sogenannten Fünf-Finger-Schuhe. Ähnlich einem Fingerhandschuh hat auch hier jede Zehe eine eigene Abteilung und wird einzeln umschlossen. Das hat den Effekt, dass die Zehen komfortabel leicht gespreizt sind und der Fuß über eine größere Auflagefläche auf dem Boden verfügt. Die Sohle ist dünn und schützt vor möglichen Schnitten.

 

Diese Modelle sind auch eine gute Möglichkeit für Diabetiker das Barfußlaufen angstfrei zu genießen. Da bei Diabetespatienten das Schmerzempfinden gestört ist, sollten sie auch kleinere Schnittverletzungen an den Füßen vermeiden um Infektionen vorzubeugen. Mit Barfußschuhen sind die Füße geschützt. Die Träger erhalten dennoch ein Gefühl vom Untergrund, entlasten ihre Füße und können die Fußfreiheit undenklich genießen.

 

Nur einen sanften Fußabdruck hinterlassen

Egal ob Barfuß oder mit Schuhen – jeder Mensch hinterlässt – auch bei einem bewussten nachhaltigen Lebensstil – einen ökologischen Fußabdruck auf der Erde. Wie tief diese Spur jedoch wird, hat jeder selbst in der Hand. Verantwortung für Mensch, Umwelt und Klima zu übernehmen fällt meist einfacher, wenn wir wissen, was wir schützen. Ab und an den Boden unter den Füßen zu spüren ist dabei sicher hilfreich und erdet.

 

Auch bei der persönlichen Finanz- und Vermögensplanung sollte man nie den Boden unter den Füßen verlieren. Grünes Geld, erfahrener Experte für nachhaltige Geldanlagen hilft Ihnen dabei, das richtige Konzept zu finden. Mit einer guten Rendite für Sie und einem positiven Effekt für die Umwelt. Machen Sie den Grünes Geld Test.

 

 

 

Carmen Junker

Verfasser des Beitrages: Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.

 

 

 

Fair Fashion – Menschen machen Kleider

Dienstag, 13. September 2016
Zusammenfassung: „Fair Fashion“, fair hergestellte Kleidung, erfährt zunehmend Beachtung. Berichte über die katastrophalen Arbeitsbedingungen in Textilfabriken haben viele Menschen erschüttert. Es ist jedoch noch nicht einfach, fair produzierte und gehandelte Textilien im Markt zu finden. Verlässliche Siegel helfen.

 

 

Kleider machen Leute - aber wie geht es den Menschen, die unsere Kleider machen?

Kleider machen Leute – aber wie geht es den Menschen, die unsere Kleider machen?

Kleider machen Leute„, so lautet das alte Sprichwort, das mehr oder weniger besagt, dass eine bestimmte Kleidung auf den sozialen Status und die Bildung schließen lässt. Das ist heute nicht mehr ganz so leicht zuzuordnen. Genauso wenig verrät die Kleidung darüber, von wem sie unter welchen Bedingungen hergestellt wurde.

 

Spätestens seit dem großen Brand in einer Textilfabriken in Bangladesch 2012, bei dem mehr als 100 Menschen in den Flammen starben, ist klar: Unsere Kleidung wird vielfach unter katastrophalen Bedingungen hergestellt. In Fabriken ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen, von Arbeitern und Arbeiterinnen ohne Mindestlohn und Gesundheitsvorsorge. Die Brandkatastrophe in Bangladesch zeigte zudem auch noch, dass sehr viele Menschen auf engstem Raum arbeiten mussten und die Notausgänge nicht zu öffnen waren. Der Brand 2012 war kein Einzelfall, seit 2006 hat die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) bereits fast 500 Tote und unzählige Verletzte bei Bränden in Textilfabriken gezählt.

 

Viele Verbraucher beschleicht bei diesen Nachrichten ein mulmiges Gefühl, denn es ist teilweise sehr schwer nachzuvollziehen, woher die eigene Bekleidung kommt und unter welchen Umständen sie hergestellt wurde. Der Preis, den wir in Deutschland für die Kleidungsstücke bezahlen, bietet kaum einen verlässlichen Hinweise, denn sowohl Bekleidung aus dem Discounter als auch hochpreisige Marken werden vielfach in den gleichen Fabriken gefertigt, in denen Menschen ausgebeutet und in ihren Rechten verletzt werden. Der Verband „Kampagne für Saubere Kleidung“, der als Netzwerk von mehr als 200 Gewerkschaften, Frauen- und Verbraucherorganisationen, Kirchengruppen, Weltläden und Forschungsinstituten getragen wird, will daher vor allem die westlichen Unternehmen in die Pflicht nehmen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Kampagne hat dazu Richtlinien entwickelt, nach denen Unternehmen die Arbeitsstandards in den Produktionsstätten bewertet, die Arbeitssituation verbessert und die Lieferketten überprüft werden können. Generell fordert der Verband die Einführung und Einhaltung eines Verhaltenskodex für die Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern. Der Kodex beinhaltet grundsätzliche Arbeitnehmerrechte wie etwa dem Recht auf gewerkschaftliche Organisation. Darüber hinaus die Zahlung eines existenzsichernden Lohns, keine Diskriminierungen, Arbeitssicherheit und Gesundheitsversorgung und den Verzicht auf exzessive Überstunden. Außerdem – hierzulande eine Selbstverständlichkeit – keine Kinderarbeit.

 

 

Macht der Käufer

Unter welchen Umständen eine Jeans gefertigt wurde, ist nicht am Preis zu erkennen.

Unter welchen Umständen eine Jeans gefertigt wurde, ist nicht am Preis zu erkennen.

Die beschämenden Berichte aus fernöstlichen Textilfabriken haben auch die Einstellung der Verbraucher in den vergangenen Jahren verändert. Einer repräsentativen Umfrage von YouGov zufolge sind für 40 Prozent der Bevölkerung faire Produktionsbedingungen in der Textilbranche „sehr wichtig“ und für 46 Prozent „eher wichtig“. Lediglich 14 Prozent stehen dem Thema mehr oder weniger gleichgültig gegenüber. Allerdings spielt der Preis der Kleidung eine enorme Rolle: 86 Prozent der Befragten ist der Preis „sehr wichtig“ und „eher wichtig“.

 

Positiv dabei: Trotz der enormen Erfolge der quasi „Wegwerfkleidung“ von Primark & Co. bewerten junge Menschen die Produktionsbedingungen der Kleidung wichtiger als ältere Befragte.

 

 

Der Preis ist heiß

Kunden haben recht klare Vorstellungen darüber, was Kleidung kosten sollte. Ein einfaches T-Shirt sollte, so befindet rund die Hälfte aller Konsumenten, sollte bei einem Preis von rund zehn Euro liegen.

 

Dass dieser Preis auch bei fairer Entlohnung der Textilarbeiter zu realisieren ist, zeigen auch Berechnungen des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). Demnach beläuft sich der Lohnkostenanteil am Ladenpreis nur auf ein bis drei Prozent. In der Praxis bedeutet das, dass der Preis eines T-Shirts in Deutschland um maximal 50 Cent steigt, wenn in Bangladesch die Durchschnittslöhne in der Textilfabrik verdoppelt würden. Der Aufpreis für faire Herstellungslöhne spielt bei den enormen Gewinnmargen der Markentextilien keine Rolle.

 

Laut Berechnungen der internationalen Fairwear Foundation beträgt bei einem Marken-T-Shirt der Lohnanteil gerade einmal 0,6 Prozent des Ladenpreises. 59 Prozent entfallen auf die Handelsspanne, jeweils zwölf Prozent auf den Bruttogewinn der Marke und die Materialkosten. Der Rest sind die Kosten für Transport und Zwischenhandel. Die „Fairwear Foundation“ zählt insgesamt 90 Mitgliedsunternehmen in sieben europäischen Ländern und repräsentiert 120 Marken, darunter Outdoor-Ausrüster Deuter und Vaude, Öko-Pionier hessnatur, aber auch die Textilkette Takko und junge Designer wie Armedangels oder King Louie.

 

So teilt sich der Ladenpreis eines T-Shirts auf. Die Lohnkosten spielen keine Rolle (Quelle: FairWorld, Grafik: Grünes Geld)

So teilt sich der Ladenpreis eines T-Shirts auf. Die Lohnkosten spielen keine Rolle (Quelle: Fairwear Foundation, Grafik: Grünes Geld, ohne Gewähr)

 

Wie die „Kampagne für Saubere Kleidung“ tritt auch die „Fairwear Foundation“ für einen verbindlichen Arbeitsverhaltenskodex ein und fordert die westlichen Textilhändler dazu auf, ihre enorme Marktmacht zu nutzen, um Anforderungen an ihre Zulieferer zu stellen und so die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken nachhaltig zu verbessern.

 

 

Faire Bedingungen mit Brief und Siegel

Kunden, die sich bewusst für fair produzierte Kleidung entscheiden wollen, haben es beim Einkauf nicht gerade leicht. Denn im Markt existieren Zertifikate und Gütesiegel für faire Mode. Die Kriterien zur Vergabe dieser Siegel sind dabei breit gefächert. Darüber hinaus produzieren einige Unternehmer, wie beispielsweise Trigema, ganz ohne Siegel. Dennoch entsprechen die Arbeitsbedingungen beim schwäbischen Traditionsunternehmen durchaus den Ansprüchen an gerechte Löhne und Sozialleistungen. Trigema fertigt seine gesamte Kollektion inklusive der Stoffherstellung in Deutschland.

 

Einen hohen Standard verspricht das Fairtrade-Siegel. Es kennzeichnet vor allem Baumwolle-Produkte, die zu fairen Preisen gehandelt werden und deren Produzenten menschenwürdige Arbeitsbedingungen unterstützen. Darüber hinaus hat Fairtrade International in diesem Jahr einen Textilstandard veröffentlicht, mit dem die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter in den Textilfabriken gestärkt und die Löhne verbessert werden sollen. Ziel ist es hier, die komplette Lieferkette nach dem entwickelten Standard zu zertifizieren. Für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion steht auch das Siegel, das die „Fairwear Foundation“ an ihre Mitgliedsunternehmen vergibt.

 

Kein Textil-Siegel im eigentlichen Sinne, jedoch sicher fair gehandelt sind Kleidungsstücke aus Weltläden. Die dort vertretenen Marken Gepa, dwp oder El Puente stehen für ein hohes ethisches und soziales Engagement.

 

Für einen sozial- und umweltverträglichen Baumwollanbau in Afrika setzt sich die nachhaltige Baumwollinitiative Cotton Made in Africa (CmiA)  ein. Kleinbauern in Afrika erhalten hier Dünger und Saatgut vorfinanziert und können so ihre Existenz selbst sichern. Darüber hinaus werden Schulen, Trinkwasserversorgung und Frauenkooperativen unterstützt. Getragen wird die Initiative unter anderem von der Bill and Melinda Gates Foundation, der Welthungerhilfe, dem Naturschutzbund Deutschland, Otto Group und dem WWF. Partnerunternehmen können das Nachhaltigkeitslabel von CmiA erwerben.

 

 

Soziale Verantwortung übernehmen – auch bei der Geldanlage

Ein kritischer Blick lohnt sich auf nahezu alle Dinge, die wir tagtäglich konsumieren, denn informierte Verbraucher stellen durchaus eine Marktmacht dar. Schließlich haben die Verbraucher die Möglichkeit, über ihre Kaufkraft nachhaltige und sinnvolle Projekte zu unterstützen.

Eine gute Möglichkeit für eine ethische und soziale Geldanlage ist beispielsweise die Unterstützung von Mikrofinanzprojekten, die Menschen in Schwellenländern helfen, mit Kleinstkrediten eine Existenz aufzubauen. Das kann etwa eine Nähmaschine sein, mit deren Hilfe Säcke für den Handel genäht werden. Für viele Frauen aus den Textilindustrie eine selbstbestimmte Alternative zum Fabrikjob. Grünes Geld berät Sie gerne zu unserer nachhaltigen Geldanlage Soziale Verantwortung.

 

 

 

Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.