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Nachhaltige Branchen 5 – Lebensmittelindustrie

Dienstag, 23. Mai 2017

Serie nachhaltige Branchen: EnergiewirtschaftPharmaAutomobilSüßwarenLebensmittelBanken / Finanzdienstleister

 

Zusammenfassung: Nachhaltigkeit in der Lebensmittelindustrie wird schnell auf die Faktoren „Bio“ und „Fair Trade“ reduziert. Aber auch der verantwortungsvolle Umgang mit Energie, Land und Wasser sind wichtige Faktoren in diesem Bereich. Generell hat das Interesse der Verbraucher am Thema Nachhaltigkeit zugenommen. Der Zusammenhang zwischen Lebensstil, Ernährungsweise und Klimaveränderung ist in den Köpfen angekommen.

 

 

Das Interesse an nachhaltig produzierten Lebensmitteln steigt.

Das Bewusstsein für die Gefahren des Klimawandels ist gestiegen. Entsprechend zugenommen hat das Interesse an mehr Nachhaltigkeit in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens. Denn immer mehr Menschen in den Industrienationen wird klar, dass unser Lebensstil, unser Umgang mit Energie und unsere Lebensmittelproduktion mit für die Klimakrise verantwortlich sind.

 

Dabei rückt die Ernährung besonders in den Mittelpunkt der Betrachtung. Denn hier kann jeder einzelne durch sein Einkaufs- und Konsumverhalten direkten Einfluss ausüben. Generell nimmt die Nachfrage nach Lebensmitteln, die nachhaltig erzeugt wurden zu. Eine Trend, auf den die Branche versucht entsprechend zu reagieren.

 

Laut Angaben der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie nimmt die Bedeutung der Qualität der Lebensmittel als Kaufentscheidung zu. Rund 27 Prozent der Konsumenten legen Wert auf eine bewusste, nachhaltige und gesunde Ernährung. Der gleiche Anteil an Verbraucher ist dabei auch bereit, höhere Preise zu akzeptieren.

 

 

Spannungsfeld Industrie und Nachhaltigkeit

Nachhaltiger Konsum zählt aktuell zu den wichtigsten Trends, denn immer mehr Verbraucher in Deutschland wollen mit ihrer Kaufentscheidung die Weichen für eine soziale, umwelt- und klimafreundliche Zukunft mit stellten. Entsprechend dieser steigenden Nachfrage verändert sich auch das Angebot.

 

Dabei bestehen vielfältige Spannungsfelder. Denn westliche Verbraucher freuen sich über die reichhaltige Auswahl in den übervollen Regalen der Supermärkte und Discounter, stehen zugleich aber auch der enormen Verschwendung und Vernichtung von Lebensmitteln kritisch gegenüber.

 

Eine weitere Spannung bildet sich bereits durch den Begriff der Lebensmittelindustrie. Denn die industrielle Produktionsweise steht Gegensatz zur handwerklichen Herstellung, wie sie bei vielen Bio-Produkten und in der Slow Food-Bewegung propagiert werden.

 

Durchaus wichtige Aspekte, denn Nachhaltigkeit muss in der Lebensmittelproduktion weit über die reinen Qualitätsanforderungen der Konsumenten aus den reichen Industrienationen hinaus gehen. Nachhaltigkeit umfasst hier auch Aspekte der Verteilung und des fairen Welthandels.

 

Schließlich geht es hier nicht allein um rund 80 Millionen potenziell kritischer Verbraucher in den deutschen Supermärkten, sondern um die Antwort auf die Ernährungsfrage von bald zehn Milliarden Menschen weltweit. Nicht zuletzt lautet eines der vorrangigen  Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, den Hunger zu bekämpfen.

 

Nur wenige Lebensmittelkonzerne beherrschen den weltweiten Markt.

Kritisch gesehen wird in diesem Zusammenhang allerdings die zunehmende Konzentration der Lebensmittelproduktion auf nur wenige Konzerne weltweit. Im Jahr 2013 legte die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam erstmals ein vergleichendes Ranking für die zehn größten Lebensmittelkonzerne der Welt vor. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand deren soziales und ökologisch nachhaltiges Handeln.

 

An der Spitze behaupteten sich die beiden Lebensmittelmultis Nestlé und Unilever, da sie – im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern – bereits Maßnahmen eingeleitet hatten, um soziale und ökologische Mängel in ihrer Lieferkette zu begegnen. Nestlé kündigte an, die Situation der Kakaobäuerinnen verbessern zu wollen, die Unilever Fundation engagiert sich mit Oxfam in Projekten zur Armutsbekämpfung. Generell fiel die Oxfam-Studie „Behind the Brands“ allerdings ernüchternd aus, denn kaum ein Großkonzern nutzt sein Marktposition aus, um eine weltweite Ernährungsgerechtigkeit voranzubringen. Größtes Problem dabei war und ist, dass sich viele Angaben der Hersteller kaum belegen lassen. Darüber hinaus herrscht unter den Konzernen ein großes Stillschwiegen über die Herkunft der Rohstoffe und die Umstände wie und wo diese gewonnen wurden. Außerdem untersuchte Oxfam die Nachhaltigkeitsberichte der Konzerne und versuchte die Anstrengungen der Konzerne in Sachen Frauenrechte, fairer Bezahlung und Arbeitsbedingungen herauszufinden. Außerdem wollte die Organisation wissen, welche Maßnahmen die Konzerne gegen den Klimawandel unternehmen, wie Landraub, das sogenannte Landgrabbing, verhindert wird ein verantwortlicher Umgang mit Wasser und Energie aussieht. Die meisten Konzerne verwiesen mehr auf ihre Hilfsprojekte in verschiedenen Ländern, denn auf ihre Aktivitäten im Bereich der fairen Zusammenarbeit mit Zulieferländern oder ihr ökologisch nachhaltiges Engagement.

 

Nachhaltigkeit bleibt jedoch eines der bestimmenden Themen der Lebensmittelindustrie. Neben den globalen Konzernen existiert auch weiterhin große Anzahl an nationalen und lokalen Nahrungsmittelherstellern, die dem Trend zu mehr Nachhaltigkeit begegnen müssen.

 

 

Nachhaltigkeit in der Lebensmittelindustrie

Nachhaltigkeit hat als neuer und wichtiger Trend in der Lebensmittelbranche das Thema Ökologie um die Aspekte des fairen Handels und der sozialen Gerechtigkeit erweitert. Gemäß einer Untersuchung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), hat sich der Nachhaltigkeitsanspruch zum globalen Trend innerhalb der Branche entwickelt und stellt damit auch neue Herausforderungen an die Produzenten. Nachhaltigkeit stellt mittlerweile ein relevantes Differenzierungsmerkmal dar. Dabei sind die Ansprüche der Verbraucher gestiegen. Sie erwarten von den Unternehmen eine glaubhafte, nachvollziehbare und transparente Kommunikation, die belegt, dass Nachhaltigkeitsbestrebungen keine Marketingphrasen sind.

 

 

Ökologische Nachhaltigkeit mit Brief und Siegel

Um das zu belegen, setzt die Lebensmittelindustrie auf Siegel und Gütezeichen, die Verbrauchern verlässliche Auskünfte zu Inhalte und Produktionsweise der Lebensmittel geben. Weit verbreitet sind dabei bereits die Zertifizierungen, die eine ökologische Nachhaltigkeit belegen. In Deutschland ist dabei besonders das staatliche Biosiegel bekannt, das 2001 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eingeführt wurde. Seit 2012 wird dieses Siegel verpflichtend durch das EU Bio-Siegel ergänzt. Beide Siegel garantieren, dass die Produkte zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Landbau stammen. Insgesamt tragen rund 30.000 Artikel im Lebensmitteleinzelhandel das Biosiegel. Hinzu kommen die – zum Teil sehr viel strengeren – Siegel der ökologischen Anbauverbände, wie beispielsweise Bioland, Demeter oder Naturland. Hier werden neben den klassischen Anforderungen an den ökologischen Landbau auch vielfältige weitere Kriterien berücksichtigt. Dazu zählen unter anderem geschlossene Betriebsabläufe, Energieverbrauch, Klima- und Gewässerschutz.

 

Zudem haben viele Handelsketten eigene Biosiegel entwickelt, beispielsweise „BioBio“ von Plus oder „Füllhorn“ von Rewe. Die entsprechenden Produkte tragen im Allgemeinen auch das staatliche Bio-Siegel, sollen aber Verbraucher durch die präsente Markenbezeichnung eine zusätzliche Orientierung in der Warenwelt bieten.

 

 

 Nachhaltigkeit ist mehr als „Bio“

Zum Beispiel Bananen: Fairer Handel setzt sich durch.

Durch das gestiegene Interesse der Verbraucher an nachhaltigen Lebensmitteln, haben auch die Siegel des fairen Handels an Bedeutung gewonnen und ziehen in den letzten Jahren vermehrt von den klassischen Eine-Welt-Läden in die Regale der großen Handelsketten ein. Am weitesten verbreitet sind dabei die Siegel TransFair/Fair Trade, das bereits seit 25 Jahren vergeben wird, Gepa oder BanaFair.

 

Bei diesen Siegeln können Verbraucher darauf vertrauen, dass Kleinbauern und Produzenten in den Herkunftsländern sichere Arbeitsbedingungen vorfinden und existenzsichernde Löhne erhalten. Zu den Kriterien der sozialen Nachhaltigkeit zählen außerdem langfristige Verträge und Abnahmegarantien, eine gerechte Verteilung der Lebens- und Bildungschancen sowie das Verbot von Kinderarbeit und die Einhaltung der Menschenrechte generell. Etwas 70 Prozent der Produkte aus fairem Handel werden derzeit auch nach den Kriterien des ökologischen Anbaus erzeugt. Das schützt die Biodiversität vor Ort und beugt einen Raubbau an Urwaldgebieten vor, um neue Plantagen aufzubauen.

 

 

Nachhaltiges Wirtschaften in der 360-Grad-Perspektive

Siegel schaffen Vertrauen und geben verbindliche Standards vor. Bislang stehen die Siegel jedoch nur für einzelne Nachhaltigkeitskriterien, denn es gibt kein Nachhaltigkeits-Siegel für Lebensmittel.

 

Eine umfassende Beurteilung der Nachhaltigkeit der Lebensmittelbranche ist schwierig, denn sie umfasst eine Vielzahl relevanter Faktoren, die über die Teilaspekte „Bio“ und „Fair Trade“ hinaus gehen. Schließlich definiert die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung Nachhaltigkeit als dauerhafte Entwicklung, die Bedürfnisse der jetzigen wie der künftigen Generation befriedigen kann. Daher ist der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen Wasser, Luft, Boden sowie sämtlichen Rohstoffen eine grundsätzliche Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften. Dabei soll die biologische Artenvielfalt und die Bedürfnisse der Weltbevölkerung genauso geschützt werden, wie das globale Klima als Lebensgrundlage.

 

Selbstgemacht, lecker und nachaltiger als Convenience.

Entsprechend zählen auch der Energieverbrauch im Unternehmen, der Einsatz von Erneuerbaren Energien und Effizienzmaßnahmen zu wichtigen Aspekten des Nachhaltigkeitsmanagements. Darüber hinaus muss sich ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen auch an seinem Umgang mit Wasser, Fragen der Logistik und dem Weg zum Kunden und viele weitere Faktoren messen lassen. Wie bereits bei vielen Produkten und Aktivitäten, beispielsweise Flugreisen, lässt sich auch bei Lebensmitteln ein ökologischer Fußabdruck ermitteln, der Informationen über die Umwelt- und Klimawirkung gibt. Stark verarbeitete Lebensmittel mit staatlichem Bio-Siegel werden bei einer solchen Berechnung eher schlechter abschneiden, als einfache Produkte aus einem regionalen Hofladen, die möglicherweise nicht zertifiziert sind. Immerhin fließen rund 20 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland in unsere täglichen Lebensmittel.

 

 

Vegane Lebensmittel – Nachhaltigkeit 2.0

Bitte recht klimafreundlich!

Eine ungünstige CO2-Bilanz weisen generell Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen auf – auch dann, wenn die Tiere artgerecht gehalten werden. Generell befinden sich vegane Lebensmittel im Aufwind, dabei zeichnet es sich ab, dass die vegane Lebensweise nicht nur ein kurzfristiger Trend sein wird. Aktuell liegt der Anteil der Bevölkerung, die sich vegan ernährt, bei etwa einem Prozent. Vegane Produkte liegen aber auch bei Vegetariern und Flexitariern hoch im Kurs, so dass sich die Nachfrage auf einem weit höheren Niveau einspielt.

 

Viele Anbieter veganer Lebensmittel produzieren sehr nachhaltig. Dabei zum einen natürlich der Verzicht auf energieaufwändige tierische Inhaltstoffe ins Gewicht. Zum anderen fühlen sich vegane Unternehmen – nicht zuletzt durch ihren alternativen Geschäftsansatz – nachhaltigen Kriterien wie ökologischer Landwirtschaft oder energieeffizienten Maßnahmen verpflichtet. Das Zusammenspiel vegan und biologisch ist allerdings nicht zwingend. Wer Gentechnologie und Agrarchemie ausschließen will, benötigt mehr Informationen als das Vegan-Label.

 

Im Bereich der nachhaltigen Geldanlagen hat sich mittlerweile ein reger Markt für vegane Investments entwickelt. Diese sind dabei auch für Anleger interessant, die Themen wie Massentierhaltung aus ihrem Portfolio generell ausschließen wollen. Interessant sind auch Vegan-Aktien, die vom Trend zur veganen Lebensweise wirtschaftlich profitieren.

 

 

Nachhaltige Geldanlagen bringen Veränderungen

Bewusste Konsumentscheidungen zu treffen, um soziale Gerechtigkeit zu fördern sowie Umwelt und Klima zu entlasten ist sinnvoll und treibt positive wirtschaftliche Veränderungen voran. Auch im Bereich der Geldanlagen lohnt es sich, auf nachhaltige Investments zu setzen. Denn gerade in der Welt der Finanzen fallen richtungsgebende Entscheidungen.

 

Wer also lieber in biologische Landwirtschaft als in multinationale Konzerne investieren will, Erneuerbare Energien bevorzugt oder auch umweltfreundliche Technologien und Logistikkonzepte voranbringen will, findet bei Grünes Geld leicht ein passendes Finanzprodukt. Grünes Geld, ein erfahrener Anbieter nachhaltiger Geldanlagen, hat mehr als 300 interessante Investments im Angebot. Sämtliche Produkte fördern nicht nur eine soziale und ökologische Entwicklung, sondern sind auch hinsichtlich ihrer finanziellen Erträge eine gute Entscheidung.

 

 

 

 

 

Portraitfoto Gerd Junker

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

Fair und bio – Kaffee und Tee ohne bitteren Nachgeschmack

Freitag, 13. Januar 2017
Zusammenfassung: Kaffee und Tee zählen zu den beliebtesten Getränken. Kaffee steht in Deutschland auf Nummer eins, Tee hat weltweit die Nase vorn. Allerdings werden für die beiden Heißgetränke Menschen ausgebeutet und die Umwelt geschädigt. Bewusster Konsum, Fair Trade-Produkte und ökologischer Anbau können dem entgegen wirken.

 

 

Der Duft von frischem Kaffee belebt die Sinne.

Kaffee oder Tee? – Diese Frage stellt sich noch gar nicht so lange in Deutschland. Bis weit in die fünfziger und sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war hierzulande der echte Bohnenkaffee oder auch der schwarzer Tee dem Sonntag oder besonderen Anlässen vorbehalten. Zu teuer waren die edlen Getränke, als dass sie für den Massenkonsum geeignet waren. Mit ansteigendem Wohlstand entwickelten sich Kaffee und Tee zu Alltagsgetränken, die jederzeit, nahezu überall in beliebiger Menge zur Verfügung stehen.

 

Und auch wenn die Weltmarktpreise schwanken und in den letzten Jahren sogar etwas angestiegen sind: Die ehemals luxuriösen Getränke sind heute für jeden Durchschnittsverbraucher erschwinglich. Allerdings zahlen Menschen in den Erzeugerländern einen hohen Preis für unseren Konsum.

 

 

Lieblingsgetränk Kaffee – fair und bio schmeckt er noch besser

Kaffee ist das unangefochtene Lieblingsgetränk der Deutschen. Während sich die Anfangs nur wohlhabende Bürger Kaffee leisten konnte, trat im Zuge der Industrialisierung Kaffee seinen Siegeszug in der gesamten Bevölkerung an. Mit jährlich rund 150 Litern pro Person steht Kaffee in der Beliebtheit noch vor Wasser und Bier. Entsprechend ist Deutschland der zweitgrößte Importeur für Kaffee weltweit, hinter der Nummer eins, den USA.

 

Biologischer angebauter und fair gehandelter Kaffee findet sich mittlerweile in nahezu jedem Supermarkt. De facto greifen Verbraucher jedoch immer noch mehrheitlich zu konventionellen Produkten. Weltweit beherrschen nur  5 multinationale Konzerne fast die Hälfte (45 Prozent) des Kaffeemarktes.

 

 

Harte Landarbeit für geringe Löhne

Die Arbeit auf der Kaffee-Plantage ist kaum existenzsichernd.

Der größte Teil des Kaffeeanbaus geschieht durch Kleinbauern, die kaum noch auf dem eigenen Land arbeiten und für ihre harte Arbeit nur geringe Löhne erhalten, häufig weniger als 2 Dollar am Tag. Dabei befinden sich die Kleinbauern gegenüber den Händlern in einer schwachen Verhandlungsposition, viele von ihnen haben keine Informationen über den Markt und die möglichen Preise. Durch kleine Anbauflächen und entsprechend geringer Ernten befinden sich kleine Kaffeebauern und ihre Familie in einer Armutsfalle, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Die frühere Ausbeutung durch Kolonialherren ist jetzt dem ausbeuterischen Preisdruck der multinationalen Konzerne gewichen.

 

Eine Perspektive für einen gerechteren Handel bieten Kooperativen. Durch den Zusammenschluss von Kleinbauern können gerechte und sichere Löhne erzielt werden. Unterstützt werden Kooperativen von Kaffeebauern von Fair Trade-Organisationen, Gepa und kirchlichen Initiativen wie beispielsweise die Christliche Initiative Romero. Durch diese Unterstützung erhalten Kaffeebauern auch wirtschaftliche Beratung und Zugang zur Krediten. So können die Kooperativen ihre Produktivität und Qualität steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit auf- und ausbauen.

 

 

Ökologischer Anbau schont die Umwelt

Zu den sozialen und ethischen Aspekten kommen beim Kaffeeanbau auch große ökologische Herausforderungen hinzu. Neben der generellen Problematik von Monokulturen für das Ökosystem, treten auch – verursacht durch die fortschreitende Erderwärmung – vermehrt Schädlinge und Krankheiten an den Kaffeepflanzen auf.

Öko-Plantagen verzichten auf synthetische Dünger und Pestizide und setzen auf natürliche Mittel, wie etwa die Anpflanzung von Schattenbäumen, die für ein besseres Klima im Anbaugebiet sorgen. Gedüngt wird mit organischen Mitteln. Biologisch angebauter und fair gehandelter Kaffee verspricht Genuss ohne Ausbeutung von Mensch und Umwelt.

 

 

3 Tipps für bewusste Kaffeegenießer

1. Beim Kaffeekauf auf Fair Trade- oder Gepa-Siegel achten sowie auf verlässliche Gütesiegel des biologischen Anbaus.

 

2. Wer auf den guten Geschmack eines fairen Bio-Kaffees gekommen ist, sollte auch beim Kaffeegenuss außer Haus keine Abstriche machen und in Cafés und Restaurants nach entsprechenden Produkten fragen.

 

3. Kaffee ist ein Genussmittel mit einem aufwändigen Herstellungsprozess und einem langen Transportweg. Eine interessante, preiswerte und schmackhafte Alternative sind auch Kaffee-Ersatz-Produkte aus dem Naturkostladen. Lupinen und Malzkaffees sind längst kein „Muckefuck“ mehr sondern haben sich zu schmackhaften und bekömmlichen Getränken gemausert.

 

 

Nicht nur abwarten und Tee trinken

Tee steht auch für Ruhe und Ausgeglichenheit.

Etwa jeder siebte Erwachsene bezeichnet sich selbst als Teetrinker und verzichtet völlig auf Kaffee, mehr als die Hälfte der Bevölkerung trinkt beides gerne. Mit Tee gemeint ist dabei der Aufguss aus den Blättern der Teepflanze, also der schwarze, grüne und weiße Tee sowie der chinesische Olong.

 

Mit Tee werden Werte wie Ruhe und Ausgeglichenheit in Verbindung gebracht, wohingegen Kaffee auch für Hektik, Eile und Stress steht. Trotz des puristischen und sauberen Images von Tee gilt in der Herstellung: Ob ein Landarbeiter auf einer Kaffee- oder Teeplantage arbeitet ist nur ein geographischer Unterschied.

 

 

Nur 3 Konzerne kontrollieren den internationalen Teemarkt

Denn genau wie in den Kaffeeländern Afrikas, Süd- und Mittelamerikas stehen auch in den Teeanbaugebieten Asiens und Afrikas Ausbeutung und Umweltzerstörung an der Tagesordnung. Und auch hier liegt die Marktmacht bei wenigen Playern: Die weltweite Teeproduktion wird von lediglich drei Konzernen kontrolliert.

 

Entsprechend sind diese Unternehmen auch in der Lage Preise zu diktieren und die ausbeuterischen Produktionsprozesse weiter zu treiben. Auf den afrikanischen und asiatischen Teeplantagen liegen die Löhne der Arbeiter mehrheitlich weit unter den nationalen Mindestlöhnen und sind damit nicht existenzsichernd.

 

 

Pestizidrückstände im Tee

Viele konventionell angebaute Tees sind mit Pestizidrückständen belastet

Ökologisch bedenklich ist dabei auch, dass die Umweltstandards der Teeanbauländer generell niedrig liegen und kaum konsequent durchgesetzt werden. Entsprechend hoch ist auch der Einsatz von Pestiziden. Diese schädigen die Umwelt genauso wie die Gesundheit der Arbeiter.

 

Nicht zuletzt aber auch die Gesundheit der Teetrinker weltweit, denn regelmäßige Untersuchungen belegen eine hohe Pestizidbelastung des Endproduktes. Beunruhigend, denn Pestizide in Lebensmitteln gelten als Verursacher von Krebserkrankungen, hormonellen Störungen und Missbildungen.

 

Wie beim Kaffeeanbau existieren auch im Teemarkt bäuerliche Kooperativen, die sich für fairen und umweltverträglichen Anbau einsetzen

 

 

3 Tipps für bewusste Teetrinker:

1. Auch beim Teekauf geben Fair Trade- oder Gepa-Siegel sowie die Gütesiegel des biologischen Anbaus eine verlässliche Information über Anbau und Handel des Tees.

 

2. Teetrinker haben es in Lokalen oft schwer und müssen sich mit einer eingeschränkten Auswahl zwielichtiger Beuteltees zufrieden geben. Tee sollte auch unterwegs ein Genuss sein. Achten Sie auf Lokale mit spezieller Teekarte und fragen Sie nach fairen und biologischen Produkten.

 

3. Wie Kaffee ist auch Tee ein Genussmittel, das energieaufwändig produziert und transportiert wurde. Klassische Alternativen zu schwarzen und grünen Tees sind Kräuter- und Früchtetees aus regionalem Anbau. Als trendige „Infusions werden diese Aufgüsse in vielen interessanten Geschmacksrichtungen angeboten.

 

 

Nachhaltig genießen, wirkungsvoll investieren

Fair gehandelter und biologisch angebauter Kaffee und Tee beweist, dass die Wirtschaftspraxis multinationaler Konzerne nicht alternativlos ist.

 

Es liegt allerdings auch in der Hand der Verbraucher, sich für Genuss mit Respekt vor Mensch und Umwelt zu entscheiden und einen Beitrag für eine gerechtere Welt zu leisten.

 

Auch mit ethischen und ökologischen Investments lassen sich Schalter im Wirtschaftssystem umlegen, denn nicht ist so wirkungs- und machtvoll wie Geld.

 

Grünes Geld bietet rund 300 nachhaltige Geldanlagen für nahezu jede Investitionssumme. Nehmen Sie sich also ein Tasse Ihres Lieblingsgetränks und machen Sie den Grünes Geld Test.

 

 

 

Carmen Junker

Verfasser des Beitrages:Carmen Junker ist Gründerin der Grünes Geld GmbH und Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH. Carmen Junker:“ Ein Grund mein berufliches Wirken speziell auf die Nachhaltige Geldanlage auszurichten ist, die Welt ein Stück positiver zu gestalten mit den Mitteln und Kenntnissen die mir zur Verfügung stehen. Aus der Verantwortung für die kommende Generation und weil ich selbst noch einige Jahre auf diesem schönen Planeten verbringen möchte“.

 

 

Ausverkauf im Ackerland?

Montag, 13. Januar 2014

Welche Ressource ist neben Wasser unabdingbar, um die Bedürfnisse einer wachsenden Weltbevölkerung zu sichern? Land – vorzugsweise fruchtbares Land! Doch dieses ist knapp und somit beginnt ein Wettrennen um profitable Agrarflächen. Denn die Bevölkerungszahl und somit die Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln wächst kontinuierlich und damit auch die Aussicht auf Profit. Auch private Anleger können sich an Investitionen im Agrarsektor beteiligen. Doch können solche Anlagen ethisch und ökologisch vertretbar sein? Die Studie „Agrarland in Entwicklungs- und Schwellenländern als neues Anlageprodukt“ von Südwind nimmt dieses Thema genauer unter die Lupe.

 

Direkte oder indirekte Investition?

 

Zunächst muss man sich ansehen, auf welche Art und Weise private Investoren an solchen Anlagen beteiligt werden können. Das kann zum einen indirekt und in den meisten Fällen relativ intransparent sein. Denn die Banken arbeiten mit unserem Geld, welches wir ihnen zur Verfügung stellen. Dieses wird unter anderem in Form von Krediten oder auch in Form von Beteiligungen z. B. über Aktien an Firmen weitergegeben. In der Regel hat der Kunde keinen Einfluss darauf, wie die Bank mit seinem Geld arbeitet und nur selten wird über die konkreten Investitionen transparent Auskunft erteilt. Nur einige wenige Umwelt- oder Ethikbanken geben dem Kunden hier ein Mitspracherecht, in welchem Bereich sein Geld eingesetzt werden darf.

Weiterhin gibt es inzwischen auch einige Wertpapierfonds im Agrarsektor. Hier veröffentlichen die Investmentgesellschaften halbjährlich umfangreiche Berichte  über die im Fonds enthaltenen Wertpapiere. Somit kann der Anleger klar erkennen, in welche Unternehmen der Fonds investiert.

 

Wertvolles Ackerland

Mit Zunahme der Weltbevölkerung steigt auch der Bedarf an wertvollen Agrarflächen.

 

Chancen und Risiken

 

Über private und institutionelle Anleger fließen Milliarden in die Landwirtschaft von Entwicklungsländern. Grundsätzlich ist das zu begrüßen, da hier Verbesserungen im Agrarsektor oft dringend notwendig sind. Allerdings wird meist der Schwerpunkt auf hohe Erträge nach Vorbild der Intensivlandwirtschaft auf der Nordhalbkugel gelegt und die Bedürfnisse und Interessen der Länder, im Besonderen der Landbevölkerung werden viel zu wenig berücksichtigt. Landgrabbing stellt vor allem in afrikanischen Ländern die Einwohner vor große Probleme. Formal hat meist der Staat die Rechte am Land. Praktisch wird dieses aber meist ohne jegliche Verträge von Kleinbauern verwaltet, bewirtschaftet (meist von Bäuerinnen) und bewohnt und stellt so deren Existenzgrundlage dar. Wird dieses Land jetzt vom Staat an Investoren verkauft oder verpachtet, wird die dort ansässige Bevölkerung vertrieben und deren Einkommensgrundlagen vernichtet. Entstehende Arbeitsplätze reichen aufgrund der industriellen Intensivwirtschaft der meist in Monokultur entstehenden Plantagen nicht aus, um die landlos gewordenen Bauern und Bäuerinnen zu beschäftigen. Und gerade Frauen werden auf den Farmen weniger angestellt als Männer. Eine Möglichkeit zur Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft besteht meist nicht und so werden vor allem Frauen in extreme Armut gedrängt. Ein weiteres Problem ist, dass meist nur für den Export angebaut wird und somit die lokale Ernährungssicherung gefährdet wird.

 

Auch die negativen, ökologischen Auswirkungen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Nicht oder kaum genutztes Land wird nach der Übernahme durch Investoren intensiv genutzt, was zu einem wesentlich höheren Wasserverbrauch führt. Die Böden werden zudem durch massiven Einsatz von Dünger und Pestiziden ausgelaugt und belastet. Auf lange Sicht zerstört dies die Fruchtbarkeit des Landes und die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf das lokal betroffene Gebiet. Wasserentnahme aus Flüssen oder Seen zur intensiven Bewässerung der Felder kann die Wasserversorgung von entfernteren Gemeinden negativ beeinflussen. Das benötigte Wasser wird knapp und durch die Rückführung von durch Agrochemikalien belastetem Abwasser stark verunreinigt bis unbrauchbar.

 

Plantagen in Monokultur für zum Beispiel Palmöl vernichten besonders sensible Ökosysteme wie den Regenwald. Dreiviertel des produzierten Palmöls kommen aus Indonesien oder Malaysia. Dafür werden bislang unberührte Regenwälder zerstört und ganze Arten wie zum Beispiel der Orang Utan in ihrer Existenz bedroht. Doch auch Südamerika rückt zunehmend in den Fokus von Palmöl-produzierenden Firmen. Zudem wird durch die Rodung der Urwälder extrem viel CO2 freigesetzt, welches durch den Anbau der neuen Plantagen nicht wieder ausgeglichen werden kann. Besonders in der Kritik steht hier der Konzern Wilmar, seines Zeichens weltweit führender Hersteller und Händler von Palmöl. Obwohl Mitglied des RSPO und somit als nachhaltiger Palmöllieferant zertifiziert, prangern Umweltorganisationen immer wieder die Arbeitsweise des Konzernes an. Illegale Brandrodungen und Überfälle auf die indigene Bevölkerung, um diese aus ihrem Lebensraum zu vertreiben gehören demnach zum Alltag von Wilmar.

 

Durch Brandrodung ist der Orang Utan vom Aussterben bedroht.

Palmölplantagen in Monokultur zerstören den Lebensraum zahlreicher Arten, wie z. B. den des Orang Utans. (Bildquelle: regenwald.org / Fausto Dembinki, pixelio.de)

 

Es gibt aber auch positive Beispiele. Denn die Thematik der wachsenden Weltbevölkerung führt durchaus dazu, dass es einen immensen Bedarf an Investitionen im Agrarsektor gibt. Sollen bis 2050 weltweit die erwarteten 9 Mrd. Menschen ernährt werden können, wird bis zu diesem Zeitpunkt 70 % mehr landwirtschaftliche Produktion nötig sein. Dies bedeutet jährlich zusätzliche 83 Mrd. US-Dollar an Investitionen, um die Reduktionsziele in puncto Armut und Hunger zu erreichen. Abgesehen davon, dass dies mit dem derzeitigen Konsum in den westlichen Ländern und dem steigenden Wachstumshunger in den Schwellenländern wie China oder Indien kaum zu bewältigen ist, ist es durchaus sinnvoll, Entwicklungsländer im Aufbau eines nachhaltigen Agrarsektors zu unterstützen, um die Nahrungsmittelversorgung und die Erwerbstätigkeit der einheimischen Bevölkerung zu sichern. Fakt ist, dass es aktuell keinen wirklich nachhaltigen, empfehlenswerten Agrarfonds gibt, da es derzeit zu wenige Firmen gibt, die diesem Anspruch gerecht werden können. Allerdings gibt es Projekte, initiiert von Alternativbanken, welche z. B. kleinbäuerliche Kooperativen oder faire Modelle wie Managementverträge unterstützen. Ein ökologischer Landbau und die Anwendung von sozialen Kriterien nach Fair-Trade Vorgaben werden bei solchen Projekten vorangetrieben. Ein positives Beispiel dafür ist die SEKEM-Gruppe in Ägypten, an der seit 2007 auch die GLS und die Triodos-Bank beteiligt sind.

 

Ebenso wichtig sind Investitionen in eine nachhaltige Wasserversorgung der Landwirtschaft. Das indische Unternehmen Jain Irrigation zum Beispiel ist einer der führenden Hersteller für Bewässerungssystemen, im Speziellen für Tröpfchen- und Mikrobewässerungssysteme für die Landwirtschaft. Diese sind besonders wasser- und energiesparend und somit können bis zu 50 % des herkömmlichen Wasserverbrauchs eingespart werden. Wird diese Bewässerungstechnik eingesetzt, kann dementsprechend Dünger eingespart werden, was sich nicht nur finanziell positiv auswirkt, sondern auch den Boden weniger belastet. Gerade in Regionen, welche jetzt schon unter Wassermangel  leiden und die sich im Zuge des Klimawandels noch größeren Herausforderungen ausgesetzt sehen, können solche Bewässerungssysteme eine Basis für eine Zukunftssicherung darstellen.

 

Soziale und ökologische Verträglichkeit vor Rendite

 

Wir sind der Auffassung, dass Investitionen für einen landwirtschaftlichen Strukturwandel in Entwicklungs- und Schwellenländern dringend notwendig sind. Diese dürfen sich allerdings nicht an reinen Profiterwartungen orientieren, sondern müssen sich den örtlichen Gegebenheiten der Landwirtschaft und der Bevölkerung orientieren. Auch mittelfristig führen hohe Renditeerwartungen von Investoren dazu, dass eine Entwicklung in Richtung einer ökologischen und sozial verträglichen Landwirtschaft kaum möglich sein wird. Ein wichtiger Punkt, um diesen Prozeß zu unterstützen ist mit Sicherheit auch die Bildung der Einheimischen. Bildung und Wissen verschafft die Möglichkeit zu einer unabhängigen Meinungsbildung und Selbstbewusstsein. Dies sind Eigenschaften, welche für die Bevölkerung in Entwicklungsländern von unschätzbarem Wert sein können, wenn es darum geht, ihre Rechte gegenüber skrupellosen Großinvestoren zu verteidigen. Wenn wir Ihnen also keinen Agrarfonds mit gutem Gewissen empfehlen können, so sind doch Mikrofinanzkredite eine gute Möglichkeit, den Strukturwandel dort, wo er dringend benötigt wird voranzutreiben.

 

 

 

 

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:”Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.”