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Nachhaltige Branchen 4 – Süßwarenindustrie

Dienstag, 02. Mai 2017

Serie nachhaltige Branchen: EnergiewirtschaftPharmaAutomobilSüßwarenLebensmittelBanken / Finanzdienstleister

 

Zusammenfassung: Das Thema Nachhaltigkeit ist bei den Süßwarenproduzenten angekommen. Berichte über Kinderarbeit auf Kakaoplantagen und die massenhafte Verwendung von Palmöl haben viele Verbraucher sensibilisiert. Der Verband der Süßwarenindustrie (BDSI) setzt durchaus ambitionierte Ziele. Einige Unternehmen sind bereits aktiv und gehen Nachhaltigkeitskonzepte engagiert an.

 

 

Süßes macht glücklich – im besten Fall Produzenten und Konsumenten.

Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Süßwarenindustrie angekommen. Einer der wichtigen Aspekte ist dabei die nachhaltige Gewinnung der Rohstoffe, allen voran Zucker und Kakao. Bio- und Fairtrade-Produkte boomen und bringen neue Impulse in die Branche. Einige Unternehmen betreiben bereits ein gutes Nachhaltigkeitsmanagement. Treiber der Nachhaltigkeitsstrategien sind aber auch viele Konsumenten, die durch Berichte über Kinderarbeit auf Kakaoplantagen und den klima- und umweltschädlichen Anbau von Palmöl neue Qualitätsansprüche an die Produkte stellen.

 

 

Vom Luxusartikel zum Massenprodukt

Süßigkeiten waren lange Zeit Luxusartikel, die nur selten verzehrt wurden. Die Lust auf Süßes wurde am ehesten durch süßes Obst gestillt. Honig war als frühes Süßungsmittel bekannt, begehrt und teuer. Ebenso wertvoll waren Kakao und Rohrzucker, die durch den Kolonialhandel nach Europa kamen.

 

Zuckerpreis sinkt im 19. Jahrhundert.

Süßigkeiten waren entsprechend Luxusartikel, die nur vom Adel und reichen Kaufmannsleuten konsumiert wurden. Zuckerrüben waren zwar schon lange bekannt, galten aber gemeinhin als Tierfutter. Erst im 18. Jahrhundert entdeckte ein Berliner Apotheker die heimische Zuckerquelle. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand die weltweit erste Rübenzuckerfabrik in Schlesien. Durch Neuzüchtungen konnte der Zuckergehalt der Rüben erhöht werden. Zucker wurde billiger und konnte als Massenkonservierungsmittel eingesetzt werden. In der Folge florierten Konfitüren und Marmeladen. Ab 1850 begann der Zuckerpreis durch die industrielle Herstellung zu fallen und Zucker zog als alltägliches Nahrungsmittel in die Haushalte ein. Diese Entwicklung hält bis heute an. Zucker zählt heute zu den preisgünstigen Lebensmitteln, der hohe Verbrauch wird hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen mittlerweile eher kritisch gesehen.

 

Dennoch haben Süßigkeiten einen festen Platz in unserer Esskultur gefunden, denn auch Zucker-Puristen akzeptieren Süßwaren – mindestens zu speziellen Anlässen – und kritisieren eher den versteckten Zucker.

 

Im Durchschnitt werden in Deutschland täglich rund 50 Gramm Süßigkeiten gegessen. Das entspricht ungefähr einer halben Tafel Schokolade oder einer Viertel Tüte Fruchtgummi. Männer sind statistisch gesehen etwas naschhafter als Frauen. Obwohl Süßwaren extrem günstig in Supermärkten angeboten werden, ist der mengenmäßige Konsum relativ stabil. Der Anteil der Süßwaren, inklusive Eis und Kuchen liegt bei weniger als 5 Prozent gemessen an allen verzehrten Lebensmitteln.

 

 

Stabile Süßwarenindustrie

Süßigkeiten für täglich rund 30 Cent.

Jeder Deutsche gibt im Durchschnitt etwa 109 Euro jährlich für Süßigkeiten, Knabberartikel und Speiseeis aus. Insgesamt setzten die Süßwarenhersteller 2010 und 13,5 Milliarden Euro um. Die deutsche Süßwarenindustrie ist damit die viertgrößte Branche innerhalb der Nahrungsmittelhersteller.

 

Während Umsätze und durchschnittlicher Verbrauch seit einigen Jahren relativ konstant bleiben, verändert sich das Süßwarenangebot durchaus. Die Branche spiegelt generell die gesellschaftlichen Konsumgewohnheiten wider. Zum einen die Nachfrage nach sehr billigen Produkten, zum anderen ein steigendes Interesse an hochpreisigen Süßwaren wie dunklen Schokoladen und Produkten aus Manufakturen.

 

 

… kleine Manufakturen

Gerade bei den Konsumenten im Luxussegment, werden Süßigkeiten als Kulturgut wahrgenommen. Entsprechend verzeichnen auch Nischenanbieter, wie Bonbon-Manufakturen und handwerkliche Confiserie eine stabile Nachfrage. Wie sehr Süßigkeiten zu unserem Leben gehören, belegen auch kulturelle Einrichtungen, wie das Berliner Zuckermuseum oder das Kölner Schokoladenmuseum.

 

 

… und Branchenriesen

Mehrere deutsche Hersteller unter den TopTen der internationalen Süßwarenproduzenten.

Mit einem geschätzten Jahresumsatz von 10,3 Milliarden Euro gilt das italienische Unternehmen Ferrero als Nummer eins im Markt der reinen Süßwarenproduzent, gefolgt von der Süßwarensparte des US-amerikanische Herstellers Mars Incorporated. Platz drei im internationalen Ranking nimmt bereits ein deutsches Unternehmen ein, die westfälische August Storck KG, die durch die Produktion von Handelsmarken für Discounter einen hohen Marktanteil erreicht.

 

Ebenso in der Top Ten vertreten sind die Süßwaren-Bereiche der internationalen Lebensmittelkonzerne Kraft Foods/Mondelez (USA) und Nestlé (Schweiz). Von den reinen Süßwaren-Anbietern können sich außerdem der Bonner Gummibärchen-Produzent Haribo und die Aachener Lambertz-Gruppe im Markt behaupten. Darüber hinaus spielt auch der reine Schokoladenanbieter Lindt & Sprüngli aus der Schweiz im internationalen Markt eine Führungsrolle.

 

 

Nachhaltigkeit auf der Agenda der Süßwarenindustrie

Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) hat sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben. Der Verband vertritt die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitgliedsunternehmen. Diese bestehen sowohl aus mittelständischen Süßwarenproduzenten als auch aus Vertretern der deutschen Niederlassungen internationaler Anbieter.

 

Im Mittelpunkt der Nachhaltigkeitsbestrebungen stehen dabei die Lebensmittelrohstoffe und die nachhaltige Produktion. Dabei gilt es, soziale, ökologische und wirtschaftliche Gesichtspunkte miteinander zu harmonisieren.

 

Ein relevanter Faktor ist es dabei, Umwelt- und Sozialstandards für die Zulieferer festzulegen und vor allem Kinderarbeit strikt auszuschließen. Außerdem liegt ein Schwerpunkt der gemeinsamen Verbandsarbeit in der Nutzung von nachhaltig produziertem Kakao.

 

 

Kinderarbeit ausschließen

Fair gehandelte Rohstoffe – Teil einer Nachhaltigkeitsstrategie.

Kinderarbeit ist das Top-Thema in Sachen Nachhaltigkeit für die Süßwarenindustrie, denn zwei wichtige Rohstoffe sind besonders in die öffentliche Kritik geraten: Kakao und Haselnüsse.

 

Kakao wird in erster Linie in Entwicklungsländern angebaut. Hier wirken die Folgen jahrhundertelanger kolonialer Ausbeutung noch bis heute nach. Rund 14 Millionen Menschen arbeiten in Westafrika und Südamerika in der Kakaoproduktion. Kinderarbeit ist dabei vor allem in den afrikanischen Staaten noch eine gängige Praxis, denn viele Familien sind auf die zusätzliche Einnahmequelle angewiesen. Darüber hinaus gehen Experten davon aus, dass mehr als 200.000 Kinder als Sklaven auf den Kakaoplantagen arbeiten müssen. Die Kinder wurden meist aus den Nachbarstaaten entführt und verschleppt.

 

Rund 70 Prozent des Kakaos kommt aus den westafrikanischen Staaten Elfenbeinküste und Ghana. Deutschland ist eines der wichtigsten Importeure von Kakao, gut zehn Prozent der weltweiten Kakaoernte wird hier verarbeitet. Aufgrund dieser exponierten wirtschaftlichen Stellung ist eine konsequente Kontrolle der Zulieferer und eine Überwachung der Standards eine wichtiger Teil einer ernst gemeinten Nachhaltigkeitsstrategie.

 

Während die Kakao-Problematik durch vielfältige Berichte und Dokumentationen zunehmend ins Zentrum des öffentlichen Interesses rückt, steht noch ein weiterer Rohstoff in der Kritik: Haselnüsse. Hier ist die Türkei ein Hauptproduzent.

 

Gemeinsam mit der europäischen Interessensvertretung der Süßwarenproduzenten Caobisco versucht der BDSI gegen die Kinderarbeit in der türkischen Landwirtschaft, besonders in den Haselnussgärten, vorzugehen. Da sich die Durchsetzung eines Verbotes der Kinderarbeit in der Praxis als schwierig erwiesen hat, haben die Verbände konkrete Programme entwickelt und vor Ort umgesetzt. So werden direkt in den Camps der Wanderarbeiter soziale Projekte umgesetzt, um Kindern einen Ausweg aus der missbräuchlichen Arbeitssituation zu bieten.

 

Arbeitssicherheit und fairer Lohn für alle

Ein wichtiger Punkt in der Nachhaltigkeitsstrategie der Süßwarenhersteller ist klar die Ausschließung von Kinderarbeit. Aber auch die erwachsenen Mitarbeiter vor Ort haben ein Recht auf eine faire Entlohnung und wirkungsvolle Maßnahmen zur Arbeitssicherheit. In diesem Bereich haben viele Unternehmen noch keine Lösungen, wie die gesamte Lieferkette transparent nachvollzogen und die Überwachung von Standards bei Lieferanten verlässlich abgebildet werden kann. Einige Hersteller initiieren jedoch bereits Projekte in den Herstellungsländern und versuchen die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter und ihrer Familien langfristig zu verbessern.

 

Vielfach setzt sich das Fairtrade-Siegel, als Qualitätsstandard durch und gewinnt das Vertrauen der Verbraucher.

 

 

Nachhaltiger Anbau der Rohstoffe

Nachhaltiger Anbau der Rohstoffe ist ein Feld, in dem sich der Verband der Süßwarenindustrie zunehmend engagiert. Dabei steht in erster Linie die Kakaoerzeugung im Mittelpunkt des Handelns. Der Verband hat in einer Nachhaltigkeitserklärung 2012 seinen Mitgliedern empfohlen, den Anteil von nachhaltig erzeugtem Kakao in den Produkten signifikant zu erhöhen und Lieferketten nachvollziehbar zu machen.

 

Außerdem fordert der BDSI den Einsatz von nachhaltig zertifiziertem Palmöl. Ein wichtiges Anliegen, denn gerade der massenhafte Einsatz des Palmöls verursacht durch Brandrodungen der Regenwälder und dem massenhaften Anbau der Ölpalmen in Monokulturen enorme Schäden an Klima und Umwelt.

 

 

Nachhaltigkeit als Shareholder Value

Mittelständische Unternehmen im privatem Besitz, haben es vergleichsweise einfach, Nachhaltigkeitskonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Schwieriger ist es bei Unternehmen, die dem Shareholder Value verpflichtet sind. Sie müssen besonders unter Beweis stellen, dass eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie nicht auf Kosten der Anleger geht.

 

Das Fachmagazin ECOreporter hat mehrere Süßwarenproduzenten unter die Lupe genommen und bescheinigt dabei dem Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli gute Ergebnisse in Sachen Nachhaltigkeit. Dabei konnten sich die Anleger im letzten Jahr zum 13. Mal in Folge über eine steigende Dividende freuen. Das Traditionsunternehmen verfolgt ambitionierte Ethik- und Nachhaltigkeitsziele, die alle Rohstofflieferanten vom Kakaobauern über den Milchlieferanten bis zum Vanillepflückern umfassen. Allerdings unterzieht sich Lindt & Sprüngli keiner externen Zertifizierung.

 

Auch US-Produzent Hershey Company fährt gut mit seinem Nachhaltigkeitskonzept. Die Aktie des Unternehmens ist im Aktienindex Standard & Poor’s 500 gelistet und entwickelt sich positiv. Das Unternehmen wird größtenteils durch eine karitative Stiftung kontrolliert. Hershey’s hat bereits 2005 mit einigen anderen großen Schokoladenproduzenten das Kakaoprotokoll, das sogenannte Harkin-Engel-Protokoll, unterzeichnet, das von den gleichnamigen amerikanischen Senatoren sowie acht Schokoladenherstellern und Menschenrechtsorganisationen ausgearbeitet wurde. Inhalt ist eine Selbstverpflichtung der Unterzeichner gegen ausbeuterische Kinderarbeit sowie eine interne Zertifizierung. Hershey’s hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 nur noch mit zertifiziertem und nachhaltig angebauten Kakao zu produzieren und seine Treibhausgasemissionen bis 2025 zu halbieren. Darüber hinaus will das Unternehmen nur Palmöl aus nachhaltigem Anbau nutzen und die Herkunft bis 2020 vollständig transparent machen. Rund ein Drittel des von Hershey’s verwendeten Kakaos verfügt aktuell bereits über eine Zertifizierung von Fair Trade, Rainforest Alliance und UTZ Certified.

 

 

Süße Investments ohne bitteren Nachgeschmack

Investieren ohne bitteren Nachgeschmack!

Auch wenn viele Nachhaltigkeitsbestrebungen in der Süßwarenindustrie noch nicht konsequent umgesetzt werden, befindet sich die Branche auf einem guten Weg. Befördert wird die Entwicklung durch ein generell gestiegenes Interesse an Bio- und Fairtrade-Produkten und der Popularität einzelner Produkte, wie der Guten Schokolade, die als erfolgreichster Produktlaunch im Fairtrade-Segment gilt.

 

Im Nachhaltigkeitsbereich gibt es mit Forest Finance einen Anbietern, der Anlegern direkt die Investion in Kakao anbietet. Mit dem KakaoWald sollen faire Erntebedingungen und gerechte Löhne sichergestellt werden.

 

Während Qualitätssiegel und Zertifizierungen beim Einkauf von Süßigkeiten helfen können, ist es nicht immer einfach, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn es um Vermögensaufbau und Geldanlagen geht. Wer hier nachhaltig anlegen will, ist mit einem erfahrenen Experten an seiner Seite gut beraten. Grünes Geld, Spezialist für ethische und ökologische Geldanlagen hat mehr als 300 interessante Investments im Angebot. Ohne Kinderarbeit, Waffenhandel, Klimaschädigung und anderen zerstörerischen Bereichen. Machen Sie den Grünes Geld Test und finden sie Ihre persönliche und nachhaltige Anlagestrategie – ganz ohne bitteren Nachgeschmack.

 

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Portraitfoto Gerd Junker

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

Palmöl – Schmierige Geschäfte

Dienstag, 21. Februar 2017
Zusammenfassung: Palmöl ist heutzutage Bestandteil in unzähligen Lebensmitteln, Reinigungsmitteln und Kosmetika. Der weltweite Bedarf steigt rapide an. Für immer neue Palmöl-Plantagen werden ökologisch wichtige Regenwälder zerstört. Damit ist nicht nur die Biodiversität in den Regionen bedroht, sondern auch das globale Klima. Abhilfe schaffen maßvoller Konsum, fairer Handel und Aufforstungsprogramme.

 

 

Palmöl ist in unzähligen Lebensmitteln und Kosmetika enthalten.

Öle waren von jeher wertvoll und begehrt. Vielfältige Pflanzenöle dienten bereits in der Antike der Zubereitung von Speisen, ätherische Öle wurden zu kosmetischen und medizinischen Zwecken eingesetzt. Bis ins letzte Jahrhundert hinein war Deutschland allerdings in Sachen Öl eher verhalten. In der traditionellen Küche triumphierten lange tierische Speisefette wie Butter und Schmalz über Olivenöl & Co.

 

Das hat sich mittlerweile drastisch geändert. Grund dafür ist aber nicht nur die Aufgeschlossenheit gegenüber pflanzlichen Lebensmitteln und die generelle Erweiterung des kulinarischen Horizonts. Vielmehr trägt die Globalisierung des Lebensmittelmarktes dazu bei, dass ein Öl mittlerweile in einer Vielzahl unserer Nahrungs- und Pflegemittel steckt: das Palmöl.

 

 

Palmöl – fast überall dabei

Palmöl ist weltweit das bedeutendste Pflanzenöl und hält einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent im pflanzlichen Ölgeschäft. Rund 56 Millionen Tonnen werden pro Jahr produziert. Experten gehen davon aus, dass sich die Nachfrage nach Palmöl in den kommenden dreißig Jahren verdreifachen wird. Um diese Mengen zu produzieren, müssten die weltweiten Anbaugebiete extrem ausgeweitet werden.

 

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Die Ölpalme zählt zu den effizientesten Ölpflanzen. Für ihren Ertrag benötigt die Pflanze beispielsweise nur ein Drittel der Anbaufläche gegenüber der Rapspflanze und nur ein Sechstel verglichen mit Soja. Durch den relativ geringeren Ressourcenverbrauch ist Palmöl billig zu produzieren. Zudem ist Palmöl aufgrund seiner Viskosität einfach zu verarbeiten und kommt mit unterschiedlichen Verarbeitungstemperaturen gut zurecht. Palmöl wird zu etwas 68 Prozent in der Nahrungsmittelindustrie verwendet. 27 Prozent werden zu Putz- und Reinigungsmitteln sowie zu Kosmetika verarbeitet, 5 Prozent werden in der Energiegewinnung, beispielsweise in der Herstellung von Agrotreibstoffen, verwendet.

 

 

Umwelt- und Verbraucherinitiativen gehen davon aus, dass aktuell in Deutschland quasi jedes zweite Produkt im Supermarkt Palmöl enthält. Backwaren, Fertigmüsli, Speisefette, Schokoaufstrich, Süßigkeiten, Fertiggerichte, Waschmittel, Make-up, Duschgel, Hautcreme – in unzähligen Produkten des täglichen Bedarfs ist Palmöl enthalten, teilweise muss Palmöl als Bestandteil nicht einmal besonders deklariert werde. Dabei sind nicht nur konventionelle Marken betroffen, Palmöl wird auch in Bio-Produkten eingesetzt.

 

 

Klimakiller Palmöl

Der größte Teil des Palmöls, stammt aus Malaysia (36 Prozent) und zu mehr als die Hälfte aus Indonesien (53 Prozent). Dort werden Ölpalmen auf riesigen Plantagen in Monokultur angebaut.

 

Die Anbauflächen sind zum größten Teil Urwaldgebiete, die für den Anbau der Ölpalmen gerodet und trockengelegt wurden. Dort finden die Palmen optimale Wachstumsbedingungen. Durch die weltweit steigende Nachfrage nach Palmöl besteht die Gefahr, dass in wenigen Jahrzehnten sämtliche geeigneten Urwälder abgeholzt werden und Ölpalmen-Plantagen weichen müssen.

 

Der so entstehende Torfboden entwickelt sich zur ökologischen Bedrohung, denn das vormals in den Urwäldern gespeichertes CO2 wird als klimaschädliches Treibhausgas in die Atmosphäre emittiert. Ölpalmen wachsen im wahrsten Sinn des Wortes auf verbrannter Erde. Denn abgesehen von der generellen Öko-Problematik kommt hinzu, dass die Urwälder auf den Inseln Sumatra und Borneo vielfach durch illegale Brandrodung abgeholzt werden und dabei unkontrollierte Waldbrände verursachen.

 

 

Gefahr für Mensch und Natur

Orang Utan auf Sumatra – sein Lebensraum ist extrem bedroht.

Dieser Raubbau an der Natur führt dazu, dass vielfältige Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. In Indonesien kämpfen beispielsweise Orang Utan und der Sumatra-Tiger ums Überleben. Laut Studien der Umweltorganisation Greenpeace sind die Regenwälder Südostasiens seit 2006 bereits um mehr als 15 Prozent geschrumpft. Dabei wird nicht nur der Lebensraum der Tiere zerstört, auch Urwaldvölker werden durch Rodungen und Brände enteignet und von ihrem Land vertrieben.

 

Die Vernichtung der Regenwälder in großen Teilen Indonesiens hat dazu geführt, dass sich das Land mittlerweile auf den unrühmlichen dritten Platz der weltweiten CO2-Produzenten manövriert, gleich hinter den USA und China. Allerdings gräbt sich das Land damit auch selbst die Lebensgrundlage ab, denn durch seinen großen Küstenanteil zählt Indonesien zu den Staaten, die durch die Erderwärmung besonders bedroht sind.

 

Die wirtschaftliche Nutzung der Regenwälder ist zu einem bedeutenden Entwicklungsfaktor geworden. Entsprechend führt der anhaltende Palmöl-Boom auch zum Aufbau von Plantagen in anderen Teilen der Welt. So entdecken auch immer mehr Länder West- und Zentralafrikas den lukrativen Palmöl-Anbau für sich. Auch hier fallen Urwälder dem Monokulturanbau zum Opfer. Gleichzeitig werden die Lebensräume von Gorillas, Schimpansen und Bonobos bedroht.

 

 

Weniger hilft viel

Palmöl zu entgehen, ist schwierig geworden. Auch im Bereich des ansonsten sinnvollen ökologischen Anbaus, ist in Sachen Palmöl Vorsicht angesagt, denn auch Bio-Palmöle stammen oftmals von brandgerodeten Plantagen. Das Bio-Siegel stellt lediglich sicher, dass keine gesundheitsschädlichen Pflanzengifte eingesetzt wurden. Ein nachhaltiger Ansatz sollte jedoch weiter reichen und in der Tat kann aktuell kein Konzern garantieren, dass das verwendete Palmöl aus umweltverträglicher Produktion stammt.

 

Während noch vor einem Jahrzehnt kritische Verbraucher auf den Ingredienzienlisten von Kosmetika nach unliebsamen Mineralölen suchten und in Lebensmitteln nach versteckten tierischen Fetten Ausschau hielten, gilt jetzt das Siegel „frei von Palmöl“ heute schnell als ökologisches Gütesiegel. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille, denn auf der anderen Seite wird Palmöl als effizient nachwachsender Rohstoff als Alternative zu tierischen Produkten gesehen und auch als mögliche Alternative zum immer knapper werdenden Erdöl.

 

Angesichts des Massenkonsums kann Palmöl allerdings kaum nachhaltig angebaut werden. Und auch mit anderen Rohstoffen ist es schwierig nachhaltig zu wirtschaften, wenn die weltweite Nachfrage ungebrochen steigt. Und das tut sie, denn der Anteil an stark verarbeiteten und industriell gefertigten Nahrungsmitteln steigt weiter an.

 

Umdenken ist also generell angesagt, denn weniger Konsum bedeutet mehr Nachhaltigkeit. Der exzessive Palmöl-Anbau stellt eine ökologische Bedrohung dar. Aber er ist auch nur ein Puzzleteil im globalen Raubbau an der Natur. Lösungswege können vielfältig sein. Dazu zählen auch die Rückbesinnung auf regionale und traditionell gefertigte Lebensmittel und ein bewusster und verantwortungsvoller Konsum.

 

 

Nachhaltig wirtschaften – Regenwälder erhalten

Nachhaltigkeit ist der Ausweg aus der globalen Klimakrise und aus dem umweltzerstörenden und menschenrechtsverletzenden Wirtschaften. Das Beispiel der Ölpalmen zeigt, dass Baum nicht gleich Baum ist: Denn Palmen in Monokultur leisten bei weitem nicht den gleichen Beitrag wie ein biodiverser Mischwald. Von der Zerstörung des Bodens sowie der Tier- und Pflanzenwelt ganz zu schweigen.

 

Wirtschaftliche Interessen leiten weltweite Entwicklungen. Hier gilt es den Hebel anzusetzen und Geld gezielt dort zu investieren, wo es wirklichen Nutzen bringt. In der nachhaltigen Aufforstung, in der Förderung selbstständiger Arbeit in Entwicklungsländern oder klimafreundlichen Projekten.

 

Grünes Geld, erfahrener Anbieter nachhaltiger Geldanlagen, bietet mit mehr als 300 ethischen und ökologischen Investments für jeden Anlegertyp die passende Geldanlage.

 

 

 

 

Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.

 

 

Ausverkauf im Ackerland?

Montag, 13. Januar 2014

Welche Ressource ist neben Wasser unabdingbar, um die Bedürfnisse einer wachsenden Weltbevölkerung zu sichern? Land – vorzugsweise fruchtbares Land! Doch dieses ist knapp und somit beginnt ein Wettrennen um profitable Agrarflächen. Denn die Bevölkerungszahl und somit die Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln wächst kontinuierlich und damit auch die Aussicht auf Profit. Auch private Anleger können sich an Investitionen im Agrarsektor beteiligen. Doch können solche Anlagen ethisch und ökologisch vertretbar sein? Die Studie „Agrarland in Entwicklungs- und Schwellenländern als neues Anlageprodukt“ von Südwind nimmt dieses Thema genauer unter die Lupe.

 

Direkte oder indirekte Investition?

 

Zunächst muss man sich ansehen, auf welche Art und Weise private Investoren an solchen Anlagen beteiligt werden können. Das kann zum einen indirekt und in den meisten Fällen relativ intransparent sein. Denn die Banken arbeiten mit unserem Geld, welches wir ihnen zur Verfügung stellen. Dieses wird unter anderem in Form von Krediten oder auch in Form von Beteiligungen z. B. über Aktien an Firmen weitergegeben. In der Regel hat der Kunde keinen Einfluss darauf, wie die Bank mit seinem Geld arbeitet und nur selten wird über die konkreten Investitionen transparent Auskunft erteilt. Nur einige wenige Umwelt- oder Ethikbanken geben dem Kunden hier ein Mitspracherecht, in welchem Bereich sein Geld eingesetzt werden darf.

Weiterhin gibt es inzwischen auch einige Wertpapierfonds im Agrarsektor. Hier veröffentlichen die Investmentgesellschaften halbjährlich umfangreiche Berichte  über die im Fonds enthaltenen Wertpapiere. Somit kann der Anleger klar erkennen, in welche Unternehmen der Fonds investiert.

 

Wertvolles Ackerland

Mit Zunahme der Weltbevölkerung steigt auch der Bedarf an wertvollen Agrarflächen.

 

Chancen und Risiken

 

Über private und institutionelle Anleger fließen Milliarden in die Landwirtschaft von Entwicklungsländern. Grundsätzlich ist das zu begrüßen, da hier Verbesserungen im Agrarsektor oft dringend notwendig sind. Allerdings wird meist der Schwerpunkt auf hohe Erträge nach Vorbild der Intensivlandwirtschaft auf der Nordhalbkugel gelegt und die Bedürfnisse und Interessen der Länder, im Besonderen der Landbevölkerung werden viel zu wenig berücksichtigt. Landgrabbing stellt vor allem in afrikanischen Ländern die Einwohner vor große Probleme. Formal hat meist der Staat die Rechte am Land. Praktisch wird dieses aber meist ohne jegliche Verträge von Kleinbauern verwaltet, bewirtschaftet (meist von Bäuerinnen) und bewohnt und stellt so deren Existenzgrundlage dar. Wird dieses Land jetzt vom Staat an Investoren verkauft oder verpachtet, wird die dort ansässige Bevölkerung vertrieben und deren Einkommensgrundlagen vernichtet. Entstehende Arbeitsplätze reichen aufgrund der industriellen Intensivwirtschaft der meist in Monokultur entstehenden Plantagen nicht aus, um die landlos gewordenen Bauern und Bäuerinnen zu beschäftigen. Und gerade Frauen werden auf den Farmen weniger angestellt als Männer. Eine Möglichkeit zur Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft besteht meist nicht und so werden vor allem Frauen in extreme Armut gedrängt. Ein weiteres Problem ist, dass meist nur für den Export angebaut wird und somit die lokale Ernährungssicherung gefährdet wird.

 

Auch die negativen, ökologischen Auswirkungen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Nicht oder kaum genutztes Land wird nach der Übernahme durch Investoren intensiv genutzt, was zu einem wesentlich höheren Wasserverbrauch führt. Die Böden werden zudem durch massiven Einsatz von Dünger und Pestiziden ausgelaugt und belastet. Auf lange Sicht zerstört dies die Fruchtbarkeit des Landes und die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf das lokal betroffene Gebiet. Wasserentnahme aus Flüssen oder Seen zur intensiven Bewässerung der Felder kann die Wasserversorgung von entfernteren Gemeinden negativ beeinflussen. Das benötigte Wasser wird knapp und durch die Rückführung von durch Agrochemikalien belastetem Abwasser stark verunreinigt bis unbrauchbar.

 

Plantagen in Monokultur für zum Beispiel Palmöl vernichten besonders sensible Ökosysteme wie den Regenwald. Dreiviertel des produzierten Palmöls kommen aus Indonesien oder Malaysia. Dafür werden bislang unberührte Regenwälder zerstört und ganze Arten wie zum Beispiel der Orang Utan in ihrer Existenz bedroht. Doch auch Südamerika rückt zunehmend in den Fokus von Palmöl-produzierenden Firmen. Zudem wird durch die Rodung der Urwälder extrem viel CO2 freigesetzt, welches durch den Anbau der neuen Plantagen nicht wieder ausgeglichen werden kann. Besonders in der Kritik steht hier der Konzern Wilmar, seines Zeichens weltweit führender Hersteller und Händler von Palmöl. Obwohl Mitglied des RSPO und somit als nachhaltiger Palmöllieferant zertifiziert, prangern Umweltorganisationen immer wieder die Arbeitsweise des Konzernes an. Illegale Brandrodungen und Überfälle auf die indigene Bevölkerung, um diese aus ihrem Lebensraum zu vertreiben gehören demnach zum Alltag von Wilmar.

 

Durch Brandrodung ist der Orang Utan vom Aussterben bedroht.

Palmölplantagen in Monokultur zerstören den Lebensraum zahlreicher Arten, wie z. B. den des Orang Utans. (Bildquelle: regenwald.org / Fausto Dembinki, pixelio.de)

 

Es gibt aber auch positive Beispiele. Denn die Thematik der wachsenden Weltbevölkerung führt durchaus dazu, dass es einen immensen Bedarf an Investitionen im Agrarsektor gibt. Sollen bis 2050 weltweit die erwarteten 9 Mrd. Menschen ernährt werden können, wird bis zu diesem Zeitpunkt 70 % mehr landwirtschaftliche Produktion nötig sein. Dies bedeutet jährlich zusätzliche 83 Mrd. US-Dollar an Investitionen, um die Reduktionsziele in puncto Armut und Hunger zu erreichen. Abgesehen davon, dass dies mit dem derzeitigen Konsum in den westlichen Ländern und dem steigenden Wachstumshunger in den Schwellenländern wie China oder Indien kaum zu bewältigen ist, ist es durchaus sinnvoll, Entwicklungsländer im Aufbau eines nachhaltigen Agrarsektors zu unterstützen, um die Nahrungsmittelversorgung und die Erwerbstätigkeit der einheimischen Bevölkerung zu sichern. Fakt ist, dass es aktuell keinen wirklich nachhaltigen, empfehlenswerten Agrarfonds gibt, da es derzeit zu wenige Firmen gibt, die diesem Anspruch gerecht werden können. Allerdings gibt es Projekte, initiiert von Alternativbanken, welche z. B. kleinbäuerliche Kooperativen oder faire Modelle wie Managementverträge unterstützen. Ein ökologischer Landbau und die Anwendung von sozialen Kriterien nach Fair-Trade Vorgaben werden bei solchen Projekten vorangetrieben. Ein positives Beispiel dafür ist die SEKEM-Gruppe in Ägypten, an der seit 2007 auch die GLS und die Triodos-Bank beteiligt sind.

 

Ebenso wichtig sind Investitionen in eine nachhaltige Wasserversorgung der Landwirtschaft. Das indische Unternehmen Jain Irrigation zum Beispiel ist einer der führenden Hersteller für Bewässerungssystemen, im Speziellen für Tröpfchen- und Mikrobewässerungssysteme für die Landwirtschaft. Diese sind besonders wasser- und energiesparend und somit können bis zu 50 % des herkömmlichen Wasserverbrauchs eingespart werden. Wird diese Bewässerungstechnik eingesetzt, kann dementsprechend Dünger eingespart werden, was sich nicht nur finanziell positiv auswirkt, sondern auch den Boden weniger belastet. Gerade in Regionen, welche jetzt schon unter Wassermangel  leiden und die sich im Zuge des Klimawandels noch größeren Herausforderungen ausgesetzt sehen, können solche Bewässerungssysteme eine Basis für eine Zukunftssicherung darstellen.

 

Soziale und ökologische Verträglichkeit vor Rendite

 

Wir sind der Auffassung, dass Investitionen für einen landwirtschaftlichen Strukturwandel in Entwicklungs- und Schwellenländern dringend notwendig sind. Diese dürfen sich allerdings nicht an reinen Profiterwartungen orientieren, sondern müssen sich den örtlichen Gegebenheiten der Landwirtschaft und der Bevölkerung orientieren. Auch mittelfristig führen hohe Renditeerwartungen von Investoren dazu, dass eine Entwicklung in Richtung einer ökologischen und sozial verträglichen Landwirtschaft kaum möglich sein wird. Ein wichtiger Punkt, um diesen Prozeß zu unterstützen ist mit Sicherheit auch die Bildung der Einheimischen. Bildung und Wissen verschafft die Möglichkeit zu einer unabhängigen Meinungsbildung und Selbstbewusstsein. Dies sind Eigenschaften, welche für die Bevölkerung in Entwicklungsländern von unschätzbarem Wert sein können, wenn es darum geht, ihre Rechte gegenüber skrupellosen Großinvestoren zu verteidigen. Wenn wir Ihnen also keinen Agrarfonds mit gutem Gewissen empfehlen können, so sind doch Mikrofinanzkredite eine gute Möglichkeit, den Strukturwandel dort, wo er dringend benötigt wird voranzutreiben.

 

 

 

 

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Messina-Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Messina-Hamann:”Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.”