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Auf Sand gebaut – das absehbare Ende einer Ressource?

Dienstag, 29. April 2014

Wasser, Öl, Gas, Kohle und seltene Erden – das sind Ressourcen, von denen wir inzwischen wissen, dass wir sorgsam damit umgehen müssen und ,dass sie nur endlich vorhanden sind. Aber es gibt eine Ressource, die uns ständig begegnet aber deren Raubbau und die entsprechenden Folgen davon uns noch nicht wirklich bewusst sind: Sand! Sand scheint in schier unglaublichen Mengen vorhanden zu sein. Schließlich besteht mehr als ein Drittel der Landmasse unserer Erde aus Wüsten und Halbwüsten – da müsste doch mehr als genug Sand zur Verfügung stehen. Oder doch nicht?

 

Sand begegnet uns überall. Oft dort, wo wir ihn auf den ersten Blick nicht vermuten:

 

– in Lebensmitteln als Siliciumdioxid (E551)

– in Kosmetika z. B. bei Peelings

– in Putzmitteln

– in Elektroartikeln wie z. B. Computer und Handys

– in Glas

 

Den größten Posten im Sandverbrauch kann allerdings die Baubranche für sich verbuchen. Rund zwei Drittel aller Gebäude weltweit werden aus Beton gebaut. Dieser besteht wiederum zu zwei Dritteln aus Sand. Weltweit werden jedes Jahr 15 Milliarden Tonnen Sand der Natur entnommen. Statistisch gesehen verbraucht jeder westliche Bürger pro Tag 20 kg dieser Ressource. Die Vorräte an Land sind so gut wie erschöpft und somit beginnt der Raubbau im Meer – mit katastrophalen Auswirkungen für Mensch und Umwelt. Importieren müssen den Rohstoff ironischerweise vor allem Wüstenstaaten wie Dubai, da der Wüstensand zu rund und somit nicht für die Verarbeitung in der Betonindustrie geeignet ist. Neben all den glitzernden und sich gegenseitig überragenden Neubauten in Dubai spielt auch die Landgewinnung ein großes Problem. Immobilienspekulationen treiben Grundstückspreise in schwindelerregende Höhen – was liegt da näher, als zusätzliches Land zu gewinnen? Das Projekt „Palm Islands“ hat im „Rohbau“ ca. 1,5 Milliarden US-Dollar und etwa 150.000.000 Tonnen Sand verschlungen. Das Projekt „The World“ mit rund 300 Inseln sogar rund 14 Milliarden US-Dollar und etwa 500.000.000 Tonnen Sand! Dieses ist allerdings seit der Wirtschaftskrise 2008 auf Eis gelegt und die Inseln verschwinden zunehmend wieder im Meer.

 

Bei Sand denken Viele zunächst an Urlaub und idyllische Strände - aber Sand ist einer unser wichtigsten Rohstoffe (Bildquelle v. l. n. r.: Katharina Wieland-Müller/Gila Hannsen/Sandra Krumme / alle pixelio.de)

Bei Sand denken Viele zunächst an Urlaub und idyllische Strände – aber Sand ist einer unserer wichtigsten Rohstoffe (Bildquelle v. l. n. r.: Katharina Wieland-Müller/Gila Hannsen/Sandra Krumme / alle pixelio.de)

 

Woher kommt all dieser Sand? Zunächst wurden vermehrt Flussbetten ausgebaggert. Dies hat allerdings verstärkt zu massiven Überschwemmungen geführt und somit ist  die Sandindustrie auf die Meere ausgewichen. Mehrere tausend Schiffe durchkämmen inzwischen die Meere und bergen mit riesigen Schläuchen die kostbare Ressource. Dabei wird alles, was am Boden lebt, zerstört. Korallenriffe werden zerschmettert, Fische getötet und somit ganze Ökosysteme zerstört, da ein Teil der Nahrungskette quasi komplett entnommen wird. Aber auch Menschen sind betroffen. Wo der Sand aus dem Meer geholt wird, bilden sich Lücken welche mit der Zeit durch Strömungen wieder aufgefüllt werden und somit der Sand von den Küsten nachrutscht. Wo der Sandraubbau besonders heftig ist, sind inzwischen ganze Inseln betroffen. Besonders in Indonesien und auf den Malediven mussten Einwohner schon mit ansehen, wie ihre Heimat im Meer versinkt. Auch in Amerika verschwinden ganze Strände, die jedes Jahr neu aufgeschüttet werden müssen. Der Klimawandel und der steigende Meeresspiegel leisten zusätzlich ihren Anteil.

 

Das starke Wachstum in Schwellenländern und unser kaum zu bremsende Konsumhunger stellen uns vor ungeahnte Herausforderungen. Wie auch beim Öl gibt es durchaus Möglichkeiten, Sand nachhaltiger zu verbrauchen. Recycling von Beton und Glas sind nur ein Punkt. Allerdings ist die Ressource dafür noch zu billig, die Lobby zu mächtig und das Bewusstsein beim Verbaucher noch zu gering. Die Schätze der Natur sind endlich und wir müssen einen verantwortungsvollen Umgang damit erlernen, unsere Ressourchen schonen, Energie sparen und die Entwicklung nachhaltiger Technologien fördern.

 

Was kann der Einzelne tun, um an diesem Thema etwas zu verbessern? Natürlich ist der individuelle Sand-Verbrauch eines Deutschen gering, so dass Sparsamkeit hier wenig hilft. Aber Sie können mit Ihrer Geldanlage darauf achten, dass Sie nur Unternehmen unterstützen, die nachhaltig mit den Ressourcen unserer Welt umgehen. Sinnvoll zusammengestellte, ethisch-ökologische Musterdepots finden Sie an dieser Stelle:

 

 

Weitere Informationen zu ethischen Musterdepots

 

 

 

 

Verfasser des Beitrages

Jasmin Hamann unterstützt die Grünes Geld GmbH als Berater-Assistentin. Jasmin Hamann:”Ich freue mich, dass ich – neben meinem persönlichen Engagement (z. B. bei Greenpeace) – beruflich meinen Teil dazu beitragen kann, dass Nachhaltigkeit auch in der Finanzbranche kein Fremdwort mehr ist. Die Macht des eingesetzten Kapitals kann die Welt zum positiven verändern.”