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Nachhaltige Staaten – Volksrepublik China

Freitag, 24. März 2017
Zusammenfassung: China, das Land der Mitte, ist ein Land der Extreme: Auf der einen Seite ein gewaltiger CO2-Ausstoß, auf der anderen Seite enorme Anstrengungen beim Ausbau Erneuerbarer Energien. Hochtechnisierte Industrienation mit ständig wachsenden Mega-Städten, gleichzeitig eine zunehmend vernachlässigte Landbevölkerung. Hohe Standards in der Bildung, niedrige in Sachen Menschenrechte. Bei der Bewertung der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele nimmt China Rang 76 ein. Es bleibt abzuwarten, wie das Land seine Position weiter ausbaut.

 

 

Das traditionelle China-Bild …

Klimakrise, Naturzerstörung, Bevölkerungswachstum, ein immer tiefer werdender Graben zwischen Arm und Reich, Kriege um Rohstoffe, extreme Unterschiede, wenn es um Fragen von Demokratie, Gleichberechtigung und Bildung gibt. Die weltweiten Konflikte sind vielfältig und komplex.

 

Dennoch haben sich immerhin 193 Staaten in den Vereinten Nationen zusammengeschlossen und 2015 gemeinsam insgesamt 17 Ziele , detaillierter aufgeschlüsselt in insgesamt 169 konkrete Zielvorgaben, beschlossen, um eine globale nachhaltige Entwicklung voranzubringen. Alle Staaten sind dabei aufgefordert, bis 2030 geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um ein stabiles, sozial- und ökologisch verträgliches Wirtschafts- und Sozialsystem in ihrem Land sicher zu stellen. Ein wichtiges gemeinsames Anliegen ist es, die fortschreitende Erderwärmung wirksam zu stoppen. Konkretes Ziel ist es, die ansteigende Durchschnittstemperatur auf der Erde nicht höher als 2 Grad Celsius, verglichen mit dem vorindustriellen Zeitalter, ansteigen zu lassen.

 

Wie weit die einzelnen Staaten bei der Erreichung der Ziele bereits gekommen sind, soll regelmäßig evaluiert und im SDG-Index (Sustainable Development Goals) veröffentlicht werden. Dabei haben im ersten Jahr besonders die Länder Nordeuropas gut abgeschnitten. Dennoch sind auch die Nachhaltigkeits-Vorreiter noch von einem optimalen Wert entfernt. Die besondere Hürde ist hier, wie das hohe Konsumniveau nachhaltiger gestaltet werden kann. Am unteren Ende der Tabelle finden sich die ärmsten Länder der Erde wieder. Hier müssen in erster Linie Hunger, Wassermangel und wirtschaftliche Armut bekämpft werden. 

 

In unserer Serie haben wir bislang die Spitzenreiter aus Skandinavien, den deutschsprachigen Wirtschaftsraum, die USA sowie die MENA-Staaten vorgestellt. Mit einem Blick in das Reich der Mitte, nach China, beenden wir die Serie zu nachhaltigen Staaten.

 

 

China – das große Land der großen Gegensätze

… das moderne China – wachsende Millionen-Städte.

China, offiziell die Volksrepublik China, nimmt in der Rangliste der nachhaltigsten Staaten Platz 76 ein. Mit 1,37 Milliarden Einwohnern ist China das bevölkerungsreichste Land der Erde. Flächenmäßig nimmt China den vierten Platz hinter Russland, Kanada und den USA ein. Entsprechend seiner Ausdehnung und den daraus resultierenden unterschiedlichen topographischen Unterschieden, ist China ein Land der Extreme: Auf der einen Seite stehen 15 Metropolregionen, in denen jeweils mehr als 10 Millionen Menschen leben und die rasant weiter wachsen, zuletzt rund 2 Prozent pro Jahr. Auf der anderen Seite existieren sehr dünn besiedelte Gebiete, wie etwa die Innere Mongolei, wo noch ein sehr traditioneller Lebensstil gepflegt wird.

 

Chinas wirtschaftliche Einordnung hat sich in den vergangenen Jahren vom Schwellenland zu einer führenden Industrienation mit gewandelt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt reiht sich China auf Platz 2 hinter den USA ein. China hat sich dabei sehr stark im HighTech-Bereich positionieren können.

 

Problematisch zu sehen sind allerdings weiterhin die autoritären politischen Strukturen im Land. Zensur und Menschenrechtsverletzungen stehen trotz der zunehmenden Öffnung des Landes noch immer an der Tagesordnung.

 

 

Dicke Luft in China

Atemmasken gehören zum alltäglichen Bild in den Großstädten.

Regelmäßiger Smog-Alarm – Menschen mit Schutzmasken – besonders die Bewohner der chinesischen Millionenstädte leiden unter der starken Luftverschmutzung. Dennoch ziehen Jahr für Jahr Tausende vom Land in die Metropolen, um am wirtschaftlichen Aufschwung und der rasanten technologischen Entwicklung teilzuhaben.

 

Als einer der führenden Industrienationen zeichnet China auch maßgeblich für einen hohen CO2-Ausstoß verantwortlich. Dabei ist der genaue Anteil schwer zu ermitteln. Schätzungen gehen von einer CO2-Emission zwischen 6 und 8 Tonnen jährlich pro Einwohner aus. Teilweise wird China auch gut ein Viertel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen zugeschrieben. Dabei spiele vor allem die starke Nutzung von Kohle in der Schwerindustrie eine belastende Rolle.

 

 

Klima- und Energiepolitik Chinas

China steht daher vor der Herausforderung, den ökonomischen Erfolg weiter auszubauen und gleichzeitig umwelt- und klimaschonender zu wirtschaften. Daher hat sich das Land ehrgeizige Ziele gesteckt, was den Ausbau Erneuerbarer Energien betrifft. Das Land hat den Klimaschutzvertrag der UN-Klimakonferenz von Paris ratifiziert und sich damit verpflichtet, seinen Beitrag zu leisten, um die Erderwärmung wirksam zu stoppen. Darüber hinaus hat China auch ein starkes Interesse daran, die benötigte Energie günstig im eigenen Land produzieren zu können. Entsprechend liegt der Fokus der chinesischen Regierung auf der Realisierung einer nachhaltigen Energiepolitik.

 

Bereits 2013 investiert China mehr in den Ausbau Erneuerbarer Energien als in Kohle und deckte mehr als 20 Prozent seines Strombedarfs durch Wasserkraftwerke, Windkraft- und Photovoltaikanlagen.

 

Besonders stark investierte China dabei in die Sonnenenergie. Mit einer 12 Gigawatt Photovoltaik-Kapazität konnte das Land seine Kapazitäten in diesem Bereich verdoppeln und plant eine jährliche Erweiterung der Kapazität um mindestens 14 Gigawatt.

 

Auch im Bereich der Windenergie zeigt sich China engagiert und hat bis Ende des vergangenen Jahres bereits Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 168, 7 Gigawatt aufgebaut. Mit dieser Leistung nimmt China weltweit die führende Rolle im Bereich Windenergie ein.

 

Für den Ausbau der Wasserkraftwerke hat China enorme Anstrengungen unternommen. Mit dem Drei-Schluchten-Damm am Jangtse, dem drittgrößten Fluss der Erde, hat China das größte Wasserkraftwerk weltweit aufgebaut. Das gewaltige Infrastrukturprojekt zeigt auch den hohen Stellenwert der Stromgewinnung in der nationalen Politik. Schließlich wurden für die Realisierung des Stausees bislang insgesamt 1,3 Millionen Menschen umgesiedelt, schätzungsweise eine weitere halbe Million Menschen müssen folgen, wenn sich der Wasserspiegel anheben wird.

 

 

Ungleichgewicht Industrie und Landwirtschaft

China hat sich im internationalen Rennen um tragfähige wirtschaftliche Lösungen für mehr Nachhaltigkeit gut aufgestellt. Laut Analysen des US-amerikanische Worldwatch Institute gilt China als weltweit führender Produzent von Energiesparlampen, Windkraftanlagen und Photovoltaik-Modulen. Die Entwicklung technologischer Innovationen wird weiterhin durch die starke finanzielle Unterstützung von Forschungsprogrammen von staatlicher Seite begünstigt.

 

Wirtschaftlicher Fortschritt und umweltschonendes Handeln müssen Hand in Hand gehen, um eine nachhaltige Entwicklung zu realisieren. Aber eine nachhaltige Entwicklung basiert auf zahlreichen weiteren Säulen. In China ist – nicht zuletzt durch die starke Fokussierung auf die Industrie und Produktion – eine regelrechte Landflucht zu verzeichnen. Damit gerät das Gleichgewicht zwischen Urbanisierung und einer nachhaltigen Entwicklung auf dem Land – eines der 17 UN-Ziele – aus der Balance. Besonders strukturschwache Regionen Chinas leiden unter dieser Entwicklung. Beispielhaft für die Vernachlässigung der Landwirtschaft ist auch der bereits erwähnte Drei-Schluchten-Damm. Hier wurden die fruchtbaren Böden in der Jangtse-Region der Energiewirtschaft geopfert, die umgesiedelte Landbevölkerung muss zukünftig in weniger ertragreichen Gegenden leben. Schätzungen zu Folge, muss für den gleichen landwirtschaftlichen Ertrag eine fünfmal so große Fläche als am Jangtse bewirtschaftet werden. Angesichts des Bevölkerungsreichtums Chinas eine durchaus kritische Entwicklung.

 

 

Zwischenbilanz der Zielerreichung Chinas

Fit für die Wirtschaft – chinesische Schüler liegen im internationalen Vergleich vorne.

Für eine expandierende Wirtschaftsmacht ist der 76. Rang auf dem Zielerreichungsindex nur ein mäßiges Ergebnis. Für ein Land mit extremen Gegensätzen und einer langen Geschichte als Schwellenland dagegen, ist die Bilanz durchaus beachtlich. Im Gegensatz zu den USA, bei denen im Bewertungssystem der Zielerreichung die Ampel nur zwei mal auf „grün“ stand, kann China hier in drei Bereichen gute Ergebnisse für sich verbuchen: Gut bewertet wird die Qualität der Bildung, der Bereich „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ sowie „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“. Dabei wird jedoch auch deutlich, dass die Teilziele auch genauer unter die Lupe genommen werden müssen. So verzeichnet China zwar nur eine geringe Arbeitslosigkeit, jedoch ist das Land in den vergangenen Jahren eher durch extrem belastende Arbeitsverhältnisse in die Schlagzeilen geraten. Beispielsweise durch den enorm hohen Druck in der Handy-Produktion. Ebenfalls kritisch ist, dass für den Bereich der Kinderarbeit keine Daten vorliegen, die in die Beurteilung einfließen.

 

Immerhin fünf mal steht die Ampel auf „gelb“. Dazu Zählen die Bereiche der Armutsbekämpfung, Gleichberechtigung, der Zugang zu sauberem Wasser, nachhaltiger Konsum und Produktion und schließlich auch der Ausbau sauberer Energie.

 

Extremer Aufholbedarf zeigt sich – aller Anstrengungen im Ausbau Erneuerbarer Energien zum Trotz – noch im Klimaschutz. Außerdem erreicht China desolate Werte im Bereich Schutz der Meere und Gewässer. Weiterhin problematisch bleiben die mangelnden demokratischen Strukturen des Landes, die sich in der ungünstigen Bewertung des Nachhaltigkeitsziels „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“ niederschlägt.

 

 

Entwicklungshilfe und Investitionen

Eine Anforderung der UN ist es, dass die reichen Staaten die ärmeren Länder bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele unterstützen. Auch China hat beim UNO-Nachhaltigkeitsgipfel angekündigt, zwei Milliarden Dollar für einen entsprechenden Entwicklungsfonds bereitzustellen. Das positioniert China als wirtschaftlich erfolgreiche Industrienation. Auf der anderen Seite sind große Teile Chinas selbst noch schwach entwickelt. Damit spiegelt China generell die globale Komplexität wieder, die kaum noch mit den bestehenden Einordnungen und Begrifflichkeiten zu erklären ist. Als hybrides Staatswesen vereint die China Merkmale einer hochentwickelten Volkswirtschaft, eines Schwellen- und eines Entwicklungslandes.

 

Neben Chinas Entwicklungshilfe, investiert das Land bereits seit Jahren in wirtschaftlich wenig entwickelte Staaten Afrikas und Lateinamerikas. Bis 2030 sollen in diese Richtung mindestens zwölf Milliarden Dollar fließen. Dabei beurteilen andere Industrienationen das Engagement Chinas vor allem als Eigennutz und gehen davon aus, dass China so seinen enormen Rohstoffbedarf  und seine aufstrebende Stellung absichern will.

 

 

Ethische und ökologische Ziele gemeinsam erreichen

China ist ein interessanter Fall, denn hier zeigen sich die vielfältigen Widersprüche der Moderne und die Schwierigkeit einer Beurteilung.

 

Das Land bringt sich als eine führende Volkswirtschaft in Stellung und betreibt geradezu vorbildlich den Ausbau Erneuerbarer Energien. Gleichzeitig vergrößern Menschenrechtsverletzungen, Abhängen der Menschen auf dem Land und mangelnde Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung den Abstand zu den Standards vieler westlicher Staaten. Interessant ist daher, wie die einzelnen Staaten ihre Nachhaltigkeitsstrategien weiter umsetzen werden und wie die Platzierungen im nächsten SDG-Index aussehen werden.

 

Klar ist aber auch, dass ökonomische Interessen nicht von ethischen und ökologischen Aspekten abgekoppelt werden können. Das gilt für Volkswirtschaften genauso wie für die ganz individuelle Finanzplanung. Grünes Geld , kompetenter Anbieter nachhaltiger Geldanlagen, bietet daher seinen Kunden ein breites Angebot an sinnvollen Investments, die Unternehmen und Staaten unterstützen, die einen entscheidenden Beitrag für Mensch, Umwelt und Klima leisten.

 

 

 

Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.