Autor: Gerd Junker 17. März 2015

Sonnenfinsternis 20. März 2015: Für die Stromnetze beherrschbar?

Am Freitag den 20. März 2015 werden wir in Deutschland eine eher seltenes Naturschauspiel erleben: eine Sonnenfinsternis. Die Verdunkelung der Sonne stellt die Stromnetze möglicherweise vor eine Herausforderung.

 

Wie entsteht eine Sonnenfinsternis?

Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond zwischen Sonne und Erde. Der Schatten des Mondes verdunkelt damit die Sonne. Übrigens ist die Sonne 400mal größer als der Mond, aber zufällig auch 400mal weiter entfernt. Deshalb erscheinen beide Himmelskörper ungefähr gleich groß am Himmel.

 

Wie häufig tritt eine Sonnenfinsternis auf?

Bei einer Sonnenfinsternis handelt es sich in der Tat um ein eher seltenes Ereignis. Zuletzt trat eine Sonnenfinsternis mit ähnlich großem Verdunkelungseffekt 2003 auf. Die dem 20. März 2015 als nächstes folgende Sonnenfinsternis ist übrigens im August 2026. Die Auswirkung auf die Stromnetze ist übrigens heute  viel größer als 2003, weil damals kaum Photovoltaik-Kraftwerke Strom in die Netze einspeisten. Heute sind alleine in Deutschland rund 38 Gigawatt Photovoltaikleistung vorhanden, ein plötzlicher Ausfall ist also viel stärker zu spüren.

 

Was ist das Thema?

Die ins Stromnetz eingespeiste Photovoltaik-Energie ist immer schwankend, da sie von der Sonneneinstrahlung abhängig ist. Allerdings lässt sich das Wetter einigermaßen gut vorhersagen und in Folge ist auch die Ausgleichsmöglichkeit für die Stromnetzbetreiber relativ einfach. Findet die Sonnenfinsternis am 20. März 2015 bei voller Sonneneinstrahlung statt, würde die eingespeiste Sonnenenergie sehr schnell abbrechen, die Stromnetze hätten plötzlich viel weniger Energie. Am Ende der Sonnenfinsternis gäbe es den umgekehrten Fall: innerhalb kurzer Zeit stünde sehr viel Solarenergie  zur Verfügung und müsste verbraucht werden.

 

Stromlücke bei der Sonnenfinsternis 20.03.2015 (Quelle: Tennet)

 

Kann den Problemen entgegengewirkt werden?

Die Vorbereitungszeit für Sonnenfinsternis war auf Seiten der Stromnetzbetreiber in Deutschland und Europa viele Monate lang. So wurden die Mitarbeiter besonders geschult, die Leitwarten der Stromnetzbetreiber werden verstärkt besetzt werden und nicht zuletzt wird mehr Regelleistung beschafft. In Deutschland stehen normalerweise 4.000 Megawatt positive und negative Regelenergie zur Verfügung (Regelleistung). Das heißt, bei Bedarf kann aus der Reserve sowohl zusätzlich Strom erzeugt werden (z.B. Zuschaltung von Gaskraftwerken oder Pumpspeicherkraftwerken), als auch weniger Strom produziert werden (Abschaltung von Kraftwerkskapazitäten).

 

Produktion und Verbrauch müssen im Einklang sein. Ansonsten kann mit der Regelenergie ausgeholfen werden (Quelle: Tennet)

 

Fazit: Auch mit Photovoltaik-Kapazität ist die Sonnenfinsternis gut beherrschbar

Droht uns also am Freitag, dem 20. März 2015, wegen der Sonnenfinsternis ein Stromausfall? Wohl kaum, denn die Energienetzbetreiber haben ausreichend Vorsorge getroffen, um mit der verfügbaren Regelenergie die Sonnenfinsternis ausgleichen zu können. Außerdem deutet der Wettbericht auf eine Schlechtwetterlage hin, und bei bewölktem Himmel ist die Auswirkung ohnehin wesentlich geringer.

 

 

 

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