Autor: Gerd Junker 27. November 2018

Vorabpauschale ab 2.1.2019: Muss ich handeln?

 

Betrifft: Alle Halter von offenen Investmentfonds in einem Fondsdepot. Es betrifft Sie nicht, wenn Sie die Fonds im Rahmen einer Lebens- oder Rentenversicherung halten oder wenn Sie in Projekte (KG-Beteiligungen, geschlossene Fonds, Genusscheine, Direktinvestments, etc.) investiert haben.

 

Zum 01. Januar 2018 wurde mit dem Investmentsteuerreformgesetz (mehr dazu in unserem Beitrag Investment-Steuer-Reform 1.1.2018: Was Sie als Anleger jetzt tun sollten) eine grundlegende Reform der  Investmentfondsbesteuerung eingeführt. Mit der daraus resultierenden fiktiven Veräußerung und Neuanschaffung  wurden bereits im vergangenen Jahr die ersten wesentlichen Neuerungen der neuen Gesetzesreform umgesetzt.

 

 

Ab dem 02.01.2019 wird nun erstmalig die jährliche Vorabpauschale, vor allem auf thesaurierende Fonds berechnet und die hieraus resultierende Kapitalertragsteuer an das zuständige Finanzamt abgeführt.

 

Die Vorabpauschale stellt keine zusätzliche Belastung dar, sondern dient vielmehr dazu, die im vorangegangenen Jahr erwirtschafteten Erträge einer Mindestbesteuerung zu unterziehen.

 

Im späteren Veräußerungsfall findet eine steuerliche Anrechnung der Vorabpauschale statt.

 

Die Vorabpauschale ist die Differenz zwischen dem sogenannten Basisertrag des Fonds und der Ausschüttung. Sie beträgt 70 Prozent des jährlich vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) veröffentlichten Basiszinses  multipliziert mit dem Wert des Rücknahmepreises (NAV – Net Asset Value) des Fondsanteils zum Jahresbeginn.

 

 

Sie ist begrenzt auf die positive Wertsteigerung des Fonds zuzüglich seiner Ausschüttung. In der nachfolgenden  Tabelle finden Sie drei vereinfachte Beispiele, die Ihnen die Berechnung der Vorabpauschale verdeutlichen sollen.

 

 

Vorabpauschale Basisertrag abzgl. Ausschüttungen, max. jedoch die positive Wertsteigerung zzgl.
Ausschüttungen innerhalb des Kalenderjahres
Basisertrag 0,7 x Basiszins x Rücknahmepreis zum Kalenderjahresbeginn
Basiszins aus
2018
0,87 Prozent
Annahme Am 02.01.2018 festgestellter Rücknahmepreis = 100 €;
keine Ausschüttungen im Kalenderjahr 2018
Beispiel 1
Kurs per 31.12.2018 = 110,00€
(Wertsteigerung 10€)
0,7 x 0,87% x 100€ = 0,60 €
rechnerische Vorabpauschale
Die Vorabpauschale wird vollständig versteuert.
Beispiel 2
Kurs per 31.12.2018 = 100,50€
(Wertsteigerung 0,50€)
0,7 x 0,87% x 100 € = 0,60€
rechnerische Vorabpauschale
Die Vorabpauschale beträgt rechnerisch 0,60€,
jedoch ist sie gedeckelt auf die Wertsteigerung im
Kalenderjahr. Daher werden nur 0,50€
Vorabpauschale versteuert.
Beispiel 3
Kurs per 31.12.2018 = 100,50€
(Wertsteigerung 0,50€)
0,7 x 0,87% x 100 € = 0,60€
rechnerische Vorabpauschale
Die Vorabpauschale beträgt rechnerisch 0,60€,
jedoch ist sie gedeckelt auf die Wertsteigerung im
Kalenderjahr. Daher werden nur 0,50€
Vorabpauschale versteuert.

 

Die berechnete Vorabpauschale wird anschließend mit der zum Jahresende im Depot befindlichen Stückzahl multipliziert und dann dem Kapitalertragsteuerabzug unterworfen. Die steuerliche Behandlung der rechnerisch ermittelten Vorabpauschale stellt sich wie folgt dar:

 

1. Verrechnung mit möglichen Verlustverrechnungssalden.

 

2. Verrechnung mit Befreiungstatbeständen wie z.B. einem ausreichend vorhandenen
Freistellungsauftrag oder einer NV-Bescheinigung.

 

3. Belastung Ihres Kundenkontos, sofern 1. und 2. nicht ausreichend erfüllt sind.

 

Sofern Ihr Kundenkonto kein ausreichendes Guthaben für die Steuerbelastung ausweist, wird Ihr Bank den Steuerabzug nicht ausführen. Stattdessen ist die Bank gesetzlich verpflichtet eine Finanzamtsmeldung abzugeben. Das rückwirkende Einreichen eines Freistellungsauftrages oder einer NV-Bescheinigung sowie ein im Nachhinein realisierter Verlust aus Veräußerungsgeschäften führen nicht zu einer Rücknahme der bereits erfolgten Finanzamtsmeldung.

 

Diese Meldung löst für Sie als Kunden ggf. die Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das betreffende Steuerjahr aus. Wir empfehlen Ihnen daher, bereits einige Tage vor dem Jahresende für ein ausreichendes Guthaben auf Ihrem Verrechnungskonto bei der Bank Sorge zu tragen (sofern Sie nicht über Freistellungsantrag oder Nichtveranlagungsbescheinigung der Besteuerung entgehen).

 

Die tatsächliche Höhe der Vorabpauschale hängt von verschiedenen, auch individuellen Faktoren wie bspw. der fondsspezifischen Teilfreistellungsquoten ab. Ein Teil dieser Faktoren wird erst zum Zeitpunkt der Buchung vorliegen. Für eine individuelle Abschätzung, ob und in welcher Höhe Sie von der Vorabpauschale  betroffen sind, ist es ggf. empfehlenswert, dass Sie sich mit Ihrem Steuerberater in Verbindung setzen.

 

Sind Sie Kunde bei der FIL Fondsbank (FFB)?

 

Viele unserer Mandanten besitzen ein Depot als Verwahrstelle Ihrer Investmentfonds bei der FIL Fondsbank, kurz FFB. Wenn eine Vorabpauschale bezahlt werden muss, wird die FIL Fondsbank diese bei normalen Depots (Produktname: Fondsdepot) durch den Verkauf von Fondsanteilen einziehen.

 

Wenn eine Vorabpauschale bezahlt werden muss und Sie besitzen ein Depot mit Abwicklungskonto (Produktname: FondsdepotPLUS), wird die FIL Fondsbank die Vorabpauschale vom Abwicklungskonto einziehen. In diesem Fall sollten Sie vorab dafür sorgen, dass ausreichend Deckung auf dem Abwicklungskonto vorhanden ist.

 

 

 

Zuviel von den Steuer-Fragestellungen? Vielleicht sollten Sie Ihre Fonds im Versicherungsmantel halten … oftmals die bessere Variante. Hier mehr zur Lösung im  Versicherungsmantel

 

Portraitfoto Gerd Junker Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.
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