Autor: Gerd Junker 2. Dezember 2011

Weiterer wichtiger Punkt für die „neue Bank“

Die nachhaltige Triodos Bank stellt in Ihrem Blog-Beitrag „Wir fordern zu neuem Denken über Bankwesen auf“ 6 Thesen und Forderungen für eine „neue Bank“ auf. Hier die 6 Forderungen.

1. Die Bank konzentriert sich wieder auf ihre Kernaufgabe, für die sie durch die Gesellschaft beauftragt worden ist: Einlagen einsammeln und hiermit Kredite vergeben.

Alle weiteren Aufgaben, die viele Banken heute betreiben, speziell riskante Investments, müssen von diesem Kerngeschäft abgespalten werden. Selbst dann gilt jedoch: Keine Spekulation. Derivative Produkte sind aufzugeben, solange sie nicht unmittelbar der Finanzierung der Realwirtschaft dienen. Der Eigenhandel ist einzustellen.

2. Die Bank ist transparent. Dem Kunden und anderen Interessensgruppen ist zu jeder Zeit klar, was die Bank finanziert bzw. in was sie investiert, wie sie ihre Erträge und Rendite erwirtschaftet, welche Risiken sie hierbei eingeht und wie sie diese managt.

3. Die Bank ist mittelständisch. Dies geht einher mit einer thematischen (Bsp. Nachhaltigkeit)  bzw. geographischen Spezialisierung.

Denn Größe ist kein Selbstzweck. Deshalb sollte gelten: Umso größer eine Bank, umso mehr Eigenkapital muss sie vorweisen. Mit Größe der Bilanzsumme sollten insgesamt die Eigenkapitalanforderungen steigen.

4. Die Bank handelt nicht nur im Interesse ihrer Anteilseigner, aber auch im Interesse anderer Anspruchsgruppen, insbesondere Kunden und Mitarbeiter.

Die Bank ist sich ihres gesellschaftlichen Auftrages bewusst. Ihr Ziel ist nicht die kurzfristige Profitmaximierung, sondern die Maximierung der Nachhaltigkeit als Einklang von Mensch, Umwelt und Wirtschaft.

5. Die Bank hat klare Ausschlusskriterien, was sie aus ethisch-ökologischen Gründen nicht finanziert. Diese werden veröffentlicht und die Bank lässt sich hieran messen. Die Bank sollte in ihrer Finanzierungs- und Investitionstätigkeit auch nachhaltige Unternehmen und Projekte einschließen.

Risiken müssen minimiert und kontrolliert werden. Denn es ist die oberste Pflicht der Bank, ihre kontinuierliche Rolle als Finanzierer der Realwirtschaft nicht unnötig zu gefährden.

6. Die Bank wird von Bankern geführt, die sich ihrer wichtigen gesellschaftlichen Rolle bewusst sind und diese auch erfüllen können. Sie denken in Beziehungen, nicht in Transaktionen. Sie denken langfristig, nicht kurzfristig und machen ihre Handlungen transparent.

 

Die Punkte sind wichtig und richtig. Gerade der 1. Punkt, nämlich die Rückbesinnung auf die Kernaufgabe „Vergabe von Krediten“, ist der Dreh- und Angelpunkt. (Weshalb Einlagen einsammeln eine Kernaufgabe sein soll, ist mir dabei allerdings nicht bewusst – aber das ist möglicherweise der Tatsache geschuldet, dass die Authorin von einer Bank ist und Banken nach Eigenkapital suchen).

 

Um die Wirksamkeit der aufgeführten Punkte sicherzustellen, fehlt ein entscheidender Gedanke. Die Situation ist nämlich vergleichbar mit einem Kind, das mit der Mutter vereinbart, was es im Spielzimmer alles machen darf, und was nicht. Zum Beispiel ist das Bemalen der Wände verboten. Solange die Mutter dabei ist, wird sich das Kind sicher daran erinnern, die Wände nicht zu bemalen. Aber wenn die Mutter zum Telefon geht und z.B. 1 Stunde mit einer Freundin telefoniert, dann könnte das Kind doch auf die Idee kommen, in einer schlecht einsichtigen Ecke die Wände zu bemalen. Weil die Kontrolle fehlt. Das Verhalten ist nur allzu menschlich.

 

Deshalb sollte die „neue Bank“ unbedingt auch Punkt 7 erfüllen:

 

7. Das Funktionieren des Bankwesens in der Volkswirtschaft ist elementar wichtig. Es liegt deshalb im vitalen Interesse des Staates, diesen Bereich stark zu reglementieren und stark zu kontrollieren. Es wird deshalb eine strenge Regulierung und eine strenge Kontrolle des Finanzsektors direkt durch den Staat eingeführt.

 

Denn eines ist klar: ein Kind, das gesehen hat wie schön es ist Wände zu bemalen, wird eher dazu neigen, die Wände nochmals zu bemalen. Dieses Kind braucht für eine Übergangszeit eine recht häufige Aufsicht durch die Mutter. So müssen die Banken für die nächsten Jahre ebenfalls sehr stark regulierte und kontrolliert werden – es muss wieder das Bewusstsein des „banking is boring“ entstehen. Dann werden die „Zocker-Naturen“ die Branche auch wieder meiden und es wird eine Normalisierung einkehren.

 

 

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