Autor: Gerd Junker 11. Oktober 2018

Weltklimarat mit alamierender Studie: 2 Grad sind untragbar

Zusammenfassung: Bereits 1988 wurde der Weltklimarat (IPCC)  als wissenschaftliches Gremium und zwischenstaatliche Austauschplattform gegründet. Am 8. Oktober 2018 stellt er seinen neuesten Bericht vor. Gedacht war der Bericht als reine Formsache, denn als man 2015 das offizielle 2-Grad-Ziel gegenüber der vorindustriellen Zeit als Kompromiss definierte, hat man gleichzeitig den Auftrag erteilt zu untersuchen, ob das ursprünglich angedachte 1,5-Grad-Ziel viel Verbesserung gebracht hätte. Die Überraschung: ja, der Unterschied von 1,5 Grad auf 2,0 Grad ist gewaltig.

 

 

 

 

 

 

 

Was sagt der Bericht des Weltklimarates aus?

 

Zunächst einmal muss festgestellt werden, von welcher Tiefe die Untersuchungen getragen waren. Immerhin 91 Autoren aus 40 Ländern haben über 6000 Quellen von 133 Wissenschaftlern ausgewertet. Ein Aufwand wie er praktisch nur von staatlichen oder multinationalen Stellen wie der UNO betrieben werden kann.

 

Der Auftrag war festzustellen, ob die Unterschiede einer 2-Grad-Erwärmung gegenüber einer 1,5-Grad-Erwärmung so groß seien.

 

Zunächst stellte der Vorsitzende des Weltklimarates, Hoesung Lee, fest, dass wir bereits heute die Auswirkungen einer 1-Grad-Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter erleben. Extreme Wetterereignisse, steigende Meeresspiegel und die immer weiter abnehmende Eisflächen der Arktis sind messbar und für jeden nachvollziehbar.

 

Welche konkreten Ergebnisse hatte der Bericht aber bezüglich des Unterschieds zwischen dem 2,0-Grad- und dem 1,5-Grad-Anstiegs?

 

Zum Beispiel würde der Meersspiegel 10 cm weniger ansteigen bei einer 1,5-Grad-Begrenzung. Eine eisfreie Arktis im Sommer würde bei 1,5 Grad nur 1x pro Jahrhundert vorkommen, bei 2,0 Grad dagegen 1x pro Jahr.

 

Noch heftiger der Effekt bei Korallen: bei einem 1,5 Grad Anstieg würden die Korallen um 70 bis 90 Prozent reduziert, bei einem 2,0 Grad Anstieg verschwänden Sie praktisch komplett (99% Reduktion).

 

Jedes Zehntel höherer Temperaturanstieg  erhöht dabei die Risiken einer ewig andauernden Schädigung, wie beispielsweise das Verschwinden kompletter Eco-Systeme.

 

Weshalb der Weltklimarat die Situation verschlimmert

 

Obwohl der Bericht des Weltklimarates eindringlich vor den Folgen des Klimawandels warnt und zu deutlich stärkeren Maßnahmen rät, führt er zu den falschen Schlussfolgerungen.

 

Angesichts der dramatischen Folgen müssten viel weitreichendere Maßnahmen beschlossen werden. Denn der Bericht „erlaubt“ weiterhin Treibhausgas-Emissionen, bis das 1,5-Grad-Erwärmungsziel erreicht sei.

 

Dabei ist der heutige 1-Grad-Zustand schon kaum zu verkraften. Die Zerstörungen der Umwelt sind unhaltbar und bereits heute haben über 20 Millionen Menschen ihre ursprünglichen Lebensräume verlassen – die Lebensgrundlagen dort sind zerstört. Bezeichnend dafür ist die afrikanische Region um den inzwischen fast ausgetrockneten Tschadsee, wo alleine zwei Millionen Menschen wegen Jahrzehnte langer Dürre fliehen mussten.

 

Die Klimaflüchtlinge aus Afrika sind bereits heute viel zu viele für Europa: der ganze Kontinent ist gespalten, seit 2015 die Flüchtlingszahlen anstiegen. Wie wird das bei 1,5 Grad oder gar 2,0 Grad Erwärmung werden?

 

Desweiteren hat der Weltklimarat ein Kohlenstoffbudget „erlaubt“, was die Menschenheit noch emittieren darf. Dieses wurde gegenüber dem Bericht von vor fünf Jahren sogar noch vergrößert! Demnach müssten die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 nur um 45 Prozent unter das Niveau von 2010 fallen, bis 2050 müssten sie netto bei 0 liegen.

 

Darauf können sich die großen Emittenten von Treibhausgasen berufen – man müsste ja nicht sofort, sondern erst bis 2050 auf null Emissionen kommen. Auch eine Regierung Merkel wird das Argument ins Felde führen, wenn erneut klimaschädliche Beschlüsse getroffen werden.

 

Zum Beispiel hat sich Deutschland in der Umweltpolitik europaweit isoliert. Beim großen Treffen der EU-Umweltminister am 9. Oktober 2018 wurde klar: Die meisten von ihnen sind deutlich ehrgeiziger als BMW, Daimler, VW und Angela Merkel. Sie wollten den Kohlendioxidausstoß der Neuwagenflotten bis 2030 um 40 Prozent senken. Die deutsche Autoindustrie und die deutsche Kanzlerin fanden, 30 Prozent genügen auch. Die Große Koalition ist eben groß in Sachen Ambitionslosigkeit, der Komprosmiss sieht nun -35 Prozent vor.

 

Genau dieses Vorgehensweis, nämlich dass ja heute ruhig noch ein bisschen CO2  emittierte werden könne, führt zum vollkommenen Versagen der Klimapolitik weltweit. Die Botschaft hätte stattdessen sein müssen, dass möglichste schnell das Nullemissionsziel erreicht werden müsse und dass kein Tag länger unnötig Treibhausgase emittiert werden.

 

 

 

Gerd Junker ist Co-Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Gerd Junker: „Wir leben was wir tun! Und das ist ganz einfach, denn der doppelte Nutzen von grünen Geldanlagen ist überzeugend – die Welt verbessern und Rendite erhalten.“ Mehr zu ihm und Grünes Geld auf auf Xing, Facebook oder Twitter.
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