Autor: Gerd Junker 17. Oktober 2011

Weltweite Proteste gegen Banker: Gelingt der Politik nun die Wende?

Endlich ist es soweit, endlich stehen die Bürger auf und wehren sich gegen die Fesseln einer viel zu mächtigen, viel zu starken Banken-Branche. Denn von nachhaltigem Investment ist dort nicht zu finden. In ca. 80 Ländern der Erde hieß das Motto der Demonstrationen: „Wir sind 99%“. Und damit ist viel ausgedrückt – denn die 1% der Banker treiben die 99% der restlichen Bevölkerung durch ihr Handeln in immer höhere, und immer schwieriger zu beherrschende Schuldensituationen.

 

Um zu verstehen was in der Finanzwelt geschieht, sollte man zunächst den Blick in die Vergangenheit richten. Noch in den 60er Jahren waren die Bankmitarbeiter normal bezahlt – so wie andere Angestellte und Manager eben auch. Das Bankensystem war – seit den 1929er Finanzverwerfungen – stark reguliert und konzentrierte sich auf seine Kernaufgabe: die Versorgung der Realwirtschaft mit Krediten.

 

Anfang der 80er kam die Wende. Marktliberale Politiker wie Reagan und Thatcher deregulierten den Bankensektor. Alles änderte sich. Quasi ohne Grenzen entwickelte sich eine Finanzwirtschaft, die sich nur noch nebenbei mit der Kreditvergabe an die Realwirtschaft beschäftigte. Während früher die Geldströme gleich groß waren wie die Warenströme, werden heute nur noch 1-5 Prozent der Geldströme durch Warenströme gedeckt. Der Rest: Finanztransaktion ohne wahren Wert für die Menschen.

 

Occupy Wall Street Proteste

Weltweit gehen die Menschen auf die Straße. Es ist wichtig, dass die Finanzwelt strengere Regeln auferlegt bekommt.

Diese Finanzwirtschaft lässt über die Jahre auch immer gierigere Mitarbeiter und Manager entstehen – quasi eine Folge dessen, dass man ohne Grenzen spekulieren und Geld verdienen kann. Wie gesagt, in den 60er verdienten Banker soviel wie die anderen. Heute: im Jahr 2007 lag der durchschnittliche (!) Bonus pro Banker an der Wall Street bei 200.000 Dollar! Und wer dachte, die 2008er Finanzkrise würde das ändern, muss sich die Augen reiben – außer einer kurzen Delle ist nichts geblieben, Boni sprudeln wie zu besten Zeiten.

 

Andere Indizien für eine aus den Fugen geratene Branche gefällig? Die Rendite auf das eingesetzte Kapital will Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, bei 25% sehen. Das ist sein Ziel. Sie investieren 1000 Euro in die Deutsche Bank und erhalten jährlich 250 Euro dafür zurück. Das klingt fast zu schön um wahr zu sein, oder? Der Hintergrund: solche Zahlen können in etablierten Branchen nur erzielt werden, wenn etwas massiv aus dem Gleichgewicht geraten ist. Denn diese Gewinn müssen auf Kosten anderer gehen – irgend jemand muss das ja bezahlen. Bei den Banken ist das immer mehr der Staat, als wir Bürger. Beispiel: die Banken leihen Griechenland Geld. Weil Griechenland gefährdet ist, verlangen sie dafür sehr hohe Zinsen. Wenn Griechenland die Gelder nicht zurück zahlen kann, müsste die Bank das Geld abschreiben. Aber dafür hat es ja auch die überhöhten Zinsen gegeben. In der Realität ist es aber so, dass die Bank nun den Staat zur Hilfe ruft und von ihm das Geld für die Griechenlandkredite zurück haben möchte (oder indirekt eine Rettung Griechenlands fordert, im Effekt das Gleiche).

 

Sie denken jetzt, naja, die Deutsche Bank, das sind die großen, die Investment-Banker. Das hat nichts mit mir zu tun. Aber Achtung – hier das Ziel von Dietrich H. Hoppenstedt, Präsident des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, am 29. September 2008 für seine Organisation: Eigenkapitalrendite 15%. Also  auch die ach so braven und biederen Sparkassen, ursprünglich einmal geschaffen um die ärmeren Teile der Bevölkerung mit Krediten und Bankdienstleistungen zu versorgen, haben als primäres Ziel die Rendite vor Augen.

 

Wir müssen also umdenken – radikal. Die Banken müssen wieder tun, wofür sie volkswirtschaftlich gebraucht werden: Kredite für die Realwirtschaft vergeben. Dazu brauchen wir eine starke und mutige Politik. Das ist schwierig. Denn wenn die Banken den Wahlkampf von Politikern finanzieren, werden sich die Politiker schwer tun, gegen die Banken vorzugehen. Genau das ist der Grund, weshalb seit 2008 in Bezug auf Bankenregulierung noch nichts Zählbares geschehen ist.

 

Deshalb sind die Proteste gegen die Banken so wichtig: sie können der Politik die Kraft und die Legitimierung geben, gegen die allzu mächtigen Banken vorzugehen. Jeder sollte deshalb das seine tun, das Umdenken zu beschleunigen. Gehen Sie zu den Protesten, beteiligen Sie sich an Unterschriftenaktionen, setzen Sie ein Zeichen!

 

Eine wichtige Möglichkeit, seine Macht auszuspielen, hat der Bürger auch durch seine bewusste, nachhaltige Geldanlage. Investieren Sie Ihr Geld nicht mehr nur einfach so und einfach irgendwo – investieren Sie in Ökofonds, Umweltfonds, soziale Fonds oder in Erneuerbare Energien Fonds. Weg von den rein renditegetriebenen Gier-Banken, hin zu den verantwortungsvollen. Hin zu denen, die Unterstützenswertes fördern und Schlechtes durch Abschneiden von den Finanzströmen austrocknen. Seien Sie dabei.

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